26. Juli 2013

Sonntagsevangelium (87)

17. Sonntag im Jahreskreis (C): Lk 11,1-13

Das Vaterunser ist bei Matthäus und Lukas in zwei Fassungen überliefert, die sich in Umfang, Kontext und einzelnen Formulierungen unterscheiden. Die lukanische Version (11,2-4) enthält nur fünf Bitten (es fehlt die Bitte um das Geschehen des göttlichen Willens), die letzte wird nicht in einer Bitte um Erlösung vom Bösen fortgeführt. Außerdem ist das Gebet als Antwort auf eine Bitte der Jünger dargestellt, die von Jesus im Gebet unterwiesen werden wollen (11,1). Diese Bitte wiederum setzt bei einer Notiz über das Beten Jesu an – ein für die Jesusdarstellung des Lukas typisches Motiv (s. z.B. 3,21; 5,16; 6,12; 9,28). Die Gegenüberstellung des Vaterunsers zum »Plappern der Heiden« (Mt 6,7) spielt bei Lukas keine Rolle. Die christliche Gebetstradition ist von der matthäischen Fassung bestimmt, nur an einer Stelle hat sich die lukanische Formulierung durchgesetzt (s.u. zur Vergebungsbitte).

23. Juli 2013

Wie viele bayerische Ortschaften werden in der Bibel erwähnt? (3)

Vor einem Jahr habe ich auf die Gründung des Instituts für bayerisch-biblische Textforschung hingewiesen und erste Forschungsergebnisse referiert, die eine zuvor bereits dokumentierte Phase des Projekts fortführten. Der Hinweis auf diese in der Fachwelt erst langsam rezipierten älteren Einsichten scheint notwendig, damit sich die Ernsthaftigkeit des nun vorliegenden dritten Berichts richtig ermessen lässt. 


Wieder haben die Forschungen zu einigen eindeutigen Ergebnissen geführt. Kaum zu zählen (und deshalb hier nicht im Einzelnen aufgeführt) ist die Menge an Belegen für die Gemeinde Berg (Oberfranken); ja, wenn man ehrlich ist, muss man auch die Ortschaft selbst für kaum überschaubar halten, denn es könnte auch die hier sein (Oberbayern) oder die hier (Oberpfalz). Nimmt man noch die Pluralform hinzu (Bergen [Oberbayern] oder Bergen [Mittelfranken]), wird der Befund noch unüberschaubarer. Auffällig ist, dass sich fast alle Orte in Regionen befinden, die mit »Ober-« gebildet sind. Da dies mit der Semantik des Ortsnamens so überaus glücklich harmoniert, müssen weitere Untersuchungen zeigen, ob sich für diese Ortschaften eine besondere theologisch-topographische Verheißungsgeschichte  erheben lässt.

Recht leicht sind auch drei weitere Orte in biblische Zeit zurückzuführen. Von besonderer Schönheit scheint ein Flecken im Allgäu zu sein, denn bereits Salomo hat ihn besungen:

19. Juli 2013

Sonntagsevangelium (86)

16. Sonntag im Jahreskreis (C): Lk 10,38-42

Frauen spielen in der Jesusgeschichte des Lukas eine profiliertere Rolle als in den übrigen Evangelien. In Lk 8,2f werden neben den namentlich Genannten (Maria Magdalena, Johanna, Susanna) pauschal »viele andere« erwähnt, die ihr Vermögen für die Jesusbewegung einsetzten. Auch wenn Lukas sie nicht ausdrücklich als Jüngerinnen bezeichnet, so ordnet er sie doch dem engeren Kreis um Jesus zu, denn sie gehören wie die Zwölf zu jenen, die mit dem Künder der Gottesherrschaft umherziehen.

Von denen, die Jesus in einem unmittelbaren Sinn nachfolgen, sind (auch in historischer Hinsicht) Anhänger zu unterscheiden, die man als Sympathisanten und Unterstützer bezeichnen kann. Sie bleiben in ihrem Lebenskreis, sind aber Jesus und den Jüngern nicht nur durch ein oberflächliches Interesse verbunden. Maria und Marta erscheinen als Vertreterinnen solch ortsfester Sympathisanten. Im Ablauf des Lukas-Evangeliums lässt sich ein Bezug zur Jüngeraussendung herstellen, die das Kommen Jesu vorbereiten sollte: »Er sandte sie zwei und zwei in jede Stadt und jeden Ort, in die er kommen wollte.« (10,1). Nun kommt Jesus »in ein Dorf« (10,38) und wird gastlich aufgenommen. Nur in der Überleitung (10,38a) wird berücksichtigt, dass sich Jesus in Begleitung seiner Jünger befindet (»als sie weiterzogen«). Die Erzählung selbst (ab 10,38b) ist auf Jesus konzentriert (»kam er in ein Dorf«).

