Sonntagsevangelium (90)

20. Sonntag im Jahreskreis (C): Lk 12,49-53

Heute aus Urlaubsgründen nur ein kürzerer Text. 

Die Worte über den Sinn der Sendung Jesu, die in Lk 12,49-53 zusammengestellt sind, geben der Auslegung einige Rätsel auf. Besonders der Spruch vom Feuer (12,49) bleibt mehrdeutig. Dies liegt vor allem daran, dass der bildhafte Gebrauch von Feuer nicht auf einen Sinn festgelegt ist.

In der Verkündigung Jesu ist am ehesten an das Moment der Läuterung zu denken (s. Sach 13,9; Mal 3,2f). Eine Deutung auf das Strafgericht (so z.B. Am 5,6; Ez 38,22) gerät in Widerspruch zum Grundzug der Botschaft Jesu: Gott kommt den Menschen mit seiner Vergebung zuvor. Für Lukas dürfte die Verbindung mit der Ankündigung Jesu als des Geist- und Feuertäufers entscheidend sein (Lk 3,16). Da er das Feuer auch als Symbol des heiligen Geistes kennt (Apg 2,3f), könnte er hier den Sinn der Sendung Jesu im Ganzen im Blick haben: bis hin zur nachösterlichen Mission, in Gang gesetzt durch die Gabe des Geistes.

Dass die Nachfolge Jesu Zwietracht bis in die Familien bringt (12,51-53), ist sicher Erfahrung von Jesusjüngern vor und nach Ostern gewesen. Zugleich wird diese Erfahrung gedeutet. In apokalyptischen Schriften erscheint häufig das Zerbrechen der familiären Gemeinschaft als ein Moment der endzeitlichen Not. Die Spaltung ist also eine Station auf dem Weg zur Vollendung – aufgefangen auch durch die neue Gemeinschaft der Glaubenden (Apg 2,42-47).

Kommentare

Gerhard Mentzel hat gesagt…
Sehr geehrter Herr Prof. Häfner,

bevor hier Jesus zum Feuerteufel, Familienfeind bzw. Zwietracht bringenden Heilsprediger gemacht wird, der Angst vor der Taufe hatte, bitte ich erneut zu bedenken, dass es um den derzeit für historisch gehaltenen auch im heutigen Text nicht gegangen sein kann.

Weder hat hier der heute als historisch geltende Wunderheiler gesprochen, sich als Brandstifter bezeichnet, dem Bange war vor der der Taufe und der eine Familienfehde voraussagte. Noch kann der Hellenist Lukas dies einem Heilsprediger, auf den Sie als historisch bestehen, das in den Mund gelegt. Es hilft nichts. Nur auf allegorische Weise, von schöpferischer Vernunft/dem lebendigen Wort ausgehend, das damals definiert wurde, historisch nachweisbar ein Feuer entfachte, getauft wurde und Zwietracht brachte in der Glaubensfamilie, lässt sich der Text verstehen.

Zumindest macht auch dieser Lukastext wieder deutlich, dass es im Neuen Testament nicht um die Story von dem ging, der heute als historisch vorausgesetzt wird, sondern ein hoheitlich-schöpferische Wesen das Thema einer realen Theologie-Geschichte ist.


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