9. August 2013

Sonntagsevangelium (89)

19. Sonntag im Jahreskreis (C): Lk 12,32-48  (oder 12,35-40)

Der Beginn des Lesungstextes schlägt eine Brücke zum Thema des letzten Sonntags: Der rechte Umgang mit dem Besitz besteht darin, sich einen unerschöpflichen Schatz im Himmel zu verschaffen und so »bei Gott reich zu sein« (Lk 12,21) - und dies ist durch Trennung von irdischem Besitz zu erreichen (12,33). Ausgeblendet bleibt die Passage, die solches Verhalten mit dem Vertrauen in Gottes Fürsorge in Verbindung bringt (12,22-32). 

Im Anschluss geht es vor allem um die Wiederkunft Jesu am Ende der Zeit (12,35-48). Den Gürtel nicht abzulegen (12,35) bedeutet: Man ist bereit zu Arbeit oder Reise (der Gürtel hält das hochgeraffte Gewand fest). Auch die entzündete Lampe symbolisiert Bereitschaft und Wachsamkeit, bezogen auf die nächtliche Stunde. Ein Vergleich erläutert diese Aufforderung: Die Jünger Jesu sollen wie Knechte bereit sein für die Ankunft ihres Herrn, der zu unbestimmter Zeit von einem Fest zurückkehrt (12,36).

Das Bild wechselt aber sogleich in die gemeinte Sache. Der Herr reagiert auf die Bereitschaft der Knechte damit, dass er sich seinerseits gürtet und die Knechte bedient (12,37). Das ist nicht abgelesen am üblichen Verhalten eines Haus- und Gutsherrn, sondern orientiert sich am Dienst Jesu (s. 22,27). Es geht also um den Herrn, der wiederkommt zu Heil und Gericht. 

Zur Zeit des Lukas rechnet man nicht mehr, wie etwa noch Paulus, mit einer baldigen Wiederkunft. Deshalb der Hinweis auf die »zweite oder dritte Nachtwache« (12,38): Auch für eine spätere Ankunft soll man gerüstet sein. Das Bildwort vom Dieb (12,39f) stellt nicht den wiederkommenden Herrn als Dieb dar. Entscheidend ist allein der Gedanke, dass das Nichtwissen um das Kommen eine stete Wachsamkeit erfordert. Nur in dieser Hinsicht kann die Wiederkunft des Herrn mit dem Kommen eines Diebes verglichen werden.

Ein zeitlich gegenläufiger Akzent wird mit einem zweiten Knechtsgleichnis (12,42-46) gesetzt. Der Fehler des Knechtes besteht nun darin, mit einer späteren Ankunft seines Herrn zu rechnen und deshalb seine Aufgabe zu vernachlässigen (12,45). Er wird vom frühen Erscheinen seines Herrn überrascht. So ergibt sich die Forderung, zu jeder Zeit bereit zu sein.

Die Frage des Petrus, ob Jesus »zu uns oder zu allen« spreche (12,41), wird erst am Ende aufgegriffen: in der Unterscheidung zwischen dem Knecht, der den Willen seines Herrn kannte, und demjenigen, für den dies nicht gilt (12,47f). Aufgrund dieser Formulierung dürfte nicht die Differenzierung zwischen besonderen Funktionsträgern und allen Glaubenden angezielt sein, sondern zwischen den Glaubenden (die durch Jesu Verkündigung den Willen des Herrn kennen) und den Außenstehenden. Die Adressaten des Evangeliums sollen sich in jenen erkennen, denen viel gegeben wurde, von denen aber auch viel verlangt wird. 

2 Kommentare:

Gerhard Mentzel hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Prof. Häfner,

Sie können doch bei allem, was Sie über das antike Wissen und Denken bzw. philosophisch-theologische Diskutieren wissen unmöglich davon ausgehen wollen, dass es hier um die wörtliche Rede dessen ging, der nach Ihrer Hypothese der historische Jesus war. Oder dass diesem Heilsprediger vom Hellenisten Lukas die zu lesenden Worte über das Verhältnis zum Besitz, die Wiederkunft und die Wachsamkeit seiner Knechte in den Mund gelegt wurden.

Wenn der Welt vermittelt wird, hier habe ein später verherrlichter junger Heilsprediger zu seinen Anhängern gesprochen, die seine Hinrichtung erahnten und auf seine Wiederkunft hofften, dann wird aus der in Christus begründeten Vernunft-Hoffnung, die damals war und sprach, purer Schwachsinn.

