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Posts mit dem Label "Selten gestellte Fragen" werden angezeigt.

Wie oft starb Judas?

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Wer keine Reinkarnationsvorstellungen vertritt, wird sich zutrauen, die Frage, wie oft Judas starb, eindeutig zu beantworten. In historischer Sicht ist denn auch unstrittig, dass es sich beim Tod des Judas um ein einmaliges Ereignis handelte. Umso mehr fällt auf, dass das Neue Testament zwei verschiedene Versionen von diesem Ereignis bietet, die sich gegenseitig ausschließen ( Mt 27,3-10 ; Apg 1,16-20 ). Matthäus zufolge hat sich Judas aus Verzweiflung über seine Tat erhängt, nachdem ihm von den Hohenpriestern bedeutet worden war, er müsse selber mit den Folgen seiner Tat fertig werden (27,4: »Sieh du zu«). Dagegen heißt es in der Apostelgeschichte, Judas sei kopfüber gestürzt und geplatzt, so dass seine Eingeweide hervorquollen (Apg 1,18). Ein Eingreifen Gottes kommt zwar nicht ausdrücklich zur Sprache, wird aber durch die Todesart nahegelegt, zumal da Judas durch diesen Tod daran gehindert wird, das Grundstück in Besitz zu nehmen, das er sich vom Lohn für den Verrat gekauft hat. ...

Was ist die SMS unter den Paulusbriefen?

Auch wenn in Zeiten von Whats App und Threema die SMS zurückgedrängt wird, ist vielleicht doch noch bekannt, was hinter dem Kürzel steckt. Short Message Service im eigentlichen Sinn dürfen wir von Paulus nicht erwarten, die Beschränkung auf eine bestimmte Zeichenzahl lag ihm nicht. Aber angesichts der (durchaus unterschiedlichen) Länge seiner Briefe fällt doch auf, wie kurz der Brief an Philemon ist. Im Neuen Testament steht er nicht zufällig als letzter in der Reihe der Paulusbriefe, denn der Umfang bestimmt (neben der Zusammenstellung von Briefen an dieselben Adressaten) die Abfolge. Der Brief fällt auch dadurch etwas aus dem Rahmen, dass er vorwiegend, wenn auch nicht ausschließlich, an eine Einzelperson gerichtet ist. Unter den unumstritten echten Paulusbriefen ist das ein einmaliger Fall. Die Briefe an die Apostelschüler Timotheus und Titus gelten der heutigen Forschung meist als Schreiben aus der dritten oder vierten christlichen Generation, die unter dem Namen des Paulus abge...

Wie viele bayerische Ortschaften werden in der Bibel erwähnt? (4)

Satzungsgemäß werden die neuesten Forschungen am Institut für bayerisch-biblische Textforschung spätestens nach der Vorlesungszeit des Sommersemesters präsentiert. Wer über die Ernsthaftigkeit des Projekts im Unklaren ist, kann sich in früheren Berichten kundig machen. Sie stehen alle online zur Verfügung, und zwar   hier und   hier und   hier . Beginnen wir mit den Funden, in denen die Textüberlieferung eindeutig ist, weil keinerlei Verschreibungen zu korrigieren sind und auch der Einfluss von Dialekten nicht zu erkennen ist. Dass der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen nicht in Judäa oder Galiläa liegt, war bislang bekannt. Neu aber sind die Verbindungen nach Samarien. Jedenfalls fragt die samaritanische Frau in Joh 4:  »Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns Brunnen gegeben ... hat?« (Joh 4,12) Phonetisch klar bezeugt, fügt sich ein weiter nördlich gelegener Ort als Prädikat syntaktisch nicht ohne Schwierigkeiten in den Bibeltext ein. Möglicherwei...

Warum gibt es im Neuen Testament einen Stürmer-, aber keinen Verteidigerspruch?

