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Posts mit dem Label "Exegetische Hinweise" werden angezeigt.

Osterwitz-Figur Nikodemus

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In den letzten Tagen hat ein Osterwitz in verschiedenen Variationen die Runde gemacht: Nikodemus versucht entweder Josef von Arimathäa zur Herausgabe seines Familiengrabes für die Beisetzung Jesu zu gewinnen oder sich vor seiner Frau zu rechtfertigen, dass er selbst das Familiengrab für diesen Zweck hergegeben hat. Entscheidendes Argument in beiden Fällen: »Es ist ja nur für das Wochenende« (wahlweise: »nur für drei Tage)«. Zuerst habe ich gelacht, dann meldete sich der Exeget und sagte: »Eine interessante Fortschreibung der johanneischen Figurenzeichnung!« Man muss Exegeten nicht dafür bedauern, dass sie Osterwitze nicht ohne Hintergedanken genießen können. Wie sich zeigen wird, kann man Osterwitze auch exegetisch ausschlachten. Aber der Reihe nach: Schauen wir uns die Nikodemusfigur im Johannes-Evangelium etwas näher an. Das nächtliche Gespräch mit Jesus Erstmals taucht Nikodemus in 3,1 auf. Nachts besucht er Jesus. Dabei soll er als Vertreter einer Gruppe wahrgenommen werd...

Sonntagsevangelium (155)

12. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 4,35-41 Die Geschichte von der Stillung des Sturmes ist stark geprägt von Bezügen auf das Alte Testament. Dies zeigt sich zum einen in mehreren Anspielungen und wörtlichen Anklängen an den ersten Teil der Jona-Geschichte . (1) Bei der Schilderung der Not (Mk 4,37) wird man an Jon 1,4 erinnert. In beiden Fällen begegnet die Reihenfolge »Wind – aufgewühltes Wasser – gefährdetes Schiff«. Außerdem finden wir eine (fast) wörtliche Übereinstimmung: „Es entstand ein großer Wirbelsturm auf dem Meer.“ (Jon 1,4). „Und es entsteht ein großer Sturmwind.“ (Mk 4,37) (2) Der Passagier, der schließlich die Rettung bringt, schläft, als die Gefahr entsteht. Jona steigt in den unteren Schiffsraum, schläft dort und schnarcht (Jon 1,5); Jesus liegt im Heck und schläft auf einem Kopfkissen (Mk 4,38). (3) In der Bitte um Rettung verwenden die Jünger ein Wort, das auch die Seeleute an der entsprechenden Stelle Jona gegenüber gebrauchen. Nachdem sie Jona geweckt h...

Auferstehung und leeres Grab

Vor einigen Wochen wurde Klaus Berger mit einer erschreckenden statistischen Erkenntnis zum Zustand des Osterglaubens zitiert: »An den theologischen Fakultäten glauben nur zwei von hundert Lehrenden … an die Auferstehung Christi«. (s. hier   im 6. Absatz). Bei allem Respekt vor Bergers Gelehrsamkeit: Woher weiß er das? Und wichtiger noch: Was meint er genau? Der Autor des Blog-Beitrags, der ihn zitiert, fragt danach – kaum überraschend – nicht, aber man kann vermuten, wie er den Satz versteht, denn er fährt fort: »Dieses fasste ein katholischer Priester in Baden in einer Predigt so zusammen: 'Die Krippe in Bethlehem war leer und das Grab in Jerusalem war voll.'« Muss man, um an die Auferstehung Jesu zu glauben, daran glauben, dass das Grab leer war? Gehen wir dieser Frage ein wenig nach. Die Mehrdeutigkeit des leeren Grabes  Dass das Grab Jesu leer war, spielt im Neuen Testament nur im Zusammenhang der Erzählung vom Gang der Frauen bzw. von Petrus und dem geliebten ...

