Wie viele bayerische Ortschaften werden in der Bibel erwähnt?

In Bayern läuft gerade die letzte Vorlesungswoche. Um nicht der in der Professorenschaft gefürchteten Semesterend-Depression (morbus ex ademptione auditorii ortus) zu erliegen, gehe ich hier in allem gebotenen Unernst der Frage nach, wie viele bayerische Ortschaften in der Bibel erwähnt werden. Diese Frage wird nicht nur äußerst selten gestellt, sondern ist, wie sich zeigen wird, gar nicht eindeutig zu beantworten, sondern mit einigen Unwägbarkeiten belastet. Es handelt sich zum Dritten um eine ganz unwissenschaftliche Frage, was den Kennern der Materie schon daran deutlich wird, dass die Überlegungen nicht am Urtext ansetzen, sondern an relativ späten Übersetzungen. Um dennoch den Schein der Wissenschaftlichkeit zu wahren, weise ich darauf hin, dass ich das genannte Forschungsinteresse gänzlich unparteiisch, sine ira et studio, verfolge, da ich selbst nicht aus Bayern stamme.

Beginnen wir mit den unstrittig biblisch bezeugten Ortschaften. Der Sachzusammenhang kann sehr unterschiedlich sein und ist nicht nur positiv konnotiert. Wird dem ersten der nachfolgend genannten Orte Bestand zugesagt, so spielt der zweite eher eine Rolle im Rahmen der Verleugnung des Petrus. Der dritte wird gar im Zusammenhang des Missfallens Gottes genannt:


»Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden« (Lk 21,18)
»Petrus folgte Jesus von weitem bis zum Hof des hohepriesterlichen Palastes; er ging in den Hof hinein und setzte sich zu den Dienern, um zu sehen, wie alles ausgehen würde.« (Mt 26,58)
»Er hat keine Freude an der Kraft des Pferdes, kein Gefallen am schnellen Lauf des Mannes.« (Ps 147,10)
»Unstrittig« ist die Nennung insofern, als sich eine perfekte Übereinstimmung der Buchstabenfolge ergibt und die genannten Städte politisch zweifelsfrei zu Bayern gehören. Doch wie Paulus in Röm 9,6 sagt, dass nicht alle aus Israel tatsächlich Israel sind, so könnte man auch sagen: Nicht alle aus Bayern sind Bayern. Anders als im paulinischen Beispiel trifft das hier auch das Selbstverständnis der Ausgeschlossenen (Motto in Franken: »Frei statt Bayern«). Setzen wir uns über dieses Bedenken hinweg, wäre eine wichtige Stelle aus der Abrahamsüberlieferung als weiterer Beleg anzuführen:
»Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen Erlangen.« (Gen 12,3)
In manchen Fällen sind kleine Verschreibungen zu beklagen, die aber keinen Zweifel an der eigentlich angezielten Nennung einer bayerischen Ortschaft begründen können:
»Mose führte es (das ganze Volk) aus dem Lager hinaus Gott entgegen. Unten Amberg blieben sie stehen.« (Ex 19,17)
»Einen klugen Sklaven liebe wie dich selbst, verweigere ihm die Freilassing nicht! (Sir 7,21)
»Das waren also Aaron und Mose, zu denen der Herr gesagt hatte: Fürth die Israeliten aus Ägypten und übernehmt dabei die Leitung der Scharen!« (Ex 6,26)
»Gott ist kein Mensch, der lügt, kein Menschenkind, das etwas Bayreuth. Spricht er etwas und tut es dann nicht, sagt er etwas und hält es dann nicht?« (Num 23,19)
»Er sagte zu ihnen: Geht Indersdorf, das vor euch liegt; gleich wenn ihr hineinkommt, werdet ihr einen jungen Esel angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet ihn los, und bringt ihn her!« (Mk 11,2)
Ein messianischer Akzent ergibt sich bei erneut leichten Zugeständnissen an die Orthographie aus Gen 49,10:
»Nie weicht von Juda das Zepter, der Herrscherstab von seinen Füssen
Da auch heute ss und ß häufig durcheinander geworfen werden (obwohl die Sache durch die Rechtschreibreform leichter geworden ist), wird man auch die Mönche, die in schlecht beleuchteten Skriptorien unter äußerst harten äußeren Bedingungen die Handschriften kopierten, nicht allzu streng tadeln können.

Anders liegt der Fall im ersten Vers der Bibel. Dass in ihm eine bayerische Kleinstadt erwähnt wird, ist durch einen kleinen, aber sinnentstellenden Eingriff im Laufe der Textüberlieferung absichtsvoll verdunkelt worden. Ursprünglich lautete Gen 1,1:

»Am Anfang schuf Gott Himmel und Erding
Überliefert ist dieser Wortlaut nur in einer Handschrift, dem Codex Aloisii Bavarensis rescriptus, doch ist er als schwierigere Lesart eindeutig zu bevorzugen, zumal er aus erkennbar preußischen Motiven aus der handschriftlichen Überlieferung getilgt wurde.

