19. Februar 2014

Zeitgeisterstunde

Ein Gespenst geht um in der Kirche – das Gespenst des Zeitgeistes. Nun ist das Problem mit Geistwesen, dass sie keine klar erkennbare Gestalt haben. Der Zeitgeist macht da keine Ausnahme. Der Begriff selbst legt nahe, dass er sich auf das zu einer bestimmten Zeit vorherrschende Denken bezieht, auf akzeptierte Wertvorstellungen und verbreitete Lebenspraxis. Das trifft die Sache aber nicht ganz. Eine genauere Beschreibung wäre:
»Zeitgeist ist das, was eine Mehrheit oder wenigstens die Öffentlichkeit befürwortet, ich selbst aber für falsch halte.« 
Stimme ich mit der Mehrheit überein, nenne ich das nicht zeitgeistig, sondern »richtig« oder »wahr«. Im Begriff »Zeitgeist« steckt also die jeweils eigene Position zu bestimmten, austauschbaren Inhalten. Diese Semantik muss nicht für den allgemeinen Sprachgebrauch zutreffen; die gegenwärtigen kirchlichen Debatten sind aber von ihr geprägt. Im Blick auf jene Epochen, in denen das Christentum kulturprägend war, wird gewöhnlich die Gefahr der Anpassung an den Zeitgeist nicht gesehen. Dass zwischen Kirche und Welt eine Distanz bleiben müsse, gilt für jene Epochen (»die Zeit des Glaubens!«) anders als für die heutige Zeit nicht.


Auf aktuelle Zustände angewendet, zeigt sich die Einäugigkeit des Zeitgeist-Vorwurfs darin, dass Personen oder Phänomene, die man schätzt, davon verschont bleiben. Wird in politischem Zusammenhang der Zeitgeist als konservativ bestimmt, läutet auf kath.net keine Alarmglocke; das Symbolbild zeigt vielmehr einen Pfeil in Richtung »Zukunft«. In diesem Fall darf der Zeitgeist umarmt werden. In anderen Fällen wird ein Zusammenhang mit dem Zeitgeist gar nicht erwogen. Man kann aber fragen: Lässt sich beispielsweise die Medienpräsenz eines Kirchenvertreters wie des Prälaten Wilhelm Imkamp dem Zeitgeist-Phänomen postmoderner Beliebigkeit zuordnen? Darin hat auch die Stilisierung als (im Sinne der öffentlichen Meinung) unorthodoxer, mit prägnanten Zuspitzungen formulierender und deshalb in Talkshows einsetzbarer Außenseiter durchaus ihren Platz.

Der Zeitgeist-Vorwurf als Waffe

»Zeitgeist« ist ein Gummibegriff, der gerne als Gummigeschoss eingesetzt wird. Der Vorteil: Man kann das Wort abfeuern, ohne sich eine inhaltliche Auseinandersetzung zumuten zu müssen. Was hat ein Bischof gesagt, der twittert, es komme darauf an, mit Jesus zu gehen, »gegen den Zeitgeist«? (s. hier) Eigentlich nichts – gäbe es nicht noch eine Meta-Ebene der Kommunikation. Die Botschaft geht an diejenigen, die Reformbemühungen für falsch halten, weil doch die Lehre der Kirche klar und eindeutig sei und nicht modernem, relativistischen Denken geopfert werden dürfe. Sie fühlen sich durch die Twitter-Nachricht in ihrer Haltung bestätigt (la gioia: »Danke, Herr Bischof! Ein kurzes klares Statement, das alles beinhaltet, was es zum Thema Kirche und Zeitgeist zu sagen gibt!«).

Nicht nur weil in einen Tweet halt nicht mehr als 140 Zeichen passen, tritt der Zeitgeist-Vorwurf an die Stelle ernsthafter Diskussion. Man kann ja darüber streiten, ob die Reformvorschläge die Identität von Glaube und Kirche treffen oder gar zerstören. Wer zur begrifflichen Zeitgeist-Waffe greift, will das aber nicht, sondern signalisiert: Hier gibt es nichts zu besprechen. Es gilt als ausgemacht, dass billige Anpassungen vorgeschlagen werden, und nicht ernsthafte Überlegungen, die dem Evangelium verpflichtet sein könnten und vielleicht auf Einsichten beruhen, die früheren Zeiten verschlossen waren. 

