Sonntagsevangelium (66)

2. Fastensonntag (C): Lk 9,28b-36 

Die Verklärungsgeschichte wird bei Lukas »etwa acht Tage« nach dem Messiasbekenntnis des Petrus und der Belehrung zur Nachfolge (9,18-27) angesetzt. Dies ist nicht nur insofern auffällig, als sich vor dem Jerusalemaufenthalt Jesu gewöhnlich keine genaueren zeitlichen Einordnungen finden. Lukas ändert auch die Angabe aus Mk 9,2, wo von »sechs Tagen« die Rede ist – wahrscheinlich eine Anspielung auf die Gottesbegegnung am Sinai nach sechs Tagen (Ex 24,15f). Möglicherweise hat Lukas diese Anspielung nicht erkannt und deshalb die Angabe gerundet (zu »acht Tagen« für eine Woche s.a. Joh 20,26).

Die Aktion auf dem Berg wird, typisch für das Lukas-Evangelium, mit dem Gebet Jesu verbunden. Markus bot dafür keinen Anhaltspunkt, Lukas aber hat bereits der Wahl der Zwölf das Gebet Jesu auf dem Berg vorausgehen lassen (6,12) und hat auch sonst ein starkes Interesse daran, Jesus betend zu zeigen (Lk 5,16; 9,18; 11,1; 22,41-44). Dieses Motiv wird dann auch unmittelbar mit der Verklärung Jesu verknüpft. Wie die Geistherabkunft nach der Taufe geschieht, während Jesus betet (3,21f), so auch die an Jesus geschehende Veränderung (9,29). Sie zeigt an, dass Jesus zur göttlichen Welt gehört; seine Herrlichkeit wird für kurze Zeit auf der Erde sichtbar (9,32). 

Das Erscheinen von Mose und Elija und ihr Gespräch mit Jesus (9,30) unterstreicht dieses Anliegen, denn beide sind hier als himmlische Gestalten gedacht. Von Elija wird in 2Kön 2,11 ausdrücklich erzählt, dass er nicht starb,  sondern zu Gott entrückt wurde (außerdem auch noch von Henoch: Gen 5,24). Zu Mose findet sich eine entsprechende Überlieferung im Alten Testament zwar nicht; in der frühjüdischen Tradition ist der Kreis der Entrückten über die zwei erwähnten Fälle (Henoch und Elija) hinaus aber weiter gefasst worden. 

Wenn Jesus mit den beiden himmlischen Figuren spricht, wird seine eigene Zugehörigkeit zur himmlischen Sphäre inszeniert. Die Jünger bleiben von der Begegnung ausgeschlossen. Während des Gesprächs schlafen sie, und nach ihrem Erwachen wird nur erwähnt, dass sie »die beiden Männer bei Jesus stehen« sahen (9,32). 

Mose und Elija dürften aber nicht nur als himmlische Figuren von Interesse sein, sondern auch »das Gesetz und die Propheten«, also die wichtigsten Teile der Schrift, symbolisieren. Sie sprechen mit Jesus über seinen »Ausgang« in Jerusalem (9,31) – eine Andeutung nicht nur des Todes Jesu, sondern auch der Auferweckung. Darauf verweist nach den Worten des Auferstandenen gerade das Zeugnis der Schrift: Der Messias musste leiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen (Lk 24,25-27). 

Diese Herrlichkeit blitzt in der Verklärung kurz auf, doch sie lässt sich nicht festhalten. Der Wunsch des Petrus, Hütten zu bauen, erweist sein Unverständnis (9,33). Aus der Wolke, Zeichen der Gegenwart Gottes vor allem in den Exodus-Erzählungen, ergeht stattdessen eine Stimme, die sagt, was jetzt zu tun ist: auf den Sohn Gottes hören (9,35). 

Kommentare

Gerhard Mentzel hat gesagt…
Wie deutlicher kann man noch machen, dass der Hellenist, der hier als Lukas schreibt, nicht von dem handelt, der heute weitgehend einzig als historischer Jesus hinterfragt wird?

Hier ist doch ganz klar die Geschichte des lebendigen Wortes bebildert, das bereits die Propheten im nat. Werden der Welt verstanden und das heute wieder als lebendiger Jesus (im heute wissenschaftlich beschriebenen Werden der Welt) als auch für heutige Heiden geltende schöpferische Offenbarung zu verstehen, zumindest zu bedenken wäre.

Schon wenn Prof. Häfner auf die theologischen Motive der zeitlichen Einordung oder die Wahl der 12 hinweist, dann macht er doch deutlich, dass es hier nicht um ein banalhistorisches Geschehen von einem jungen Guru und seiner 12Freunde geht, bei dem versehentlich verschiedene Angaben gemacht wurden, sondern es sich um theologische Inhalte handelt. Ausasagen, die nur auf allegorische Weise zu verstehen sind, vom lebendigen Wort bzw. dem damals im jüd. Hellenismus so verstanden ewigen Sohn handeln, der "auf dem Berg" gesprochen hat.

