31. Mai 2013

Sonntagsevangelium (79)

9. Sonntag im Jahreskreis (C): Lk 7,1-10

Die Geschichte vom Hauptmann von Kapharnaum ist eines der wenigen Erzählstücke, die Matthäus und Lukas nicht dem Markus-Evangelium, sondern wahrscheinlich ihrer zweiten Quelle, der nicht erhaltenen Spruchquelle Q, entnommen haben. Die Grundstruktur ist in beiden Fassungen (Mt 8,5-13; Lk 7,1-10) gleich, jedoch finden sich auch einige nicht nebensächliche Unterschiede.

Die Erzählung weist Züge einer Heilungswundergeschichte auf, es kommt ja schließlich auch zur Heilung des todkranken Dieners des Hauptmanns; sie bietet aber auch entfaltete dialogische Elemente, so dass die Heilungstat nicht im Zentrum steht. Mittlerfiguren spielen eine so starke Rolle, dass es bei Lukas in der ganzen Erzählung nicht zu einem direkten Kontakt zwischen Jesus und dem Hauptmann kommt.

27. Mai 2013

Who's who (12) - Lösung

Der Gesuchte tritt im Neuen Testament erstmals als Garderobenmann in Erscheinung. Lange bleibt er nicht in dieser Stellung, sondern widmet sich bald einer weniger harmlosen Tätigkeit, die ihn weiter nördlich führt (der ganze Text hier).

24. Mai 2013

Sonntagsevangelium (78)

Dreifaltigkeitssonntag (C): Joh 16,12-15 

Die Zukunft der Gemeinde unter dem Wirken des Geistes – dies ist das Leitthema des Abschnitts aus dem Johannes-Evangelium. Im Vergleich zum Text vom vergangenen Sonntag scheint auf den ersten Blick aber die Rückbindung des Geistes an das Wirken Jesu aufgegeben: Erst der Geist wird die Jünger in die ganze Wahrheit einführen; und er wird verkünden, was kommen wird (16,12f). Doch hat der Geist damit keine von Jesus unabhängige Bedeutung, wie die Fortsetzung klärt. Seine Verkündigung ist von dem genommen, was Jesus gehört (16,14). Dieses wiederum ist nicht unabhängig vom Vater: »Alles, was der Vater hat, ist mein« (16,15). 

Dem Evangelisten geht es bei diesen Aussagen nicht um eine Betrachtung des dreieinen Wesens Gottes; er will vielmehr festhalten, dass sich Gott in Jesus Christus geoffenbart hat. Diese Offenbarung bleibt durch die Zeiten hindurch zugänglich durch das Wirken des Geistes. Dass dem Geist zunächst scheinbar eigenständige Bedeutung zugemessen wird, dürfte mit der besonderen Absicht des Johannes an dieser Stelle zusammenhängen: Er betont vor allem die noch offene Zukunft, auf die hin die Gemeinde der Glaubenden zugeht. Was auf ihrem Weg auf sie zukommt, kann sie mit der Hilfe des Geistes bestehen – durch die Erinnerung an die Jesus-Geschichte und ihren aktuell erschlossenen Sinn.

23. Mai 2013

Who's who (12) - Rätsel

Biblische Personen in ungewohnter Umschreibung. Heute eine männliche Person aus dem Neuen Testament. 

Der Gesuchte tritt im Neuen Testament erstmals als Garderobenmann in Erscheinung. Lange bleibt er nicht in dieser Stellung, sondern widmet sich bald einer weniger harmlosen Tätigkeit, die ihn von Jerusalem gesehen weiter nördlich führt. Jedoch verhindern plötzlich auftretende Sehstörungen die Ausführung seiner Pläne. Sie brachten ihn - entgegen einem sich hartnäckig haltenden Gerücht - nicht dazu, seinen Namen zu ändern, wohl aber zu einer beruflichen Neuorientierung.

In seiner neuen Stellung widmete er sich vor allem der Erweiterung des noch relativ schwachen Filialnetzes. Dabei war er zwar nicht der einzige, aber wohl der wirkungsvollste Mitarbeiter seiner Gesellschaft. Da diese noch durch sehr flache Hierarchien gekennzeichnet war, mussten grundsätzliche strategische Fragen ausdiskutiert werden. Der Gesuchte zeigte sich dabei ohne jedes Talent zum Kompromiss. Da es in seinem Wirkungsfeld häufig zu Auseinandersetzungen kam, würde ihm in der heutigen Medienlandschaft das Etikett »umstritten« aufgeklebt werden.

