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Sonntagsevangelium (19)

Palmsonntag (B): Mk 14,1-15,47 Markus scheut sich nicht, die Passion Jesu als Weg in die Niedrigkeit zu beschreiben. Zwar wird Jesus auch nach Markus von dem Geschehen nicht überrascht. Er hat sein Leiden angekündigt ( Mk 8,31 ; 9,31 ; 10,32-34 ) und auch die Passionsgeschichte kennt das Moment des Vorauswissens Jesu (s.u.). Aber dies schließt nicht aus, dass Jesus angesichts des Leidens angefochten wird, wie die Gethsemani-Szene zeigt. Jesus wird auch nicht inszeniert als Held, der die furchtbarsten Martern klaglos über sich ergehen lässt. Die Aufmerksamkeit der Passionsgeschichte ist anders ausgerichtet als in Mel Gibsons Film The Passion of Christ . Nicht die erduldete Grausamkeit der Passion steht im Vordergrund, sondern die Deutung des Geschehens.  Dazu dient auch der ausgeprägte Bezug auf das Alte Testament. Er soll vor allem das  Problem des Kreuzes bewältigen : Warum führte der Weg des Messias ins Leiden? Auf diese Frage antworten die Schriftbezüge, zum einen...

Sonntagsevangelium (18)

5. Fastensonntag (B): Joh 12,20-33 Ehe die Darstellung des öffentlichen Wirkens Jesu im Johannes-Evangelium abgeschlossen ist, treten »Griechen« (Heiden) an Philippus heran und bitten, Jesus sehen zu können. Philippus schaltet Andreas ein - den zweiten Jünger mit griechischem Namen -, um das Anliegen der Bittsteller an Jesus zu vermitteln (12,20f). Wie schon in der Berufungsszene (1,35-51; s. dazu hier ) zeigt sich der Gedanke, dass der Zugang zu Jesus vermittelt ist über Menschen, die glauben. Allerdings kommt es zu keinem Treffen zwischen Jesus und den Heiden. Jesus nimmt die Bitte vielmehr zum Anlass, um über seinen Tod zu spre­chen - wie sich zeigen wird, nur scheinbar zusammenhanglos. In der Antwort Jesu dominieren paradoxe Aussagen: die Stunde des Todes ist die Stunde der Verherrlichung , der Rückkehr in die göttliche Sphäre (12,23.27f); die Kreuzigung deutet als  »Erhöhung über die Erde« auf die Erhöhung Jesu zu Gott (12,32f; s. zu diesem Begriff von Erhö...

In eigener Sache

Interview im Deutschlandradio Kultur In der vergangenen Woche hat sich die Journalistin Anne  Françoise  Weber von Deutschlandradio Kultur anlässlich der Leipziger Buchmesse mit mir über Jesusbücher und historische Jesusforschung unterhalten (für die Sendung Religionen ). Den Interviewtext gibt es hier zum Nachlesen, außerdem auch die Möglichkeit zum Nachhören (das Zweite ist wahrscheinlich empfehlenswerter; da fällt die Holprigkeit mancher Sätze vielleicht nicht so sehr auf wie im geschriebenen Text).  Unterwegs Ab morgen bin ich auf einer 12-tägigen Studienreise in Israel unterwegs. Die Beiträge zum Sonntagsevangelium werden erscheinen, die Kommentare sind für diese Zeit aber deaktiviert. 

Vorbild Jona?

