»Hier dokumentiert sich der groteske Aufstand theologischer Zwerge«

Für den folgenden Beitrag ist die Warnung vor den Nebenwirkungen zu beachten. Die katholische Nachrichten-Site kath.net hat mit Pater Wolfgang Ockenfels ein Interview geführt, das all diejenigen eines Besseren belehrt hat, die meinten, der Tiefpunkt sei bereits in dem Gespräch mit Peter Seewald erreicht worden. Um die Substanzlosgkeit der Polemik zu demonstrieren, wird im folgenden Text das Interview fiktiv gewendet: Die Fragen richten sich an einen Unterzeichner des Memorandums. Deshalb ist die erste Frage ins Gegenteil verkehrt (im Original wurde gefragt, warum der Gesprächspartner die »Petition pro ecclesia und nicht das Memorandum unterschrieben habe), ansonsten sind die Fragen belassen worden. Und auch die Antworten konnte ich zu weiten Teilen übernehmen. Daran zeigt sich, wie unspezifisch ihr Inhalt ist (nur um diesen Aufweis geht es, nicht darum, die Unterzeichner der Petition zu schmähen; s. zur ernsthaften Auseinandersetzung mit der Petition hier). Einige Beleidigungen mussten nur noch ins Gegenteil verkehrt werden - fertig war der Text. Was in den Antworten wörtlich übernommen ist, ist grün hinterlegt. 


Einige Bischöfe haben sich bereits mutig geäußert und Dialog angeboten. Andere sind hinter dem Papst in Deckung gegangen – superkath.net-Exklusivinterview mit Prof. Gerd Häfner, Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät der LMU München. 


superkath.net: Herr Professor Häfner, Sie haben das Theologenmemorandum »Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch unterzeichnet, nicht aber die »Petition Pro ecclesia«. Warum?


Prof. Häfner:
Diese Petition ist nur noch peinlich. Dieses verschrobene Pathos, diese Ansammlung banaler Phrasen, diese maskenhaft erstarrte Unterwürfigkeitshaltung, die schon in den siebziger Jahren des 19.Jahrhunderts komisch wirkte. Darauf kann man eigentlich nur noch satirisch reagieren. Hier dokumentiert sich der groteske Aufstand kirchlicher Angsthasen, die nach dem starken Mann schreien. Unterstützt wird das Ganze von einer aggressiven Medienkampagne. Die frühere internationale Reputation katholischer Publizistik ist dahin. Einige der demagogischsten  römisch-katholischen Publizisten, Leute wie Matussek, Lütz und Kissler, überbieten sich, unbewusst ihrer theologischen Zwergenhaftigkeit, heute in polemischen Stellungnahmen gegen die Theologen fast schon im Zwei-Stunden-Takt. Mit denen fühle ich mich genauso wenig verbunden wie mit den verkrachten kath.net-Kommentierern und manchen karriereorientierten Bischöfen. Das gibt Anlaß, über Nutzen und Nachteil der heutigen katholischen Publizistik für die Kirche neu nachzudenken.



superkath.net: Die katholische Kirche im deutschsprachigen Raum ist, und da sind sich die beiden Unterschriftsaktionen wohl einig, zweifellos in der Krise. Wird jeweils nur eine andere Therapie verordnet oder unterscheidet sich bereits die Diagnose?

Häfner: Der Hund liegt natürlich schon in der Diagnose begraben. Die Petition ist nicht einmal in ihrer Analyse zutreffend. Sie schwimmt auf der Oberfläche allzu gewöhnlicher Vorurteile. Die Ursache der Krise, nämlich der massenhafte Glaubensabfall in den
»westlichen« Ländern, wird überhaupt nicht erörtert. Und den Unterzeichnern des Memorandums Täuschung, Irreführung und unredliches Verhalten vorzuwerfen, zeugt von Ignoranz, und leider auch von Infamie. Das hat mit empirischer Analyse nichts zu tun. Die darauf aufbauende »Therapie« verstärkt nur noch das Übel, das es zu beseitigen gilt – vor allem, wenn von Verteidigern der Petition dem Memorandum Positionen unterstellt werden, die es nicht vertritt.

superkath.net: Sind Ihrer Einschätzung nach die innerkatholischen Auseinandersetzungen im Tonfall schärfer geworden?

Häfner: Ich kann nur hoffen, dass man langsam zu vernünftiger Argumentation zurückkehrt.  Dieses untertanenselige Gewinsel, diese gestelzten Pathosformeln, diese verlogene Eindeutigkeit: Das alles ist inzwischen zu einem großen Ärgernis geworden, zu einem Problem kirchlicher Glaubwürdigkeit. Man weiß bei der Kirche in Deutschland kaum mehr, woran man ist. 

 
super
kath.net: Woran könnte dies liegen?

