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Warmlaufen für die Synode

Die Synode naht, der Ton wird rauer. Das Wirken »linkskatholischer Kreise« auf der letztjährigen außerordentlichen Synode muss vor dem ordentlichen Durchgang »entlarvt« werden, zumal da es sich um »massive Manipulationsversuche« handelt. Der Beitrag auf kath.net (s. hier) wird als »Gastkommentar« angekündigt, ist aber in erster Linie Hinweis auf ein neues Buch von Edward Pentin, das »im Detail« zeige, »wie das Sekretariat der Synode, geleitet von Kardinal Lorenzo Baldisseri, versucht hat, eine eigene progressistische Agenda mit den klassischen Reizthemen Homosexualität, Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene, wilde Ehen usw. durchzusetzen.«

Ein Beispiel wird nicht mitgeteilt, wir müssen uns mit der pauschalen Einschätzung begnügen: »Vor allem in der Redaktion der Tagungsberichte wurde versucht, entsprechenden Wortmeldungen eine Bedeutung zu verleihen, die sie weder in den Ansprachen noch in den Arbeitskreisen besaßen.« Es kommt dem Autor nur darauf an, eine Duftmarke zu setzen,…

Das »authentische Wort«

Der Bischof von Chur, Dr. Vitus Huonder, hat in einem Vortrag seine Freude am Glauben so unglücklich ausgedrückt, dass gegen ihn Strafanzeige erstattet wurde. Vorgeworfen wird ihm das Zitat von Lev 20,13, wo für homosexuelle Akte unter Männern die Todesstrafe vorgesehen ist. Und da er am Beginn seines Vortrags die Worte der Heiligen Schrift, denen er nachgehen wolle, als »das authentische Wort, das Wort der Offenbarung« bezeichnet hat, das Maßstab für die Lebensgestaltung sei, erkennt der Verband Pink Cross in dem Zitat einen »Freipass zur Gewalt«.

Dass der Bischof keineswegs zur Gewalt aufrufen wollte, kann man ihm ohne Weiteres abnehmen. Er wollte ja nur »in aller Schlichtheit an das erinnern, was uns das Wort Gottes zur Schöpfung von Mann und Frau, zur Ehe sowie zur Sexualität, und, in Folge dessen, zur Familie sagt.« (s. hier: [pdf-Dokument]) Vor allem die Präpositionalbestimmung am Beginn des Zitats trifft zu: Die Überlegungen sind in der Tat bibelhermeneutisch erstaunlich schlic…

Sonntagsevangelium (155)

12. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 4,35-41

Die Geschichte von der Stillung des Sturmes ist stark geprägt von Bezügen auf das Alte Testament. Dies zeigt sich zum einen in mehreren Anspielungen und wörtlichen Anklängen an den ersten Teil der Jona-Geschichte.

(1) Bei der Schilderung der Not (Mk 4,37) wird man an Jon 1,4 erinnert. In beiden Fällen begegnet die Reihenfolge »Wind – aufgewühltes Wasser – gefährdetes Schiff«. Außerdem finden wir eine (fast) wörtliche Übereinstimmung:
„Es entstand ein großer Wirbelsturm auf dem Meer.“ (Jon 1,4).
„Und es entsteht ein großer Sturmwind.“ (Mk 4,37) (2) Der Passagier, der schließlich die Rettung bringt, schläft, als die Gefahr entsteht. Jona steigt in den unteren Schiffsraum, schläft dort und schnarcht (Jon 1,5); Jesus liegt im Heck und schläft auf einem Kopfkissen (Mk 4,38).

(3) In der Bitte um Rettung verwenden die Jünger ein Wort, das auch die Seeleute an der entsprechenden Stelle Jona gegenüber gebrauchen. Nachdem sie Jona geweckt haben, sag…

Auferstehung und leeres Grab

Vor einigen Wochen wurde Klaus Berger mit einer erschreckenden statistischen Erkenntnis zum Zustand des Osterglaubens zitiert: »An den theologischen Fakultäten glauben nur zwei von hundert Lehrenden … an die Auferstehung Christi«. (s. hierim 6. Absatz). Bei allem Respekt vor Bergers Gelehrsamkeit: Woher weiß er das? Und wichtiger noch: Was meint er genau? Der Autor des Blog-Beitrags, der ihn zitiert, fragt danach – kaum überraschend – nicht, aber man kann vermuten, wie er den Satz versteht, denn er fährt fort: »Dieses fasste ein katholischer Priester in Baden in einer Predigt so zusammen: 'Die Krippe in Bethlehem war leer und das Grab in Jerusalem war voll.'« Muss man, um an die Auferstehung Jesu zu glauben, daran glauben, dass das Grab leer war? Gehen wir dieser Frage ein wenig nach.