Der Sieg am Kreuz

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Zum Karfreitag einige Beobachtungen zur Besonderheit der johanneischen Passionsgeschichte.  Das Johannes-Evangelium unterscheidet sich auch in der Darstellung der Passion sehr stark von den anderen drei Evangelien. Es beschreibt Jesu Leiden nicht als Weg in die Niedrigkeit, sondern stellt sie als ein Geschehen dar, das von Jesus selbst souverän bestimmt wird. Das Kreuz ist nicht Ort von Schmach und Ohnmacht, sondern der Vollendung und Verherrlichung. Vorverweise im Evangelium Dass die Passion Jesu in diesem Sinn zu verstehen ist, klärt der Evangelist durch Vorverweise im Verlauf des öffentlichen Wirkens Jesu. Solange die Stunde Jesu nicht gekommen ist, können auch seine Widersacher ihm nichts anhaben ( Joh 7,30 .44 ; 8,20 ). Sie bestimmen ihr Handeln gegen Jesus nicht selbst, sondern sind darin abhängig von der festgesetzten Zeit. Noch klarer äußert sich der johanneische Jesus freilich selbst im Rahmen der Hirtenrede: Niemand hat die Macht, ihm das Leben zu neh...

Sonntagsevangelium (154)

34. Sonntag im Jahreskreis (A), Christkönigssonntag: Mt 25,31-46 Die Grundbotschaft der Szene vom großen Weltgericht ist klar: Taten der Liebe entscheiden, als dem Menschensohn erwiesene Barmherzigkeit, über Heil und Unheil im Endgericht. Umstritten ist aber das Verständnis von zwei Wendungen, die für die Auslegung der Szene wesentlich sind. Wer ist genau gemeint mit »alle Völker« und wer sind die »geringsten Brüder«, mit denen sich der Weltenrichter identifiziert (25,40)? Im ersten Fall geht es um die Frage, wer von der geschilderten Gerichtsszene betroffen ist; der zweite Streitpunkt betrifft die Reichweite des Einsatzes für Notleidende: Sind alle Menschen gemeint, die auf Werke der Barmherzigkeit angewiesen sind, oder ist der Bruderbegriff restriktiver zu fassen? Der mit »Völker« (gr. ἔθνη / ethne ) übersetzte Begriff kann verschiedene Nuancen haben. Im Gegenüber zum erwählten Gottesvolk Israel bezeichnet er die Nicht-Juden, also die Heiden. In diesem Sinn spricht Paulus in Gal...

Sonntagsevangelium (153)

33. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 25,14-30 (oder 25,14-15.19-21) Das Gleichnis vom anvertrauten Geld ist in zwei sehr unterschiedlichen Fassungen überliefert (s.a. Lk 19,11-27 ). Sie gehen so weit auseinander, dass fraglich ist, ob Matthäus und Lukas dieselbe Vorlage benutzt haben, sie also auf einen Text der ihnen gemeinsamen Spruchquelle ( Q ) zurückgreifen konnten. Möglich ist auch, dass sie verschiedene Versionen aus der mündlichen Überlieferung aufgenommen haben. Vergleicht man beide Fassungen bei der Suche nach der ursprünglichen Gestalt, ist keine eindeutig zu favorisieren. Sekundäre Merkmale begegnen sowohl bei Matthäus als auch bei Lukas (vgl.  Ulrich Luz,  Das Evangelium nach Matthäus, Bd. III, Neukirchen-Vluyn/Ostfildern 1997, 496f). So dürfte im dritten Evangelium die Einbettung in ein machtpolitisches Szenario (mit Anspielungen auf die Geschichte des Herodessohns Archelaos) ein späteres Element sein. Matthäus dagegen bietet wohl eine nachträglich erhöhte Geld...

Sonntagsevangelium (152)

  32. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 25,1-13   Zum Gleichnis von den zehn Jungfrauen wird das Verständnis des Geschehensablaufs diskutiert. Umstritten ist, wo die eigentliche Handlung beginnt. Üblicherweise wird der Eröffnungssatz vom Hinausziehen in diesem Sinn gedeutet, es folgt eine eingeschobene Personenbeschreibung (25,2-4), ehe in 25,5 der Erzählfaden wieder aufgenommen wird. Einem anderen Vorschlag zufolge ist 25,1 als Überschrift des Gleichnisses zu lesen, die Handlung beginne erst in 25,5 mit der Notiz, dass sich die Ankunft des Bräutigams verzögere. Deshalb heiße im nächsten Vers: »Geht hinaus zur Begegnung mit ihm!« Die Frauen sind also noch gar nicht hinausgegangen; erst jetzt werden sie dazu aufgefordert (vgl. Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus, Bd. III, zu Mt 25,1-13). Die geschilderte Differenz hat Folgen für das Verständnis des ganzen Erzählganges: Beginnt die Handlung bereits mit dem Hinausgehen in 25,1, ist daran gedacht, dass die Jungfrauen mit b...

