Sonntagsevangelium (128)

5. Sonntag der Osterzeit (A): Joh 14,1-12

Die Abschiedsreden des Johannes-Evangeliums beginnen mit einem Blick auf Jesu Wegggang und seine Wiederkehr (14,2f). Das erinnert zunächst an die allgemein-urchristliche Hoffnung auf die Wiederkunft Christi, wie sie auch Paulus bezeugt: Mit dem erneuten Kommen Christi, in naher Zukunft erwartet, ist die Erlösung der Glaubenden verbunden, und diese Erlösung wird umschrieben als Gemeinschaft mit dem auferstandenen Herrn (z.B. 1Thess 4,13-17). 

Vielleicht hat der Evangelist in 14,2f eine Überlieferung aufgenommen, die ursprünglich diese Erwartung ausdrückte; sie gewinnt aber im Zusammenhang der Abschiedsreden einen neuen Sinn. Nun geht es nicht mehr um ein Kommen Christi, das für die Glaubenden noch in der Zukunft läge. Johannes bezieht die Wiederkunft auf das Wirken des Geistes unter den Glaubenden. Deutlich wird das vor allem in den sogenannten »Paraklet-Sprüchen« (erst ab 14,16f).

Doch der Evangelist setzt schon unmittelbar nach der Ankündigung des »Kommens« einen starken Akzent auf die Gegenwart: Die Jünger kennen schon den Weg zum Vater, den Jesus vorausgeht – durch die Gemeinschaft mit Jesus (14,4.6). In einem ersten Schritt des Dialogs wird der Gedanke exklusiver Heilsvemittlung ausgeführt, der bereits im Evangelium vom vergangenen Sonntag bestimmend war (s. hier). Jesus wird mit einem Ich-bin-Wort als »Weg, Wahrheit und Leben« bezeichnet und dies wird kommentiert mit dem Satz: »Niemand kommt zum Vater außer durch mich« (in der Wendung »durch mich« liegt sogar ein sprachlicher Anklang an 10,9 vor). 

In der bildhaften Aufzählung dominiert aufgrund des Kontextes (14,4f) das Motiv des Weges, die beiden anderen Begriffe sollen wohl als Erläuterung des ersten verstanden werden: Wenn Jesus der Weg zu Gott ist, dann ist er auch unverlierbares Leben und Wahrheit, womit (wie im Prolog, s. 1,14.17), keine satzhafte Wahrheit gemeint ist, sondern die Wirklichkeit Gottes, die in Jesus offenbart wird. Die Ich-bin-Worte bündeln ja die Besonderheit des Johannes-Evangeliums, dass Jesus in seiner Person das Heil ist, er keine andere rettende Botschaft bringt als sich selbst und deshalb zum Glauben an ihn aufruft. 

Dazu passt, dass das Gespräch durch den Einwurf des Philippus einen Schritt weitergeht: vom Motiv des Weges zum Vater, das ja das Bild eines Abstandes transportiert, zur Betonung der Einheit von Jesus und Vater. »Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen« (14,9). Die Aufforderung an Jesus, den Vater zu zeigen, erweist deshalb, dass Philippus nicht erkannt hat, wer Jesus ist: die Offenbarung Gottes. Außerdem wird das Motiv der Einheit von Vater und Sohn durch die Formel vom gegenseitigen Ineinandersein ausgedrückt sowie durch die Rückführung von Worten und Werken Jesu auf Gott (14,10f). 

Bemerkenswert ist die Aussage, die Jünger würden größere Werke vollbringen als Jesus selbst (14,12). Dass die Jünger Wunder tun, die das Staunenswerte der Zeichen Jesu noch übertreffen, soll sicher nicht gesagt sein. Begründet ist das Tun jener größeren Werke darin, dass Jesus zum Vater geht, also nicht mehr an die Grenzen von Raum und Zeit gebunden ist. Nun kann sich Jesu Wirken »überall und immer ereignen, wo Jünger an ihn glauben. In den Glaubenden und mit ihnen gemeinsam wirkt Jesus weiter und in ihm der Vater« (L. Schenke, Johannes. Kommentar, Düsseldorf 1998, 244; hier online als pdf-Dokument verfügbar). Dass die in diesem Sinn »größeren Werke« der Glaubenden ganz an Jesus gebunden bleiben, machen auch die beiden folgenden Verse deutlich, nach denen Jesus tun wird, um was die Jünger bitten (14,13f). 

