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Exegese-Bashing

Veit Neumann hat mit Klaus Berger Gespräche geführt und daraus ein Buch gemacht ( Theologie als Abenteuer ). Das Werk schreitet den Lebensweg Bergers ab und bietet ihm zahlreiche Gelegenheiten, die eigene Großartigkeit darzustellen – in einem weiten Bogen von den Bestnoten in Latein und Griechisch über die vollsten Hörsäle und meisten Doktoranden bis zum Errichten von Sandburgen allein mit einer Schaufel (ohne Formen oder Förmchen!). Dass Berger dabei ordentlich austeilt, überrascht nicht. Erstaunlich sind dagegen nicht wenige der Fragen, die den Eindruck auch nur minimaler Distanz zum Gesprächspartner erfolgreich vermeiden. Besonders bedauerlich ist das im Blick auf die öffentliche Debatte um die Kirchenzugehörigkeit Bergers. Ganz ungestört von lästigem Nachfragen darf sich Berger als Opfer inszenieren, das froh ist, das Ganze überlebt zu haben. Zu mehr als »Ich will die Dinge nun nicht gerade herunterspielen« lässt sich der Fragesteller nicht hinreißen, nimmt aber selbst di...

Osterpredigt

Der Bischof von Passau, Stefan Oster , hat kath.net kritisiert, und das hat Redaktion und Freunde des Portals ziemlich hart getroffen. Der Gegenwind aus dieser Richtung kam überraschend und war durch keinen Wetterdienst angekündigt. Bischof Oster hat sich nicht nur an der einfachen Textübernahme seiner Predigten gestoßen, die den Eindruck erwecken könnten, die Texte seien kath.net exklusiv überlassen worden. Außerdem tut er sich schwer mit der »zunehmend tendenziösen Berichterstattung und dem damit einher gehenden Versuch oder wenigstens entstehenden Effekt, eine Polarisierung von Bischöfen, Priestern, Theologinnen und Theologen in klar identifizierbare Lager voranzutreiben … In den Foren wird solche Polarisierung in der Regel vertieft und die Redaktion tut aus meiner Sicht zu wenig, um wirklich auch differenzierte Positionen hören und verstehen zu wollen und zu würdigen«. (s. hier ) Dass man einen Hinweis aus der Pressestelle des Bistums Passau braucht, um nicht einfach ohne Qu...

Rätselhaftes in der ZEIT

Ein Fundstück: Auf was könnten Fragen zielen, auf die u.a. folgende Antworten zutreffen? Prostituierte Erforschung Reisesegen Die Zeugung Marias SMS-Abo für Bibelverse während der Fastenzeit. Die Antworten stammen aus der Rubrik »Was studieren?« der ZEIT und gehören zu einem Quiz, das unter der Überschrift »Einführung in die Katholische Theologie« firmiert (s. hier )  Das Ganze ist nicht als Satire erkennbar. Aber wer sich lustig machen wollte über landläufige Vorstellungen vom Studium der katholischen Theologie (»Müsst Ihr die Prüfungen im Knien ablegen?)«, könnte sich bei diesem Fragenkatalog bedienen. Die ausnahmsweise erlaubten Kondome sind dabei, Mariä Empfängnis, die Inquisition, aber auch eine Besonderheit des »Ergänzungsstudiums Katholische Theologie« an der Universität Hamburg. Immerhin kommen auch Fachbegriffe zur Bezeichnung theologischer Disziplinen vor, wenn auch nicht besonders präzise. Die Homiletik gilt als ein »zentraler Begriff in der Theologie«, die...