Man kann doch nicht allen Ernstes einem im geistigen Kontext des damaligen Denkens (Definierens des lebendigen Wortes/der im Werden der Welt wahrgenommenen Weisheit/des Logos, der jetzt statt Göttersöhne auf universale Weise als schöpferischer Mittler galt) schreibenden Hellenisten weiter unterstellen wollen, er hätte hier einen egal wie gearteten Heilsprediger mit Moseserscheinungen oder Elia als Messias reden und durch eine himmlische Simme verherrlichen lassen.

Der, auf den lt. der Stimme von oben jetzt zu hören war, das kann im Kontext der damaligen Kultur betrachtet nur die vormals in jüd. David oder Salomo personifizie (zur Welt gekommene) Weisheit bzw. das Wort gewesen sein, das von Anfang an galt: Die im Werden der Welt sichbare Vernunft/kreative=schöpferische Vernünftigkeit, die nicht Gott/der sonst Unsagbare selbst war. Ein Wort/Vernunft, die damals als das gesehen wurde, was vormals Göttersöhne waren, in der Prophetenzeit galt und auf der Gedächtnisspur des rationalen, kosmosbegründeten Monoth. Eschnatons bzw. Moses die nun wieder lebendige, universal gültige Neubegründung des jüdischen Bundes war.

Ich denke, die Zeit der Verklärung ist um. Die Aufgabe der kath. Wissenschaft wäre es, der Welt auf aufgeklärte Weise zu erkären, wer der historisch-hoheitliche Jesus war und warum daher die ewige Stimme im heute kultur- und naturwissenschaftlich erklärten Werden als das ewige Wort spricht, um das es in der gesamten Bibel bzw. den monoth. Geschwistern geht.

Zumindest ein wissenschaftliches Nachdenken, was das hoheitliche Wesen des Jesus beim Hellenisten Lukas war, warum dessen geschichtlicher Ausdruck messinaische Wirklichkeit war, wäre Aufgabe kath. Wissenschaft.
Gerhard Mentzel hat gesagt…
Für den die kath. Kirche verkörpernden Petrus, der kurz vorher angesichts eines pankreationistischen Heiligtums in Caesarea in der menschlichen Person des schöpferischen Wortes/Logos die jüd./gr. Jesus genannte messiansiche Wirklichkeit sah, wird es wieder Zeit, die Verschlafenheit hinter sich zu lassen.

Nicht alten Glaubensgestalten gilt es Hütten der Verherrlichung zu bauen (was übrigens allein schon deutlich macht, dass Lukas eine theologische Auseinandersetzung der Zeit allegorisch bebildert hat, nicht von jungen Fischern berichtet, die angesichts geisterhafter Erscheinungen auf dem Berg bauen wollten), sondern nur auf das schöpferische Wort, das Jesus war.

Auch wenn derzeit am Himmel viele Wolken sind, so wird da keine Stimme zu hören sein. Und doch spricht die damals zu hörende Herrlichkeit auch Heute. Allein in der dicken Festschrift für Chardinal Schönborn "Christus - Gottes schöpferisches Wort" wird nicht nur die gesamte Problematik des derzeitigen chr. Glaubens deutlich, sondern auch, wie dringend Not-wendig eine Wahrnehmung Jesus als dieses schöpferische Wort in der Welt-Gegenwart wäre.

Allein schon die Betrachungen zur Schöpfungslehre, die dem Wiener Theologen am Herzen liegt, machen deutlich, dass wir mit ID und sonstigen Theorien, die eine vorgesetzte Gottesvorstellung beweisen wollen, nicht weiter kommen. Selbst wenn im Schlagabtausch mit dem materialistischen Naturalismus Zufall und nat. Notwendigkeit als schöpferische Wirklichkeit hinterfragt werden, so bleibt dies eine bedeutungslose Beliebigkeit, wenn der Bezug zu den altbekannten Gründergestalten des month. Glaubens fehlt. Doch der ist bei aufgeklärter Betrachtung der biblischen Gestalten, der Auswertung des Wissens über die Entstehung des proph. Monotheismus in mitten antiker Hochkulturen und ihrer Theo- oder Kosmologien, ebenso wie der aufgeklärten Lese des NT, möglich.

Und auch heute setzt das Menschenrecht eine schöpferische Vernunft-Realität voraus, die Benedikt XVI. vor dem Bundestag am Beispiel ökologischer Welterklärung zu bedenken gab.(Auch wenn der Nachfolger Petrus sich dabei nicht auf den Gottessohn berief. Gleichwohl er sich auf Salomo bzw. jüd. Weisheit bezog, die dem jüd. Hellenismus statt vergötterter menschlicher Könige und Göttergestalten als wahrer Mittler galt.)

