17. Mai 2013

Sonntagsevangelium (77)

Pfingsten (C):  Joh 14,15-16.23b-26 (oder Joh 20,19-23)

Zu Joh 20,19-23 s. hier

Der Abschied Jesu von seinen Jüngern steht im Johannes-Evangelium unter der Verheißung der Wiederkunft. Allerdings versteht der Evangelist darunter nicht ein Geschehen am Ende der Zeit, wie dies im Urchristentum üblich war (z.B. 1Thess 4,15-17; Mk 13,24-27). Im Geist kommt der erhöhte Jesus zu seinen Jüngern und bleibt bei ihnen. Die Worte vom »Geist-Parakleten« sind eine kennzeichnende Besonderheit des Johannes-Evangeliums. 

Das griechische Wort, das unübersetzt mit »Paraklet« wiedergegeben wird (παράκλητος), bedeutet wörtlich »der Herbeigerufene« und bezeichnet ursprünglich vor allem den Beistand vor Gericht, ohne allerdings auf diesen Bereich festgelegt zu sein. Es kann auch um eine Fürsprecher gehen, der in irgendeiner Form helfend und schützend für andere eintritt, oder auch um einen, der tröstet, ermahnt oder belehrt (der Begriff ist äußerst anpassungsfähig). Wenn in Joh 14,16 die Rede ist von einem anderen Parakleten, den der Vater geben wird, ist eingeschlossen, dass auch Jesus selbst als Paraklet gesehen wird. 

10. Mai 2013

Sonntagsevangelium (76)

7. Sonntag der Osterzeit (C):  Joh 17,20-26 

Aus Zeitgründen heute ein kurzer Text.

Im Gebet Jesu für seine Jünger wird offen ausgesprochen, was die Abschiedsreden des Johannes-Evangelium grundlegend bestimmt: Es geht um die Glaubenden der späteren Zeit, die durch das Zeugnis der ersten Jünger zum Glauben gekommen sind (17,20). Ihre Einheit ist das erste Anliegen des Gebets. Sie ist vorgebildet und begründet im gegenseitigen Ineinandersein von Jesus und Gott. 

In diese Einheit sind die Glaubenden einbezogen und damit deutlich von der Welt geschieden – aber nicht in sich abgeschlossen. Wie die Einheit von Jesus und Vater auf die Glaubenden hin offen ist, so soll auch die Einheit der Glaubenden eine Außenwirkung haben: Durch sie soll aus der ungläubigen Welt Gemeinde werden (17,21.23). Zugleich offenbart sie das Motiv des göttlichen Handelns, die Liebe. Ausdrücklich kommt sie nur zur Sprache als Liebe Gottes zu Jesus und zu den Glaubenden. Doch denkt Johannes auch an die Wirkung dieser Liebe. Wenn die Liebe Gottes in den Glaubenden ist (17,26), dann soll auch unter ihnen die Liebe verwirklicht werden; sonst könnte Johannes nicht von der Einbeziehung in die Einheit zwischen Gott und Jesus sprechen. 

Mit der Einheit verbunden ist schließlich die Herrlichkeit, die Fülle des göttlichen Lebens, als gegenwärtige Gabe (17,22) und als Ziel, auf das hin die Glaubenden unterwegs sind (17,24).

3. Mai 2013

Sonntagsevangelium (75)

6. Sonntag der Osterzeit (C): Joh 14,23-29 

Der Zusammenhang von Glaube und Handeln wird im Johannes-Evangelium nur allgemein angesprochen. Liebe zu Jesus ist gebunden an das Halten der Gebote Jesu (14,15.21) oder seiner Worte (14,23). Dies bezieht sich im Rahmen des Abschieds auf Jesu Aufforderung zu gegenseitiger Liebe, die ausdrücklich als »Gebot« bezeichnet ist (13,34f, s. dazu hier). Auch an die Fußwaschung ist zu denken. Sie erscheint als Beispiel, nach dem die Jünger handeln sollen (13,15). 

Im Zusammenhang der Worte Jesu wird auch die Rückbindung Jesu an Gott betont: Diese Worte stammen vom Vater, der Jesus gesandt hat (14,24). Und so verbindet sich mit dem Bewahren dieser Worte die Verheißung, dass Jesus und der Vater bei den Glaubenden wohnen werden (14,23). Damit wird eine frühere Ankündigung aufgegriffen und umgedeutet. Jesus hatte seinen Jüngern verheißen, ihnen bei seinem Vater eine Wohnung zu bereiten, »damit ihr dort seid, wo ich bin« (14,2f). An dieser Stelle ist die Verheißung in den Bahnen der traditionellen Vorstellung der Wiederkunft Christi formuliert: »Ich komme wieder und werde euch zu mir nehmen«. Im Lauf der Szene aber verändert sich die Perspektive grundlegend: Es geht nicht mehr darum, dass die Jünger an einen anderen Ort kommen, in die vom Erhöhten bereiteten Wohnungen; umgekehrt ist nun davon die Rede, dass Jesus und der Vater bei denen Wohnung nehmen, die Jesu Wort bewahren (14,23).