Sonntagsevangelium (151)

Allerseelen: Joh 11,17-27 Die Wundergeschichten des Johannes-Evangeliums werden in drei Fällen durch »Ich-bin-Worte« in ihrem metaphorischen Gehalt erläutert (Brotvermehrung: 6,35 ; Blindenheilung: 9,5 ; Auferweckung des Lazarus: 11,25f). Dadurch tritt der Grundzug dieser Erzählungen deutlich hervor: Sie sind Zeichen, die auf die Bedeutung des Wundertäters verweisen. In der Erzählung von der Auferweckung des Lazarus ist das Ich-bin-Wort eingebettet in den Dialog Jesu mit Martha, der deshalb als Kernstück der Wundergeschichte bezeichnet werden kann. Martha eröffnet das Gespräch mit einem Bekenntnis zur Wundermacht Jesu: Er hätte den Tod ihres Bruders verhindern können. Traut sie Jesus auch zu, die Grenze des Todes zu überwinden? Der Text bleibt in der Schwebe. »Aber auch jetzt weiß ich, dass Gott dir geben wird, was immer du erbittest.« Da die Auferweckung des Lazarus mit dem Gebet Jesu zum Vater verbunden wird ( 11,41f ), kann man einerseits in den Worten Marthas die Hoffnung ausge...

Sonntagsevangelium (150)

30. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 22,34-40 In der Erzählung von der Frage nach dem größten Gebot hat Matthäus seine Vorlage Mk 12,28-34 in starkem Maß verändert. Bereits die szenische Einleitung unterscheidet sich. Bei Markus geht der Schriftgelehrte auf Jesus zu, weil der den Sadduzäern gut geantwortet hatte (s. Mk 12,18-28 ); er sucht das Gespräch mit einem kompetenten Lehrer. Im Matthäus-Evangelium dagegen entsteht der Eindruck, dass die Pharisäer für die geschlagenen Sadduzäer in die Bresche springen: eine konzertierte Aktion der Pharsiäer und Sadduzäer, die mit der Frage nach der Erlaubtheit der Kaisersteuer begann ( 22,15-22 ), mit der nach der Totenauferstehung fortgesetzt wurde ( 22,23-33 ) und jetzt das Thema des wichtigsten Gebotes der Tora behandelt. Pharisäer und Sadduzäer wechseln sich  dabei als Gegner Jesu ab. Zum polemischen Kontext passt auch, dass Matthäus die Passage übergeht, die vom Einverständnis zwischen Fragesteller und Jesus handelt (Mk 12,32-34). Aus...

Sonntagsevangelium (149)

29. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 22,15-21 Die Erzählung von der Frage nach der Kaisersteuer hat Matthäus mit nur kleinen Änderungen aus dem Markus-Evangelium übernommen (s. Mk 12,13-17 ). Ob es erlaubt sei, dem Kaiser Steuer zu geben, kann man nur auf den Willen Gottes bezogen sinnvoll fragen. Im Rahmen des politischen Systems ist es nicht nur zweifellos erlaubt, sondern zwingend erforderlich, dem Kaiser Steuer zu geben. Strittig ist die Frage nur innerhalb des religiösen Systems, und dies bekanntermaßen gerade in der Zeit, in der Jesus gewirkt hat. Als im Jahr 6 nC das Herrschaftsgebiet des Herodessohns Archelaos direkter römischer Verwaltung unterstellt wurde, wurde eine Steuerschätzung durchgeführt. Sie rief den Protest jüdischer Frommer hervor, und dies in einem Gebiet, das von der Steuerschätzung gar nicht betroffen war: Galiläa. Dieser Umstand unterstreicht, dass die Problematik der Kaisersteuer nicht allein in der finanziellen Last gesehen wurde, sondern Fragen der Treue zur...

