21. November 2014

Sonntagsevangelium (154)

34. Sonntag im Jahreskreis (A), Christkönigssonntag: Mt 25,31-46

Die Grundbotschaft der Szene vom großen Weltgericht ist klar: Taten der Liebe entscheiden, als dem Menschensohn erwiesene Barmherzigkeit, über Heil und Unheil im Endgericht. Umstritten ist aber das Verständnis von zwei Wendungen, die für die Auslegung der Szene wesentlich sind. Wer ist genau gemeint mit »alle Völker« und wer sind die »geringsten Brüder«, mit denen sich der Weltenrichter identifiziert (25,40)? Im ersten Fall geht es um die Frage, wer von der geschilderten Gerichtsszene betroffen ist; der zweite Streitpunkt betrifft die Reichweite des Einsatzes für Notleidende: Sind alle Menschen gemeint, die auf Werke der Barmherzigkeit angewiesen sind, oder ist der Bruderbegriff restriktiver zu fassen?

Der mit »Völker« (gr. ἔθνη/ethne) übersetzte Begriff kann verschiedene Nuancen haben. Im Gegenüber zum erwählten Gottesvolk Israel bezeichnet er die Nicht-Juden, also die Heiden. In diesem Sinn spricht Paulus in Gal 2,9 von der Übereinkunft beim Apostelkonzil, dass ihm und Barnabas das Evangelium für die Völker anvertraut sei, die Jerusalemer Säulen dagegen unter Juden (der »Beschneidung«) verkünden sollten. Matthäus verwendet einen solch exklusiven Begriff in 10,5f, wo er die Jünger anweist, nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel, und nicht zu den Heiden zu gehen. Die Rede von »allen Völkern« kann aber eine universale Dimension haben und meint dann die gesamte Menschheit, ohne zwischen Juden und Heiden zu unterscheiden. Da Matthäus davon ausgeht, dass die Verkündigung in Israel bis zur Vollendung der Welt weiterläuft (Mt 10,23), sind alle jene Stellen, die von der Missionierung unter »allen Völkern« handeln, in diesem universalen Sinn zu verstehen (24,9.14; 28,19).

Jäger des verlorenen Satzes

Im Juni dieses Jahrs verwahrte sich die Redaktion von kath.net gegen die Charakterisierung als »'selbsternannte Glaubenshüter und Moralwächter'«, die »mit 'perfider Akribie' auf die Suche 'nach Verfehlungen und Häresien' gingen« (s. hier). Die Klage, dieser Vorwurf sei »ohne Beweise« erhoben worden, überraschte schon damals, weil man doch eigentlich davon ausgehen konnte, dass die Redaktion weiß, was auf ihrer Seite erscheint (eine unvollständige Erinnerungsliste hier am Beginn des Beitrags). In der jüngsten Zeit fällt auf, dass Sätze oder gar Halbsätze genügen, damit in Linz die Skandal-Produktion anläuft. Johanna Rahner sagte in einem Interview, niemand besitze die Wahrheit – und schnell wurde ihr demonstriert, dass sich manche durch diesen Satz enteignet sehen (s. hier). Das unwürdige Schauspiel um das angebliche Interview, in dem Kardinal Kasper angeblich sagte, die Bischofssynode solle die afrikanischen Bischöfe nicht ernst nehmen, ist kaum vorbei, da wird von Kardinal Kasper ein Relativsatz aufgeschnappt und zum Eklat aufgepumpt (s. hier).  Zuletzt traf es den Grazer Pastoraltheologen Rainer Bucher, der »die kirchliche Lehre von Ehe und Familie als 'katholisches Sexualregime'« verunglimpft haben soll (s. hier).

Bleiben wir bei den beiden jüngsten Fällen. Sie zeigen eine Aggressivität, die den eingangs zitierten Vorwurf eindrucksvoll bestätigt. Das gelang übrigens ursprünglich bereits durch die Reaktion auf jenen Vorwurf im ersten oben verlinkten Artikel; jedoch wurde dieser Beitrag nachträglich entschärft, nachdem die Diskussion in den Lesermeinungen ein wenig aus dem Ruder gelaufen war – auch durch die Beteiligung eines gewissen Gandalf, der uns gleich wieder begegnen wird. Betrachten wir als erstes den nächsten Akt im Anti-Kasper-Theater.

