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Es werden Posts vom Juli, 2012 angezeigt.

Wie viele bayerische Ortschaften werden in der Bibel erwähnt? (2)

Angestoßen durch die vor einem Jahr referierten Forschungen zur Erwähnung bayerischer Ortschaften in der Bibel wurde das  Institut für bayerisch-biblische Textforschung gegründet, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Studien auf dem genannten Gebiet voranzutreiben. Dabei zeigte sich, dass dem bereits damals erwähnten  Codex Aloisii Bavarensis rescriptus eine herausragende Bedeutung zukommt: Er bietet, verglichen mit dem Hauptstrom der Textüberlieferung, zahlreiche Sonderlesarten, die aber in vielen Fällen Anspruch auf Ursprünglichkeit erheben können. 

Allerdings ist es auch diesem Codex nicht gelungen, alle preußischen Einträge in der Texttradition rückgängig zu machen. So wird in Ps 137,2 eine bayerische Stadt ausgerechnet nach Babylon verlegt:
»Wir hängten unsre Harfen an die Weidenin jenem Land.« Diese Verbindung ist umso erstaunlicher, als Berlinangesichts des Buchstabenbestandes eindeutig besser als Chiffre fürBabylonfungieren könnte. Nicht jedes Rätsel der Textüberlieferung l…

Sonntagsevangelium (36)

17. Sonntag im Jahreskreis (B): Joh 6,1-15
Der Evangelist Johannes lässt in die Erzählung von der Speisung der 5000 einige Merkmale einfließen, die für seine Jesus-Darstellung typisch sind und in den Fassungen der anderen Evangelien fehlen. Dies betrifft zunächst den Grund des Zuspruchs, den Jesus bei den Volksscharen findet: die Zeichen, die Jesus an den Kranken gewirkt hat (6,2). Dass die Wunder Jesu in positivem Sinn Zeichen genannt werden, ist eine Eigenheit des Johannes-Evangeliums. Bei Markus, Matthäus und Lukas erscheint dieser Begriff nur im Zusammenhang der Zeichenforderung: Jesus soll seine Sendung durch eine Wundertat beglaubigen - ein Ansinnen, dem nie entsprochen wird (z.B. Mk 8,11-13). Johannes macht mit seiner Redeweise auf den zeichenhaften Sinn der Wunder Jesu aufmerksam: Sie weisen hin auf die Bedeutung des Wundertäters und wollen den Glauben an ihn hervorrufen (z.B. Joh 2,11). Das ist auch Ziel der Brotvermehrung. Mit ihr beginnt ein thematischer Bogen, der in der B…

Sonntagsevangelium (35)

16. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 6,30-34

In dem kurzen Stück, das zur Speisung der 5000 führt, greift Markus den Erzählfaden der Jüngeraussendung auf. Die Jünger kehren zurück und berichten von ihren Erfahrungen. Näheres wird allerdings nicht mitgeteilt. Im Grunde wird nur die zusammenfassende Aussage von 6,12f aufgegriffen und im Rückblick noch weiter verkürzt. Das Wirken in Wort und Tat wird nur im Rahmen eines Berichts an Jesus erwähnt, aber nicht für die Leser entfaltet. An solchen Details ist der Evangelist nicht interessiert. Ein plastisches Bild lässt er nur für die Rückkehrszene entstehen: Der Rückzug Jesu mit den Jüngern bringt nicht länger als für die Zeit der Überfahrt im Boot etwas Ruhe, weil die zu Jesus drängende Menge ihnen auf dem Landweg zuvorkommt.

Der Abschnitt enthält so viele Züge, die für das Markus-Evangelium typisch sind, dass man annehmen muss: Der Evangelist hat diese Einleitung im Wesentlichen selbst gestaltet. 

Wer ist hier nicht ganz dicht?