Bibel und Zeitgeist

Muss die Zeitgeist-Keule trotzdem geschwungen werden, weil uns der biblische Befund hier zu eindeutiger Positionierung zwingt? Sicher gibt es Aussagen, wie die von Röm 12,2, die eine bleibende Distanz von Gemeinde und Welt ausdrücken. Dies muss aber von jenen nicht geleugnet werden, denen man die Verheiratung mit dem Zeitgeist vorwirft. Wo die Grenze verläuft zwischen Angleichung an die Welt und »Aggiornamento«, lässt sich nicht durch Rekurs auf einzelne Bibelworte entscheiden. Paulus, der vor der Angleichung warnte, schrieb auch, dass er Juden ein Jude, Heiden ein Heide, Schwachen ein Schwacher und allen alles wurde, um einige zu retten (1Kor 9,20-22). Die Inhalte seiner Weisungen gewinnt er zu großen Teilen aus der zeitgenössischen hellenistischen Ethik, in der sich auch die Begriffe des Guten und des Vollkommenen finden, mit denen in Röm 12,2 die Erkenntnis des Willens Gottes in Verbindung gebracht wird – unmittelbar nach der Warnung vor Angleichung an die Welt. Der Verfasser der Pastoralbriefe (1/2Tim; Tit), der mehr als eine Generation nach Paulus unter dessen Namen schrieb, scheute sich nicht, Rollenzuweisungen für Frauen und Sklaven an dem zu bemessen, was im Umfeld der Gemeinde akzeptiert war, »damit das Wort Gottes nicht gelästert werde« (Tit 2,5; s.a. 1Tim 6,1; 5,14), »damit die Lehre Gottes, unseres Retters geschmückt werde« (Tit 2,10). Den Vorwurf, er hätte die paulinische Tradition dem Zeitgeist geopfert, hätte er wohl nicht verstanden. 

Die gefürchtete Protestantisierung

Dass der vereinfacht gebrauchte Begriff mit sachlichen Vereinfachungen einhergeht, verwundert nicht. Die Vereinfachung kann auch die Gestalt der Respektlosigkeit annehmen. Hubert Windisch klagt nicht nur über katholische »Bischöfliche Irrlichter«, sondern behauptet auch: Die »evangelische Kirche hat sich ... schon lange aufgegeben und in den Zustand einer zeitgeistnivellierten Quantité négligeable gefügt.« Er nennt sodann zwei »Gipfelpunkte des protestantischen Bedeutungsverfalls«: nach innen die Bibelübersetzung in gerechter Sprache, nach außen die EKD-Orientierungsschrift zu Ehe und Familie. Nun mag man zu beiden (innerprotestantisch nicht unumstrittenen) Projekten stehen, wie man will – einen Bedeutungsverfall kann man aus ihnen nur herleiten, wenn man empirische Daten über einen solchen Zusammenhang hat oder wenn man, wie wahrscheinlich in diesem Fall, den Bedeutungsverfall in der Abweichung von der eigenen Meinung begründet.

Die evangelische Kirche als »zeitgeistnivellierte Quantité négligeable« abzuwatschen kann vielleicht Sache einer innerprotestantischen Kritik sein, die sich als prophetischer Protest versteht. Von einem Katholiken geäußert, ist diese Bezeichnung anmaßend und unverschämt. Erklärlich, wenn auch nicht erträglich, wird das nur, wenn man sieht, dass der eigentliche Zielpunkt der Kritik nicht die evangelische Kirche ist. Das abschätzige Urteil soll vielmehr die Katholiken vor einer Protestantisierung warnen. Ein solcher Vorwurf begleitet die Reformdebatten als kakophonischer Cantus firmus schon eine ganze Weile. Herabsetzende Kritik an der evangelischen Kirche als Mittel, den Gegner in den eigenen katholischen Reihen zu treffen – es ist nicht unmöglich, sich vornehmere und ökumenisch verträglichere Strategien der Auseinandersetzung vorzustellen. 