14. November 2014

Sonntagsevangelium (153)

33. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 25,14-30 (oder 25,14-15.19-21)

Das Gleichnis vom anvertrauten Geld ist in zwei sehr unterschiedlichen Fassungen überliefert (s.a. Lk 19,11-27). Sie gehen so weit auseinander, dass fraglich ist, ob Matthäus und Lukas dieselbe Vorlage benutzt haben, sie also auf einen Text der ihnen gemeinsamen Spruchquelle (Q) zurückgreifen konnten. Möglich ist auch, dass sie verschiedene Versionen aus der mündlichen Überlieferung aufgenommen haben.

Vergleicht man beide Fassungen bei der Suche nach der ursprünglichen Gestalt, ist keine eindeutig zu favorisieren. Sekundäre Merkmale begegnen sowohl bei Matthäus als auch bei Lukas (vgl. Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus, Bd. III, Neukirchen-Vluyn/Ostfildern 1997, 496f). So dürfte im dritten Evangelium die Einbettung in ein machtpolitisches Szenario (mit Anspielungen auf die Geschichte des Herodessohns Archelaos) ein späteres Element sein. Matthäus dagegen bietet wohl eine nachträglich erhöhte Geldsumme; die Rede vom »Eingehen in die Freude deines Herrn« (25,21.23) passt besonders zum Kontext der Endzeitrede und zum Gerichtsbild in 25,30 – beides findet sich bei Lukas nicht und gehört deshalb wahrscheinlich nicht zum Grundbestand des Gleichnisses. Dasselbe Urteil trifft wohl auch für das Wort in 25,29 zu (par Lk 19,26: »Wer hat, dem wird gegeben ...«). Es ist auch in anderen Zusammenhängen belegt und fügt sich nicht glatt an das Gleichnis, in dem es in erster Linie nicht um das Haben geht.

Der Herr im Gleichnis, der sein Geld seinen Sklaven überlässt, damit sie es vermehren, ist eine ambivalente Figur (besonders deutlich in der lukanischen Fassung). Der dritte Knecht rechtfertigt sich damit, dass der Herr hart sei und seinen Besitz ohne Arbeit vermehre (er »erntet dort, wo er nicht gesät hat«: vielleicht eine Anspielung auf Finanzgeschäfte). Der Herr widerspricht ihm darin nicht, sondern wirft ihm nur vor, aus dem Wissen um seinen Charakter nicht die richtigen Konsequenzen gezogen zu haben. Mehr hat der Herr von ihm erwartet als das Geld nur zu sichern. Der Fehler des Knechtes liegt nicht allein in der Untätigkeit, sondern in deren Motiv: Aus Angst vor dem Herrn hat er das Geld vergraben. Er hat das Risiko gescheut, die gegebene Chance aber hätte mutig genutzt werden müssen, ohne Furcht vor Versagen.

12. November 2014

Noch einmal: Die angebliche Treue zum Wort Jesu

Die nachsynodale Kritik der außerordentlichen Bischofssynode zu Ehe und Familie könnte von sich mit Mk 5,9 sagen: »Legion ist mein Name, denn viele sind wir.« Der biblische Bezug ist rein numerisch gemeint und soll nicht unterstellen, die kritischen Kommentierungen seien dämonisches Werk. Aber dass sich in ihnen immer göttliche Weisheit kundtue, kann man auch nicht ohne Zögern behaupten.