Kommentare

Gerhard Mentzel hat gesagt…
Sehr geehrter Herr Prof. Häfner,

auch im heutigen Text wird wieder mehr als deutlich, dass hier nicht der heute für historisch gehaltene mehr oder weniger göttliche Heilsprediger, sondern die im Laufe der Geschichte als Jesus bezeichnete Vernunft allen Werdens gesprochen hat, wie sie von nat. Schöpfung ausgeht.

Wer sich als Weg, Wort und Wahrheit bezeichnet, das auf den wahren Vater verweist, wäre heute mehr mit der kreativen Vernunft der Weltgeschichte, Evolution... zu übersetzen, als die Leser im Glauben an einen jungen Guru zu lassen.

Den als Johannes schreibenden hellenistischen Philosophen/Theologen ging es auch beim Vater nicht um ein vorgesetetes menschliches Gottesgebilde, das heute die polemische Kritik gegen ein Spagettimoster austauscht, sondern den sonst unsagbaren schöpferischen Grund des Ganzen. Und dieser monoth. eine unvorstellbare/-definierbare Grund aller Kreativität, der damals im griechischen Monismus auch im Göttervater Zeus zum Ausdruck gebracht wurde, hat mit einem jungen Wunderheiler, Wanderprediger... gewiss nichts zu tun. In jedem Satz des heutigen Textes kann dies wieder belegt werden.

Wer hier geschichtlich zu Sprache gebracht wurde, war das Wort, die den einen Vater des Ganzen bzw. schöpferischen Sinn/Wille verdeutlichende Vernunft oder Weisheit allen Werdens, die ihren Weggang und ihr Wiederkommen ankündigte.

Doch wie sollen aufgekärte Menschen auf Grundlage heutiger Wissenschaft, die wieder von einem nat. Sinn des Ganzen spricht, hierin die kreative bzw. schöpferische Sinnhaftigkeit bzw. Weisheit sehen, um die es in Johannes ging, wenn kath. Hochschullehrer nur einen jungen Heilsprediger gelten lassen?
Gerhard Mentzel hat gesagt…
Wer sich mit der Realgeschichte auseinandersetzt, der erkennt, dass es den Apologeten, Kirchenväter, aber auch allen anfänglichen Christen bzw. den vielfältigen jüd.-hellenistischen Reformbewegungen in ihrer Kulturdiskussion um den Logos, damit die nun nicht mehr im Mythos, sondern in Vernunft erklärte kreative Kraft des Weltganzen ging: Das war für sie die Wahrheit, die auf den Vater bzw. den Gott der Väter verwies, diesen offenbarte.

Selbst wenn heute Theologen über die ursprüngliche Grundlage des Islam nachdenken, der aus der gleichen Wurzel erwachsen ist, wie die Kirche, dann wird klar. Am Anfang stand die kreative Vernunft: Das nun phil. bzw. in anfänglicher Wissenschaft erklärte ganz natürliche Werden, das den Menschen gemeinsame Bestimmung gab, Wort war. Allein wenn Christen Platon und Aristoteles ins Arabische übersetzten wird doch deutlich, dass die auch dort maßgebende schöpferische Vernunft der gemeinsame Grund war, der in verschiedener Weise Geschichte wurde.

Und nicht nur der heutige Text des NT verweist auf dies heutiger Wissenschaft zugrunde liegende Vernunft, die Johannes als Grund der Geschichte voranstellt. Alle von Ihnen dargelegten Aussagen von und über Jesus machen deutlich, dass es den Verfassern um die Vernunft allen Werdens ging. Vom so lebendigen Wort ausgehend lassen sich die Aussagen über Jesus nicht nur verstehen, sondern logisch begründen.
Gerhard Mentzel hat gesagt…
Alle, die sich hier gestört fühlen, bitte ich um Entschuldigung.

Doch wenn man sich vor Augen führt, was allein für den Frieden zwischen den Glaubensgeschwister und damit den Weltfriede gewonnen werden könnte, wenn theologische Wissenschaftler ihre Aufgabe und die gegebenen heutigen Erkenntnisse ernst nehmen würden. Dann wird der Schwachsinn, der im Namen eines Heilspredigers, der weder das Theam Geschichte, noch der Jesus-Geschichten war, in die Welt gesetzt wird, unerträglich.

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