Ein » kath.net-Impuls zur Fastenzeit « von Michaela Voss befasst sich mit der Jona-Erzählung und aktualisiert die Botschaft dieses alttestamentlichen Buches recht ungeniert in die heutige kirchliche Situation. Jona, so der Tenor, das ist harte Umkehrpredigt, mit Reformdebatten kann der Prophet nichts anfangen: »Noch vierzig Tage, dann ist Ninive zerstört!« Am Propheten und an der Reaktion der Einwohner von Ninive sollen wir uns ein Beispiel nehmen. Allerdings lässt sich die Jona-Geschichte nicht ganz so eindeutig und konkret kirchenpolitisch ausschlachten, wie das hier geschieht. Ja, man muss sogar sagen: die Jona-Geschichte kommt dabei ziemlich unter die Räder. Sie darf nur die Stichworte liefern, mit deren Hilfe die heutige kirchliche Situation in erwartbarer Zuspitzung kritisiert wird. Im Folgenden eine (etwas verspätete) Analyse dieses Umgangs mit einem biblischen Text. 

Noch einmal: Markus-Handschrift aus dem 1. Jahrhundert

In den Diskussionen zu einem Beitrag auf kath.net  wurde man auf dieses Blog aufmerksam und hat zum Teil etwas heftig reagiert. Die Anwürfe des Kommentators  kathole sind unterhaltsam, lohnen aber eine nähere Beschäftigung nicht. Wichtiger ist anderes: Die dortige Debatte ist auch auf den  Beitrag auf diesem Blog  zur angeblichen Sensation des Fundes einer Markus-Handschrift aus dem 1. Jahrhundert eingegangen. Kommentator Idemar , den ich für seinen Vorwurf, die Exegeten betrieben antirömische Bibelpolitik, kritisiert hatte, greift hier  mit Recht eine Formulierung in meinem Beitrag an, schießt mit seinen Folgerungen aber weit übers Ziel hinaus und bestätigt den Anlass meiner Kritik.

Sonntagsevangelium (17)

4. Fastensonntag (B): Joh 3,14-21 Im Gespräch Jesu mit Nikodemus wird der Sinn der Sendung Jesu grundsätzlich dargelegt, vor allem im Blick auf ihr Ziel: die Rettung, nicht die Verurteilung der Welt (3,17). Das Gericht zieht sich der Nicht-Glaubende selbst zu: Wer die Rettung ablehnt, stellt sich selbst auf die Seite des Unheils. Die Aussage, wer nicht glaube, sei schon gerichtet (3,18), besagt nicht, eine einmal getroffene Entscheidung sei unumkehrbar. Es geht vielmehr um einen Aufruf zum Glauben, der die Dimension offenlegt, um die es in Glaube und Unglaube geht: um Heil und Gericht.  Der Begriff » Welt «  (gr.: κόσμος/ kosmos ) ist in diesem Abschnitt positiv gefüllt. Bezeichnet wird der Wirkungsraum Jesu (er ist in die Welt, zu den Menschen gesandt) und die universale Weite seiner Sendung. Es gibt für sie keine Grenze, die Rettung wird umfassend, für alle eröffnet. In diesem Sinn wird Jesus in 4,42 als  »Retter der Welt « bezeichnet. In den Abschiedsreden ...

Wie man wächst, ohne größer zu werden

Wer Statistik neben Lüge und Irrtum als dritte Form der Unwahrheit ansieht, muss zwar nicht grundsätzlich Recht haben; aber dass die Statistik  nicht notwendigerweise im Dienst der Wahrheitsfindung steht, ist keine Übertreibung. Ein Beispiel dafür hat heute Armin Schwibach geliefert. Er bezieht sich auf Ergebnisse einer »Untersuchung zur Situation der Priesteramtskandidaten bis zum 15. November 2011«, die die Französische Bischofskonferenz vorgestellt hat. Dabei stellt er fest,  »dass die Zahl der Seminaristen für die ordentliche Form des Römischen Ritus zurückgehend ist, während die Zahl der Seminaristen für die außerordentliche Form stabil bleibt«, so dass »die Proportion langsam zugunsten der 'außerordentlichen' wächst (etwas mehr als 16% gegenüber einem Rückgang auf etwas weniger als 84% der 'ordentlichen').«  Und schließlich wird aus den Größenverhältnissen (5% der Katholiken bringen mehr als 15% der Priesterberufungen hervor) offensichtlich zustimmend der ...