Wie weise es doch von Anfang an war, den Fluss allen Werdens, die nach aniker Wissenschaft erklärte Welt als ewiges Wort zu verstehen bzw. das, was vormals Göttersöhne waren. So den ewigen Sohn zu sehen, der nicht der Unsagbare selbst war. Die Trinität ist daher kein gestriges Domgma bzw. leeres kath. Kirchenkonstrukt, als was sie erscheint, wenn da nur ein Schriftchristus gelten soll, sondern höchst aktuell:

Das ewige Wort, die Vernunft allen Werdens, die für den jüd. Hellenisten Lukas der ewige Sohn war, heute wissenschaftlich erkärt wird, nimmt nicht die Rolle des Vätergottes ein. Nachdem das Schriftwort nicht mehr das Maß sein kann, ist uns der Verstand gegeben, unseren schöpferischen Sinn im nat. erklärten großen Ganzen, der kreativen Genesis zu sehen und hier den Sohn zu verstehen, der nachweislich Jesus war.

Jesus war und ist wirklich das historisch-hoheitliche Wesen des schöpferischen Wortes, das lt. kath. Katechismus der ges. Bibel zugrunde liegt und das auf die Wirklichkeit und den Wille der schöpferischen Macht verweist, die alles aus sich hervorbringt. Und die so nicht im abstrakten New Age oder esoterischer Kirchenlehre verschwindet, sondern auf mündige Weise wieder peronal angesprochen werden kann, in aufgeklärte Vernunft-Verant-wort-ung nimmt.



Gerhard Mentzel hat gesagt…
Man kann es aber auch weiter als Wissenschaft ausgeben, über "Christus als schöpferisches Wort" auf rein kirchendogmatische Weise zu schreiben und die Welt im Glauben lassen, dass es beim historischen Jesus um eine Art Charismatiker ging, der als Christus, Wort... zu gelten hat, als ewige Weisheit hellenisiert, christianisiet wurde.

Dann braucht man sich weder über Dawkins & Co., noch das Abgleiten des chr. Glaubens in persönliche Wellnes und menschliche Relativität oder die im Verlust eines kultur-gemeinsamen Sinnes täglich angeprangerten Probleme zu beklagen, zu denen der Glaube nicht wirklich was zu sagen hat.

Zu einer schöpferischen Wirklichkeit, als die heute die evolutionswissenschaftlich erklärte Welt, das sinnvolle kreative Werden in Kosmos und Kultur im kultureller Aufklärung/Weiterdenken zu verstehen wäre, hat dann weder Jesus noch der schriftliche Christus was zu sagen.

Die Trinität, nach der Jesus Christus den Wille/das Wie/die Wirklichkeit des Vätergottes auf universale Weise offenbart, dem Verstand zugänglich macht, die Kulturen versöhnt und gemeinsam in schöpferische Verant-wort-ung nimmt, ist dann leider nur ein schlechter Witz.

Doch genau das ist nicht nur dringend not-wendig, sondern wäre möglich. Petrus bzw. die kath. Wissenschaft ist gefragt, auf aufgeklärte Weise über das schöpferische Wort in heutiger Welterklärung nachzudenken, das Jesus war.
Gerhard Mentzel hat gesagt…
Auch Kardinal Walter Kasper schreibt in der Festschrift für Kardinal Schönborn von der verklärten Begegnung Jesus mit Moses und Elia.

Unter der "lange Zeit vernachlässigten" Christologie und Schöpfungslehre ist von der biblischen Weisheitslehre zu lesen, die Jesus Christus lt. der Verfasser war: Dem ewigen Logos, nach dem alles geschaffen wäre, der Licht der Welt sei, wie es auch von Sokrates bzw. dem Platonismus als Vernunft in Weltrealität definiert wurde, für Moses das Gesetz und die Propheten das ewig offenbarende Wort gewesen sei.

"Durch die Kirche solle alle Welt Kenntnis erhalten von der in Jesus erschienen (schöpfungswirksamen)vielfältigen Weisheit". In der Kirche hätte sich diese Weisheit ein Haus gebaut.

Ja was soll aber der ganze Sch.? Kennt der Kardinal nicht die einzig geltende hist. Hypothese neutestamentliche Wissenschaft der Kirche, nach der nur ein egal wie gearteter Wandercharismatiker sein darf. Und wonach das, was dabei dann an Notdürftigkeiten hinten herauskommt, auch noch als schöpferisches Wort/universal offenbarende göttliche Wirklichkeit/Weisheit/Vernunft der Welt hingestellt wqerden soll?

Oder zwingt nicht auch das, die hist. Hypothese zu überdenken, auf neue Weise auf die schöpferische Stimme zu hören?

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