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Es werden Posts vom August, 2014 angezeigt.

Sonntagsevangelium (142)

22. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 16,21-27

Mit der ersten Leidensankündigung (16,21) kommt der Weg Jesu nach Jerusalem in den Blick. Die Verbindung von Messias-Titel und Leidensankündigung (Mk 8,29-31) hat Matthäus dadurch abgeschwächt, dass er die Verheißungsworte Jesu an Petrus eingefügt hat (16,17-19). So rücken Leiden Jesu und Kreuzesnachfolge der Jünger (16,24-26) noch stärker zusammen. Den Einspruch des Petrus gegen das Leiden Jesu (16,22f) hat Matthäus deshalb wohl auch als Einspruch gegen die Leidensnachfolge der Glaubenden verstanden. 
Dass sie besonders im Blick des Evangelisten sind, wird auch durch eine kleine Änderung der Markus-Vorlage unterstrichen: Nach Matthäus richtet sich die Belehrung Jesu zur Kreuzesnachfolge allein an die Jünger, das Volk ist nicht eingeschlossen (anders Mk 8,34). Selbstverleugnung und Kreuztragen sind im Zusammenhang der Christusnachfolge zu verstehen. Es geht nicht um ein asketisches Ideal oder um Verherrlichung des Leidens; es geht auch nicht …

Hinweis

Da das Evangelium vom 21. Sonntag im Jahreskreis bereits am Fest »Peter und Paul« besprochen wurde, sei hier nur der Link auf die früheren Ausführungen gesetzt.

Sonntagsevangelium (141)

20. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 15,21-28

Die Grundstruktur der Erzählung von der Bitte einer nichtjüdischen Frau hat Matthäus aus dem Markus-Evangelium übernommen (Mk 7,24-30), und dennoch eigene Akzente eingebracht. Gemeinsam ist beiden Fassungen: Jesus hält sich in überwiegend heidnisch besiedeltem Gebiet auf (bei Tyrus und Sidon), hat aber offensichtlich nicht vor, unter Heiden zu wirken. Dass Jesus sich in einem heidnischen Haus  aufgehalten hätte, dürfte auch Markus nicht angenommen haben. Matthäus markiert die Grenze aber noch deutlicher und lässt Jesus erst gar nicht in ein Haus gehen. In seiner Version kommt die Frau heraus (Mt 15,22 ungenau die Einheitsübersetzung: »sie kam zu ihm«). Diese Aussage ist nicht mit der Ortsangabe zu verbinden (»eine kanaanäische Frau kam aus jener Gegend heraus«); sie deutet vielmehr an, dass die Szene auf der Straße spielt: »Eine kanaanäische Frau aus jener Gegend kam heraus«. Außerdem wird in der Fassung des Matthäus die ablehnende Haltung J…

Wie viele bayerische Ortschaften werden in der Bibel erwähnt? (4)

Satzungsgemäß werden die neuesten Forschungen am Institut für bayerisch-biblische Textforschung spätestens nach der Vorlesungszeit des Sommersemesters präsentiert. Wer über die Ernsthaftigkeit des Projekts im Unklaren ist, kann sich in früheren Berichten kundig machen. Sie stehen alle online zur Verfügung, und zwar  hier und  hier und  hier.

Beginnen wir mit den Funden, in denen die Textüberlieferung eindeutig ist, weil keinerlei Verschreibungen zu korrigieren sind und auch der Einfluss von Dialekten nicht zu erkennen ist. Dass der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen nicht in Judäa oder Galiläa liegt, war bislang bekannt. Neu aber sind die Verbindungen nach Samarien. Jedenfalls fragt die samaritanische Frau in Joh 4:  »Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns Brunnen gegeben ... hat?« (Joh 4,12) Phonetisch klar bezeugt, fügt sich ein weiter nördlich gelegener Ort als Prädikat syntaktisch nicht ohne Schwierigkeiten in den Bibeltext ein. Möglicherweise bestand früher eine Partner…

Sonntagsevangelium (140)

19. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 14,22-33

Die Geschichte vom Seewandel Jesu ist von zahlreichen Motiven geprägt, durch die die Bedeutung Jesu erzählerisch dargestellt wird. Der Berg ist vom Alten Testament her mit dem Gedanken der besonderen Nähe zu Gott verbunden (z.B. Ex 19,3; Ex 24,15f). Im Matthäus-Evangelium erscheint der Berg als Ort der Lehre Jesu (5,1ff) und als Ort von Heilungen (15,29-31); mit ihm verbindet sich besondere Offenbarung (17,1-9; 28,16-20), in der Geschichte vom Seewandel ist er Ort des Gebetes. Die nachfolgende Erscheinung Jesu auf dem See (in göttlicher Macht) wird vorbereitet durch das Gebet auf dem Berg als dem besonderen Ort der Gottesnähe.

Die Jünger im Boot sind mit mehreren Chaosmächten konfrontiert. Die Motive sind aus den Psalmen bekannt als Bilder äußerster Bedrängnis: Wasser (z.B. Ps 32,6; 69,2f), Nacht (Ps 91,5), Stürme (Ps 107,23-32; Jon 1). Durch die Häufung der Motive hat der Gang Jesu auf dem Wasser auch den Aspekt, dass Jesus den Jüngern im B…

Eucharistie, Sättigungsmahl und Paulus

Vor einigen Wochen beschwerte sich kath.net in einem nachträglich entschärften Artikel über einen Kritiker, der »ohne Beweise« behauptet habe, »dass die 'selbsternannten Glaubenshüter und Moralwächter' mit 'perfider Akribie' auf die Suche 'nach Verfehlungen und Häresien' gingen«. Schon damals war es erstaunlich, dass man sich über die fehlenden Beweise beschwerte. Hat man bei kath.net keinen Zugang zum eigenen Archiv? Eine Suche nach Begriffen wie BDKJ (oder BD?J), Fürst, Hilpert, Lehmann, Memorandum, Valentin, Wendel, Werlen, Weltbild, Zollitsch (die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit) könnte die Beweislage rasch ändern. Jetzt ist auch der Name Guido Fuchs in die Liste aufzunehmen. Der Liturgiewissenschaftler, apl. Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät Würzburg, ist dafür eingetreten, die Feier der Eucharistie mit wirklichen Mahlzeiten zu verbinden. Die Diskussion über diesen Vorschlag überlasse ich den Leuten vom Fach. Hier soll e…

Sonntagsevangelium (139)

18. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 14,13-21

Das Wunder von der Speisung der 5000 wird ganz zurückhaltend erzählt. Die Wundertat selbst bleibt im Dunkeln: Wie aus den fünf Broten und zwei Fischen eine Mahlzeit für über 5000 Menschen wird, erfährt man nicht. Auch bleibt offen, ob die Volksscharen überhaupt um die wunderbare Herkunft der Speise wissen. Letztlich sind die Jünger die einzigen Zeugen des Wunders. Auch insgesamt spielen sie eine besondere Rolle in dieser Geschichte. Sie erhalten den Auftrag, den Volksscharen zu essen zu geben (14,16); aus ihren Vorräten werden die Menschen gespeist (14,17-19); sie vermitteln die Gabe Jesu an das Volk (14,19).

Da die Jünger im Matthäus-Evangelium auch Typen der Glaubenden sind (s. z.B. hier), ist ihre besondere Bedeutung ein Hinweis darauf, dass sich in dieser Erzählung Erfahrungen der frühen Gemeinden verdichten. Eine dieser Erfahrungen ist die Feier des Herrenmahls. Matthäus hat die Anklänge an die Abendmahlstradition im Vergleich zu Markus…