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Korrektur-Erheiterung

Korrekturvorschläge in Textverarbeitungsprogrammen können nicht nur hartgesottenen Realisten die Fähigkeit zum Staunen schenken, sondern auch völlig humorlosen Menschen zur Quelle der Heiterkeit werden. Wer mit LibreOffice  arbeitet, gewinnt mitunter den Eindruck, das Korrektur-Programm müsse aus einem anderen Kulturkreis stammen. Vielleicht erklärt sich auch alles dadurch, dass es an einem 1. April programmiert wurde. Deshalb soll es heute etwas näher besprochen werden Die Theologensprache ist nicht alleine schuld Um gleich einem Anfangsverdacht entgegenzutreten: Das Problem ist nicht darin begründet, dass sich die Theologie in einer abgeschlossenen eigenen Sprachwelt eingerichtet hätte, zu dem einem weltlichen Korrekturprogramm nun einmal der Zugang verwehrt bleibt. Auch »untheologische« Begriffe sind von dem Phänomen betroffen, das man als sprachlichen Parallelkosmos bezeichnen könnte. Wer feststellt, dass eine Aussage  pleonastisch   sei, wird gefragt, ob n...

Spannende Unterhaltung mit Buchwerbung

Vielleicht ist es doch ein Naturgesetz, und man kann nichts dagegen unternehmen. Jedenfalls fällt auf, dass in bestimmten Zusammenhängen offenbar zwanghaft bestimmte Wörter verwendet werden. Gäbe es den Begriff »Prozess« nicht, wären religionspädagogische Texte wahrscheinlich unmöglich. Die Verkündigung des Evangeliums scheint heutzutage vorauszusetzen, dass etwas »immer wieder neu« geschieht, dem wir dann »gleichsam« irgendetwas mehr oder weniger Bildhaftes abgewinnen können, vor allem wenn dies uns in eine »Tiefe« führt, der wir »je und je«, wenigstens aber »ganz konkret« »nachspüren«. Wechseln wir die Branche, so lässt sich ein ähnliches Phänomen beobachten. Wer Werbe- oder Klappentexte für Bücher schreibt, unterliegt entweder einem Naturgesetz (s.o.) oder wird offensichtlich unter Androhung schwerster Strafen von Verlagen darauf verpflichtet, das Adjektiv »spannend« zu verwenden. Eine Reise in die Welt der Mathematik wird von den wenigstens gebucht; wenn sie aber lesen, dass si...

Eigenplagiat?

Gestern ist die Meldung durch die Medien gegangen, dem Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf liege ein 75-seitiges Gutachten zur Beratung vor, dem zufolge die Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan »das charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise« biete (s. hier ). Ob das zutrifft oder nicht, ist nicht Gegenstand dieses Beitrags. Die Plagiatsjäger auf VroniPlag   waren jedenfalls mehrheitlich nicht der Ansicht, dass hier ein Plagiat vorliegt, das man der Öffentlichkeit zugänglich machen müsste. Ein Einzelkämpfer hat sein abweichendes Urteil ins Netz gestellt. Dies ist ein starkes Indiz dafür, dass der Fall ganz anders gelagert ist als derjenige des smarten Freiherrn. Aber das ist, wie gesagt, nicht Thema hier.

Der Aller-Zeiten-Superlativ

Aus aktuellem Anlass betätige ich mich heute wieder als Sprachnörgler. Dabei gehe ich nicht von der Bibel aus, komme aber am Ende bei ihr an. Über  die Fügung »Superlativ + aller Zeiten« bin ich schon häufig gestolpert. Wenn ihn die Werbung verwendet, wird wundersamerweise die Botschaft vermittelt, man sei nun an der Optimierungsgrenze des Produkts angekommen, so dass mit künftigen Verbesserungen nicht mehr gerechnet werden könne: » die gründlichste Braun-Rasur aller Zeiten « . Denn wenn wir die Formulierung ernst nehmen, so bezieht sie sich nicht allein auf die Vergangenheit, sondern erhebt auch Anspruch auf die Zukunft. Wenn im Lateinunterricht » alle Zeiten « eines Verbs durchzukonjugieren waren, ließ sich jedenfalls das Futur nicht ausschließen (laudabo, laudabis etc.). Gut, das war jetzt arg oberlehrerhaft. Gestehen wir also zu, dass nur die bereits verflossene Zeit als Vergleichsmaßstab herangezogen werden soll. Auch in diesem Rahmen kommt es allerdings zu sehr gezwunge...

