Sonntagsevangelium (21)

2. Sonntag der Osterzeit (A) (B) (C): Joh 20,19-31

In der Erscheinung des Auferstandenen erfüllt sich die Verheißung der Wiederkunft Jesu aus den Abschiedsreden. Dort hatte Jesus zunächst davon gesprochen, dass er nach seiner Rückkehr zum Vater den Jüngern eine Wohnung bereiten, wiederkommen und die Jünger zu sich nehmen werde (14,2f). Diese Aussage lässt zunächst an die urchristliche Zukunftshoffnung denken, die sich auf die Wiederkunft Christi als Richter und Retter bezieht (s. z.B. 1Thess 1,9f; 4,15f). Im weiteren Verlauf der Abschiedsreden findet allerdings eine Umprägung der Ankündigung Jesu statt. Sein erneutes Kommen geschieht in der Sendung des Geistes. Denn die Verheißung des Geistes in 14,16f mündet in den Satz: 
»Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen. Ich komme zu euch.« (14,18)
Nicht ein Erscheinen am Ende der Tage ist also im Blick, sondern die Gegenwart Jesu bei den Glaubenden. Diese Gegenwart ereignet sich im Wirken des Geistes, der die in Jesus geschehene Offenbarung gegenwärtig hält: 
»Der Tröster, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.« (14,26)
Deshalb erfüllt sich die Verheißung Jesu aus den Abschiedsreden nicht allein in der Tatsache, dass er sich am Ostertag seinen Jüngern zeigt, sondern vor allem in der Geistmitteilung

Diese gilt in der urchristlichen Tradi­tion gewöhnlich als Wirkung der Taufe. Tatsächlich prägen weitere Motive aus diesem Zusammenhang die Gestaltung der Erscheinungsszene. So erinnert das Anhauchen an die Erschaffung des Menschen (Gen 2,7). Die Jünger erhalten Anteil am Leben des Auf­erstandenen und werden dadurch neu geschaffen – ein Gedan­ke, der sonst mit der Taufe verbunden ist (z.B. Joh 3,5; Tit 3,5). 


In diesen Rahmen gehört auch die Sündenverge­bung (z.B. Apg 2,38). Demnach könnte sich die Vollmacht zu solchem Tun (Joh 20,23) auf die Aufnahme in die Gemeinde beziehen: Wem die Taufe verweigert wird, dem wird auch die Sündenvergebung verweigert. Vielleicht denkt der Evange­list auch an die Sündenvergebung in der Gemeinde. Eine Übertragung der entsprechenden Vollmacht an bestimmte Funktionsträger ist im Johannes-Evangelium aber nicht zu erkennen: die Jünger sind Repräsentanten aller Glaubenden. 


Zum »ungläubigen Thomas« (20,24-29) bzw. dem gläubigen Thomas s. hier

Kommentare

Gerhard Mentzel hat gesagt…
Auch heute war unter der Headline "Es gibt keine Hellenisierung des Christentums" wieder etwas vom Auf(v)erstanden in der FAZ zu lesen. Das Geburtstagskind in Rom, auf das sich der Artikel bezog, ist dabei nur Mittel zum Zweck, um an seinem Beispiel den Wandel im wissenschaftlichen Geschichtsverständnis zu verdeutlichen.

Denn die Wissenschaft bestätigt den Papst, der bereits in seinem Jesusbüchern deutlich machte, dass die These von einer nachösterlichen Hellenisierung, Christianisierung nicht länger aufrecht zu erhalten ist, es von Anfang an um das ging, was die griechische Weisheit in Vernunft erklärte und gemeinsam mit jüdischer Bildungs-Apologetik im jüdischen Sinne als Wort/Vernunft verstand.

Doch wenn das zutrifft, dann hatten die Verfasser der Evangelien oder die Kirchenväter und Herausgeber des Kanon in den Abschiedreden so wenig einen Heilsprediger vor Augen, der evtl. gar seine Hinrichtung selbst herausforderte, wie Herakles (der heidnisch-kulturgerechte Ausdruck des Logos) für Senca, Cicero & Co. ein Kraftprotz auf zwei Beinen war. Den, der heute als historisch galt, den gab es nicht. Zumindest nicht den vom hellenistischen Geist beinflussten Denkern, die so wahre Juden sein, den bildlosen Monotheismus wieder auf zwei Beine stellen wollten.

Denn bei der "theologischen Lebensschlacht Ratzingers" geht es um weit mehr als einen Gelehrtenstreit mit Harnack. Wenn der Geist griechischer Aufklärung bzw. die nun rationale Welterklärung beim neuen jüdischen Bund die Feder führte, das bewirkte, was Sie auch in Ihren Sonntagsevangelien theologisch deuten, als hoheitliche Bedeutungssaussagen der Evangelien beschreiben. Dann bestätigt sich, was bereits die Vorkriegskritik wusste: Am Anfang stand der Logos/die Vernunft/das Wort, das vormals auch als Gott selbst definiert wurde.

