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Posts mit dem Label "Historische Fragen" werden angezeigt.

Auferstehung und leeres Grab

Vor einigen Wochen wurde Klaus Berger mit einer erschreckenden statistischen Erkenntnis zum Zustand des Osterglaubens zitiert: »An den theologischen Fakultäten glauben nur zwei von hundert Lehrenden … an die Auferstehung Christi«. (s. hier   im 6. Absatz). Bei allem Respekt vor Bergers Gelehrsamkeit: Woher weiß er das? Und wichtiger noch: Was meint er genau? Der Autor des Blog-Beitrags, der ihn zitiert, fragt danach – kaum überraschend – nicht, aber man kann vermuten, wie er den Satz versteht, denn er fährt fort: »Dieses fasste ein katholischer Priester in Baden in einer Predigt so zusammen: 'Die Krippe in Bethlehem war leer und das Grab in Jerusalem war voll.'« Muss man, um an die Auferstehung Jesu zu glauben, daran glauben, dass das Grab leer war? Gehen wir dieser Frage ein wenig nach. Die Mehrdeutigkeit des leeren Grabes  Dass das Grab Jesu leer war, spielt im Neuen Testament nur im Zusammenhang der Erzählung vom Gang der Frauen bzw. von Petrus und dem geliebten ...

Stephanus und die »Hellenisten«

Stephanus ist als der erste Märtyrer der Kirche bekannt. Er hat aber nicht nur durch sein Zeugnis im Tod Bedeutung für die Kirche, sondern mindestens ebenso durch sein Wirken davor. Er gehörte zum Kreis der »Hellenisten«, die in der Apostelgeschichte neben den »Hebräern« genannt werden. Man versteht darunter gewöhnlich zwei Gruppen in der Jerusalemer Urgemeinde, die sich vor allem durch ihre Sprache unterscheiden. Die Hellenisten sind griechisch sprechende Judenchristen, die ursprünglich aus der Diaspora stammten; mit den Hebräern sind aramäisch sprechende palästinische Judenchristen gemeint. Die »Hellenisten« sind also keine Griechen im Sinne von Heiden, auch nicht Juden, die der hellenistischen Kultur angepasst waren. Beide Gruppen geraten in Konflikt miteinander, nach Darstellung der Apostelgeschichte aufgrund von Missständen bei den gemeinsamen Mahlzeiten: Die Witwen der Hellenisten seien hier übersehen worden. Daraufhin werden sieben Männer ausgewählt (alle mit griechischen...

Wie man Geschichte nicht schreiben soll (2)

Michael Hesemann hat auf die Kritik, die ich kürzlich an seiner Art der Geschichtsschreibung geäußert habe, reagiert und eine Erwiderung geschrieben, die er auf seiner Homepage und auf kath.net veröffentlicht hat. Diese Erwiderung bestätigt nicht nur voll und ganz die Schwäche seiner historischen Argumentation, sondern zeigt auch, dass sich Hesemann auf historische Argumente nicht verlassen will. Er sieht nämlich meine Ausführungen als Hinweis darauf, dass man mich an die Lehre der Kirche erinnern müsse. Dafür ist ihm zu danken, denn ich wüsste nicht, was das Urteil, Hesemann denke nicht historisch, besser bekräftigen könnte. Er will auch nicht allein das Argument treffen, sondern den, der es vorgetragen hat. Zwar schießt er in beiden Fällen daneben, lässt als Illusionskünstler sein kath.net -Publikum aber glauben, er sei ein vorzüglicher Schütze. »Bei dem hier wissen wir, woher er ist« (Joh 7,27)  Damit das Ganze funktioniert, wird den Lesern zunächst klar gemacht, mit wem...

Wie man Geschichte nicht schreiben soll

Michael Hesemann hat schon vor einem Jahr Anlass zu einer Replik gegeben, als er den weihnachtlichen Faktencheck einer ZDF-Sendung einer kritikwürdigen Kritik unterzog (s. hier ). Erst kürzlich bin ich auf einen Beitrag im Münchener Merkur aufmerksam geworden, in dem Hesemann im Vorfeld des Weihnachtsfestes den historischen Wert der »Kindheitsgeschichten« verteidigen durfte (s. hier ). Es geht dabei nicht überzeugender zu als in jenem Faktencheck-Check; eine detaillierte Besprechung würde deshalb auf eine Wiederholung des oben verlinkten Posts hinauslaufen. Aber eine Passage will ich dennoch herausgreifen, weil sich in ihr sehr deutlich zeigt, warum eine Argumentation à la Hesemann historisch nicht funktioniert: die Behandlung der beiden unterschiedlichen Stammbäume im Matthäus- und Lukas-Evangelium ( Mt 1,1,17 ; Lk 3,23-30 ). Die vorgetragene Lösung erfordert, dass auch die Familie Marias in die Davidslinie gehört. Dafür beansprucht Hesemann als Zeugen nicht nur das Protevangelium...