Christus und die Zeitrechnung

In Zeiten, in denen sich angeblich ein Land oder gleich das ganze Abendland selbst abschafft, reagiert man übersensibel auf Nachrichten, denen zufolge vertraute Symbole verschwinden sollen. Die Abneigung gegen eine political correctness wittert schnell Unterwerfung unter ein Neutralitätsdiktat, das der Preisgabe der eigenen kulturellen Identität gleichkomme. Nun können manche Formen der political correctness tatsächlich etwas lästig sein. Dies berechtigt aber nicht dazu, Sprechverbote zu beklagen, die gar nicht bestehen. Dies ist in einem Artikel des Berliner Tagesspiegels geschehen, der, aus trüben Quellen gespeist, kritisiert, die BBC habe »Christus« aus der Zeitrechnung gestrichen. Dass dies nicht zutrifft, ist anderer Stelle dokumentiert ( bildblog.de ). Mir geht es hier um etwas anderes, zugegebenermaßen etwas Oberlehrerhaftes (aber wenn es um die Rettung des Abendlandes geht, muss das hinnehmbar sein).

Scheinbar die Südosthälfte

Bei der Lektüre eines aus dem Katalanischen übersetzten Jesusbuches ist mir aufgefallen, wie häufig dort das Wort » scheinbar « im Sinne von » anscheinend « verwendet wird. Es ist natürlich wenig originell, auf den Unterschied hinzuweisen, nachdem er schon 2003 in der Zwiebelfisch-Kolumne von Spiegel online behandelt wurde. Ich erinnere mich zudem, dass schon vor 30 Jahren mein erster Lehrer des Alten Testaments, Alfons Deissler , sich in einer Vorlesung darüber beklagt hat, dass die Studenten die beiden Wörter nicht auseinanderhalten könnten: scheinbar heiße » nur dem Schein nach, nicht in Wirklichkeit « , während » anscheinend « so viel bedeute wie » allem Anschein nach, wohl « . Als gelehriger Schüler meines damaligen Lehrers weise ich heute selbst die Studenten auf den Unterschied hin, wenn in Seminararbeiten scheinbar für anscheinend gebraucht wird (die Verwechslung geht immer nur in diese Richtung). Vielleicht wird der eine oder die andere ja einmal Lektor bei einem Verlag u...

Biblisches Ausmaß?

Man kann ins Grübeln kommen, wenn sich angesichts der furchtbaren Erdbeben-Katastrophe in Japan hierzulande der Blick auf wirtschaftliche Sieger und Verlierer richtet: »Windkraftanbieter profitieren, Versorger verlieren«, schreibt das Handelsblatt . Wahrscheinlich kann eine Wirtschaftszeitung auf solche Aspekte nicht verzichten. Sie benennt auch andere Profiteure, etwa den Nachrichtenkanal N24, der sich über ein gesteigertes Zuschauerinteresse in der werberelevanten Zielgruppe freuen kann. Vielleicht ist es kleinkariert, in diesem Zusammenhang einen sprachlichen Kollateralschaden zu beklagen, da doch viel Schlimmeres zu beklagen ist. Da wir es aber mit einem Fall von Begriffsverwirrung geradezu babylonischen Ausmaßes zu tun haben, lasse ich das Bedenken beiseite.  Der Chef des Nachrichtenkanals N24, Torsten Rossmann, sagte dem Handelsblatt zur Berichterstattung über die Folgen des Erdbebens in Japan in einer heute nicht seltenen Redewendung: »Es gibt ein unvorstellbares Zuscha...

Friede unsrer Asche?

Da sich Exegeten intensiv mit Texten befassen, stoßen sie sich bisweilen an sprachlichen Stolpersteinen, über die andere leichtfüßig hinwegschreiten. Das Leben wird dadurch nicht einfacher, wird man doch von der Mitwelt nicht selten als jemand angesehen, der Klugheit auf dem Verdauungsweg produziert (das sollte jetzt eine vornehme Umschreibung für ein derbes Wort sein, das ich manchmal zu hören bekomme). Ich selber wäre froh, wenn ich so leicht zu diesem Ziel käme. Der KNA- Newsticker meldet heute Alarmierendes: »Die Mehrheit der Deutschen wird eingeäschert«! Da bekommt der vielzitierte Titel des Buches, dessen Autor mir gerade entfallen ist, einen ganz neuen Sinn: »Deutschland schafft sich ab«. Undeutlich wird im Passiv formuliert (»wird eingeäschert«), doch die Frage ist dringlich: Wer steht hinter dieser ungewöhnlichen Aktion? Wer trennt zwischen der einzuäschernden Mehrheit und der überlebenden Minderheit? Was kann man unternehmen, um der Einäscherung zu entgehen?  Währe...