Häfner: Wir werden sehen: In Zeiten der Krise sehnen sich viele nach Glaubwürdigkeit und Wahrheit. Das vermeintlich Eindeutige überzeugt nicht, sondern spiegelt falsche Sicherheiten vor und frustriert. Wir leben, auch gesellschaftlich und politisch, in Zeiten der Vielfalt: Man kann nicht katholisch und gleichzeitig anti-protestantisch oder anti-muslimisch sein.
 

superkath.net: Welche Reaktion würden Sie sich von den Bischöfen in Hinblick auf die Petition erhoffen?

Häfner: Sie sollen sich endlich einmal klar äußern. Und zwar gemeinsam, in Abgrenzung zu jenen Opportunisten, die sich immer noch Vorteile erhoffen, wenn sie sich dezidiert römisch positionieren. Einige Bischöfe haben sich bereits mutig geäußert. Andere sind in Deckung gegangen, vielleicht fürchten sie um ihre kirchliche Karriere und das erhoffte Kardinalspurpur.

superkath.net: Und von den katholischen Laien?

Häfner: Die sind eine große Hoffnung. Heute sind es die katholisch gläubigen und kritischen Laien, die die Kirche in Europa stützen, nicht etwa die hurraschreienden Hierarcho-Junkies. Viele von diesen haben sich bequem in einem statischen Kirchenbild eingenistet. Ihre Treuepflicht erfüllen sie eher der eigenen inneren Unsicherheit gegenüber als zugunsten der Kirche. Die gläubigen und kritischen Laien sind der Kirche gegenüber oft wesentlich loyaler. Nicht selten sind sie auch theologisch kompetenter als die semi-professionellen kath.net-Polemiker.

superkath.net: Apropos Laien: Glaubt man der Berichterstattung der öffentlichen Medien, so scheint es ausschließlich Laien zu geben, welche deutliche Veränderungen im Sinn des Theologenmemorandums fordern, dagegen seien die Bischöfe und die kirchliche Hierarchie die festbetonierten Bremser. Entspricht dies Ihren Einschätzungen des faktischen kirchlichen Lebens?

Häfner: Auf eine im Original so anbiedernde Frage antworte ich überhaupt nicht. Nur soviel: Einige Laien wollen sogar noch päpstlicher sein als der Papst. Unser guter alter Papst ist übrigens viel dynamischer und geistig lebhafter als unsere Repräsentanten demonstrativer Papsttreue. Es soll auch Bischöfe geben, die in der Pose des Traditionsbewahrers greisenhaft erstarrt sind und dringend der Führung bedürfen. Die wirkliche Avantgarde der Kirche sehe ich vor allem in jenen Laienverbänden, die durch ihre Organisation bis hin zum Zentralkomitee Engagement für die Sache der Kirche zeigen, und nicht in jenen laienhaften Bewegungen, die sich in geistlicher Selbstsicherheit mächtig aufplustern. Die bringen es fertig, die
»evangelischen Räte« Jesu, zu denen auch die Ehelosigkeit gehört, mit einem unabänderlichen Gesetz zu verwechseln.
 

superkath.net: Welche Entwicklungen erhoffen Sie für die katholische Kirche im deutschsprachigen Raum kurz- und mittelfristig?

Häfner: Wunderbar wäre es, wenn Papst Benedikt bei seinem Deutschlandbesuch den Kleinglauben aufrichten, den Glaubenshorizont erweitern und die lähmende Resignation überwinden könnte. Der Blick auf die Weltkirche befreit uns von Kleinkariertheit und Selbstbezogenheit. Wir leben in gefährlichen Zeiten, und die Bedrohungen wachsen weltweit. Es sind Zeiten der Prüfung und der Bewährung des Glaubens. Vielleicht ist es gerade diese Not, die uns wieder das Beten lehrt, und den Mut zum öffentlichen Bekenntnis herausfordert.


superkath.net: Herzlichen Dank für Ihre Stellungnahme! 

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Hab den Artikel jetzt erst entdeckt und herzlich gelacht. Vielen Dank für diese Satire. Sie wird noch unterhaltsamer, wenn man Herrn Ockenfels' Argumentationsstil live aus Vorlesungen kennt
Anonym hat gesagt…
Nett herumgedreht, nur leider entspricht es so entstellt nicht der Wahrheit.

ZdK & Co., die alternden Dauernöler als Avantgarde der Kirche.

Ich habe herzlich gelacht xDDD
FCS hat gesagt…
Wolfgang Ockenfels scheint seinem Mentor, dem verstorbenen Basilius Streithofen, den Rang ablaufen zu wollen... Schade, dass sich seine satirischen Qualitäten über die Jahre ins Lächerliche entwickelt haben. Unernsthaftigkeit allein genügt halt nicht.
FCS hat gesagt…
PS: Genau zwei Tage später habe ich Wolfgang Ockenfels zufällig getroffen!! Ja, Strafe muss sein! Und Belohnung! War nett! :-))

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