Und genau diese kreative Vernunft bzw. das, was im Sinne der nat. Schöpfung für Kulturwesen vernünftig wäre, ist erst in heutige Welterkärung wieder zu verstehen.

Und die Aufgabe der neutestamentlichen Wissenschaft wäre es, nicht nur von einem nachösterlich verherrlichten Heilsprediger zu predigen, sondern in Auswertung des geschichtlichen Wissens zu verdeutlichen, warum der kanonische Jesus eine geschichtliche Wirklichkeit war, nicht vom heidnischen Göttergestalten und philosophisch-abstrakten vielfältigen bzw. esoterisch erscheinenden Lehren oder dem als Messias gehen röm. Kaiser oder konservativ im Tempelkult und Ritus erstarrter jüdischer Gesetzlichkeit die Wirkung für die Versöhnung, die Zukunfsfährigkeit der Kulturen ausgehen konnte. Warum das Neue Testament nicht nur, wie bereits Nietzsche den Nagel auf den Kopf traf, "Hellenismus fürs Volk ist", sondern so erst die Heilswirkung, der kreative=schöpferisch vernünftige Weg für die Kultur der westliche Welt war, der bis zur Aufkärung geführt hat.

Ich bin sicher, auch die Abschiedsreden Jesus lassen sich so in Vernunft verstehen. Sie müssen dann die modernen Menschen nicht länger vom christlichen Glauben abhalten. Vielmehr werden sie eine von Schöpfung ausgehende Vernunft (die nicht einfach Gott ist) und dann das, was als vernünftig für die gemeinsame Zukunft erkannt ist, Bestimmung geben: schöpferische Vernunft kulturgerecht zum Leben werden lassen.
Andreas Metge hat gesagt…
Herr Mentzel,
je mehr Sie schreiben, desto weniger verstehe ich Sie. Und ich bin auch nicht gewillt, den immer gleichen Argumenten zu folgen.
Sorry (ob Logos oder Vernunft oder was-auch-immer), aber so ist es!
Andreas Metge hat gesagt…
Langatmig.
Ich vergaß, es zu sagen: ... den immer gleichen LANGATMIGEN Argumenten zu folgen!

Langatmig bedeutet für mich: langweilig, verschroben, unbezogen auf das Geschriebene, penetrierend vorgetragen, unbezogen, nebbe der Kapp ...

Haben Sie je einen Flammkuchen gegessen?
Gerhard Mentzel hat gesagt…
Lieber ein langer Atem als kein kurzer Furz.

Denn dass das, was bei letzerem Loch herauskommt, weder Logos, Sinn, Vernunft oder Wort ergeben kann, wissen Sie selbst.

Oder langatmig:

Ja, ich habe Verständnis für Ihre Einwände. Wo man das völlig entleerte Jesusbild nach heutiger Hyothese (der Spiegel titelte "Als Jesus noch kein Guru war") ins Herz geschlossen hat: Ein junger Rebell der theologisch hochgejubelt wurde. Der so unseren Kindern weniger zu sagen hat, als der Belag des nicht vorhandenen Pausenbrotes. Und hier seinen Humanismus oder gar sein Gottesbild hineinpredigt.

Wie soll der die Argumente, die sich durch wachsendes Wissen ergeben aufgreifen wollen und sein Weltbild ins wackeln bringen.

Wie soll der auf aufgeklärte Weise über das Wesen Jesus als wahrhaft schöpferische (kreative) kosmische und kulturelle bzw. menschliche Wirklichkeit nachdenken können.

Wie soll dem klar werden, dass es den antiken Verfassern bei der sog. Vernunft/Logos um eine schöpferische Realität ging, die aus kosmischer Wirklichkeit/Ordnung anfänglicher kausaler Welterkärung abgeleitet wurde, wie sich heute erst wieder wahrnehmen lässt. Bendedikt XVI. beispielsweise vor dem Bundestag in ökologischer Ordnung zu bedenken gab.

Wie soll der nachdenken können, warum Jesus auch eine kulturelle Wirklichkeit als menschliche Person (Rolle/Aufgabe) war und kein Scheinwesen. Über Göttergestalten wie Herkulus (Ausdruck des Logos entsprechen dem hellenistischen Kult durch Seneca & Co.) eine kulturelle Wirklichkeit für die westliche Welt entfalte. Die mehr als abstrakte phil. Lehren oder altjüdisch taub gewordene Schriftglehrtheit messiansiche Wirkung hervorbrachte, über das Mittelalter bis zur Aufklärung getragen hat.

Und wie soll der nicht nur die schöpferische Vernunft auf aufgeklärte Weise in wissenschaftlicher Welterkärung bedenken.

Vielmehr welche Bedeutung es für unsere Kinder hätte, wenn durch ein aufgeklärtes Wiederverständnis der kulturbedeutenden menschlichen Person Jesus (wie sie hier Woche für Woche erklärt wird) das, was als vernünftig für die unsere Welt, wie die menschliche Kultur erkannt ist, zur gemeinsamen schöpferischen Bestimmung wird.

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