Sonntagsevangelium (64)

5. Sonntag im Jahreskreis (C): Lk 5,1-11

Im Mittelpunkt der Erzählung vom reichen Fischfang steht Simon Petrus. Seine Antwort auf den Befehl Jesu zur Ausfahrt erweist ein anfanghaftes Vertrauen (5,5): fast ist er schon Jünger (»auf dein Wort hin ...«) und überwindet so den Zweifel, den er als Fischer äußert (»die ganze Nacht haben wir uns abgemüht und nichts gefangen«). 

Seine Reaktion auf das geschehene Wunder (5,8) folgt einem Grundzug alttestamentlicher Gotteserscheinungen. Mit den Worten 
»geh weg von mir« will Simon also nicht die Beziehung zu Jesus abbrechen. Er hat erkannt, dass er in Jesus der Welt Gottes begegnet; und da er dem Anspruch Gottes als Sünder nicht genügt, muss er fürchten, durch die Nähe der göttlichen Macht vernichtet zu werden (vgl. Ex 19,21; 1Sam 6,19f). Eine besondere Schuld wird Petrus nicht zugeschrieben: In dem hier gemeinten Sinn sind alle Menschen Sünder.

Die folgende Verheißung Jesu – 
»von nun an wirst du Menschen fangen« (5,10) – spielt dann aber auf die herausgehobene Rolle des Petrus in der urkirchlichen Verkündigung an. In diesem Rahmen ist auch die Bedeutung des reichen Fischfangs zu sehen: Er zielt nicht wie die Geschichte von der Brotvermehrung (Lk 9,10-17) auf die Fülle geschenkter Nahrungsmittel, sondern verweist symbolisch auf den Erfolg der Mission. 

Heute aus Zeitgründen ein etwas kürzerer Beitrag zum Sonntagsevangelium.  

Kommentare

Gerhard Mentzel hat gesagt…
Selbst wenn der Kommentar kurz ist, so macht er wieder deutlich, dass auch hier der vom jüd. Kult begeisterte Hellenist, der Lukas genannt wird, einen theologischen Sachverhalt beschreibt, hier nicht nur ein wundersames Geschehen beim nächtlichen Fischfang auf buchstäbliche Weise zu verstehen ist.

Vielmehr scheint mir, wie Prof. Häfner schreibt, die anfängliche Angst des zum Grund/Fels chr. Glaubens bzw. der Kirche gewordenen Petrus, sich auf das in schöpferischer Wirklichkeit lebendige Wort zu verlassen, in der Geschichte geschildert worden zu sein: Ein in realer Kulturgeschichte nachvollziehbares Geschichtsgeschehen.

In Jesus das lebendige Wort, die heute wissenschaftlich als im kreativen Sinne vernünftig beschriebene schöpferische Gegenwart wahrzunehmen und nicht nur einen Wanderprediger, der als Wort, Sohn... und damit einen Guru, der als menschliches Gottesbild zu gelten hat. Das könnte auch heute aus dem vergeblich seine Netze auswerfenden Petrus einen Menschenfischer machen. Eine Mission, die weit mehr ist, als religiöse Rattenfängerei aufgrund dogmatischer Reden, die heute moderne Menschen nicht mehr in gemeinsame schöpferische Verant-wort-ung nehmen, sondern vom chr. Glauben abhalten.

Was sich am See Genezareth damals zugetragen hat, ist bekannt: Dort wurden unlängst bei der vergeblichen Suche nach dem Boot Statuetten von Herakles ausgegraben, die auf die Verehrung eines mystischen Gottessohnes verweisen, in dem wie alte Neutestamentler bereits aufzeigten, Senca die damals diskutierte Vernunft (hebr. Wort) in fast gleichen Redewendungen wie im NT über das Meer gehen ließ.

Wir wissen von einem kulturellen Umbruch des Hellenismus, wo neben phil. Vernunft-/Welterkärungen menschliche Herrscher immer mehr die Rolle des schöpferischen Mittlers einnahmen, die vormals mystische Göttergestalten hatten. Wie die alten Götter theologisch diskutiert, miteinander idendifiziert wurden, um damit letztlich einem in monistischer Welterkärung begründeten phil. Monotheismus eine kulturellen Grund zu geben. Wie der dann immer mehr auf die messianisch gesehenen hellenistischen Könige und römischen Kaiser überging.

Wir wissen auch, dass in dieser epochalen Kulturentwicklung ein egal wie gearteter wundertätiger und später nur kirchlich hellenisierter Wanderguru (als der Jesus heute gilt) nichts von dem bewirkt hätte, was Prof. Häfner hier Woche für Woche als theologischen Hintergrund beschreibt, letztlich Thema des NT und der gesamten Trinität ist.

Jesus lebt, es wird Zeit wieder die Netze auszuwerfen, um zu erkennen, wie die wissenschaftlich als schöpferisch/kreativ vernünftig beschriebene Welterkärung nicht nur auf den verweist, der Unsagbar war. Vielmehr uns in dem, was für die gemeinsame Zukunft als ökologisch/weltökonomisch/sozial nachhaltig erkannt wird das verstehen zu lassen, was Jesus war und die Alten mehr als menschlicher Messiasse und Göttergestalten in gemeinsame kulturelle Verant-wort-ung nahm.


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