Als besonders ärgerlich empfinde ich den ständig unternommenen Versuch, eine Änderung der Regelungen zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen durch Verweis auf das (angeblich) eindeutige Wort Jesu in dieser Frage abzuweisen. Martin Grichting, der neulich mit originellen historischen Vergleichen auf sich aufmerksam gemacht hat (s. hier), freut sich ein Loch ins Kollar, weil der Beginn der Synode 2015 im Lesejahr B auf den 27. Sonntag im Jahreskreis fällt und deshalb Mk 10,2-16 das Tagesevangelium sein wird. »Der Heilige Geist führt Regie.« (s. hier) Ja, da wird Kardinal Kasper aber Augen machen, wenn er am 4. Oktober 2015 dieses Evangelium hört, und bußfertig wird er ausrufen: »Hätte ich nur gewusst, dass das in der Bibel steht!«

Die Vereinfachung hat Konjunktur. Von Kardinal Burke, im Blick auf das ersehnte Ende der synodalen Verwirrung ein Intensiv-Beter, wird berichtet: »Kein Priester oder Bischof könne verändern, was Jesus über die Ehe gelehrt habe, stellte Burke auf Frage eines Journalisten fest.« (s. hier) Gegen den Gedanken der Gradualität sagt er: »die Wahrheit ist nicht graduell. Sie ist objektiv. Die Ehe ist unauflöslich. Wenn ich jemanden heirate, kann ich nicht mit jemand anderem leben.«  Kardinal Müller hat nach kath.net-Angaben in einem Interview geäußert: »'Die Kirche kann nicht ändern, was Christus gelehrt hat, weder vor noch nach der Synode.' Bezüglich der Ehe seien das in erster Linie die Worte 'Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.'« (s. hier)

7. November 2014

Sonntagsevangelium (152)

 32. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 25,1-13 

Zum Gleichnis von den zehn Jungfrauen wird das Verständnis des Geschehensablaufs diskutiert. Umstritten ist, wo die eigentliche Handlung beginnt. Üblicherweise wird der Eröffnungssatz vom Hinausziehen in diesem Sinn gedeutet, es folgt eine eingeschobene Personenbeschreibung (25,2-4), ehe in 25,5 der Erzählfaden wieder aufgenommen wird. Einem anderen Vorschlag zufolge ist 25,1 als Überschrift des Gleichnisses zu lesen, die Handlung beginne erst in 25,5 mit der Notiz, dass sich die Ankunft des Bräutigams verzögere. Deshalb heiße im nächsten Vers: »Geht hinaus zur Begegnung mit ihm!« Die Frauen sind also noch gar nicht hinausgegangen; erst jetzt werden sie dazu aufgefordert (vgl. Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus, Bd. III, zu Mt 25,1-13).

Die geschilderte Differenz hat Folgen für das Verständnis des ganzen Erzählganges: Beginnt die Handlung bereits mit dem Hinausgehen in 25,1, ist daran gedacht, dass die Jungfrauen mit brennenden Fackeln ausziehen, aber nur die fünf Klugen an Ölvorräte gedacht haben. Weil sich der Bräutigam verzögert, werden die Fackeln ins Erdreich gesteckt, ehe alle einschlafen. Im anderen Fall haben die Törichten überhaupt kein Öl dabei, um ihre Fackeln anzuzünden, wenn der Bräutigam kommt. Die Jungfrauen sind im Haus der Braut zu denken. Sie warten auf d  ie Ankunft des Bräutigams – er holt seine Braut ab –, um ihn und die Braut zum Haus des Bräutigams mit den Fackeln zu begleiten. Angezündet werden die Fackeln erst, wenn der Ruf von der Ankunft des Bräutigams ertönt (im Erzählablauf also in 25,6).

31. Oktober 2014

Sonntagsevangelium (151)

Allerseelen: Joh 11,17-27

Die Wundergeschichten des Johannes-Evangeliums werden in drei Fällen durch »Ich-bin-Worte« in ihrem metaphorischen Gehalt erläutert (Brotvermehrung: 6,35; Blindenheilung: 9,5; Auferweckung des Lazarus: 11,25f). Dadurch tritt der Grundzug dieser Erzählungen deutlich hervor: Sie sind Zeichen, die auf die Bedeutung des Wundertäters verweisen. In der Erzählung von der Auferweckung des Lazarus ist das Ich-bin-Wort eingebettet in den Dialog Jesu mit Martha, der deshalb als Kernstück der Wundergeschichte bezeichnet werden kann.