Ungeeignete Kronzeugen 

Angesichts der Konzentration auf die kirchliche Binnenperspektive, die die Zeitgeist-Klage prägt, scheint es für sie besonders erfreulich zu sein, wenn Außenstehende die Berechtigung der Klage bestätigen. Hubert Windisch schreibt mit Bezug auf Kurt Tucholskys Beitrag »Braut- und Sport-Unterricht« vom 8.4.1930 in der Weltbühne:
»Weil die Kirchen hinter allem und jedem herrennen, um überall mit ihrem Segen dabeizusein, schaffen sie nach Tucholsky nichts mehr, sondern werden abgeschafft. Gut 80 Jahre später ist diese spöttische Bemerkung von Tucholsky vor allem auf der Führungsebene der evangelischen Kirche von Deutschland Wirklichkeit geworden.« 
Tatsächlich beschreibt Tucholsky die Verflachung der protestantischen Predigt mit Bezug auf ein Predigtbändchen, das nichts biete außer 
»Leitartikel vernünftiger Demozeitungen, brave Allgemeinplätze, Ermahnungen zur Fairness, zum anständigen Leben, hygienische Mahnungen, mit seinem Körper kein Schindluder zu treiben – alles sehr beherzigenswerte und mäßig formulierte Ansprachen. Aber was das mit einem Glauben, mit der Kirche, mit der Religion zu tun hat –: das geht aus dem Bändchen nicht hervor.« Er sieht schwere Zeiten für diese Kirche kommen, sie »wird sich sehr dranhalten müssen, wenn sie der Konkurrenz des großen Bruders (=katholische Kirche) und der zahlreichen kleinen Sektenbrüder nicht erliegen will.« 
Wenn gesagt wird, die »spöttische Bemerkung Tucholskys« sei heute Wirklichkeit geworden, ist die rhetorische Strategie ein wenig zu durchsichtig: Selbst solche Kirchenkritiker wie Tucholsky bestätigen, dass die Kirche dem Zeitgeist nicht so hinterherrennen darf, wie es heute geschieht. So sollen wir den Eindruck einer direkten Linie von der »Sportpredigt« des Jahres 1930 zu aktuellen Verhältnissen gewinnen. Es wäre aber einer eigenen Frage wert, ob es hier wirklich um vergleichbare Phänomene geht. 
 
Dass Tucholsky im selben Beitrag eine scharfe Kritik der katholischen Sexualmoral vorträgt, sagt Windisch seinen Lesern nicht. Diese Moral, so Tucholsky, müsse man sich ökonomisch erst einmal leisten können. Dem Spruch aus einem Leitfaden für den katholischen Seelsorgsklerus zum Brautunterricht – »Besser zehn Kinder auf dem Kissen als nur eines auf dem Gewissen« – hält er entgegen, es gebe zehntausende von deutschen Familien, »die dieses Kissen überhaupt nicht besitzen«. Dass den Katholiken in diesem Fall nach dem zweiten Kind nur bleibe, wie Bruder und Schwester zusammenzuleben, kommentiert Tucholsky mit den Worten: »Armut ist ein großer Glanz von innen«. In seinen Äußerungen zur katholischen Sexualmoral wird uns Tucholsky nicht als scharfsinniger Analyst kirchliche Verhältnisse vor Augen gestellt. Das überrascht nicht im Übermaß.

