Posts

Die eingebildete »Entgöttlichung Christi«

Bild
Die Blogpause des vergangenen Jahres war über weite Strecken auch ein kath.net-Sabbatical. Nun kehre ich zurück und finde mich gleich wieder zurecht: Die Theologenbeschimpfung gehört nach wie vor zum Programm des Portals. Es kündigt »Gedanken eines Nichttheologen« an. Zum Teil wird das auch eingelöst, nämlich in der Umschreibung des Autors. Dass für die Rolle des Watschenmanns Kardinal Marx vorgesehen ist, lässt auch nach einer längeren Zeit der Abwesenheit sofort Gefühle der Vertrautheit aufkommen.

Die angebliche Tendenz

Der Kardinal hat etwas gesagt, das in Verbindung mit einer am 3. Fastensonntag gehörten Predigt eine Tendenz belegen soll. Die Predigt legte das Gespräch Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen »als Beispiel einer gelungenen Begegnung zwischen Menschen unterschiedlicher Völker und Religionen« aus. Der Hörer und Autor des Beitrags vermisste den Bezug auf die allein Jesus zukommende Würde.  »Aber am Jakobsbrunnen begegneten sich doch nicht einfach eine samaritische Frau und …

Wie oft starb Judas?

Bild
Wer keine Reinkarnationsvorstellungen vertritt, wird sich zutrauen, die Frage, wie oft Judas starb, eindeutig zu beantworten. In historischer Sicht ist denn auch unstrittig, dass es sich beim Tod des Judas um ein einmaliges Ereignis handelte. Umso mehr fällt auf, dass das Neue Testament zwei verschiedene Versionen von diesem Ereignis bietet, die sich gegenseitig ausschließen (Mt 27,3-10; Apg 1,16-20). Matthäus zufolge hat sich Judas aus Verzweiflung über seine Tat erhängt, nachdem ihm von den Hohenpriestern bedeutet worden war, er müsse selber mit den Folgen seiner Tat fertig werden (27,4: »Sieh du zu«). Dagegen heißt es in der Apostelgeschichte, Judas sei kopfüber gestürzt und geplatzt, so dass seine Eingeweide hervorquollen (Apg 1,18). Ein Eingreifen Gottes kommt zwar nicht ausdrücklich zur Sprache, wird aber durch die Todesart nahegelegt, zumal da Judas durch diesen Tod daran gehindert wird, das Grundstück in Besitz zu nehmen, das er sich vom Lohn für den Verrat gekauft hat.

❖❖❖❖❖

Das Bier im Kühlschrank und die Theologie

Bild
Seit dem letzten Post ist nun ein Jahr vergangen. Zeit und Energie haben nicht gereicht, um dieses Blog weiter mit Beiträgen zu beliefern. Nach dieser Pause wage ich einen Neueinstieg in der Hoffnung, dass die beiden genannten Größen in der Zukunft nicht so knapp bemessen sind. Den letzten Anstoß zum erneuten Versuch gab eine Bemerkung, mit der die Naturwissenschaft von Theologie (und Esoterik) abgegrenzt werden sollte. Auf sie bin ich durch das Münsteraner Forum für Theologie und Kirche gestoßen.


Vince Ebert, Diplom-Physiker, Moderator, Kabarettist, fördert nicht nur das Interesse an Naturwissenschaften, sondern bietet auch Sinnstiftung angesichts der Endlichkeit menschlicher Existenz an. Für die Aussicht auf Unsterblichkeit braucht er keinen dreifaltigen Gott, die »drei Hauptsätze der Thermodynamik reichen dafür vollkommen aus« (s. Video hier ab 41:45). Die 1028 Atome, aus denen der Mensch besteht, gehen im Tod nicht verloren; »nichts von uns verschwindet, wir sind einfach nur wenige…

Wächter der Toleranzgrenze

Auf diesem Blog habe ich »sehr lange geschwiegen, ich war still und hielt mich zurück« (Jes 42,14). Der Grund war eine gewisse Erschöpfung und ein Ausmaß an Aufgaben, das keinen ausreichenden Freiraum mehr gelassen hat, um hier etwas einzustellen. Zwar will ich nun nicht »wie eine Gebärende schreien«, auch schnaube und schnaufe ich nicht (vgl. die Fortsetzung in Jes 42,14); aber ich wage den Versuch des Wiedereinstiegs. Manchmal ist es ja auch nicht so leicht, nichts zu sagen. 