Sonntagsevangelium (148)

28. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 22,1-14 (oder Mt 22,1-10) Das Gastmahl-Gleichnis ist in zwei Fassungen überliefert, die sich im Wortlaut zwar stark unterscheiden, aber dasselbe Grundgerüst aufweisen: Es erfolgt eine Einladung zu einem Gastmahl, die Eingeladenen lehnen ab, und daraufhin werden andere, ursprünglich nicht angezielte Gäste eingeladen. Im Wesentlichen besteht Einigkeit darüber, dass die ursprüngliche Form des Gleichnisses eher in Lk 14,16-24 bewahrt ist und Matthäus die Erzählung mit allegorischen Zügen angereichert hat. In seiner Fassung verändert sich das Personeninventar und der Anlass des Mahles. Nun lädt ein König ein, und zwar zur Hochzeitsfeier seines Sohnes. Die zweite Besonderheit der matthäischen Fassung: Es ergeht eine doppelte Einladung an die eigentlich angezielten Gäste (22,3f). Der erste Versuch findet eine schroffe Ablehnung. Der Erzähler stellt einfach kurz fest: »Sie aber wollten nicht kommen.« Dies ist, nicht zuletzt angesichts des Autoritätsgef...

Sonntagsevangelium (147)

27. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 21,33-44 Das Gleichnis von den bösen Winzern hat Matthäus aus dem Markus-Evangelium übernommen ( Mk 12,1-12 ) und mit einigen Änderungen versehen: So wird nun von Anfang eine Mehrzahl von Knechten gesandt (21,34); die Winzer reagieren darauf schon beim ersten Mal mit der Tötung von Boten (21,35); der schließlich gesandte Sohn wird erst aus dem Weinberg geworfen und dann getötet (21,39). Den Dialog mit den Hörern – nach 21,23 Hohepriester und Älteste, nach 21,45 Hohepriester und Pharisäer – hat Matthäus umgestaltet und erweitert (21,43f). Der Stoff der Handlung ist prinzipiell der Lebenswelt Palästinas entnommen: Dass Landbesitz zur Bebauung verpachtet wurde und der Besitzer sich an einem anderen Ort aufhielt, war durchaus normal. Pächter von Landgut waren meist am unteren Ende der sozialen Skala angesiedelt (eine Stufe vor den Tagelöhnern). Die Bedingungen der Pachtverträge waren gewöhnlich ungünstig für die Pächter: Sie hatten das Risiko des Er...

Sonntagsevangelium (146)

26. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 21,28-32 Das Gleichnis von den zwei Söhnen, nur im Matthäus-Evangelium zu lesen, mündet in eine Anwendung, die auffälligerweise in einen Dialog eingebunden ist: Im Anschluss an das Gleichnis (21,28-30) stellt Jesus eine Frage, die sich auf den Inhalt der Geschichte bezieht, und erhält die unausweichliche Antwort (21,31a); auf diese Antwort hin erfolgt die Anwendung des Gleichnisses in zwei Stufen (21,31b.32). Die Erzählung ist einfach aufgebaut: Zwei Söhne werden von ihrem Vater zur Arbeit in den Weinberg geschickt. Der erste weigert sich, besinnt sich dann aber und geht doch; der zweite stimmt zu – und geht nicht. Der Geschichte kommt es nur auf die Gegenüberstellung der unterschiedlichen Verhaltensweisen der beiden Söhne an. Andere, bei der erzählten Konstellation naheliegende Fragen werden nicht berührt. Etwa: Wie reagiert der Vater auf die Weigerung des ersten Sohnes? Erfährt er von dessen Sinneswandel? Sendet er den zweiten Sohn nur, weil der...