Martha eröffnet das Gespräch mit einem Bekenntnis zur Wundermacht Jesu: Er hätte den Tod ihres Bruders verhindern können. Traut sie Jesus auch zu, die Grenze des Todes zu überwinden? Der Text bleibt in der Schwebe. »Aber auch jetzt weiß ich, dass Gott dir geben wird, was immer du erbittest.« Da die Auferweckung des Lazarus mit dem Gebet Jesu zum Vater verbunden wird (11,41f), kann man einerseits in den Worten Marthas die Hoffnung ausgedrückt sehen, dass der Tod ihres Bruders angesichts der Gegenwart Jesu nicht endgültig ist. Andererseits zeigt der Dialog mit Jesus, dass Martha die Bedeutung Jesu an dieser Stelle noch nicht voll erkennt.

Jesus antwortet zunächst mehrdeutig: »Dein Bruder wird auferstehen.« Die Doppelbödigkeit der Aussage wird noch nicht gleich sichtbar. Martha bezieht das Wort Jesu auf die Erwartung der (allgemeinen) Totenauferstehung am Ende der Zeit. Sie »weiß«, dass ihr Bruder »auferstehen wird am letzten Tag«, Jesus hat ihr also nichts Neues gesagt – so scheint es. Und tatsächlich hat sich die Erwartung der endzeitlichen Totenauferstehung in der  Glaubensgeschichte Israels zwar erst ab dem 2. Jahrhundert v.Chr. durchgesetzt, in neutestamentlicher Zeit ist sie aber fest verankert (wenn auch nicht von allen Juden geteilt). Davon kann man »wissen«, Martha vertritt die traditionelle Zukunftshoffnung.

26. Oktober 2014

Verstorbener Papst durfte nicht an der Synode teilnehmen!

Die Nachsorgeuntersuchungen zur Bischofssynode reißen nicht ab, sie scheinen aber nicht immer sehr zuverlässig durchgeführt zu werden. Kardinal Joachim Meisner  hat am Gedenktag des hl. Johannes Paul II. einen Artikel in der Tagespost  veröffentlicht, in dem er beklagte, dass das »in Rom existierende Institut 'Heiliger Johannes Paul II.' für Studien über Ehe und Familie … durch keine Vertreterin oder keinen Vertreter in den Vorbereitungsgremien und dann während der Synode in einem der Beratungsgremien dabei« war. Seine Interpretation des Vorgangs reicht über die Grenzen von Raum und Zeit hinaus:
»Der heilige Papst Johannes Paul II. wurde unbegreiflicherweise gleichsam von den Vorbereitungsgremien der Synode ausgeschlossen.« 
Dies erscheint als umso schwerwiegender, als dieser heilige Papst in die Kirchengeschichte eingehen wollte »als der Papst, der für die Heiligung von Ehe und Familie eingetreten ist. Diesem Anliegen hat sein ganzes theologisches und pastorales Interesse gegolten und gilt es immer noch.«

24. Oktober 2014

Sonntagsevangelium (150)

30. Sonntag im Jahreskreis (A): Mt 22,34-40

In der Erzählung von der Frage nach dem größten Gebot hat Matthäus seine Vorlage Mk 12,28-34 in starkem Maß verändert. Bereits die szenische Einleitung unterscheidet sich. Bei Markus geht der Schriftgelehrte auf Jesus zu, weil der den Sadduzäern gut geantwortet hatte (s. Mk 12,18-28); er sucht das Gespräch mit einem kompetenten Lehrer. Im Matthäus-Evangelium dagegen entsteht der Eindruck, dass die Pharisäer für die geschlagenen Sadduzäer in die Bresche springen: eine konzertierte Aktion der Pharsiäer und Sadduzäer, die mit der Frage nach der Erlaubtheit der Kaisersteuer begann (22,15-22), mit der nach der Totenauferstehung fortgesetzt wurde (22,23-33) und jetzt das Thema des wichtigsten Gebotes der Tora behandelt. Pharisäer und Sadduzäer wechseln sich  dabei als Gegner Jesu ab. Zum polemischen Kontext passt auch, dass Matthäus die Passage übergeht, die vom Einverständnis zwischen Fragesteller und Jesus handelt (Mk 12,32-34).

