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Es werden Posts vom April, 2013 angezeigt.

Sonntagsevangelium (74)

5. Sonntag der Osterzeit (C): Joh 13,31-33a.34-35

In den Abschiedsreden des Johannes-Evangeliums geht es um die Weisung Jesu an seine Jünger für die Zeit nach seinem Weggang (13,33). Grundlage dieses Abschnitts sind nicht Worte des geschichtlichen Jesus; die folgenden Kapitel (bis 17,26) bedenken die Situation der Glaubenden nach Ostern. In den Abschiedsreden begegnet verdichtet, was für das ganze Evangelium gilt: Johannes will nicht berichten, was Jesus einmal gesagt und getan hat; er zeigt auf, was Jesus jetzt für die Glaubenden bedeutet. Noch weniger als die anderen Evangelisten ist er Geschichtsschreiber, und mehr noch als diese ist er Theologe.

Tote Leichen

Wer vom »runden Kreis« spricht, vom »alten Greis« oder einem »großen Riesen«, wird gewöhnlich nicht für einen Rhetorikpreis vorgeschlagen. Ein Substantiv mit einem Adjektiv-Attribut zu versehen, dessen Inhalt schon im Substantiv steckt, bringt eine unelegante Tautologie hervor. Ich erinnere mich noch an eine Vorlesung in meiner Studienzeit, in dem der Professor auf dieses Phänomen zu sprechen kam (wenn auch eher in logischer denn rhetorischer Hinsicht) und die Wendung  »runder Tisch« analysierte: Damit sie sinnvoll sei, müsse es auch andere Formen von Tischen geben. Man müsse sich also fragen: »Gibt es auch eckige Tische?« Die Szene mit dem in Ton und Gestus äußerste Gedankentiefe signalisierenden Gelehrten, der um die Möglichkeit einer sinnvollen Aussage über runde Tische rang, entbehrte insofern nicht einer gewissen Komik, als er dies direkt neben einem eckigen Tisch stehend unternahm.

Aber ich schweife ab. Nicht immer scheint die Tautologie so offen zutage zu liegen wie beim »alten…

Sonntagsevangelium (73)

4. Sonntag der Osterzeit (C): Joh 10,27-30

In dem kurzen Abschnitt aus dem Johannes-Evangelium sind wichtige Motive der ganzen Hirtenrede (Joh 10) zusammengefasst. Sie kreisen, im Bild von Schafen und Hirt, um das Verhältnis der Glaubenden zu Jesus. Dieses Verhältnis wird einerseits von den Glaubenden her bestimmt: Sie hören Jesus und folgen ihm nach. Dem entsprechen andererseits Aussagen, die von Jesus her formuliert sind: Er kennt die Glaubenden, gibt ihnen ewiges Leben und lässt sie nicht verloren gehen. Es geht also um die Gemeinschaft zwischen Jesus und seinen Jüngern.

Sonntagsevangelium (72)

3. Sonntag der Osterzeit (C): Joh 21,1-19

Das 21. Kapitel des Johannes-Evangeliums wird gewöhnlich als Nachtrag eingeschätzt, der nicht mehr vom Evangelisten stammt. Tatsächlich ist die Erscheinung Jesu am See von Tiberias (21,1-14) innerlich kaum mit den vorherigen Erscheinungen verbunden: Die Jünger erkennen Jesus nicht (21,4); sie gehen wieder ihrem Beruf als Fischer nach, als wären sie nicht zuvor von Jesus gesendet worden (20,21). Außerdem ist 20,30f  kaum anders denn als Buchschluss zu verstehen. Dass die Erzählung danach noch weiterläuft, ist nach diesen Bemerkungen, die den Zweck des Werkes angeben, nicht zu erwarten. Wahrscheinlich wurde also das bereits abgeschlossene Evangelium erweitert, vor allem um die Abschnitte über Simon Petrus und den »geliebten Jünger« einzubringen (21,15-24). Die Erscheinungsgeschichte bot dafür einen Anknüpfungspunkt.

Hinweis

2. Sonntag der Osterzeit (C): Joh 20,19-31

Da der Text des Evangeliums vom kommenden Sonntag derselbe ist wie im Lesejahr B und ich zeitlich etwas knapp bei Kasse bin, verlinke ich einfach auf die Ausführungen vom letzten Jahr (s. hier).

Zum Evangelium vom Ostermontag hat Roland Breitenbach eine schöne Geschichte geschrieben und in den Kommentaren eingestellt. Dort findet sie möglicherweise weniger Leser, als sie verdient. Deshalb hole ich diese Aktualisierung der Emmaus-Erzählung mit herzlichem Dank aus den Tiefen der Kommentarspalten an diese Stelle:


Ich bin mitten unter euch

Die Kar- und Ostergottesdienste waren geschafft.
Erleichtert machten zwei Priester, ganz im vornehmen Schwarz, gegen Abend eine kleine Wanderung und tauschten sich aus:

Welche ist die schönste Ostergeschichte?

Über Geschmack kann man bekanntlich nicht streiten. So mag jeder und jede eine eigene Rangliste der schönsten Ostererzählungen haben. Meine wird angeführt von Lk 24,13-35, der Geschichte von den Emmaus-Jüngern. Sie beschreibt den Weg zum Osterglauben und setzt dies auch erzählerisch um, indem sie die beiden Jünger unterwegs sein lässt. Diese sind keine prominenten Figuren, der eine heißt Kleopas und wird nur hier erwähnt, der andere bleibt namenlos. Dass Lukas in dieser Geschichte nicht Vertreter aus dem Kreis der Zwölf auftreten lässt, ist sicher Programm, denn die Emmaus-Geschichte kann gerade als Ostererzählung für die Glaubenden der späteren Generationen verstanden werden.