Die Metaphorik vom Undichten lässt sich auf verschiedene Art einsetzen. Die »Vatileaks-Affaire« gibt seit einiger Zeit Anlass für den wohl häufigsten Gebrauch: im Zusammenhang mit Geheimnisverrat. Das Satire-Magazin Titanic griff die Metaphorik auf und bezog sie in einer Fotomontage ohne metaphorischen Sinn auf Blasen- und Schließmuskelschwäche des Papstes. Ob die Redaktion dabei selbst ganz dicht war oder an Synapsen-Inkontinenz litt, wird nun seit einigen Tagen diskutiert. Auslöser der Diskussion ist ein Urteil des Landgerichts Hamburg: Es hat einer Klage des Papstes stattgegeben, der seine Persönlichkeitsrechte verletzt sah, und eine einstweilige Verfügung erlassen, die es Titanic verbietet, das Bild weiter zu verbreiten.  

Der Deutsche Journalisten-Verband hat das Urteil kritisiert, er sieht »die Freiheit der Satire« verletzt. Die Darstellung sei legitim, denn: Der Papst »wurde von Titanic als Sinnbild für die Kurie des Vatikan mit satirischen Mitteln an den Pranger gestellt, der d…

Sonntagsevangelium (34)

15. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 6,7-13

In der Aussendung der Zwölf wird eine der beiden Funktionsbestimmungen aufgegriffen, die sich im Markus-Evangelium mit der Berufung des Zwölferkreises verbindet: Sie sollen  bei Jesus sein, aber auch ausgesandt werden (3,14). 

Verglichen mit den Aussendungsreden bei Matthäus und Lukas sind die Anweisungen zur Reiseausstattung der Boten in der Fassung des Markus etwas gemildert: Es ist ihnen erlaubt, einen Stab mitzunehmen und Sandalen zu tragen (Mk 6,8f; anders Lk 9,3; 10,4). Es ergibt sich aber auch bei Markus der Eindruck äußerster Bedürfnislosigkeit, denn jegliche Vorsorge für den Reiseproviant wird abgelehnt: nicht nur die Mitnahme von Brot, sondern auch einer Vorratstasche, in der man unterwegs erbettelte Nahrung oder Münzen hätte verstauen können (6,8). 

»Aber von dem hier wissen wir, woher er stammt« (Joh 7,27)

In die Jubelarien zur Ernennung von Bischof Gerhard Ludwig Müller zum Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre mischen sich nicht nur kakophonische Trillerpfeifen aus dem Lager der Piusbrüder. Auch weniger extreme Kreise wechseln zumindest für einige Takte in die Moll-Tonart. Denn die Biographie des Neuernannten weist ein Kennzeichen auf, das manche als Makel deuten: Er ist Schüler von Karl Lehmann. Da dies in der Leserschaft von kath.net geradezu als Charakterfehler gewertet werden kann (s. Marcus; Dismas; jean-louis) sieht sich Armin Schwibach zu einer Verteidigung veranlasst, die zumindest das Potential hat, als weiterer Tritt ans Schienbein des Kardinals verstanden zu werden: 

Sonntagsevangelium (33)

14. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 6,1b-6

Der Auftritt Jesu in der Synagoge von Nazaret (6,1f) beginnt zunächst wie das erste öffentliche Wirken in der Synagoge von Kapharnaum (1,21f): Jesus lehrt am Sabbat, und die Zuhörer geraten über seine Lehre ins Staunen (diese Reaktion ist im Urtext, anders als in der Einheitsübersetzung, in beiden Fällen mit demselben Wort bezeichnet). Das Staunen führte in Kapharnaum zur positiv gemeinten Frage nach Jesu Lehre und Person (1,27f), in Nazaret dagegen steht am Ende die Ablehnung Jesu (6,3). Die Zuhörer fragen hier nach dem »Woher« von Jesu Weisheit und Machttaten; und da sie über die (irdische) Herkunft Jesu bestens unterrichtet sind, akzeptieren sie nicht, dass Jesus in göttlicher Vollmacht wirkt.