Auf diese Frage kommt man nicht, wenn man das Neue Testament durchliest. Man muss schon zu exegetischer Literatur greifen, in der tatsächlich die Rede ist von einem »Stürmerspruch«. Gemeint ist Mt 11,12 – eine Aussage, die schon in der Übersetzung Schwierigkeiten bereitet. Meist wird sie in dem Sinn verstanden, wie er in der Einheitsübersetzung begegnet: »Seit den Tagen Johannes' des Täufers wird dem Himmelreich Gewalt angetan; die Gewalttätigen reißen es an sich.« Auch die Lutherübersetzung oder die Zürcher  und die Elberfelder Bibel geben das Wort in diesem Sinn wieder, in dem auch die Kommentare zum Matthäus-Evangelium heute meist auslegen. Der Satz lässt sich aber auch anders übersetzen: »Seit den Tagen Johannes' des Täufers bricht sich das Himmelreich mit Macht Bahn, und Gewalttäter ergreifen es.« Von diesem Verständnis (es findet sich z.B. in den Übersetzungen von Hermann Menge und Fridolin Stier ) rührt auch der Name »Stürmerspruch«: In diesem Fall werden die »Gew...

Eine Frage an Matthäus: Sind die heiligen drei Könige heilig? Sind sie drei? Sind sie Könige? (Mt 2,1-12)

Zur Zeit der französischen Revolution soll ein Angeklagter auf die Frage, wie er heiße, geantwortet haben: »Marquis de St. Cyr«. Darauf der Richter: »Il n'y a plus de marquis.« »St. Cyr.« »Il n'y a plus de saints.« »Cyr.« »Il n'y a plus de Sire.« »--.« Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt man, wenn man Matthäus zu den »heiligen drei Königen« befragt. Zumindest auf den ersten Blick bleibt von ihnen nichts übrig. Matthäus spricht nicht von »Königen«, sondern von »Magiern aus dem Osten ( 2,1 )«. Das mit »Magier« wiedergegebene Wort (magos) bezeichnete vor allem Astrologen, Traumdeuter und Wahrsager – aber nicht Könige. Auch bleibt in der matthäischen Geschichte die Anzahl jener Weisen offen. Und sie werden zwar durchweg positiv geschildert, dennoch aber nicht als »heilig« bezeichnet. Die Tradition von den »heiligen drei Königen« ist zwar nicht unmittelbar neutestamentlich, beruht aber doch auf guter Bibelkenntnis. Sie nimmt nämlich eine Anspielung auf Jes 60 in Mt 2,11 auf. Im ...

Ein Motto für die Winzergenossenschaft im 1.Timotheusbrief?

Dass die Winzer zur Zeit besonders aktiv sind, ist Anlass für eine Anregung zur Gestaltung der Flaschenetikette des 2013er-Jahrgangs. Wie wäre es mit einem Hinweis auf 1Tim 5,23? Zwischen »Spätburgunder Rotwein trocken«, der Notiz von der »Erzeugerabfüllung« und der amtlichen Prüfnummer würde sich diese biblische Referenz durchaus anbieten (z.B. AP.-Nr.4334 176 0201/vgl. 1Tim 5,23). Zwar hat unter Marketing-Aspekten auch jener Bibelvers noch Schwächen. In jedem Fall wäre er aber dem Spruch vorzuziehen, mit dem eine Winzergenossenschaft in der Freiburger Gegend warb: »Macht die Frau ein Donnerwetter, trink ein Viertel Ehrenstetter!« (s. hier ). Besser wäre es doch, wenn man den Weingenuss nicht durch Störungen der zwischenmenschlichen Kommunikation begründen würde, sondern prinzipiell biblisch verankern könnte (zumal da das zitierte Motto eine bedauerliche androzentrische Engführung aufweist). Gegenüber der Feststellung von Ps 104,15 (»Wein erfreut des Menschen Herz«) hätte 1Tim 5,23 d...

Wie viele bayerische Ortschaften werden in der Bibel erwähnt? (3)

Vor einem Jahr habe ich auf die Gründung des Instituts für bayerisch-biblische Textforschung hingewiesen und erste Forschungsergebnisse referiert, die eine zuvor bereits dokumentierte Phase des Projekts fortführten. Der Hinweis auf diese in der Fachwelt erst langsam rezipierten älteren Einsichten scheint notwendig, damit sich die Ernsthaftigkeit des nun vorliegenden dritten Berichts richtig ermessen lässt.  Wieder haben die Forschungen zu einigen eindeutigen Ergebnissen geführt. Kaum zu zählen (und deshalb hier nicht im Einzelnen aufgeführt) ist die Menge an Belegen für die Gemeinde Berg  (Oberfranken); ja, wenn man ehrlich ist, muss man auch die Ortschaft selbst für kaum überschaubar halten, denn es könnte auch die hier sein (Oberbayern) oder die hier (Oberpfalz). Nimmt man noch die Pluralform hinzu ( Bergen  [Oberbayern] oder Bergen   [Mittelfranken]), wird der Befund noch unüberschaubarer. Auffällig ist, dass sich fast alle Orte in Regionen befinden, ...