Noch schiefer wird die Kronzeugenregelung, wenn Rainer Maria Rilke in den Zeugenstand gerufen wird. Windisch fordert dazu auf, »die Menschen in sexuellen Fragen und Nöten nicht allein (zu) lassen«, und schreibt:
»Und wie ernst wäre doch das drängende Bitten von Rainer Maria Rilke in seinem 'Brief eines jungen Arbeiters' gerade von der Kirche für die Menschen von heute zu nehmen, wenn er schreibt: 'Warum, ich frage Sie, … wenn man uns helfen will, uns so oft Hilflosen, warum lässt man uns im Stich, dort an den Wurzeln alles Erlebens? Wer uns dort (d. h. in sexuellen Fragen) beistünde, der könnte getrost sein, dass wir nichts weiter von ihm verlangten.'«
Wenn ich Rilkes Text recht verstehe, hat der Absender des Briefes im Blick auf »sexuelle Fragen und Nöte« vor allem das Problem, dass die kirchliche Sexualmoral ihm leibfeindlich erscheint und eine personale Integration der Sexualität verhindert:
»Was setzt man uns nicht ein in unser Heimlichstes? Was müssen wirs umschleichen, und geraten schließlich hinein, wie Einbrecher und Diebe, in unser eigenes schönes Geschlecht, in dem wir irren und uns stoßen und straucheln, um schließlich wie Ertappte wieder hinauszustürzen in das Zwielicht der Christlichkeit. ... Warum hat man uns das Geschlecht heimatlos gemacht, statt das Fest unserer Zuständigkeit dort hin zu verlegen?
Wie wenig der Briefschreiber mit den üblichen Katechismus-Antworten zufrieden wäre, diese vielmehr gerade das wären, was er als »im Stich lassen« beschreibt, kann folgendes Zitat beleuchten:
»Ein Kirchlicher würde mich darauf verweisen, dass es die Ehe gäbe, obwohl ihm nicht unbekannt wäre, wie es mit dieser Einrichtung bestellt ist. Es nützt auch nichts, den Willen zur Fortpflanzung in den Gnadenstrahl zu rücken –, mein Geschlecht ist nicht nur den Nachkommen zugekehrt, es ist das Geheimnis meines eigenen Lebens –, und nur weil es dort, wie es scheint, den mittleren Platz nicht einnehmen soll, haben so viele es an ihren Rand verschoben und darüber das Gleichgewicht verloren.«
Rilkes Text belegt nicht, wie sehr man außerhalb der Kirche auf ein orientierendes und stärkendes Wort der kirchlichen Sexualmoral wartet; er besagt vielmehr, dass diese Moral sich ändern müsse, um hilfreich zu sein. Man muss dem ja nicht zustimmen. Aber als Beleg für den Gedanken, die Kirche müsse sich in der Sexualmoral nur auf ihre traditionellen Weisungen besinnen, um für die Menschen von Belang zu sein, taugt der Text nur, wenn einem der Unterschied zwischen »Gegenteil« und »Identität« nichts bedeutet.

Post gegen den Zeitgeist

Die Meinung, der Zeitgeist sei nun in den Trierer Bischof Stephan Ackermann gefahren, hat ihm Post aus Siena beschert. Darin muss er sich, obgleich als »Hochverehrter Herr Bischof« angeredet, den »Kniefall vor dem Zeitgeist« vorhalten und von seiner Existenz als »Mietling, der die Herde verlässt aus lauter Angst vor den Medien« zurückrufen lassen.

In diesem Brief fehlen alle Zwischentöne. Die Aussage des Bischofs, man könne nicht jede Art von vorehelichem Sex als schwere Sünde bewerten, wird u.a. mit dem Hinweis gekontert, die Autorin habe viele Freundinnen, die durch voreilige sexuelle Kontakte seelisch verletzt seien – als hätte Bischof Ackermann geäußert, jede Art von vorehelichem Sex sei in Ordnung. Wer sagt, nicht jede Art von vorehelichem Sex sei Sünde, sagt nicht, jede Art von vorehelichem Sex sei nicht Sünde. Wenn der Bischof die Unterscheidung zwischen natürlicher und künstlicher Empfängnisverhütung relativiert, so wird er gefragt: »Ist Sex nur mehr dazu da, dass wir Kinder verhindern?« Die Anwendung künstlicher Mittel zur Empfängnisverhütung erscheint als Manipulation des weiblichen Körpers mit dem Zweck, dass dieser der folgenlosen männlichen Lust jederzeit zur Verfügung zu stehen hat«  – als wäre dies die unausweichliche Konsequenz der Anwendung solcher Mittel. Dass wiederverheirateten Geschiedenen nicht grundsätzlich die Möglichkeit des Sakramentenempfangs verweigert werden solle, wird mit dem Jesuswort gegen die Ehescheidung und wieder mit Blick auf das Schicksal der Freundinnen kommentiert, die darunter litten »dass sich ihre Eltern trennen und nach Belieben neu verpartnern« – als hätte Bischof Ackermann ein solches Verhalten absegnen wollen und als wäre im Jesuswort die sakramentenrechtliche Regelung bereits eindeutig enthalten.