Und was könnte die pietas bavarica angemessener adeln als die Tatsache, dass ein bayrischer Ort in die Bergpredigt des Matthäusevangelium aufgenommen wurde? In Mt 6,25 lesen wir:

»Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht für euren Leib, was ihr Anzing werdet.«
Zum Abschluss bleibt noch ein schlagender Beweis dafür, dass diese ganzen Entdeckungen nichts mit Lokal- oder Regionalpatriotismus zu tun haben: Auch in englischen Übersetzungen werden bayerische Ortschaften erwähnt:
»For the weapons of our warfare are not carnal, but mighty through God to the Pulling down of strong holds.« (2Kor 10,4; King’s James Version).
»Fasten the two gold chains to the rings at the corners of the breastpiece, and the other ends of the chains to the two settings, Attaching them to the shoulder pieces of the ephod at the front.« (Ex 28,24f, New International Version)

Somit zeigt sich: Selbst wenn man schon häufig in der Bibel gelesen hat, hält sie doch immer wieder Überraschungen bereit und gibt Anlass zu neuen Entdeckungen. Die obige Sammlung ist nur eine Auswahl und zugleich Einladung, selbst auf die Suche zu gehen. 

Kommentare

Regina hat gesagt…
:- )) Herrlich, Herr Häfner ! Wunderbar, köstlich ! Vielleicht sollte ich so etwas mal mit Orten aus Norddeutschland versuchen...die liegen mir etwas näher (obwohl ich ja in Bamberg Anfang der 80er Jahre studiert habe und Franken etwas kenne).
Gerd Häfner hat gesagt…
@Regina

Nur zu, das geht sicher auch mit Ortschaften aus Norddeutschland. Oft eignen sich auch die kleineren, unbekannten (Attaching und Pulling z.B. habe ich nur auf Verkehrsschildern gelesen).
Roland Breitenbach hat gesagt…
Mit einem Unvernünftigen mach nicht viele Worte, und geh nicht mit einem Schweinfurt (Sir 22:13)

Hier in diesem Teil Frankens am Main lebe und arbeite ich.
manfredjosef hat gesagt…
Wenn also der Sohn euch freimacht, werdet ihr wirklich Freising. (Joh 8,36)
Andreas Metge hat gesagt…
Da sich ja – typisch Sommerloch? – momentan hier im Blog himmlische Ruhe ausbreitet, habe ich mich auch mal in Niedersachsen umgesehen nach biblischen Ortsnamen:

• Kann es sein, dass der Vatikan an der falschen Stelle errichtet ist? Meiner Recherche nach fand der Apostel Petrus das Martyrium nicht in Rom, Italien. Die korrekte Lesart müsste lauten: „29591 Römstedt“ bei Bad Bevensen in der Lüneburger Heide. Ich arbeite gerade daran herauszufinden, wie der gute Mann da wohl hingekommen ist und ob die dort lebenden (mehrheitlich evangelischen Christen) gegen die Umsiedlung des Petersdoms etwas einzuwenden hätten …
• Teile des Alten und des Neuen Testaments müssen neu betrachtet werden: Jericho kann unmöglich die Oasenstadt am Westufer des Jordan sein! Es ist vielmehr an der Nordseeküste zu lokaliesier, und zwar bei Butjadingen an der Wesermündung. Das mag auch erklären, wieso der Weg bis nach Jerusalem genug Zeit zum Erzählen eines ganzen Lebens nebst Nachfragen und Erklärungen bot …
• Verständlich wird diese Lokalisierung allerdings sofort, wenn man für das in der Bibel erwähnte Jerusalem das Örtchen zwischen Soltau und Rotenburg/ Wümme in Betracht zieht. Auch dann ergibt sich noch ein beträchtlich längerer Weg von Jericho nach Jeruslem ...

Ich gebe zu, dass diese ersten Resultate mehr Fragen aufwerfen als sie Antworten geben. So haben aber die Einleitungswissenschaftler und Exegeten auch in Zukunft einige Beschäftigung!
Manfred Kammerer hat gesagt…
Also, ihr Lieben, die Idee und deren Umsetzung finde ich ganz toll und unterhaltend. Aber die Deutsche Sprache wird doch schon arg gebeugt. Kann mir bitte jemand sagen, ob ihr das bewusst und absichtlich macht oder ob ihr, wie es Mama Bavaria beim Nockherberg 2016 mit Bezug auf Hubert Aiwanger formuliert hat, "Opfer des Bayerischen Schulsystems" seid?
Herzliche Grüße,

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