Sonntagsevangelium (145)

25. Sonntag im Jahreskreis (A):  Mt 20,1-16a Das Bildfeld des Gleichnisses von den Arbeitern im Weinberg entstammt der palästinischen Arbeitswelt zur Zeit Jesu. Hier gab es das System der Lohnarbeit, die jeden Tag neu vergeben wurde. Dieses System setzt das Gleichnis voraus, kritisiert es aber nicht, auch nicht durch die ungewöhnliche Lohnverteilung am Ende des Arbeitstages. Der Weinbergbesitzer argumentiert gegenüber dem Einspruch der Arbeiter der ersten Stunde u.a. auch damit, mit seinem Eigentum machen zu können, was ihm beliebt (16,15a). Die Art der Arbeitsorganisation wird also nicht angegriffen; innerhalb des Bildfeldes bleibt die Erzählung ganz im Rahmen jenes Konzeptes, das Arbeit an Tagelöhner vergab. Es wird nicht an der Person des Gutsherrn die Macht der Besitzenden und an den Tagelöhnern die Ohnmacht der Armen dargestellt bzw. kritisiert.  Das Gleichnis erzählt von einem Weinbergbesitzer, der mehrmals am Tage auszieht und Arbeiter für seinen Weinberg anwirb...

Sonntagsevangelium (144)

Kreuzerhöhung: Joh 3,13-17 Im Dialog zwischen Jesus und Nikodemus kommen Sendung und Bedeutung Jesu grundsätzlich zur Sprache. Der Lesungstext beginnt mit einer auffälligen Aussage über den Menschensohn. Dass der Menschensohn in den Himmel hinaufgestiegen sei (3,13), kann man eigentlich nur im Rückblick auf das Geschick Jesu sagen. Jesus ist hier also Sprecher des Gemeindebekenntnisses. Die Zeitebenen zwischen Jesus und gläubiger Gemeinde werden überblendet, wie es ja auch grundsätzlich für das Johannes-Evangelium gilt: In ihm verkündet Jesus nichts anderes als entfaltete, hoheitliche Christologie. Dass ausgeschlossen wird, ein anderer als der Menschensohn sei in den Himmel hinaufgestiegen, muss nicht gegen die gnostische Vorstellung vom Aufstieg der Seele in die obere Lichtwelt oder gegen apokalyptische Visionen gerichtet sein. Es drückt sich hier die exklusive Nähe Jesu zu Gott aus, die bereits im Prolog bekannt wurde. Diese ausschließliche Verbindung wird in die Rede von Abs...

Sonntagsevangelium (143)

23. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 18,15-20 Ein Abschnitt der sogenannten Gemeinderede (Mt 18,1-35) befasst sich mit dem Verhalten dem sündigen Bruder gegenüber (18,15-17). Vorgesehen ist ein mehrstufiges Verfahren der Zurechtweisung bis hin zum Ausschluss aus der Gemeinde. In diesem Sinn ist die Formulierung »er sei für dich wie ein Heide und Zöllner« (18,17) wohl ursprünglich gemeint gewesen.  Damit gerät der Abschnitt aber in Spannung zu anderen Texten des Matthäus-Evangeliums: Jesus wendet sich den Zöllnern zu, beruft sogar einen von ihnen in den Zwölferkreis ( 9,9 ; 10,3 ); er verbietet zu richten ( 7,1f ) und sagt, erst das Gericht des Menschensohnes führe die endgültige Scheidung von Gut und Böse herbei ( 1 3,36-43 ).  Auch im Zusammenhang der Gemeinderede sind sonst die Akzente anders gesetzt. In 18,21f   wird die unbegrenzte Vergebungsbereitschaft gefordert; das Gleichnis vom verlorenen Schaf ( 18,12-14 ) ist im Rahmen der Mahnungen zum gege...

Sonntagsevangelium (142)

22. Sonntag im Jahreskreis (A):  Mt 16,21-27 Mit der ersten Leidensankündigung (16,21) kommt der Weg Jesu nach Jerusalem in den Blick. Die Verbindung von Messias-Titel und Leidensankündigung ( Mk 8,29-31 ) hat Matthäus dadurch abgeschwächt, dass er die Verheißungsworte Jesu an Petrus eingefügt hat ( 16,17-19 ). So rücken Leiden Jesu und Kreuzesnachfolge der Jünger (16,24-26) noch stärker zusammen. Den Einspruch des Petrus gegen das Leiden Jesu (16,22f) hat Matthäus deshalb wohl auch als Einspruch gegen die Leidensnachfolge der Glaubenden verstanden.  Dass sie besonders im Blick des Evangelisten sind, wird auch durch eine kleine Änderung der Markus-Vorlage unterstrichen: Nach Matthäus richtet sich die Belehrung Jesu zur Kreuzesnachfolge allein an die Jünger , das Volk ist nicht eingeschlossen (anders Mk 8,34 ). Selbstverleugnung und Kreuztragen sind im Zusammenhang der Christusnachfolge zu verstehen. Es geht nicht um ein asketisches Ideal oder um Verherrlichung des Leidens; ...