Aus der Antwort Jesu lässt Matthäus den Bezug auf Dtn 6,4 aus (»Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist einziger Herr«). Wahrscheinlich wollte er angesichts der Fragestellung die Antwort Jesu auf die unmittelbaren Aufforderungen konzentrieren.  Zum Gebot der Gottesliebe bietet er wie der alttestamentliche Bezugstext eine Dreierreihe: »Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken«. Bei Markus steht hier ein viertes Element (»mit deiner ganzen Kraft«), das sich dem zitierten Text Dtn 6,5 verdankt. Der Bezug auf das Denken fehlt dort allerdings. Matthäus hat also einerseits die markinische Form an den alttestamentlichen Wortlaut angeglichen (Dreier- statt Viererreihe), anderseits aber ein Element stehen lassen, das in Dtn 6,5 nicht bezeugt ist. Eine Erklärung dieses Befundes ist schwierig, möglicherweise stehen im Hintergrund unterschiedliche Texttraditionen zu der zitierten Passage. Die Grundaussage ist aber klar: Es geht um den Einsatz aller dem Menschen zur Verfügung stehenden Fähigkeiten und Kräfte.

20. Oktober 2014

Lehramt von unten

An besorgten Kommentaren zur Bischofssynode bestand während deren Verlauf so wenig Mangel wie an Sand in der Wüste. Die Sorge gründet in unangefochtener Gewissheit. So weiß Hubert Gindert, Vorsitzender des Forums deutscher Katholiken, genau: (s. hier)
»Würde die Kirche ihre Lehre über das Ehesakrament ändern, wäre sie nicht mehr die Katholische Kirche«.
Wer mit solchem Wissen ausgestattet ist, konnte nur mit Bangen nach Rom schauen. Sollten der Papst und die Vertreter aus dem Kollegium der Bischöfe (also »die Träger der höchsten und vollen Gewalt über die ganze Kirche«; Lumen Gentium 22) das anders sehen, müsste ihnen leider bescheinigt werden, nicht mehr in der Katholischen Kirche zu sein.

Nach dem Zwischenbericht war die Befürchtung groß, eine solche Bescheiniung müsste tatsächlich ausgestellt werden. Die Erleichterung darüber, dass es nicht so kam, verschaffte sich in völlig überzogenen Überschriften Luft (»Roma locuta«). Was wäre gewesen, wenn ein anderes Signal aus Rom gekommen wäre? Da Rom nun aber nicht abschließend gesprochen hat und die Debatte ausdrücklich weitergeht, sind die während der Synode abgefeuerten Warnschüsse noch nicht erledigt.

19. Oktober 2014

Linzer Literarkritik

Zu den Methoden der Exegese gehört die Literarkritik. In diesem Schritt wird die Kohärenz eines Textes untersucht und der Blick auf Spannungen, Brüche, Widersprüche, Wiederholungen gerichtet. Erweist sich der Text als einheitlich oder lassen sich verschiedene Schichten in ihm erkennen? Wendet man diese Methode auf die Meldung von kath.net zum Abschlussdokument der Bischofssynode an, müsste man nicht wissen, dass Überschriften immer Sache der Redaktion sind, um die Schichtung des Textes zu erkennen. Man fragt sich sogar, ob die Überschrift über dem richtigen Text steht. Sie lautet (s. hier):
»Roma locuta - Die Synode sagt Nein!« 
Zu was die Synode »nein« sagt, wird dann im Vorspann zur Meldung ausgeführt:
»zu einer liberaleren Linie beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexualität«. 
Liest man den Text weiter, erfährt man:
»In der Abstimmung über das Abschlussdokument verfehlten die betreffenden Passagen des Textes am Samstagnachmittag die erforderliche Zweidrittelmehrheit«. (Hervorhebung von mir)