Antimodernismus und Exegese (6)

Was bisher geschah:  Nach einer knappen geschichtlichen Verortung des Antimodernismus wurden die gegen die »Modernisten« gerichteten Dekrete vorgestellt ( Folge 1 ;  Folge 2 ). Es folgte der exemplarischen Blick auf die Konsequenzen dieser Maßnahmen in Forscherbiographien ( Folge 3 ) und die Folgen für das Fach »Neutestamentliche Exegese« als Disziplin der Katholischen Theologie ( Folge 4 ), ehe sich ein etwas umfangreicherer Beitrag mit dem Ende des antimodernistischen Kurses befasste ( Folge 5 ). In diesem letzten Beitrag soll es um die Frage gehen, wie die nun offiziell anerkannte historisch-kritische Exegese in der Kirche rezipiert wird.  IV.  Bestandsaufnahme: zur Rezeption der Exegese in der Kirche  Wir haben einen weite Strecke zurückgelegt, nicht nur im Blick auf den betrachteten Zeitraum, sondern mehr noch, wenn man die Entwicklung betrachtet, die sich auf lehramtlicher Seite seit dem Modernismusstreit ergeben hat. Diese Umkehr ist,...

Antimodernismus und Exegese (5)

Was bisher geschah:  Nach einer knappen geschichtlichen Verortung des Antimodernismus wurden die gegen die »Modernisten« gerichteten Dekrete vorgestellt ( Folge 1 ;  Folge 2 ). Es folgte der exemplarischen Blick auf die Konsequenzen dieser Maßnahmen in Forscherbiographien ( Folge 3 ) und die Folgen für das Fach »Neutestamentliche Exegese« als Disziplin der Katholischen Theologie ( Folge 4 ). In diesem etwas umfangreicheren Beitrag wird dargestellt, wie der antimodernistische Kurs verlassen wurde.  III. Korrekturen: Der Weg zur historisch-kritischen Exegese  Die bisherige Darstellung hat Anhaltspunkte dafür gegeben, dass der strikte Abgrenzungskurs in der Bibelwissenschaft nicht in der ursprünglich intendierten Konsequenz durchgehalten werden konnte. Er führte zwar zu einer stark gebremsten Exegese, die in ihren Veröffentlichungen jenseits der Textkritik kaum einen nennenswerten Beitrag zur Forschung leisten konnte. Zugleich hat sich aber auch gezeig...

Antimodernismus und Exegese (4)

Was bisher geschah: Nach einer knappen geschichtlichen Verortung des Antimodernismus wurden die gegen die »Modernisten« gerichteten Dekrete vorgestellt ( Folge 1 ; Folge 2 ). Nach dem exemplarischen Blick auf die Konsequenzen dieser Maßnahmen in Forscherbiographien ( Folge 3 ) soll es nun um die Folgen für das Fach »Neutestamentliche Exegese« als Disziplin der Katholischen Theologie gehen.  Schlaglichter auf die Konsequenzen für Forschung und Lehre  Dass unter den dargestellten Bedingungen die Forschung zum Neuen Testament nicht gedeihen konnte, liegt auch der Hand. Die lehramtlichen Vorgaben, die eine Auseinandersetzung mit den aufgebrochenen Fragen unterbinden wollten, und die Responsa der Bibelkommission, die ohne eigentliche Sachargumentation exegetische Fragen entschieden, mussten wie eine Fessel für die katholische Exegese wirken. Wenn deren Vertreter in Kontakt mit der zeitgenössischen protestantischen Exegese bleiben wollten, mussten sie äußerst vorsic...