12. Juli 2013

Sonntagsevangelium (85)

15. Sonntag im Jahreskreis (C):  Lk 10,25-37

Das Beispiel vom barmherzigen Samariter ist eingebettet in einen Dialog zwischen Jesus und einem Gesetzeslehrer. Das Gespräch verbindet die Frage eines Reichen aus Mk 10,17 (»Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?«) mit der (etwas modifizierten) Antwort Jesu auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot (Mk 12,28-34). Allerdings ist der Dialog so gebaut, dass der Gesetzeslehrer selbst das Gebot von Gottes- und Nächstenliebe als Antwort auf seine Frage benennt. Jesus fragt ihn nur, was er im Gesetz zu seiner Frage lesen könne und bekräftigt die Aussage seines Gegenübers (»tu das, so wirst du leben«). Diese Gesprächsführung hat einen doppelten Effekt. Zum einen läuft der Versuch, Jesus auf die Probe zu stellen, dadurch ins Leere, dass Jesus die Rolle von Fragesteller und Antwortgeber vertauscht. So entsteht zum andern der Eindruck, dass der Gesetzeslehrer keine wirkliche Frage an Jesus hatte.

5. Juli 2013

Sonntagsevangelium (84)

14. Sonntag im Jahreskreis (C): Lk 10,1-12.17-20 (oder 10,1-9)

Die Aussendungsrede in Lk 10 kann man auf zwei Ebenen lesen. Als Teil der Erzählung vom Wirken Jesu ist sie bezogen auf die einmalige Vergangenheit der Geschichte Jesu. Diese Geschichte kommt aber so zur Sprache, dass urkirchliche Missionserfahrung erkennbar wird, also die Zeit der nachösterlichen Christusverkündigung. Diese Perspektive erklärt einige Besonderheiten des Textes: die Bitte um weitere Arbeiter für die Ernte (10,2), die offensichtlich nicht mehr die Situation des Wirkens Jesu vor Augen hat; den betonten Bezug auf die Verkündigung in den Städten (10,8.10), in dem sich vor allem urchristliche Missionspraxis spiegelt; vielleicht auch die scharfen Worte vom Gericht an den ungläubigen Städten (10,12), die sich stark unterscheiden von der Reaktion auf das ungastliche samaritanische Dorf (9,52-56).

Wenn die Aussendungsrede nicht die Ablehnung des irdischen Jesus, sondern der Oster-Botschaft im Blick hat, ist ein anderer Fall gegeben. Dann wird das Heilsangebot ausgeschlagen, das nach Tod und Auferstehung Jesu neu und endgültig eröffnet ist (s. Apg 3,14-20). Im selben Sinn ist wohl auch der Spruch Lk 12,10 zu verstehen: Vergebbar ist die Ablehnung des irdischen Jesus (des Menschensohnes), nicht aber die Ablehnung des Geistes, der die nachösterliche Zeit und Verkündigung kennzeichnet (Apg 2,17-21.38).

4. Juli 2013

Noch einmal: Der »Credo«-Faktencheck

Das Credo-Magazin zum Jahr des Glaubens wurde in der Süddeutschen Zeitung aufs Ganze nicht unfreundlich besprochen, dennoch macht sich kath.net an eine Kritik des Artikels. Dem Autor, Matthias Drobinski, wird vorgeworfen, dass er es »mit den Fakten nicht so genau nimmt und offensichtlich kaum recherchiert hat«. Da dabei auch der Faktencheck zu Jesus, den ich kürzlich hier besprochen habe, eine Rolle spielt, soll im Folgenden betrachtet werden, wie »kath.net … ein paar Behauptungen von Drobinksi genauer unter die Lupe genommen und die Fakten nachgeprüft« hat. Dabei arbeiten wir uns zu den Fragen um den Faktencheck vor.