»Wie Mehltau liegt die Flüchtlingskrise auf der Bundesrepublik Deutschland.« Gärtner Hubert Windisch hat beim Gang durch seine Beete einen gefährlichen Befall der Pflanzen entdeckt und fürchtet nun, dass sie sich braun verfärben und vertrocknen. In der Sache meint er damit die Gefahr der Islamisierung. Sie ist groß und Houellebecq ist ihr Prophet. Und natürlich vollzieht sich die Islamisierung als »schleichende«, denn es könnte sein, dass manche noch nicht so richtig mitbekommen haben, wie immer mehr deutsche …

Warmlaufen für die Synode

Die Synode naht, der Ton wird rauer. Das Wirken »linkskatholischer Kreise« auf der letztjährigen außerordentlichen Synode muss vor dem ordentlichen Durchgang »entlarvt« werden, zumal da es sich um »massive Manipulationsversuche« handelt. Der Beitrag auf kath.net (s. hier) wird als »Gastkommentar« angekündigt, ist aber in erster Linie Hinweis auf ein neues Buch von Edward Pentin, das »im Detail« zeige, »wie das Sekretariat der Synode, geleitet von Kardinal Lorenzo Baldisseri, versucht hat, eine eigene progressistische Agenda mit den klassischen Reizthemen Homosexualität, Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene, wilde Ehen usw. durchzusetzen.«

Ein Beispiel wird nicht mitgeteilt, wir müssen uns mit der pauschalen Einschätzung begnügen: »Vor allem in der Redaktion der Tagungsberichte wurde versucht, entsprechenden Wortmeldungen eine Bedeutung zu verleihen, die sie weder in den Ansprachen noch in den Arbeitskreisen besaßen.« Es kommt dem Autor nur darauf an, eine Duftmarke zu setzen,…

Das »authentische Wort«

Der Bischof von Chur, Dr. Vitus Huonder, hat in einem Vortrag seine Freude am Glauben so unglücklich ausgedrückt, dass gegen ihn Strafanzeige erstattet wurde. Vorgeworfen wird ihm das Zitat von Lev 20,13, wo für homosexuelle Akte unter Männern die Todesstrafe vorgesehen ist. Und da er am Beginn seines Vortrags die Worte der Heiligen Schrift, denen er nachgehen wolle, als »das authentische Wort, das Wort der Offenbarung« bezeichnet hat, das Maßstab für die Lebensgestaltung sei, erkennt der Verband Pink Cross in dem Zitat einen »Freipass zur Gewalt«.

Dass der Bischof keineswegs zur Gewalt aufrufen wollte, kann man ihm ohne Weiteres abnehmen. Er wollte ja nur »in aller Schlichtheit an das erinnern, was uns das Wort Gottes zur Schöpfung von Mann und Frau, zur Ehe sowie zur Sexualität, und, in Folge dessen, zur Familie sagt.« (s. hier: [pdf-Dokument]) Vor allem die Präpositionalbestimmung am Beginn des Zitats trifft zu: Die Überlegungen sind in der Tat bibelhermeneutisch erstaunlich schlic…

Sonntagsevangelium (155)

12. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 4,35-41

Die Geschichte von der Stillung des Sturmes ist stark geprägt von Bezügen auf das Alte Testament. Dies zeigt sich zum einen in mehreren Anspielungen und wörtlichen Anklängen an den ersten Teil der Jona-Geschichte.

(1) Bei der Schilderung der Not (Mk 4,37) wird man an Jon 1,4 erinnert. In beiden Fällen begegnet die Reihenfolge »Wind – aufgewühltes Wasser – gefährdetes Schiff«. Außerdem finden wir eine (fast) wörtliche Übereinstimmung:
„Es entstand ein großer Wirbelsturm auf dem Meer.“ (Jon 1,4).
„Und es entsteht ein großer Sturmwind.“ (Mk 4,37) (2) Der Passagier, der schließlich die Rettung bringt, schläft, als die Gefahr entsteht. Jona steigt in den unteren Schiffsraum, schläft dort und schnarcht (Jon 1,5); Jesus liegt im Heck und schläft auf einem Kopfkissen (Mk 4,38).

(3) In der Bitte um Rettung verwenden die Jünger ein Wort, das auch die Seeleute an der entsprechenden Stelle Jona gegenüber gebrauchen. Nachdem sie Jona geweckt haben, sag…