Welche ist die schönste Ostergeschichte?

Über Geschmack kann man bekanntlich nicht streiten. So mag jeder und jede eine eigene Rangliste der schönsten Ostererzählungen haben. Meine wird angeführt von Lk 24,13-35 , der Geschichte von den Emmaus-Jüngern. Sie beschreibt den Weg zum Osterglauben und setzt dies auch erzählerisch um, indem sie die beiden Jünger unterwegs sein lässt. Diese sind keine prominenten Figuren, der eine heißt Kleopas und wird nur hier erwähnt, der andere bleibt namenlos. Dass Lukas in dieser Geschichte nicht Vertreter aus dem Kreis der Zwölf auftreten lässt, ist sicher Programm, denn die Emmaus-Geschichte kann gerade als Ostererzählung für die Glaubenden der späteren Generationen verstanden werden.

Was kann der Feigenbaum dafür, dass gerade Frühling ist?

In den trüben Herbsttagen ein kleiner Ausblick auf das Frühjahr.  »Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen?« (Mt 7,16) Im Rahmen der Bergpredigt zeigt sich Jesus orientiert über einige Grunddaten der Pflanzenkunde. In einem anderen Fall scheint er dagegen einen Grad der Vertrautheit mit Naturvorgängen an den Tag zu legen, der eher für einen Großstädter unserer Tage charakteristisch ist. In Mk 11,12-14 sucht er an einem Feigenbaum Früchte, obwohl, wie uns der Evangelist belehrt, »nicht die Zeit der Feigen war«. Kein Wunder also, dass Jesus nur Blätter fand (11,13). Erstaunlich auch die Reaktion Jesu, die an trotzige Wunder des heranwachsenden Jesus in den apokryphen Kindheitsevangelien erinnert: Jesus verflucht den Feigenbaum, in Ewigkeit soll niemand mehr von ihm eine Frucht essen (11,14). Was kann der Feigenbaum dafür, dass gerade keine Erntezeit ist? Das hat sich auch Matthäus gedacht und macht den Leser nicht darauf aufmerksam, dass der Feigenbaum von vor...

Wie viele bayerische Ortschaften werden in der Bibel erwähnt? (2)

Angestoßen durch die vor einem Jahr referierten Forschungen zur Erwähnung bayerischer Ortschaften in der Bibel wurde das   Institut für bayerisch-biblische Textforschung gegründet, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Studien auf dem genannten Gebiet voranzutreiben. Dabei zeigte sich, dass dem bereits damals erwähnten   Codex Aloisii Bavarensis rescriptus eine herausragende Bedeutung zukommt: Er bietet, verglichen mit dem Hauptstrom der Textüberlieferung, zahlreiche Sonderlesarten, die aber in vielen Fällen Anspruch auf Ursprünglichkeit erheben können.  Allerdings ist es auch diesem Codex nicht gelungen, alle preußischen Einträge in der Texttradition rückgängig zu machen. So wird in Ps 137,2 eine bayerische Stadt ausgerechnet nach Babylon verlegt: » Wir hängten unsre Harfen an die Weiden in jenem Land. « Diese Verbindung ist umso erstaunlicher, als  B er l i n   angesichts des Buchstabenbestandes eindeutig besser als Chiffre für   B aby l o n ...

Ist die LXX eine XXL-Bibel?

Auf den ersten Blick könnte man meinen, LXX sei eine nach Art des Hebräischen von rechts nach links gelesene Konfektionsgröße für etwas großzügiger geschnittene Kleidungsstücke. Tatsächlich haben wir es aber mit dem römischen Zahlzeichen für »siebzig« zu tun. In der Bibelwissenschaft kürzt man damit die älteste griechische Übersetzung des hebräischen Alten Testaments ab, die so genannte Septuaginta. Dieser Name bedeutet nichts anderes als »siebzig«, aber auf lateinisch klingt es natürlich etwas edler.

Wer behält den Überblick in der Herodes-Dynastie?