Die Mehrdeutigkeit des leeren Grabes 

Dass das Grab Jesu leer war, spielt im Neuen Testament nur im Zusammenhang der Erzählung vom Gang der Frauen bzw. von Petrus und dem geliebten Jünger zum Gra…

Der Sieg am Kreuz

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Zum Karfreitag einige Beobachtungen zur Besonderheit der johanneischen Passionsgeschichte. 

Das Johannes-Evangelium unterscheidet sich auch in der Darstellung der Passion sehr stark von den anderen drei Evangelien. Es beschreibt Jesu Leiden nicht als Weg in die Niedrigkeit, sondern stellt sie als ein Geschehen dar, das von Jesus selbst souverän bestimmt wird. Das Kreuz ist nicht Ort von Schmach und Ohnmacht, sondern der Vollendung und Verherrlichung.

Vorverweise im Evangelium

Dass die Passion Jesu in diesem Sinn zu verstehen ist, klärt der Evangelist durch Vorverweise im Verlauf des öffentlichen Wirkens Jesu. Solange die Stunde Jesu nicht gekommen ist, können auch seine Widersacher ihm nichts anhaben (Joh 7,30.44; 8,20). Sie bestimmen ihr Handeln gegen Jesus nicht selbst, sondern sind darin abhängig von der festgesetzten Zeit. Noch klarer äußert sich der johanneische Jesus freilich selbst im Rahmen der Hirtenrede: Niemand hat die Macht, ihm das Leben zu nehmen, er gibt es selbst, von s…

Exegese-Bashing

Veit Neumann hat mit Klaus Berger Gespräche geführt und daraus ein Buch gemacht (Theologie als Abenteuer). Das Werk schreitet den Lebensweg Bergers ab und bietet ihm zahlreiche Gelegenheiten, die eigene Großartigkeit darzustellen – in einem weiten Bogen von den Bestnoten in Latein und Griechisch über die vollsten Hörsäle und meisten Doktoranden bis zum Errichten von Sandburgen allein mit einer Schaufel (ohne Formen oder Förmchen!). Dass Berger dabei ordentlich austeilt, überrascht nicht. Erstaunlich sind dagegen nicht wenige der Fragen, die den Eindruck auch nur minimaler Distanz zum Gesprächspartner erfolgreich vermeiden. Besonders bedauerlich ist das im Blick auf die öffentliche Debatte um die Kirchenzugehörigkeit Bergers. Ganz ungestört von lästigem Nachfragen darf sich Berger als Opfer inszenieren, das froh ist, das Ganze überlebt zu haben. Zu mehr als »Ich will die Dinge nun nicht gerade herunterspielen« lässt sich der Fragesteller nicht hinreißen, nimmt aber selbst diese Aussage…

Osterpredigt

Der Bischof von Passau, Stefan Oster, hat kath.net kritisiert, und das hat Redaktion und Freunde des Portals ziemlich hart getroffen. Der Gegenwind aus dieser Richtung kam überraschend und war durch keinen Wetterdienst angekündigt. Bischof Oster hat sich nicht nur an der einfachen Textübernahme seiner Predigten gestoßen, die den Eindruck erwecken könnten, die Texte seien kath.net exklusiv überlassen worden. Außerdem tut er sich schwer mit der
»zunehmend tendenziösen Berichterstattung und dem damit einher gehenden Versuch oder wenigstens entstehenden Effekt, eine Polarisierung von Bischöfen, Priestern, Theologinnen und Theologen in klar identifizierbare Lager voranzutreiben … In den Foren wird solche Polarisierung in der Regel vertieft und die Redaktion tut aus meiner Sicht zu wenig, um wirklich auch differenzierte Positionen hören und verstehen zu wollen und zu würdigen«. (s. hier) Dass man einen Hinweis aus der Pressestelle des Bistums Passau braucht, um nicht einfach ohne Quellenan…