Der dunkle Dom

Heute Abend wurde die die Außenbeleuchtung des Kölner Domes während einer Pegida-Demonstration ausgeschaltet, als »unübersehbares Zeichen des Protests gegen Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und Rassismus«, wie das Kölner Domkapitel mitteilt. Diese Entscheidung findet nicht nur Zustimmung.  Peter Winnemöller hält sie in einem Gast-Kommentar auf kath.net für »peinlich« (s. hier ). Er malt ein Bild vor Augen, in dem die Hirten im verdunkelten Haus, »womöglich hinter heruntergelassenen Rollläden« sitzen, während draußen die Schafe vorbeiziehen. Es gehe daneben, wenn »'Kirche' politisch wird, statt sich um Menschen zu kümmern, die als Staatsbürger politisch aktiv werden«. Stromabschaltung statt Seelsorge – ein willkürlich konstruierter Gegensatz, der das Ziel der Abdunklung verkennt. Winnemöller bezweifelt, dass »die Demonstration von Pegida ein Ausdruck von 'Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und Rassismus' sein wird«, denn: »Die offiziellen Stellungnahmen von Pegi...

Stephanus und die »Hellenisten«

Stephanus ist als der erste Märtyrer der Kirche bekannt. Er hat aber nicht nur durch sein Zeugnis im Tod Bedeutung für die Kirche, sondern mindestens ebenso durch sein Wirken davor. Er gehörte zum Kreis der »Hellenisten«, die in der Apostelgeschichte neben den »Hebräern« genannt werden. Man versteht darunter gewöhnlich zwei Gruppen in der Jerusalemer Urgemeinde, die sich vor allem durch ihre Sprache unterscheiden. Die Hellenisten sind griechisch sprechende Judenchristen, die ursprünglich aus der Diaspora stammten; mit den Hebräern sind aramäisch sprechende palästinische Judenchristen gemeint. Die »Hellenisten« sind also keine Griechen im Sinne von Heiden, auch nicht Juden, die der hellenistischen Kultur angepasst waren. Beide Gruppen geraten in Konflikt miteinander, nach Darstellung der Apostelgeschichte aufgrund von Missständen bei den gemeinsamen Mahlzeiten: Die Witwen der Hellenisten seien hier übersehen worden. Daraufhin werden sieben Männer ausgewählt (alle mit griechischen...

Pegidaisierung des Abendlands

Ich habe hier nicht vor, auf die Diskussionen um die Montagsretter des Abendlands   einzugehen. Aber wer wissen will, warum sich so viele an den  Pegida- Demonstrationen beteiligen, könnte auch die Rolle der auflagenstärksten deutschen Tages»zeitung« bedenken. Wie es zur angeblichen Forderung von Politikern und dem Zentralrat der Muslime kam, muslimische Lieder in den Weihnachtsgottesdiensten zu singen, ist auf bildblog.de dokumentiert. Wenn eine Redakteurin bei einem Politiker anruft und ihn für ihre zu Weihnachten üblichen guten Nachrichten fragt, ob er der Idee zustimmen könne, in Weihnachtsgottesdiensten muslimische Lieder zu singen, und wenn der Politiker darauf antwortet: nein, höchstens wenn auch christliche Lieder in der Moschee gesungen werden, und daraus (wie aus weiteren aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten) die Überschrift gebastelt wird: »Christen sollen im Weihnachts-Gottesdienst muslimische Lieder singen« – dann wüsste ich nicht, wie man besser illu...

Rein und unrein

In den Kommentaren kam neulich die Frage auf, wie das biblische Konzept von Reinheit und Unreinheit zu verstehen sei (s. hier ). Im Folgenden versuche ich auf die Frage zu antworten. Das ist kein besonders adventliches oder weihnachtliches Thema, einen kleinen kirchenjahreszeitlichen Abstecher habe ich dennoch unternommen.  Im Alten Testament wird in unterschiedlichen Zusammenhängen von Reinheit und Unreinheit gesprochen. In weisheitlichen und prophetischen Überlieferungen kann mit der Rede von Unreinheit auf moralische Verhältnisse gezielt werden (z.B. Spr 20,9 ;  Jes 6,5 ; Ez 36,17 ), dies ist aber bereits Metaphorisierung eines ursprünglich anderen Konzepts. Darin geht es allgemein gesprochen um die Kennzeichnung dessen, was von der kultischen Begegnung mit Gott ausschließt oder vom Menschen grundsätzlich zu meiden ist. Unfähig zur Teilnahme am Kult wird man durch alles, was mit den Sphären von Sexualität oder Tod verbunden ist. Menschen mit Hautanomalien sind nic...