Antimodernismus und Exegese (3)

Was bisher geschah: In Fortführung der Strategie des 19. Jahrhunderts, die Kirche von allen Neuerungen in Gesellschaft und geistigem Leben abzuschotten, wurde unter Pius X. (1903-1914) ein streng antimodernistischer Kurs eingeschlagen, der sich in einem Syllabus (Lamentabili sane exitu), einer Enzyklika (Pascendi dominici gregis) und dem Antimodernisteneid niederschlug. Die Absicht, historisch-kritische Exegese aus der katholischen Theologie herauszuhalten, und der Wille, diese Linie mit Macht durchzusetzen und jede Abweichung zu sanktionieren, führte außerdem zu Entscheiden der Päpstlichen Bibelkommission, die gegen neuere Tendenzen in der Exegese ohne Argumentation das Gewicht der Tradition betonten ( Folge 1 ; Folge 2 ) Zwar war der antimodernistische Kurs durch römische Dekrete begründet, er wurde aber nicht nur auf den offiziell vorgesehenen Wegen verfolgt. Daneben etablierte sich in der Zeit Pius' X. auch ein Spitzelwesen im  Sodalitium Pianum  – ein Geheimbun...

Antimodernismus und Exegese (2)

Was bisher geschah: Der antimodernistische Kurs Pius' X. wurde dargestellt als Fortsetzung der systematischen Abschottung der katholischen Kirche von allen geistesgeschichtlich relevanten Entwicklungen des 19. Jahrhunderts, mit der Folge, dass historisches Arbeiten in der Bibelexegese verboten wurde. Der Versuch einer historisch verantworteten Exegese von Alfred Loisy wurde nicht nur mit Zensur belegt, sondern war auch die Zielscheibe des ersten der antimodernistischen Dekrete aus dem Jahr 1907: Lamentabili sane exitu (s. hier ).  Pascendi dominici gregis Während Lamentabili , wie in der ersten Folge bereits erwähnt, in einem langwierigen Prozess in den zuständigen vatikanischen Gremien entstand, ist die Enzyklika Pascendi  »relativ schnell in einem kleinen Beraterkreis um den Papst entworfen worden «  ( Arnold, Modernismus 109). Die Akten belegen, dass Pius X. nicht unbedarft unter den Einfluss antimodernistischer Kreise geriet, sondern selbst Antimodernist war (...

Antimodernismus und Exegese (1)

Beim Kongress »Freude am Glauben«, der am vergangenen Wochenende in Augsburg stattfand, hat Prälat Wilhelm Imkamp einen Vortrag gehalten mit dem Titel »Der Modernismus als Herausforderung im Jahr des Glaubens. Geschichtliche Anmerkungen zu einem bleibenden Problem«. Dem wohlwollenden Referat von Barbara Wenz zufolge bestand der Vortrag im Wesentlichen aus einer Polemik gegen den Modernismus, die auf die gegenwärtige Situation zielt. Eine inhaltliche Substanz, die Grundlage für eine sachliche Auseinandersetzung sein könnte, ist dem Referat nicht zu entnehmen. Für einen Exegeten wird die Freude am Glauben allerdings auf eine harte Probe gestellt, wenn im Blick auf die Enzyklika Pascendi dominici gregis vom »heiligen Genie Pius X.« die Rede ist, dem zu verdanken sei, dass das Phänomen des Modernismus »einmal scharf umrissen worden ist«. Da dies nicht der erste Hinweis dafür ist, dass der Antimodernismus vom Beginn des 20. Jahrhunderts wieder rehabilitiert wird, will ich hier in mehr...

Noch einmal: Der »Credo«-Faktencheck

Das Credo-Magazin zum Jahr des Glaubens wurde in der Süddeutschen Zeitung aufs Ganze nicht unfreundlich besprochen, dennoch macht sich kath.net an eine Kritik des Artikels. Dem Autor, Matthias Drobinski , wird vorgeworfen, dass er es »mit den Fakten nicht so genau nimmt und offensichtlich kaum recherchiert hat«. Da dabei auch der Faktencheck zu Jesus, den ich kürzlich hier besprochen habe, eine Rolle spielt, soll im Folgenden betrachtet werden, wie »kath.net … ein paar Behauptungen von Drobinksi genauer unter die Lupe genommen und die Fakten nachgeprüft« hat. Dabei arbeiten wir uns zu den Fragen um den Faktencheck vor.

Die Simulation eines Faktenchecks

Zum Jahr des Glaubens haben Peter Seewald und Bischof Gregor Maria Hanke in Kooperation mit L'Osservatore Romano ein Magazin mit dem Titel »Credo« herausgegeben, das großen überregionalen Zeitungen beiliegt und auch online verfügbar ist. In ihm findet sich ein Beitrag mit dem Titel »Jesus: Der Faktencheck« (S.37). Er soll klären, ob »wir wirklich so wenige historisch gesicherte Fakten [haben], wie Kritiker behaupten«. Als zweite Frage soll in den Text ziehen: »Stimmt es, dass die Evangelien immer wieder verändert und manipuliert wurden?« Wenn diese Fragen auf einer halben Heftseite abgehandelt werden, kann man sich von vornherein auf eine eher vereinfachte Beantwortung einstellen. Diese Erwartung wird auf unerfreuliche Weise nicht enttäuscht.

