27. Juni 2014

Sonntagsevangelium (134)

Hl. Petrus und Hl. Paulus, Apostel - Hochfest: Mt 16,13-19

Auf die Frage, für wen die Jünger Jesus halten, bekennt Petrus Jesus als Messias und, über die Vorlage im Markus-Evangelium hinausgehend, als Sohn Gottes (16,16). Dass Jesus auf dieses Bekenntnis antwortet, ist ebenfalls eine Besonderheit des Matthäus-Evangeliums. Gedeutet wird der Beinamen »Petrus«, und zwar durch ein Wortspiel mit zwei griechischen Begriffen: Pet­ros (16,18a) bedeutet Stein, petra (16,18b) dagegen Fels. Der Beiname selbst ist sicher alt, denn Paulus und Johannes kennen noch die aramäische Form Kephas. Das Wortspiel in 16,18 aber dürfte nur im Griechischen möglich gewesen sein, so dass es wohl nicht in die älteste Traditi­on zurückreicht. 

Es knüpft an der Vorstellung von der Kir­che als einem Bau an. Dass die Apostel Fundament dieses Baues sind, findet sich auch andernorts im Neuen Testament (Eph 2,20; Offb 21,14). Wenn Petrus bei Matthäus in ein­zigartiger Weise diese Funktion innehat, dann spiegelt sich darin zum einen seine besondere Rolle in der Urge­meinde (vor allem aufgrund der Ersterscheinung: 1Kor 15,5; Lk 24,34). Zum andern dürfte seine Verbindung zum irdi­schen Jesus entscheidend sein: Wenn Petrus Fundament der Kirche ist, bleibt diese rückverwiesen auf Jesus und seine Botschaft. 

20. Juni 2014

Sonntagsevangelium (133)

12. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 10,26-33

Die Aussendungsrede des Matthäus-Evangeliums (Mt 10) weist eine auffällige Besonderheit auf: Die Jünger hören zwar die Rede, nach deren Ende wird aber nicht erzählt, dass sie fortzogen und verkündigten (anders Mk 6,12f; s.a. 6,30). Dies lässt sich als Hinweis darauf lesen, dass die eigentlich angezielten Hörer dieser Rede die Adressaten des Evangeliums sind: Die Figuren der Jünger sind transparent für die Glaubenden. Dieser Charakter der Aussendungsrede wird durch zwei weitere Beobachtungen bekräftigt. (1) So hat Matthäus ein Stück aus der Endzeitrede an diese Stelle versetzt (die Parallele zu Mk 13,9-13 findet sich in Mt 10,17-22). Die Endzeitrede aber hat (vom Sprecher Jesus aus gesehen) die Zukunft im Blick – die Zeit, in der die Adressaten des Evangeliums leben. (2) Das Stück, das den Lesungstext des Evangeliums bildet, steht bei Lukas nicht im Zusammenhang der Aussendung der Jünger (Lk 12,2-9). Die Aussendungsrede in Mt 10 ist also deutlich eine Komposition des Evangelisten, mit der er die Leser und Hörer seines Werkes ansprechen will.

13. Juni 2014

Sonntagsevangelium (132)

Dreifaltigkeitssonntag (A): Joh 3,16-18

Das Gespräch Jesu mit Nikodemus (3,1-21) nutzt der Evangelist für grundsätzliche theologische Aussagen. Sie erscheinen zwar literarisch als Antwort Jesu an Nikodemus, sie lesen sich aber zum Teil eher wie ein Gemeindebekenntnis (s. vor allem 3,11). Jesus als Sprecher des Bekenntnisses der Glaubenden – dies kann man verstehen als literarische Umsetzung des johanneischen Gedankens, dass der nach Ostern gesandte Geist eine bleibende Verbindung mit Jesus schafft. Möglicherweise hat Johannes in 3,1-21 deshalb bewusst offen gestaltet: Einen klar gesetzten Abschluss hat die nächtliche Szene nicht.