Sonntagsevangelium (141)

20. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 15,21-28 Die Grundstruktur der Erzählung von der Bitte einer nichtjüdischen Frau hat Matthäus aus dem Markus-Evangelium übernommen ( Mk 7,24-30 ), und dennoch eigene Akzente eingebracht. Gemeinsam ist beiden Fassungen: Jesus hält sich in überwiegend heidnisch besiedeltem Gebiet auf (bei Tyrus und Sidon), hat aber offensichtlich nicht vor, unter Heiden zu wirken. Dass Jesus sich in einem heidnischen Haus   aufgehalten hätte, dürfte auch Markus nicht angenommen haben. Matthäus markiert die Grenze aber noch deutlicher und lässt Jesus erst gar nicht in ein Haus gehen. In seiner Version kommt die Frau heraus  (Mt 15,22 ungenau die Einheitsübersetzung: »sie kam zu ihm«). Diese Aussage ist nicht mit der Ortsangabe zu verbinden (»eine kanaanäische Frau kam aus jener Gegend heraus«); sie deutet vielmehr an, dass die Szene auf der Straße spielt: »Eine kanaanäische Frau aus jener Gegend kam heraus«. Außerdem wird in der Fassung des Matt...

Sonntagsevangelium (140)

19. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 14,22-33 Die Geschichte vom Seewandel Jesu ist von zahlreichen Motiven geprägt, durch die die Bedeutung Jesu erzählerisch dargestellt wird. Der Berg  ist vom Alten Testament her mit dem Gedanken der besonderen Nähe zu Gott verbunden (z.B. Ex 19,3 ; Ex 24,15f ). Im Matthäus-Evangelium erscheint der Berg als Ort der Lehre Jesu ( 5,1ff ) und als Ort von Heilungen ( 15,29-31 ); mit ihm verbindet sich besondere Offenbarung ( 17,1-9 ; 28,16-20 ), in der Geschichte vom Seewandel ist er Ort des Gebetes. Die nachfolgende Erscheinung Jesu auf dem See (in göttlicher Macht) wird vorbereitet durch das Gebet auf dem Berg als dem besonderen Ort der Gottesnähe. Die Jünger im Boot sind mit mehreren Chaosmächten konfrontiert. Die Motive sind aus den Psalmen bekannt als Bilder äußerster Bedrängnis: Wasser (z.B. Ps 32,6 ; 69,2f ), Nacht ( Ps 91,5 ), Stürme ( Ps 107,23-32 ; Jon 1 ). Durch die Häufung der Motive hat der Gang Jesu auf dem Wasser auch de...

Eucharistie, Sättigungsmahl und Paulus

Vor einigen Wochen beschwerte sich kath.net in einem nachträglich entschärften Artikel über einen Kritiker, der »ohne Beweise« behauptet habe, »dass die 'selbsternannten Glaubenshüter und Moralwächter' mit 'perfider Akribie' auf die Suche 'nach Verfehlungen und Häresien' gingen«. Schon damals war es erstaunlich, dass man sich über die fehlenden Beweise beschwerte. Hat man bei kath.net keinen Zugang zum eigenen Archiv? Eine Suche nach Begriffen wie BDKJ (oder BD?J), Fürst, Hilpert, Lehmann, Memorandum, Valentin, Wendel, Werlen, Weltbild, Zollitsch (die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit) könnte die Beweislage rasch ändern. Jetzt ist auch der Name Guido Fuchs in die Liste aufzunehmen. Der Liturgiewissenschaftler, apl. Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät Würzburg, ist dafür eingetreten, die Feier der Eucharistie mit wirklichen Mahlzeiten zu verbinden. Die Diskussion über diesen Vorschlag überlasse ich den Leuten vom Fach. Hier soll e...