Der Versuch eines Klatsch-Blattes, sich fiktiv in die Zeit Jesu zurückzuversetzen, hat im Zusammenhang mit Jesu Geburt zu einem eher unbefriedigenden Ergebnis geführt (s. hier ). Tatsächlich könnte man sich vorstellen, dass andere Themen diesem Genre besser entsprochen hätten. Wenn es also Blätter wie das neue im 1. Jahrhundert schon gegeben hätte, dann hätten sie sich auf dem Gebiet nützlich machen können, auf dem sie zuhause sind.  An Herodes dem Großen hätte die Klatsch-Presse mit ihrem (wissenschaftlich noch nicht restlos geklärten) Interesse für Königshäuser und ihre Skandale ihre wahre Freude gehabt. Hätte es zu seiner Zeit schon Paparazzi gegeben, Herodes und sein Haus hätte sie regelmäßig mit Stoff versorgen können: Mit zehn Frauen verheiratet (nicht nur nacheinander), brachte Herodes eine nicht geringe Menge von Nachkommen mit erheblichem Intrigenpotenzial hervor. Die Fülle bringt aber ein Identifizierungsproblem mit sich. Einfallslosigkeit bei der Namensgebung, in Dyn...

Welche Note hätte Paulus in »Schönschrift« bekommen?

Obwohl sich die Forschung durchaus darum bemüht hat, die Bildung des Paulus genauer zu bestimmen, sind bislang keine Schulzeugnisse aus Tarsus aufgetaucht. Wir müssen die Frage also auf indirektem Weg beantworten. Einen Ansatzpunkt bietet Gal 6,11, wenn man sich nicht an die Einheitsübersetzung hält, die den Vers folgendermaßen wiedergibt: »Seht, ich schreibe euch jetzt mit eigener Hand; das ist meine Schrift.«  Dies ist eine sehr freie Übersetzung des griechishen Textes. Die Elberfelder Bibel ist näher am ursprünglichen Wortlaut, wenn sie übersetzt: »Seht, mit was für großen Buchstaben ich euch mit eigener Hand geschrieben habe!« Die Verwendung der Vergangenheitsform (»geschrieben habe«) deutet nicht darauf hin, dass Paulus den ganzen Brief eigenhändig geschrieben hätte. Zwei Beobachtungen sprechen gegen eine solche Folgerung. (1) Die Aufforderung »Seht!« deutet auf etwas hin, was für diese Stelle gelten muss, und nicht für den ganzen Brief. Die Vergangenheitsform erklärt ...

Wie viele bayerische Ortschaften werden in der Bibel erwähnt?

In Bayern läuft gerade die letzte Vorlesungswoche. Um nicht der in der Professorenschaft gefürchteten Semesterend-Depression ( morbus ex ademptione auditorii ortus ) zu erliegen, gehe ich hier in allem gebotenen Unernst der Frage nach, wie viele bayerische Ortschaften in der Bibel erwähnt werden. Diese Frage wird nicht nur äußerst selten gestellt, sondern ist, wie sich zeigen wird, gar nicht eindeutig zu beantworten, sondern mit einigen Unwägbarkeiten belastet. Es handelt sich zum Dritten um eine ganz unwissenschaftliche Frage, was den Kennern der Materie schon daran deutlich wird, dass die Überlegungen nicht am Urtext ansetzen, sondern an relativ späten Übersetzungen. Um dennoch den Schein der Wissenschaftlichkeit zu wahren, weise ich darauf hin, dass ich das genannte Forschungsinteresse gänzlich unparteiisch, sine ira et studio , verfolge, da ich selbst nicht aus Bayern stamme. Beginnen wir mit den unstrittig biblisch bezeugten Ortschaften. Der Sachzusammenhang kann sehr unterschied...

Wäre eine »Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten für Evangelisten« sinnvoll gewesen?