Im Abschnitt des Sonntagsevangeliums erscheint erstmals der Hoheitstitel, der für das Johannes-Evangelium kennzeichnend ist: Jesus als der  Sohn – gewöhnlich im Gegenüber zum Vater, in 3,17 aber verbunden mit Gott (deshalb findet sich in den Übersetzungen häufig die übliche Formulierung: Gott sandte seinen Sohn). Der Sohn wird als »einziger, einziggezeugter« bezeichnet (3,16.18). Dies betont die Ausschließlichkeit der in Jesus ergangenen Offenbarung; es schafft außerdem eine Verbindung zum Prolog, wo zwar nicht vom Sohn, wohl aber absolut vom »Einzigen, Einziggezeugten« (griechisch: μονογενής) die Rede ist (1,14; s.a. 1,18). Damit wird die im Ur-Anfang gründende Nähe des Sohnes zu Gott wach­gerufen (s. 1,1f) und so auch die Bedeutung der Sendung profiliert. Der Evangelist scheint darauf besonderen Wert gelegt zu haben, denn die Bewegung in die Welt (3,17) greift ebenfalls auf den Prolog zurück (1,9). In 3,19  ist der Bezug zum Prolog noch deutlicher, da wie in 1,9 davon die Rede ist, dass das Licht in die Welt kam. 

6. Juni 2014

Sonntagsevangelium (131)

Pfingsten (A): Joh 20,19-23

In allen Erscheinungsgeschichten der Evangelien ist die Erscheinung des Auferstandenen mit der Sendung der Jünger verbunden. Im Johannes-Evangelium erhält dieses Motiv aber eine besondere Bedeutung. Das Jesus-Bild dieses Evangeliums ist ja grundlegend dadurch geprägt, dass Jesus als der Gesandte des Vaters dargestellt wird. Die Jünger erhalten also Anteil am Wirken Jesu, setzen es nach Ostern fort – deutlich auch durch den Vergleich der Sendungen: »Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch« (20,21).

Deshalb wird wohl auch die Sendung nicht näher bestimmt, etwa als missionarische Sendung in die (ungläubige) Welt. Sicher ist auch dies eingeschlossen, doch das Anliegen des Johannes ist noch grundsätzlicher: Durch die Jünger wird die in Jesus geschehene Offenbarung nach dem Weggang Jesu gegenwärtig gehalten. Diese Funktion können die Jünger allerdings nicht aus eigener Kraft ausüben, sondern nur durch die Gabe des Geistes (20,22). In ihr erfüllt sich die Verheißung des Beistandes (14,16f.26 u.ö.), durch den Jesus bei den Seinen bleibt.

Ein anderer Rückbezug auf das Evangelium verdeutlicht, dass die Jünger für Johannes Repräsentanten der Glaubenden, und nicht speziell der Amtsträger sind: Jetzt, nach der Verherrlichung Jesu, empfangen die Glaubenden den Geist (siehe 7,39).

Eine etwas ausführlicherer Beitrag zu dieser Perikope, auf den ich schon früher verlinkt habe, findet sich  hier

3. Juni 2014

Dreck zusammenkehren mit der »Süddeutschen«

Der Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom vergangenen Samstag, der sich mit einem laufenden Berufungsverfahren an der Katholisch-Theologischen Fakultät der LMU München befasste (s. dazu hier), hat offenbar zu so heftigen Reaktionen geführt, dass die Autorin nun einen zweiten Beitrag veröffentlicht hat (Ausgabe vom 30.5.2014). In ihm wird der Vermutung der Boden entzogen, eine Bewerberin sei aufgrund ihres Standes als Ordensfrau vorgezogen worden, weil sich eine konservative Fraktion in der Fakultät eine »linientreue« Ausrichtung der Kandidatin versprochen habe. Nun wird angesichts mehrerer Voten von Fachvertretern deutlich, dass Mirjam Schambeck in der Zunft der Religionspädagogen/-innen einen hervorragenden Ruf genießt und keine sachfremden Gründe hinter der Liste der Münchener Fakultät stehen. Die Überschrift lautet nicht mehr »Eine Nonne ohne Staatsexamen«, sondern »'Exzellenter Ruf'«. Dass der erste Artikel äußerst einseitig recherchiert war, dürfte noch eine sehr freundliche Umschreibung der Hintergründe sein.