Bei meiner Forschung über die Grundlagen des christlichen Glaubens, die demnächst unter "Jesus-lebt-wirklich.de" den Nachweis erbringen wird, warum die heutige Hypothese vom Heilsprediger völlig hinfällig ist, fiel mir das Buch von Benedikt XVI. "Die Ökologie des Menschen" in die Hände, in dem dessen große Reden zusammengefasst sind.

In vielen der intellektuellen Texte beschreibt der Kirchengeschichtskenner dabei den Grund des christlichen Glaubens im Weiterdenken antiker Philosophie. Er bezieht sich auf eine heute in der kosmischen Ökologie zu definierten Vernunft, die auch für die Menschen gilt und weder durch nächtliche Eingebungen, Ideologien, Meinungen oder politische Mehrheiten zu bestimmen oder zu machen wäre.

Wer doch nachweist, dass damals die Vernunft den Ton angab, Grundlage der Theologie und der daraus abgeleiteten und an die jüdische Tradition anknüpfende Weisheit war, wie kann der bei den Reden Jesus denken wollen, es seinen die Aufzeichnungen der Ansichten eines Heilsprediger gewesen. (Oder Glaubenshoffnungen, die diesem in den Mund gelegt wurden.)

Selbst wenn dies damals als ewiges Wort verstandene und in Jesus zur Welt gebrachte Vernunft heute nicht zu realisieren, neu zu definieren wäre. Wenn wir doch wissen, dass sie damals maßgebend war. Wie können wir dann weiter den anfänglichen Denkern den Schwachsinn unterstellen wollen und nach den Worten/der göttlichen Meinung eines Wanderprediger fragen wollen, auf dessen Wiederkunft gehofft wurde?

Sind die Diener wirklich zu Dieben geworden? Wie weise doch die damaligen Denker waren!

Gerhard Mentzel hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Prof. Häfner,

Sie können doch bei allem, was Sie über das antike Wissen und Denken bzw. philosophisch-theologische Diskutieren wissen unmöglich davon ausgehen wollen, dass es hier um die wörtliche Rede dessen ging, der nach Ihrer Hypothese der historische Jesus war. Oder dass diesem Heilsprediger vom Hellenisten Lukas die zu lesenden Worte über das Verhältnis zum Besitz, die Wiederkunft und die Wachsamkeit seiner Knechte in den Mund gelegt wurden.

Wenn der Welt vermittelt wird, hier habe ein später verherrlichter junger Heilsprediger zu seinen Anhängern gesprochen, die seine Hinrichtung erahnten und auf seine Wiederkunft hofften, dann wird aus der in Christus begründeten Vernunft-Hoffnung, die damals war und sprach, purer Schwachsinn.

Bei meiner Forschung über die Grundlagen des christlichen Glaubens, die demnächst unter "Jesus-lebt-wirklich.de" den Nachweis erbringen wird, warum die heutige Hypothese vom Heilsprediger völlig hinfällig ist, fiel mir das Buch von Benedikt XVI. "Die Ökologie des Menschen" in die Hände, in dem dessen große Reden zusammengefasst sind.

In vielen der intellektuellen Texte beschreibt der Kirchengeschichtskenner dabei den Grund des christlichen Glaubens im Weiterdenken antiker Philosophie. Er bezieht sich auf eine heute in der kosmischen Ökologie zu definierten Vernunft, die auch für die Menschen gilt und weder durch nächtliche Eingebungen, Ideologien, Meinungen oder politische Mehrheiten zu bestimmen oder zu machen wäre.

Wer doch nachweist, dass damals die Vernunft den Ton angab, Grundlage der Theologie und der daraus abgeleiteten und an die jüdische Tradition anknüpfende Weisheit war, wie kann der bei den Reden Jesus denken wollen, es seinen die Aufzeichnungen der Ansichten eines Heilsprediger gewesen. (Oder Glaubenshoffnungen, die diesem in den Mund gelegt wurden.)

Selbst wenn dies damals als ewiges Wort verstandene und in Jesus zur Welt gebrachte Vernunft heute nicht zu realisieren, neu zu definieren wäre. Wenn wir doch wissen, dass sie damals maßgebend war. Wie können wir dann weiter den anfänglichen Denkern den Schwachsinn unterstellen wollen und nach den Worten/der göttlichen Meinung eines Wanderprediger fragen wollen, auf dessen Wiederkunft gehofft wurde?

Sind die Diener wirklich zu Dieben geworden? Wie weise doch die damaligen Denker waren!