Professor: Ihre Arbeit, Herr Matthäus, ist zwar inhaltlich nicht schlecht gelungen, in formaler Hinsicht zeigen sich aber erhebliche Mängel. Sie dokumentieren Ihre Quellen nicht richtig. Hier z.B., bei diesem Abschnitt (deutet auf Mt 8,28-34 ) hätten Sie unbedingt eine Fußnote »Vgl. Mk 5,1-20« einfügen müssen. Matthäus: Entschuldigung, ich kenne kein »Mk 5,1-20«. Professor: Aber Sie stützen sich doch hier wesentlich auf das Markus-Evangelium. Streiten Sie das etwa ab? Matthäus: Ich hatte schon eine Vorlage, aber Markus-Evangelium hieß die bei uns nicht. Professor: Ich vermute, dass Sie außerdem noch eine zweite Hauptquelle hatten. Matthäus: Ja, aber woher wissen Sie das? Ich habe das nirgends erwähnt. Professor (lauter): Das ist ja das Problem! ( mahnend ) Sie sollten sich nicht auf die Spuren des Ethnarchen Agathooros [s.u.] begeben! Sie sehen ja, wir kommen den Quellen schon auf die Spur ( lacht )! Matthäus (lacht nicht) : Wie bitte, Agathooros? Von...

Ist der »ungläubige Thomas« wirklich ungläubig?

Der »ungläubige Thomas« ist sprichwörtlich geworden. Thomas ist zwar nicht ausdrücklich zum Schutzpatron der Zweifler erhoben, inoffiziell aber könnte er durchaus diese Funktion wahrnehmen. Nun wäre ein solcher Heiliger gewiss nicht ohne Reiz; fraglich aber ist, ob sich diese Figur auf den Thomas des Johannes-Evangelium zurückführen ließe. Dessen Geschichte lässt sich auch anders lesen als unter dem Stichwort des Zweifels und »Unglaubens«. Thomas übernimmt nicht leichtfertig die Botschaft von der Begegnung mit dem gekreuzigten Herrn, sondern sucht Vergewisserung. Nur scheinbar verlangt er mehr als das, was auch den anderen Jüngern zuteil wurde. Seine Forderung nach Berührung von Wundmalen und Seite Jesu (20,25) geht zwar über die erste Erscheinung hinaus, da die Jünger die Wundmale Jesu nur gesehen haben (20,20). Die zweite Erscheinung wird aber nicht so erzählt, dass Thomas seine vorherige Forderung ausführte und daraufhin zum Glauben käme. Als Jesus kommt, ist die Berührung nicht ...

Jesus, der Akrobat? Oder: Wie setzt man sich gleichzeitig auf zwei Esel (Mt 21,7)?

Wieviele Esel benutzte Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem? Richtet man diese Frage an Markus, Lukas und Johannes, erhält man die erwartete Antwort: einen (Mk 11,7; Lk 19,35; Joh 12,14). Dagegen überrascht Matthäus mit der Verdoppelung des Reittiers. Schon im Auftrag zu dessen ungewöhnlicher Beschaffung gibt sich Jesus nicht mit einem Esel zufrieden. Die Jünger sollen einen Esel und sein Füllen beibringen (Mt 21,2). Wozu »braucht sie der Herr« (21,3)? Zusätzliche Transportaufgaben verbinden sich mit dem zweiten Esel nicht, es geht ausschließlich um Reittiere für Jesus. Zwar kann man die Formulierung »er setzte sich auf sie« (21,7; eindeutig Plural) auf die zuvor erwähnten Kleider beziehen; da diese aber auf beide Tiere gelegt werden, löst sich das Problem dadurch nicht. Die Einheitsübersetzung will eventuell aufkommende Fragen nach akrobatischen Fähigkeiten Jesu vermeiden und schreibt: »Er setzte sich darauf«. Bildliche Darstellungen zeigen Jesus, wie er seitlich auf dem Muttertier si...

Zwangsjogging? Oder: Warum sollte mich jemand nötigen, eine Meile mit ihm zu gehen (Mt 5,41)?

Unter der Aufforderung, demjenigen, der auf die rechte Wange schlägt, auch die andere Wange hinzuhalten (Mt 5,39), können wir uns auch heute unmittelbar etwas vorstellen. Dagegen gehört, nicht nur wegen des ungewohnten Längenmaßes, »das Zwingen zu einer Meile« nicht zu unserer Lebenswelt. Auch der zum Ausdauertraining angehaltene Sportler wird sich in dem Satz kaum entdecken können, und das aus zwei Gründen. Erstens heißt es: »... geh mit ihm zwei (Meilen)«; der Trainer müsste also mitlaufen, was höchst unwahrscheinlich ist. Zweitens würde ohne Angaben von Gründen das Laufpensum unterwegs verdoppelt, und das widerspricht heutigen genau ausgeklügelten Trainingsplänen.