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Es werden Posts vom August, 2012 angezeigt.

Sonntagsevangelium (41)

22. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 7,1-8.14-15.21-23 Die Debatte über rein und unrein (Mk 7,1-23) geht aus von einer Kritik der Pharisäer am Verhalten der Jünger Jesu: Sie  waschen sich vor dem Essen nicht die Hände und  halten sich so nicht an die  » Überlieferung der Alten « . Mit diesem Begriff wird  die in pharisäischen Kreisen mündlich weitergegebene Auslegung des Gesetzes bezeichnet. Die Tora selbst schreibt das Händewaschen vor dem Essen nicht vor. Allein in Regelungen für Priester im Tempeldienst finden sich entsprechende Bestimmungen (vgl. Ex 30,17-21 ). Dass die Pharisäer sie in den Alltag übertragen, passt in das Bild dieser Gruppe: Sie hat sich besonders um kultische Reinheit bemüht und sich dabei an den umfänglicheren Vorschriften für Priester orientiert, obwohl ihre Mitglieder dazu nicht verpflichtet waren.

Sonntagsevangelium (40)

21. Sonntag im Jahreskreis (B): Joh 6,60-69 Reaktionen der Volksmenge oder  » der Juden «  auf die Selbstoffenbarung Jesu unterbrechen immer wieder die Brotrede in Joh 6: in dialogischen Elementen ( 6,28.30f.34 ) oder im ablehnenden Murren und Streiten ( 6,41.52 ). Eine abschließende Antwort nach dem Ende der Rede geben aber allein die Jünger Jesu.  Ihre Reaktion ist gespalten; darin schlagen sich wahrscheinlich Spaltungen innerhalb der johanneischen Gemeinde nieder. Viele Jünger sagen sich von Jesus los (6,60.66). Die anderen Evangelien kennen eine solche  »galiläische Krise« nicht. Der Erzähltext wird hier wohl durchsichtig auf die Geschichte der Adressaten.

Sonntagsevangelium (39)

20. Sonntag im Jahreskreis (B): Joh 6,51-58 Am Ende von 6,51 kommt es innerhalb der Brotrede zu einem grundlegenden Wechsel der Brotmetaphorik. (1) Hieß es bislang, Jesus sei das Brot, so wird nun ohne jede nähere Erläuterung gesagt, er werde dieses Brot geben . Dass er sich als Lebensbrot selbst gebe, ist in der Brotrede bis zu dieser Stelle nicht vorbereitet und würde die bis dahin erkennbare Metaphorik verengen. (2) Nun ist nicht mehr  » Brot «  der prägende Begriff, sondern  » Fleisch «  und  » Blut «  des Menschensohnes. Eine innere Verbindung zur Brotrede ergibt sich höchstens in der Gleichsetzung von  » Brot «  und  » Fleisch « ; dass man das Blut des Menschensohnes trinken müsse, ist ein neuer Gedanke. (3) War bislang in der Stellung zu Jesus als dem Lebensbrot der Glaube entscheidend, so ist dieses Stichwort im  » eucharistischen Abschnitt «  (6,51c-58) abwesend. Hier geht es nur um das Essen des Fleisches und Trinken des Blutes. Diese Beobachtungen legen nahe, dass der Abschn

In eigener Sache

Ich gönne mir für wenigstens eine Woche eine Pause und lasse die Kommentarspalten am Urlaub teilhaben. Die Beiträge zum Sonntagsevangelium sollen trotzdem erscheinen. Allen Leserinnen und Lesern einen erholsamen sonnigen Sommer!

Sonntagsevangelium (38)

19. Sonntag im Jahreskreis (B): Joh 6,41-51 Die Hörer der Brotrede nehmen Anstoß an Jesu Selbstbezeichnung als das vom Himmel herabgestiegene Brot. Sie sehen einen Widerspruch zu der ihnen bekannten irdischen Herkunft Jesu. Ist ihr Fehler, dass sie die irdischen Eltern Jesu zu kennen meinen, während Jesus als Geistgezeugter doch keinen irdischen Vater hat? Das Johannes-Evangelium bietet die Aussage von der geistgewirkten Empfängnis allerdings nicht. In Joh 1,45 stellt Philippus Jesus dem Natanael als denjenigen vor, von dem Mose und die Propheten geschrieben haben, und identifiziert ihn dann als  » Jesus, Sohn Josefs, von Nazaret « . Dass Philippus hier etwas Falsches sagte, ist aus dem Zusammenhang nicht zu erkennen. Der Evangelist kann also durchaus von der irdischen Vaterschaft Josefs ausgegangen sein, entscheidend ist aber in seinen Augen, Jesus nicht nach dieser irdischen Herkunft zu beurteilen. Wer Joseph für den Vater hält, hat nicht verstanden, wessen Sohn Jesus in Wirkli

Wunder und »Kinderglaube«

In den Kommentaren wurde neulich angeregt, hier auf einen Gastbeitrag von Eduard Habsburg auf kath.net einzugehen, der vor allem die Haltung zur Historizität von Wundererzählungen im Neuen Testament behandelt. Aufhänger ist das Erlebnis eines Theologiestudenten: Er wurde auf seine Frage, ob die Geschichte von der Brotvermehrung nicht doch in der Form historisch sein könne, wie sie im Neuen Testament erzählt werde, von einem Professor mit den Worten abgekanzelt, er solle endlich seinen lächerlichen Kinderglauben ablegen. Der Autor fragt daraufhin: »Ist es 'lächerlicher' 'Kinderglaube', darauf zu vertrauen, dass die Ereignisse des Lebens Jesu sich in etwa so abgespielt haben, wie das Neue Testament sie berichtet?« Und er lehnt eine solche Konsequenz aus drei Gründen ab.

Sonntagsevangelium (37)

18. Sonntag im Jahreskreis (B): Joh 6,24-35 Die Erzählung von der Brotvermehrung endete mit dem Rückzug Jesu von der Volksmenge. Am folgenden Tag kommt es - nach der im Jüngerkreis spielenden Geschichte vom Seewandel ( Joh 6,16-21 ) - wieder zum Zusammentreffen, weil die Menge Jesus sucht (6,22-24).  Jesus greift diese Suche auf und benennt ihren eigentlichen Grund: Die Leute haben das Wunder der Brotvermehrung nicht als Zeichen verstanden, sondern ist bei dem äußeren Geschehen der Sättigung mit Broten stehen geblieben (6,26). Diese Aussage kann als Schlüssel zur Zeichen-Theologie des Johannes-Evangeliums verstanden werden. Johannes ist der einzige Evangelist, der den Begriff  »Zeichen «  in positivem Sinn für die Wunder Jesu verwendet. Recht verstanden sind ihm zufolge die Wunder dann, wenn sie als Verweis auf den Wundertäter verstanden werden und zum Glauben an ihn führen. Jesus bescheinigt seinen Hörern, dass sie diesen Schritt nicht getan haben.  Die Kritik weist, wenn man den