An Selbstzweifeln litt er nicht im Übermaß: Er ließ sich zwar bisweilen zu Demutsgesten hinreißen, doch so ganz ernst waren sie nicht gemeint, war er doch der Überzeugung, seine Aufgabe mehr als ordentlich zu erledigen. Für Power-Point-Präsentationen wäre er eher ungeeignet gewesen, er war mehr der Mann fürs Schriftliche. An seinem letzten Schriftstück dürfte er eine Weile gefeilt haben.

Das Bild eines über Akten brütenden Sachbearbeiters würde ihm allerdings nicht gerecht, war er doch ausschließlich im Außendienst tätig und hatte dabei Gefahren zu bestehen, von denen selbst heutige Bahn-Kunden keine Ahnung haben. Seine letzte Station brachte ihn dahin, wohin alle Wege führen. Wenn es nach ihm gegangen wäre, dann wäre die Reise allerdings noch weiter gegangen, nach dem Motto: »Go west, old man!«

17. Mai 2013

Sonntagsevangelium (77)

Pfingsten (C):  Joh 14,15-16.23b-26 (oder Joh 20,19-23)

Zu Joh 20,19-23 s. hier

Der Abschied Jesu von seinen Jüngern steht im Johannes-Evangelium unter der Verheißung der Wiederkunft. Allerdings versteht der Evangelist darunter nicht ein Geschehen am Ende der Zeit, wie dies im Urchristentum üblich war (z.B. 1Thess 4,15-17; Mk 13,24-27). Im Geist kommt der erhöhte Jesus zu seinen Jüngern und bleibt bei ihnen. Die Worte vom »Geist-Parakleten« sind eine kennzeichnende Besonderheit des Johannes-Evangeliums. 

Das griechische Wort, das unübersetzt mit »Paraklet« wiedergegeben wird (παράκλητος), bedeutet wörtlich »der Herbeigerufene« und bezeichnet ursprünglich vor allem den Beistand vor Gericht, ohne allerdings auf diesen Bereich festgelegt zu sein. Es kann auch um eine Fürsprecher gehen, der in irgendeiner Form helfend und schützend für andere eintritt, oder auch um einen, der tröstet, ermahnt oder belehrt (der Begriff ist äußerst anpassungsfähig). Wenn in Joh 14,16 die Rede ist von einem anderen Parakleten, den der Vater geben wird, ist eingeschlossen, dass auch Jesus selbst als Paraklet gesehen wird. 

10. Mai 2013

Sonntagsevangelium (76)

7. Sonntag der Osterzeit (C):  Joh 17,20-26 

Aus Zeitgründen heute ein kurzer Text.

Im Gebet Jesu für seine Jünger wird offen ausgesprochen, was die Abschiedsreden des Johannes-Evangelium grundlegend bestimmt: Es geht um die Glaubenden der späteren Zeit, die durch das Zeugnis der ersten Jünger zum Glauben gekommen sind (17,20). Ihre Einheit ist das erste Anliegen des Gebets. Sie ist vorgebildet und begründet im gegenseitigen Ineinandersein von Jesus und Gott. 

In diese Einheit sind die Glaubenden einbezogen und damit deutlich von der Welt geschieden – aber nicht in sich abgeschlossen. Wie die Einheit von Jesus und Vater auf die Glaubenden hin offen ist, so soll auch die Einheit der Glaubenden eine Außenwirkung haben: Durch sie soll aus der ungläubigen Welt Gemeinde werden (17,21.23). Zugleich offenbart sie das Motiv des göttlichen Handelns, die Liebe. Ausdrücklich kommt sie nur zur Sprache als Liebe Gottes zu Jesus und zu den Glaubenden. Doch denkt Johannes auch an die Wirkung dieser Liebe. Wenn die Liebe Gottes in den Glaubenden ist (17,26), dann soll auch unter ihnen die Liebe verwirklicht werden; sonst könnte Johannes nicht von der Einbeziehung in die Einheit zwischen Gott und Jesus sprechen. 