Der Exegesefälscher

Klaus Berger , »emeritierter Professor für Neutestamentliche Theologie, übt scharfe Grundsatzkritik an der historisch-kritischen Methode der Bibelauslegung« – so wird ein Interview angekündigt, mit dem anscheinend das neueste Buch aus Bergers Feder beworben werden soll: Die Bibelfälscher. Wie wir um die Wahrheit betrogen werden , München 2013 (s. hier ). Auch wenn man Werbemaßnahmen eine gewisse Einseitigkeit und plakative Sprache zugesteht, wundert man sich doch, welche Register in diesem Interview gezogen werden. Wie kann ein so gelehrter Mann wie Klaus Berger eine derart plumpe Polemik vom Stapel lassen? Man könnte seine Einlassungen geradezu für eine Satire auf die Kritik an der Bibelkritik halten. Sie scheinen aber tatsächlich ernst gemeint zu sein.

Weihnachtlicher Faktencheck-Check-Check

Michael Hesemann hat die ZDF-Sendung » Das Geheimnis der Geburt Jesu « (ZDF, 25.12.12, 19.30 Uhr) gesehen und dabei hohe gesundheitliche Risiken in Kauf genommen, wäre ihm dabei doch beinahe »der Weihnachtsbraten im Halse stecken geblieben«. In einem kath.net-Interview  legt er die Gründe für die Essstörung dar, indem er den »Faktencheck« der Sendung Punkt für Punkt durchgeht. Immerhin drei von zwölf Aussagen finden Zustimmung (Jesus war Jude, eine Ausnahmeerscheinung, für die Ärmsten der Armen da). Der Rest aber wird als »geradezu hanebüchen« eingeordnet. Betrachten wir im folgenden Check diesen Check des ZDF-Faktenchecks einmal etwas eingehender. 

War er nun, oder war er nicht?

Dass ein Papyrusfetzen das Interesse der Medien findet, ist eigentlich nicht zu erwarten - es sei denn, es gibt einen Hinweis, der das überlieferte Jesusbild in Frage stellt: War Jesus verheiratet? Diese Frage beschäftigte in den den letzten zwei Wochen so manche Feuilleton- oder Wissensseite in den Zeitungen, nachdem auf einem Koptologen-Kongress in Rom ein kleines Papyrus-Fragment präsentiert worden war, in dem Jesus  „ meine Frau “  erwähnt. Dr. Stephan Witetschek , Habilitand an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München, hat an dem genannten Kongress teilgenommen und die anschließende Diskussion verfolgt. Ich habe ihn gebeten, seine Einschätzung zur Debatte um die Echtheit des Fragments darzulegen (die Links führen überwiegend auf Seiten aus dem  englischsprachigen Raum, wo die Debatte besonders intensiv geführt wird  ).  Von Stephan Witetschek Zwei Wochen sind eine lange Zeit – jedenfalls in den Medien. Zwei Wochen ist es nun her, d...

Wunder und »Kinderglaube«

In den Kommentaren wurde neulich angeregt, hier auf einen Gastbeitrag von Eduard Habsburg auf kath.net einzugehen, der vor allem die Haltung zur Historizität von Wundererzählungen im Neuen Testament behandelt. Aufhänger ist das Erlebnis eines Theologiestudenten: Er wurde auf seine Frage, ob die Geschichte von der Brotvermehrung nicht doch in der Form historisch sein könne, wie sie im Neuen Testament erzählt werde, von einem Professor mit den Worten abgekanzelt, er solle endlich seinen lächerlichen Kinderglauben ablegen. Der Autor fragt daraufhin: »Ist es 'lächerlicher' 'Kinderglaube', darauf zu vertrauen, dass die Ereignisse des Lebens Jesu sich in etwa so abgespielt haben, wie das Neue Testament sie berichtet?« Und er lehnt eine solche Konsequenz aus drei Gründen ab.

Immer diese Erdbeben ...

