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Es werden Posts vom Juni, 2012 angezeigt.

Sonntagsevangelium (32)

13. Sonntag im Jahreskreis (B):Mk 5,21-43 (oder 5,21-24.35b-43)
Die Erzählung von der Heilung der an Blutungen leidenden Frau (Mk 5,25-34), eingebunden in die Geschichte von der Auferweckung der Tochter des Jairus, nimmt unter den Heilungswundergeschichten eine Sonderstellung ein. Es fehlen einige typische Züge. So gibt es keine Bitte um Heilung; die Heilung wird nicht als Aktion des Wundertäters erzählt; dass sie geschehen ist, wird nicht durch einen demonstrativen Zug unterstrichen; eine Reaktion von Zeugen des Wunders unterbleibt. 

Diese Besonderheiten sind natürlich auch durch die Besonderheit der Krankheit bedingt. Anders als bei Gelähmten, Blinden, Taubstummen, Aussätzigen ist die Krankheit der Frau für andere nicht erkennbar. So spielt sich die ganze Geschichte nur zwischen der Frau und Jesus ab. Die Jünger zeigen durch ihren Einspruch nur, dass sie von dem Geschehen nichts mitbekommen (5,31).

Sonntagsevangelium (31)

Geburt des hl. Johannes des Täufers: Lk 1,57-66.80
Allein das Lukas-Evangelium kennt eine »Kindheitsgeschichte« Johannes des Täufers. Die Erzählung von der Geburt ist in mehreren Erzählzügen in den literarischen Kontext eingebunden. Dass ausdrücklich gesagt wird, dass die Zeit der Geburt für Elisabet herangekommen war (V.55), greift die Notizen über Elisabets Schwangerschaft auf: Sie hat sich fünf Monate verborgen (1,24), die Verkündigung an Maria ergeht im sechsten Monat (1,26.36). Dass Zacharias für seinen Zweifel an der Zusage des Engels mit Stummheit geschlagen wird (1,20), spielt in die Episode der Namensgebung herein.

Ist die LXX eine XXL-Bibel?

Auf den ersten Blick könnte man meinen, LXX sei eine nach Art des Hebräischen von rechts nach links gelesene Konfektionsgröße für etwas großzügiger geschnittene Kleidungsstücke. Tatsächlich haben wir es aber mit dem römischen Zahlzeichen für »siebzig« zu tun. In der Bibelwissenschaft kürzt man damit die älteste griechische Übersetzung des hebräischen Alten Testaments ab, die so genannte Septuaginta. Dieser Name bedeutet nichts anderes als »siebzig«, aber auf lateinisch klingt es natürlich etwas edler.

Sonntagsevangelium (30)

11. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 4,26-34

Das Markus-Evangelium bietet 4,1-34 eine kleine Gleichnisrede, die abgesehen von den Zwischenbemerkungen in 4,10-12 und 4,21-25 durchwegs das Bildfeld der Aussaat aufgreift und in verschiedenen Variationen einsetzt. Der Evangeliumstext dieses Sonntags wird von den letzten drei Abschnitten gebildet: Gleichnis von der selbstwachsenden Saat (4,26-29), Gleichnis vom Senfkorn (4,30-32), Abschlussnotiz des Erzählers (4,34f). 

Das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat

Das Gleichnis beschreibt den Vorgang von Aussaat zur Ernte. Nachdem die Aussaat festgestellt ist, wird herausgehoben, dass der Säende mit der folgenden Entwicklung nichts zu tun hat: Er schläft des Nachts, am Tag geht er seinem Tagewerk nach; in dieser Zeit sprosst die Saat und wächst hoch. Beides hat nichts miteinander zu tun. Das wird ganz deutlich durch die Abschlussbemerkung von V.27: Der Mensch, der ausgesät hat, weiß nicht, wie das Wachstum geschieht, hat also keinen Einfluss auf …

Sonntagsevangelium (29)

10. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 3,20-35
In Mk 3,20-35 werden zwei Erzählstränge ineinander verwoben. Die Passage ist ein Beispiel für die so genannte »Schachteltechnik«, die im Markus-Evangelium dreimal angewandt wird: Ein begonnener Erzählfaden wird durch eine zweite Erzählung unterbrochen, nach deren Abschluss er wieder aufgenommen und zu Ende geführt wird (s.a. Mk 5,21-43; etwas anders in 14,56-72).

Im ersten Strang geht es um das Verhältnis Jesu zu seinen Verwandten. Es wird zunächst von Seiten der Verwandten aus bestimmt: Sie ziehen aus, um Jesus zu ergreifen, weil sie ihn für verrückt halten (3,21). Weder Matthäus noch Lukas haben diese Szene übernommen. Sie haben sie wohl als anstößig empfunden, was auch damit zusammenhängen dürfte, dass sie weitere Traditionen über die Familie Jesu bieten, vor allem in den »Kindheitsgeschichten« (Mt 1-2; Lk 1-2). Nach deren Darstellung wäre es recht unerklärlich, wenn die Familie Jesu, durch göttliche Boten über die Würde Jesu unterrichtet,…

Immer diese Erdbeben ...

Erdbeben sind Katastrophen: in jedem Fall für diejenigen, die unmittelbar von ihnen betroffen sind; manchmal auch für die Auslegung der Bibel. Die Deutung von Erdbeben als Zeichen für das nahe Weltende war hier schon zweimal Thema (s. hier und hier), nun kommt eine neue Variante hinzu. Aus Spuren eines Erdbebens am Toten Meer, »das die Geologen auf den Zeitraum zwischen 26 und 36 datieren« (so die Nachricht auf kath.netmit Bezug auf eine Meldung von Discovery News), sollen Hinweise auf das Todesdatum Jesu am 3. April 33 gewonnen werden.

Es überrascht, dass die angegebene Zeitspanne genau mit der Amtszeit des Pontius Pilatus übereinstimmt. Aber nun gut, nehmen wir diesen Zufall einmal hin. Noch erstaunlicher ist dann allerdings die Nachricht, die Ergebnisse würden nicht ausreichen, um das Todesdatum Jesu genauer zu bestimmen. Deshalb seien »weitere Faktoren« herangezogen worden. Damit hebt sich die Nachricht von der Bedeutung des Erdbebens für die Datierung des Todes Jesu selbst auf: D…