Mit der Einheit verbunden ist schließlich die Herrlichkeit, die Fülle des göttlichen Lebens, als gegenwärtige Gabe (17,22) und als Ziel, auf das hin die Glaubenden unterwegs sind (17,24).

3. Mai 2013

Sonntagsevangelium (75)

6. Sonntag der Osterzeit (C): Joh 14,23-29 

Der Zusammenhang von Glaube und Handeln wird im Johannes-Evangelium nur allgemein angesprochen. Liebe zu Jesus ist gebunden an das Halten der Gebote Jesu (14,15.21) oder seiner Worte (14,23). Dies bezieht sich im Rahmen des Abschieds auf Jesu Aufforderung zu gegenseitiger Liebe, die ausdrücklich als »Gebot« bezeichnet ist (13,34f, s. dazu hier). Auch an die Fußwaschung ist zu denken. Sie erscheint als Beispiel, nach dem die Jünger handeln sollen (13,15). 

Im Zusammenhang der Worte Jesu wird auch die Rückbindung Jesu an Gott betont: Diese Worte stammen vom Vater, der Jesus gesandt hat (14,24). Und so verbindet sich mit dem Bewahren dieser Worte die Verheißung, dass Jesus und der Vater bei den Glaubenden wohnen werden (14,23). Damit wird eine frühere Ankündigung aufgegriffen und umgedeutet. Jesus hatte seinen Jüngern verheißen, ihnen bei seinem Vater eine Wohnung zu bereiten, »damit ihr dort seid, wo ich bin« (14,2f). An dieser Stelle ist die Verheißung in den Bahnen der traditionellen Vorstellung der Wiederkunft Christi formuliert: »Ich komme wieder und werde euch zu mir nehmen«. Im Lauf der Szene aber verändert sich die Perspektive grundlegend: Es geht nicht mehr darum, dass die Jünger an einen anderen Ort kommen, in die vom Erhöhten bereiteten Wohnungen; umgekehrt ist nun davon die Rede, dass Jesus und der Vater bei denen Wohnung nehmen, die Jesu Wort bewahren (14,23).

2. Mai 2013

Die neue Frühjahrsoffensive

Nach einer Schonzeit schwärmen die Jagdtrupps von kath.net wieder aus und nehmen das antirömische Freiwild ins Visier, das da mutwillig die Pflanzung der katholischen Kirche in Deutschland zerbeißt. Aufgedeckt wurde ein Socken-Skandal (s. dazu auch hier [frech.fromm.frau] und hier [episodenfisch]); es wird die bislang unbekannte Stelle eines »ZdK-Theologen« eingerichtet, der natürlich keine ernst zu nehmenden Gedanken vorträgt, sondern »Ehe und Kirchengebote relativiert«; und mit Mt 5,13 als exaktem Refraktometer wird der mangelnde Salzgehalt der deutschen Funktionärskirche gemessen. 

Angefangen hat die neue Jagdsaison, als Erzbischof Robert Zollitsch auf der Lichtung der Baden-Badener Autobahnkirche erschien und dortselbst mit einer Aussage erwischt wurde, die man ihm als Kritik an Papst Benedikt XVI. auslegt. Bei einer Predigt hat er gesagt: »Nun ist es wieder interessant, katholisch zu sein. Das haben wir Papst Franziskus zu verdanken« (s. hier). Wegen dieses Wortes »stellen sich nicht wenige Katholiken« die Frage, ob es unter Papst Benedikt uninteressant gewesen sei, katholisch zu sein. Die Mengenangabe bleibt dunkel, sie könnte sich auch auf den Hinweisgeber und die Redaktion von kath.net beziehen. Wenn BILD eine Kampagne gegen jemanden oder etwas startet, heißt es oft: »Ganz Deutschland fragt sich jetzt ...« oder so ähnlich (ein Beispiel auf Bildblog hier; im Wörterbuch von bildblog.de wird »ganz Deutschland« übersetzt mit »die Redaktion von BILD«). Was Ziel der Empörungs-Aktion ist, wird im Vorgriff als Tatsache behauptet. Und in diesem Stil läuft das nach der Wiedereröffnung der Kommentarfunktion auch wieder auf kath.net: Die Empörung wird produziert.