Erdbeben sind Katastrophen: in jedem Fall für diejenigen, die unmittelbar von ihnen betroffen sind; manchmal auch für die Auslegung der Bibel. Die Deutung von Erdbeben als Zeichen für das nahe Weltende war hier schon zweimal Thema (s. hier und hier ), nun kommt eine neue Variante hinzu. Aus Spuren eines Erdbebens am Toten Meer, »das die Geologen auf den Zeitraum zwischen 26 und 36 datieren« (so die Nachricht auf kath.net mit Bezug auf eine Meldung von Discovery News ), sollen Hinweise auf das Todesdatum Jesu am 3. April 33  gewonnen werden . Es überrascht, dass die angegebene Zeitspanne genau mit der Amtszeit des Pontius Pilatus übereinstimmt. Aber nun gut, nehmen wir diesen Zufall einmal hin. Noch erstaunlicher ist dann allerdings die Nachricht, die Ergebnisse würden nicht ausreichen, um das Todesdatum Jesu genauer zu bestimmen. Deshalb seien »weitere Faktoren« herangezogen worden. Damit hebt sich die Nachricht von der Bedeutung des Erdbebens für die Datierung des Todes Jesu se...

Todestag Jesu und Paschafest

An den Passionsgeschichten lässt sich besonders deutlich erkennen, was auch im Ganzen für die Evangelien gilt: sie sind geprägt vom Ineinander von Geschichte und Deutung. Einerseits können sie als geschichtliche Quellen ausgewertet werden, weil sie keine frei geschaffenen, rein fiktionale Erzählungen sind; andererseits sind sie aber keine Berichte, die einfach festhalten wollten, was geschehen ist. Es geht in den Evangelien in erster Linie um die Bedeutung, die dem erzählten Geschehen nach Meinung der Autoren zukommt. Was daraus für den Umgang mit diesen Texten folgt, kann an einer Detailfrage aus den Passionsgeschichten studiert werden. Alle Evangelien stimmen darin überein, dass der Todestag Jesu ein Freitag war: der nächste Tag ist immer ein Sabbat ( Mk 15,42 ; Mt 27,62; 28,1; Lk 23,54 ; Joh 19,31 ). In der näheren Bestimmung dieses Tages unterscheiden sich aber Markus, Matthäus und Lukas - die Synoptiker - von Johannes: ihnen zufolge handelt es sich um den 1. Tag des Paschafestes...

Eine Sensation wird angekündigt

In Agatha Christies Kriminalroman Ein Mord wird angekündigt  erscheint das unschöne Ereignis vorab in einer Zeitungsannonce einer Wochenzeitung. Die Sensation, um die es in diesem Beitrag geht, hat einen größeren zeitlichen Vorlauf: erst in einem Jahr sollen wir wissen, ob sie wirklich stattfindet. Möglicherweise hat man eine Handschrift des Markus-Evangeliums aus dem 1. Jahrhundert gefunden. Daniel B. Wallace, Neutestamentler am Dallas Theological Seminary und Geschäftsführender Direktor des  Center for the Study of New Testament Manuscripts hat diese Bewertung eines Papyrus in einem Streitgespräch mit Barth Ehrman mitgeteilt. Einer der weltweit führenden Paläographen – wer das ist, sagt er nicht – sei sich bei dieser Datierung sicher. Weiter reichen die Informationen zur Zeit nicht. Die Veröffentlichung lässt noch etwa ein Jahr auf sich warten. Für Wallace ist aber schon gewiss, dass die neuen Funde (auch sechs Papyri aus dem 2. Jh.) seine Sicht von der Zuverlässigkei...

Diakoninnen (2)

Ein früherer Beitrag hat sich mit der Frage befasst, ob urchristliche Schriften die Existenz von Diakoninnen bezeugen. Dabei hat sich gezeigt, dass die Pastoralbriefe (1/2Tim, Tit) versuchen, Frauen aus verantwortlichen Positionen in der Gemeinde zurückzudrängen und die noch gegebene aktive Beteiligung möglichst zu verschleiern (s. hier ). Nur angedeutet wurden in jenem Beitrag die Gründe, die zur Neufassung der Rolle von Frauen in christlichen Gemeinden führten. Darum soll es im Folgenden gehen. Wegen des inneren Zusammenhangs mit jenem früheren Beitrag habe ich auch den Titel aufgegriffen, obwohl sich die folgenden Überlegungen nicht speziell auf das Diakoninnenamt richten.   Warum fassen die Pastoralbriefe die Rolle von Frauen so restriktiv, wenn in der paulinischen Tradition die Akzente ursprünglich ganz anders gesetzt waren? Eine Antwort kann an zwei Überlegungen ansetzen. Die erste richtet sich auf die bekämpften Gegner, die wohl der religiösen Strömung der Gnosis zuzuordnen...