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Es werden Posts vom Dezember, 2012 angezeigt.

Sonntagsevangelium (58)

Sonntag in der Weihnachtsoktav - Fest der Hl. Familie (C): Lk 2,41-52

In dieser Woche ein etwas später, dafür aber kurzer Beitrag

Die Kindheit Jesu hat in nachneutestamentlicher Zeit die religiöse Phantasie stark beschäftigt. Im Neuen Testament gibt es nur eine Geschichte vom heranwachsenden Jesus: der Zwölfjährige im Tempel. Sie zeichnet jedoch, anders als die späteren »Kindheitsevangelien«, nicht das Bild eines vielfältig wundertätigen Jungen. Entscheidend ist der Bezug auf Jesu Sendung. Das erste Wort, das Jesus im Lukas-Evangelium spricht, verweist auf seine besondere Gottesbeziehung (2,49). Dabei kontrastiert die Wendung »mein Vater« wirkungsvoll mit dem Wort Marias: »Dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht« (2,48). Mit dem Hinweis, er müsse in dem sein, was seinem Vater gehört, unterstellt sich Jesus dem göttlichen Willen, wie in seinem ganzen späteren Weg – bis zum Kreuz (z.B. 4,43; 9,22). 
Dass Jesus dieses Wort im Tempel spricht, ist ebenfalls von Bedeutung. Hier spi…

Weihnachtsgruß

Allen, die in diesen Tagen hier vorbeischauen, wünsche ich von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest. Einen neuen Beitrag gibt es heute nicht, nur den Verweis auf die Ausführungen zur Weihnachtsgeschichte vom vergangenen Jahr.

Außerdem füge ich noch einen Link auf das Weihnachtsdossier des Münchner Kirchenradios an, in dessen Rahmen ich auf einige Fragen zum Weihnachtsfest aus neutestamentlicher Perspektive eingehe.

Frohe Festtage!

Sonntagsevangelium (57)

4. Adventssonntag (C): Lk 1,39-45

Der Besuch Marias bei Elisabet verbindet die Vorgeschichte des Täufers mit derjenigen Jesu, in einer kleinen Szene, in deren Zentrum die Worte der beiden Frauen stehen (das Magnificat Marias gehört eigentlich zur Szene dazu: 1,46-55). Die Notizen des Erzählers stellen den Rahmen bereit, bieten aber keine szenischen Details: Das Motiv für die Reise wird nicht erwähnt, die ausführlich erzählte Begegnung zwischen Maria und Elisabeth geht nicht über das anfängliche Zusammentreffen bei der Ankunft Marias hinaus. Danach folgt nur noch die Notiz, Maria sei drei Monate bei Elisabet geblieben (1,56).

Sonntagsevangelium (56)

3. Adventssonntag (C): Lk 3,10-18
Dass Johannes eine »Taufe der Umkehr« verkündet hat, wird bei der Wiedergabe der Täuferpredigt im Lukas-Evangelium mit konkreten Inhalten gefüllt. Diese entfalten, was man unter den »Früchten der Umkehr« (3,8) verstehen soll.

Zunächst ergeht eine allgemeine Weisung an die Volksmenge. Sie zielt darauf, der Not des anderen abzuhelfen, wenn man mehr besitzt - nicht nur, wenn man reich ist (3,11). Danach kommen zwei Berufsgruppen an die Reihe, die leicht ihre Machtposition ausnützen konnten: Zöllner, eigentlich Abgabenpächter, unterlagen beim Eintreiben der Abgaben keiner Kontrolle und konnten so recht willkürlich agieren; die Möglichkeiten der bewaffneten Soldaten zum Machtmissbrauch sind offenkundig. Beiden Gruppen wird gesagt, dass sie auf diese Möglichkeiten verzichten sollen. Auch die Mahnung an die Soldaten, sich mit dem Sold zu begnügen, gehört in diesen Zusammenhang, ist also in erster Linie nicht Aufruf zur Genügsamkeit, sondern die Aufforderung, …

Sonntagsevangelium (55)

2. Adventssonntag (C): Lk 3,1-6 In allen vier Evangelien bereitet Johannes der Täufer das Wirken Jesu vor, aber nur Lukas verbindet das Auftreten des Täufers mit einer ausführlichen Zeitangabe: Fünf politische Herrscher, dazu Hannas und Kajaphas als religiöse Autoritäten stellen den Rahmen für die Berufung des Johannes dar (3,1f). Zwar ist eine derart umfassende zeitliche Einordnung auch im Lukas-Evangelium einmalig, aber das Interesse an der Verbindung mit weltgeschichtlichen Daten ist auch an anderen Stellen zu erkennen: Der Beginn der Erzählung wird in der Zeit des Herodes angesetzt (1,5), ein Erlass des römischen Kaisers gibt den Rahmen für die Geschichte der Geburt Jesu ab (2,1); im Werk des Lukas, zu dem die Apostelgeschichte als zweiter Teil gehört, treten häufig Vertreter der politischen Macht auf (s. Lk 23,6-12; Apg 12,1f.18-23; Apg 24-26). Die Angabe in 3,1f ordnet sich nicht nur in das genannte Interesse ein, sondern spannt auch insofern einen Bogen in das zweite Buch, als …

Das verweigerte »Interview«

Dass der Einsiedelner Abt Martin Werlen ein Interview mit kath.net verweigert hat, ist von der Redaktion noch einmal aufgegriffen worden. Dabei wurde bekannt, dass die Absage die Rücknahme einer Zusage war. Nun kann man den Ärger der Redaktion über die Absage insofern besser verstehen, als sie sich mit der Vorbereitung des Interviews Arbeit gemacht hat. Noch besser verstehen kann man allerdings angesichts der nun veröffentlichten Fragen die Interview-Absage: Wie auf der Grundlage dieser Fragen ein Gespräch zustandekommen soll, ist ein Rätsel, das die Kommunikationswissenschaft erst noch lösen muss.

Damit es nicht bei der bloßen Behauptung bleibt, übernehme ich hier einmal fiktiv die Beantwortung des vorbereiteten Fragekatalogs. Natürlich weiß ich nicht, wie Abt Werlen geantwortet hätte. Ich bin mir aber recht sicher: Hätte er so geantwortet, wie nachfolgend vorgeschlagen, wäre das Interview auch nicht erschienen.

Sonntagsevangelium (54)

1. Adventssonntag (C): Lk 21,25-28.34-36
Zu Beginn der Adventszeit richtet sich der Blick auf die »zweite Ankunft« Christi. Diese Perspektive bestimmte auch das vorletzte Evangelium des vergangenen Kirchenjahres, und so ist der erste Teil des heutigen Evangeliums (Lk 21,25-28) die Parallele zu einem Abschnitt aus dem Text, der kürzlich gelesen wurde (Mk 13,24-27).
Auch bei Lukas zeigt sich im dem Konzept der »endzeitlichen Wehen« die Prägung durch apokalyptische Tradition: Erdbeben, Hungersnöte, Kriege, Erschütterung der kosmischen Ordnung – Katastrophen, in denen sich die Geburt der neuen Welt Gottes ankündigt. Solche Visionen dienten vor allem der Bewältigung einer notvollen Gegenwart, in der Hilfe allein von Gott zu erwarten ist, nicht aber aus einer Vollendung der menschlichen Geschichte (zur eingehenderen Diskussion s. hier).