14. März 2015

Exegese-Bashing

Veit Neumann hat mit Klaus Berger Gespräche geführt und daraus ein Buch gemacht (Theologie als Abenteuer). Das Werk schreitet den Lebensweg Bergers ab und bietet ihm zahlreiche Gelegenheiten, die eigene Großartigkeit darzustellen – in einem weiten Bogen von den Bestnoten in Latein und Griechisch über die vollsten Hörsäle und meisten Doktoranden bis zum Errichten von Sandburgen allein mit einer Schaufel (ohne Formen oder Förmchen!). Dass Berger dabei ordentlich austeilt, überrascht nicht. Erstaunlich sind dagegen nicht wenige der Fragen, die den Eindruck auch nur minimaler Distanz zum Gesprächspartner erfolgreich vermeiden. Besonders bedauerlich ist das im Blick auf die öffentliche Debatte um die Kirchenzugehörigkeit Bergers. Ganz ungestört von lästigem Nachfragen darf sich Berger als Opfer inszenieren, das froh ist, das Ganze überlebt zu haben. Zu mehr als »Ich will die Dinge nun nicht gerade herunterspielen« lässt sich der Fragesteller nicht hinreißen, nimmt aber selbst diese Aussage nicht nur durch seinen Fragestil zurück, sondern gleich durch seinen nächsten Satz (»Im Nachhinein hat jemand anderes stets leicht reden«).

Sei's drum, ich will das hier nicht vertiefen. Denn mein Thema ist das Vorwort, in dem der Dominikaner Wolfgang H. Spindler die Keule gegen die historisch-kritische Exegese schwingt. Dieser Beitrag ist nicht nur erstaunlich, sondern in hohem Maße ärgerlich. Um den Ärger etwas zu kanalisieren, wird, wie bereits in einem früheren Fall, ein fiktives Strategiepapier der fiktiven Firma PolemicConsult zitiert (ich bin also in jenem Modus, der den Hinweis auf die Nebenwirkungen notwendig macht). Dieses Papier könnte die Vorlage für das Vorwort abgegeben haben, allein den letzten Rat (7.) hat dessen Autor nicht befolgt.

7. März 2015

Osterpredigt

Der Bischof von Passau, Stefan Oster, hat kath.net kritisiert, und das hat Redaktion und Freunde des Portals ziemlich hart getroffen. Der Gegenwind aus dieser Richtung kam überraschend und war durch keinen Wetterdienst angekündigt. Bischof Oster hat sich nicht nur an der einfachen Textübernahme seiner Predigten gestoßen, die den Eindruck erwecken könnten, die Texte seien kath.net exklusiv überlassen worden. Außerdem tut er sich schwer mit der
»zunehmend tendenziösen Berichterstattung und dem damit einher gehenden Versuch oder wenigstens entstehenden Effekt, eine Polarisierung von Bischöfen, Priestern, Theologinnen und Theologen in klar identifizierbare Lager voranzutreiben … In den Foren wird solche Polarisierung in der Regel vertieft und die Redaktion tut aus meiner Sicht zu wenig, um wirklich auch differenzierte Positionen hören und verstehen zu wollen und zu würdigen«. (s. hier)
Dass man einen Hinweis aus der Pressestelle des Bistums Passau braucht, um nicht einfach ohne Quellenangabe einen Text aus der Facebook-Seite des Bischofs zu kopieren und auf die eigene Seite zu stellen, stellt der journalistischen Arbeit nicht das beste Zeugnis aus. Im Bilderstreit mit dem Bistum Erfurt hatte sich ja bereits gezeigt, dass man bei kath.net das Internet für einen Selbstbedienungsladen hält (s. hier). Der Redakteur Christof T. Zeller-Zellenberg bestätigt dies, wenn er in einem Kommentar zu Osters zweitem Facebook-Post zum Thema schreibt: