Sonntagsevangelium (91)

21. Sonntag im Jahreskreis (C): Lk 13,22-30

Die Belehrung Jesu über Heil und Gericht wird ausgelöst durch eine theoretische Frage: Werden nur wenige gerettet? (13,23) Diese Frage erhält keine Antwort. Jesus gibt keine Information über die Zahl der Geretteten, sondern spricht die Hörer auf ihr Engagement an. Von ihnen ist ganzer Einsatz gefordert, wenn sie am Reich Gottes teilhaben wollen (13,24). Die Aussage, viele würden trotz entsprechender Versuche nicht gerettet, meint deshalb nicht, dass tatsächlich nur wenige zum Heil gelangten. Sie unterstreicht vielmehr die Dringlichkeit der Mahnung.

Dies ist auch mit dem Bild von der verschlossenen Tür (13,25-27) angezielt. Dass es ein »zu spät« geben kann, heißt nicht: Es wird auf alle Fälle Menschen geben, die vom Reich Gottes ausgeschlossen sind. Im Gegenteil: Damit werden die Hörer aufgefordert, alles dafür zu tun, dass dieses »zu spät« nicht eintrifft. 

Auf was es dabei ankommt, wird nur allgemein benannt: Zu vermeiden ist das Tun des Unrechts (13,27). Die Sprüche in 13,28f scheinen die Grenze zwischen Gericht und Heil als Grenze zwischen Israel und den Heiden festzulegen. Doch lässt der Abschlussvers dies gerade offen: Es sind nicht pauschal die Letzten, die zu den Ersten werden (und umgekehrt). Lukas hat mit seiner Gerichtsmahnung gerade die Adressaten seines Evangeliums, die Christen, im Blick.

Kommentare

Gerhard Mentzel hat gesagt…
Sehr geehrter Herr Prof. Häfner,

auch dieser Text ist ein Beleg, dass es im Neuen Testament nicht um die Worte dessen geht, der heute für historisch gehalten wird. Lukas kann es nicht um die Aufzeichnungen der Reden eines selbstherrlichen Heilspredigers gegangen sein, der große Töne über das Reich Gottes spuckte oder wie man hineinkommt. Noch hätte er einem solchen diese Worte in den Mund gelegt.

Wenn hier der Weg nach Jerusalem beschrieben wird, dann kann es dem Hellenisten Lukas nicht um die Reise eines heilspredigenden Junghandwerkes mit Namen Jesus zu seiner Hinrichtungsstätte gegangen sein, sondern stand der rechte Gottesverstand "das Hören" auf dem Programm. Es ist der Weg durch die Dörfer der Zeit, der keine geografische Stadt zum Ziel hat, sondern die ewige Reise nach Jerusalem.

Der Weg führt zum Verständnis des Wortes in der realen Welt, das im hebräischen Sinne den Ton angab: Eine Vernunft, die den jüdischen Monotheismus begründete und zwischen Gut und Bös unterscheiden ließ. (Wie in meinem Zukunftsprojekt "www.jesus-lebt-wirklich.de" als Vor-wort aufgegriffen, wäre diese entscheidende Vernunft selbst nach Benedikt XVI. heute im natürlichen Werden, z.B.ökologischer Weltbeschreibung, wieder zu "Hören" bzw. zu verstehen.)

Das "Hören" des ewigen Wortes das Benedikt XVI. vor dem Bundestag ansprach, der Vernunft allen Werdens, die Jesus verkörperte und Theologie/Religion und menschlicher Tat/Recht zugrunde liegen muss, war damaliges Thema.
Sie wissen, wie zur Zeitenwende heftiger Streit um das rechte Verständnis war.

Allein sich auf Jesus als im Gesetz gegebene buchstäbliche Gründergestalt zu berufen, in dessen Namen oder dem Namen eines eigenen Gottesbildes zu Essen und zu Trinken, die Bibel auszulegen, scheint auch heute der falsche Weg auf der ewigen Reise. Warum nimmt die heutige theologische Wissenschaft diese Warnung Jesus nicht ernst?



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