Die Autorin weiß, obwohl nach eigener Aussage enthaltsam lebend, dass Sexualität verflache, »wenn die Dimension der Fruchtbarkeit vollständig ausgeklammert wird«. Das mag manchen nach unverkürzter katholischer Lehre klingen, wirkt aber in erster Linie auswendig gelernt und ist nur ein Beispiel für den dekretierenden Stil eines katechismusgesättigten Briefes.
»Die Kirche stellt objektive Normen in eine haltlose Gesellschaft, die nicht jedem schmecken, aber allen gut tun, dem Einzelnen und der Gesellschaft«. 
Eine solche Haltung ist nicht ohne Tücken. Sie kann zu einer Alles-oder-nichts-Einstellung führen, in der das Kratzen an einer Stelle die Stabilität des ganzen Denkgebäudes bedroht. Anders kann ich mir jedenfalls den folgenden Satz nicht erklären:
»Herr Bischof, wie soll ich 'Ja' zu meinem Mann sagen, ihm Treue versprechen, wenn ich weiß, dass die Kirche bereits dabei ist zu überlegen, wie man geschiedenen Wiederverheirateten das störende schlechte Gewissen erleichtern kann?«
Rückfrage: Wie kann der Wert ehelicher Treue und die Möglichkeit, sie zu versprechen, davon abhängen, wie die Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen umgeht? Ist das Treueversprechen in sich richtig oder nur insofern es in ein kirchliches Regelwerk eingespannt ist? Wenn die Autorin meint, die Kirche würde im Fall einer geänderten sakramentenrechtlichen Regelung für wiederverheiratete Geschiedene (tendenziös als Erleichterung des störenden schlechten Gewissens bezeichnet) das Treueversprechen nicht ernst genug nehmen – warum soll sie es dann ihrem Mann gegenüber nicht geben können? Anscheinend gewinnt dieses Versprechen seine Verbindlichkeit so sehr aus seiner Zugehörigkeit zur kirchlichen Ehelehre, dass es seinen Sinn verlöre, wenn sich an irgendeiner Stelle dieser Lehre etwas änderte. Man hat den Eindruck, dass die kirchliche Lehre nicht in erster Linie ihres Inhalts wegen angenommen wird, sondern weil sie in einer unübersichtlich gewordenen Welt eine klare Richtschnur bietet (»objektive Normen in eine haltlose Gesellschaft«). Sobald an dieser Klarheit und Eindeutigkeit auch nur in einem Punkt Abstriche gemacht werden, droht deshalb alles unsicher zu werden. Nicht was die Kirche lehrt, sondern das Urteil, dass sie schon immer gelehrt habe, was sie heute lehrt, scheint hier die Überzeugungskraft der Lehre zu begründen.

Diese Bemerkungen sind ganz unpolemisch gemeint, und ich will mich auch nicht über diese Haltung erheben. Sie mag individuell tragen, aber dass sich die Kirche im Ganzen auf sie verlassen kann, ist doch zu bezweifeln. Sie hat zur Folge, dass man bestimmte Fragen als unzulässig einordnet und meint, sie mit dem Zeitgeist-Vorwurf abweisen zu können. Darin zeigt sich eine Verweigerung vor den Fragen, die die menschliche Existenz unter sich nun einmal wandelnden geschichtlichen Bedingungen mit sich bringt. Und eine solche Verweigerung kann man durchaus als Traditionsbruch empfinden.

3 Kommentare:

Andreas Metge hat gesagt…

Wow! DAS spricht mir aus tiefster Seele! Danke!

Anonym hat gesagt…

Hier wird ja dem Zeitgeist Tor und Tür geöffnet! ;-)
Vielen Dank für diesen Artikel!

Galahad hat gesagt…

Allein schon wegen der Replik auf Victoria Fender (die Jungfrau von Siena) ein argumentativer Hochgenuss!