5. April 2015

Auferstehung und leeres Grab

Vor einigen Wochen wurde Klaus Berger mit einer erschreckenden statistischen Erkenntnis zum Zustand des Osterglaubens zitiert: »An den theologischen Fakultäten glauben nur zwei von hundert Lehrenden … an die Auferstehung Christi«. (s. hier im 6. Absatz). Bei allem Respekt vor Bergers Gelehrsamkeit: Woher weiß er das? Und wichtiger noch: Was meint er genau? Der Autor des Blog-Beitrags, der ihn zitiert, fragt danach – kaum überraschend – nicht, aber man kann vermuten, wie er den Satz versteht, denn er fährt fort: »Dieses fasste ein katholischer Priester in Baden in einer Predigt so zusammen: 'Die Krippe in Bethlehem war leer und das Grab in Jerusalem war voll.'« Muss man, um an die Auferstehung Jesu zu glauben, daran glauben, dass das Grab leer war? Gehen wir dieser Frage ein wenig nach.

Die Mehrdeutigkeit des leeren Grabes 

Dass das Grab Jesu leer war, spielt im Neuen Testament nur im Zusammenhang der Erzählung vom Gang der Frauen bzw. von Petrus und dem geliebten Jünger zum Grab eine Rolle (Mk 16,1-8; Mt 28,1-8; Lk 24,1-12; Joh 20,1-10). Außerdem setzt die Geschichte vom Betrug der Hohenpriester (28,11-15) beim leeren Grab an. Sie zeigt freilich, wie mehrdeutig das Faktum eines leeren Grabes ist. In keinem Fall führt von ihm ein Weg zum Glauben an die Auferweckung Jesu. Das zeigt nicht nur das von Matthäus angeführte Gerücht vom Leichendiebstahl durch die Jünger (Mt 28,13); auch die Grabesgeschichten selbst sind so angelegt, dass das Leersein des Grabes den Osterglauben nicht begründet (wenn wir vom Sonderfall des geliebten Jüngers in Joh 20,8 absehen). Maria Magdalena meint, der Leichnam Jesu sei fortgeschafft worden (Joh 20,13.15), Petrus kommt angesichts des leeren Grabes über das Sichwundern nicht hinaus (Lk 24,12). Ohne die Botschaft des Engels (»er ist auferweckt worden«) bliebe das leere Grab stumm und offen für gegensätzliche Interpretationen. Schon aus diesem Grund kann sich am leeren Grab der Osterglaube nicht entscheiden.

3. April 2015

Der Sieg am Kreuz

Zum Karfreitag einige Beobachtungen zur Besonderheit der johanneischen Passionsgeschichte. 

Das Johannes-Evangelium unterscheidet sich auch in der Darstellung der Passion sehr stark von den anderen drei Evangelien. Es beschreibt Jesu Leiden nicht als Weg in die Niedrigkeit, sondern stellt sie als ein Geschehen dar, das von Jesus selbst souverän bestimmt wird. Das Kreuz ist nicht Ort von Schmach und Ohnmacht, sondern der Vollendung und Verherrlichung.

Vorverweise im Evangelium

Dass die Passion Jesu in diesem Sinn zu verstehen ist, klärt der Evangelist durch Vorverweise im Verlauf des öffentlichen Wirkens Jesu. Solange die Stunde Jesu nicht gekommen ist, können auch seine Widersacher ihm nichts anhaben (Joh 7,30.44; 8,20). Sie bestimmen ihr Handeln gegen Jesus nicht selbst, sondern sind darin abhängig von der festgesetzten Zeit. Noch klarer äußert sich der johanneische Jesus freilich selbst im Rahmen der Hirtenrede: Niemand hat die Macht, ihm das Leben zu nehmen, er gibt es selbst, von sich aus; er hat die Vollmacht es zu geben und wieder zu nehmen, in Übereinstimmung mit dem Willen des Vaters (10,18). So wissen die Leser schon vor Beginn der Passion, dass in ihr die Gegner über Jesus keine Gewalt gewinnen.

Der Beginn der Passion in weiterem Sinn

In einem weiteren Sinn kann man die Leidensgeschichte im Johannes-Evangelium bereits in 13,1 beginnen lassen. Diesem Anfang zufolge geht Jesus bewusst ins Leiden: Er weiß, dass seine Stunde gekommen ist (ähnlich Mt 26,1f). Auch die Umschreibung des Todes Jesu als Hinübergang zum Vater gibt schon ein Signal, wie sein Tod zu verstehen ist. Es ist im Sinne dieser Passionsdarstellung nur folgerichtig, dass das von Angst gekennzeichnete Gebet Jesu in Getsemani nicht erzählt wird.