2. Mai 2013

Die neue Frühjahrsoffensive

Nach einer Schonzeit schwärmen die Jagdtrupps von kath.net wieder aus und nehmen das antirömische Freiwild ins Visier, das da mutwillig die Pflanzung der katholischen Kirche in Deutschland zerbeißt. Aufgedeckt wurde ein Socken-Skandal (s. dazu auch hier [frech.fromm.frau] und hier [episodenfisch]); es wird die bislang unbekannte Stelle eines »ZdK-Theologen« eingerichtet, der natürlich keine ernst zu nehmenden Gedanken vorträgt, sondern »Ehe und Kirchengebote relativiert«; und mit Mt 5,13 als exaktem Refraktometer wird der mangelnde Salzgehalt der deutschen Funktionärskirche gemessen. 

Angefangen hat die neue Jagdsaison, als Erzbischof Robert Zollitsch auf der Lichtung der Baden-Badener Autobahnkirche erschien und dortselbst mit einer Aussage erwischt wurde, die man ihm als Kritik an Papst Benedikt XVI. auslegt. Bei einer Predigt hat er gesagt: »Nun ist es wieder interessant, katholisch zu sein. Das haben wir Papst Franziskus zu verdanken« (s. hier). Wegen dieses Wortes »stellen sich nicht wenige Katholiken« die Frage, ob es unter Papst Benedikt uninteressant gewesen sei, katholisch zu sein. Die Mengenangabe bleibt dunkel, sie könnte sich auch auf den Hinweisgeber und die Redaktion von kath.net beziehen. Wenn BILD eine Kampagne gegen jemanden oder etwas startet, heißt es oft: »Ganz Deutschland fragt sich jetzt ...« oder so ähnlich (ein Beispiel auf Bildblog hier; im Wörterbuch von bildblog.de wird »ganz Deutschland« übersetzt mit »die Redaktion von BILD«). Was Ziel der Empörungs-Aktion ist, wird im Vorgriff als Tatsache behauptet. Und in diesem Stil läuft das nach der Wiedereröffnung der Kommentarfunktion auch wieder auf kath.net: Die Empörung wird produziert. 

26. April 2013

Sonntagsevangelium (74)

5. Sonntag der Osterzeit (C): Joh 13,31-33a.34-35 

In den Abschiedsreden des Johannes-Evangeliums geht es um die Weisung Jesu an seine Jünger für die Zeit nach seinem Weggang (13,33). Grundlage dieses Abschnitts sind nicht Worte des geschichtlichen Jesus; die folgenden Kapitel (bis 17,26) bedenken die Situation der Glaubenden nach Ostern. In den Abschiedsreden begegnet verdichtet, was für das ganze Evangelium gilt: Johannes will nicht berichten, was Jesus einmal gesagt und getan hat; er zeigt auf, was Jesus jetzt für die Glaubenden bedeutet. Noch weniger als die anderen Evangelisten ist er Geschichtsschreiber, und mehr noch als diese ist er Theologe.

Tote Leichen

Wer vom »runden Kreis« spricht, vom »alten Greis« oder einem »großen Riesen«, wird gewöhnlich nicht für einen Rhetorikpreis vorgeschlagen. Ein Substantiv mit einem Adjektiv-Attribut zu versehen, dessen Inhalt schon im Substantiv steckt, bringt eine unelegante Tautologie hervor. Ich erinnere mich noch an eine Vorlesung in meiner Studienzeit, in dem der Professor auf dieses Phänomen zu sprechen kam (wenn auch eher in logischer denn rhetorischer Hinsicht) und die Wendung  »runder Tisch« analysierte: Damit sie sinnvoll sei, müsse es auch andere Formen von Tischen geben. Man müsse sich also fragen: »Gibt es auch eckige Tische?« Die Szene mit dem in Ton und Gestus äußerste Gedankentiefe signalisierenden Gelehrten, der um die Möglichkeit einer sinnvollen Aussage über runde Tische rang, entbehrte insofern nicht einer gewissen Komik, als er dies direkt neben einem eckigen Tisch stehend unternahm.

Aber ich schweife ab. Nicht immer scheint die Tautologie so offen zutage zu liegen wie beim »alten Greis« (oder die Nicht-Tautologie beim »runden Tisch«). In einem Kreuzworträtsel, das die Süddeutsche Zeitung online anbietet, wurde am 25.4. nach einem italienischen Heiligen gefragt. Da es nun so viele Heilige gibt, hat man sich entschlossen, eine kleine Hilfestellung zu geben, und durch ein Kreuz darauf hingewiesen, dass der gesuchte Heilige bereits verstorben sei.

Offensichtlich waren die Autoren über die Grundzüge von Heiligsprechungsverfahren nicht informiert. Und sie kannten auch nicht - ich schweife erneut etwas ab - den etwas älteren Witz, in dem das ZK der KPdSU bei der Kirche anfragt, ob eine Heiligsprechung des Genossen Breschnew möglich sei. Die Antwort, eine Heiligsprechung setze den Tod des Betreffenden voraus, führt zur Rückmeldung des ZK, man könnte den Genossen ja für zum Schein für tot erklären. Darauf die Antwort: Dann können wir ihn nur scheinheiligsprechen.

Philosophen können künftig als Gegenbeispiel zum »runden Tisch« auf einen weiteren praxiserprobten Fall zurückgreifen.

19. April 2013

Sonntagsevangelium (73)

4. Sonntag der Osterzeit (C): Joh 10,27-30

In dem kurzen Abschnitt aus dem Johannes-Evangelium sind wichtige Motive der ganzen Hirtenrede (Joh 10) zusammengefasst. Sie kreisen, im Bild von Schafen und Hirt, um das Verhältnis der Glaubenden zu Jesus. Dieses Verhältnis wird einerseits von den Glaubenden her bestimmt: Sie hören Jesus und folgen ihm nach. Dem entsprechen andererseits Aussagen, die von Jesus her formuliert sind: Er kennt die Glaubenden, gibt ihnen ewiges Leben und lässt sie nicht verloren gehen. Es geht also um die Gemeinschaft zwischen Jesus und seinen Jüngern.

12. April 2013

Sonntagsevangelium (72)

3. Sonntag der Osterzeit (C): Joh 21,1-19

Das 21. Kapitel des Johannes-Evangeliums wird gewöhnlich als Nachtrag eingeschätzt, der nicht mehr vom Evangelisten stammt. Tatsächlich ist die Erscheinung Jesu am See von Tiberias (21,1-14) innerlich kaum mit den vorherigen Erscheinungen verbunden: Die Jünger erkennen Jesus nicht (21,4); sie gehen wieder ihrem Beruf als Fischer nach, als wären sie nicht zuvor von Jesus gesendet worden (20,21). Außerdem ist 20,30f  kaum anders denn als Buchschluss zu verstehen. Dass die Erzählung danach noch weiterläuft, ist nach diesen Bemerkungen, die den Zweck des Werkes angeben, nicht zu erwarten. Wahrscheinlich wurde also das bereits abgeschlossene Evangelium erweitert, vor allem um die Abschnitte über Simon Petrus und den »geliebten Jünger« einzubringen (21,15-24). Die Erscheinungsgeschichte bot dafür einen Anknüpfungspunkt.

4. April 2013

Hinweis

2. Sonntag der Osterzeit (C): Joh 20,19-31

Da der Text des Evangeliums vom kommenden Sonntag derselbe ist wie im Lesejahr B und ich zeitlich etwas knapp bei Kasse bin, verlinke ich einfach auf die Ausführungen vom letzten Jahr (s. hier).

Zum Evangelium vom Ostermontag hat Roland Breitenbach eine schöne Geschichte geschrieben und in den Kommentaren eingestellt. Dort findet sie möglicherweise weniger Leser, als sie verdient. Deshalb hole ich diese Aktualisierung der Emmaus-Erzählung mit herzlichem Dank aus den Tiefen der Kommentarspalten an diese Stelle:


Ich bin mitten unter euch

Die Kar- und Ostergottesdienste waren geschafft.
Erleichtert machten zwei Priester, ganz im vornehmen Schwarz, gegen Abend eine kleine Wanderung und tauschten sich aus:

1. April 2013

Welche ist die schönste Ostergeschichte?

Über Geschmack kann man bekanntlich nicht streiten. So mag jeder und jede eine eigene Rangliste der schönsten Ostererzählungen haben. Meine wird angeführt von Lk 24,13-35, der Geschichte von den Emmaus-Jüngern. Sie beschreibt den Weg zum Osterglauben und setzt dies auch erzählerisch um, indem sie die beiden Jünger unterwegs sein lässt. Diese sind keine prominenten Figuren, der eine heißt Kleopas und wird nur hier erwähnt, der andere bleibt namenlos. Dass Lukas in dieser Geschichte nicht Vertreter aus dem Kreis der Zwölf auftreten lässt, ist sicher Programm, denn die Emmaus-Geschichte kann gerade als Ostererzählung für die Glaubenden der späteren Generationen verstanden werden.