Sonntagsevangelium (34)

15. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 6,7-13

In der Aussendung der Zwölf wird eine der beiden Funktionsbestimmungen aufgegriffen, die sich im Markus-Evangelium mit der Berufung des Zwölferkreises verbindet: Sie sollen  bei Jesus sein, aber auch ausgesandt werden (
3,14). 


Verglichen mit den Aussendungsreden bei Matthäus und Lukas sind die Anweisungen zur Reiseausstattung der Boten in der Fassung des Markus etwas gemildert: Es ist ihnen erlaubt, einen Stab mitzunehmen und Sandalen zu tragen (Mk 6,8f; anders Lk 9,3; 10,4). Es ergibt sich aber auch bei Markus der Eindruck äußerster Bedürfnislosigkeit, denn jegliche Vorsorge für den Reiseproviant wird abgelehnt: nicht nur die Mitnahme von Brot, sondern auch einer Vorratstasche, in der man unterwegs erbettelte Nahrung oder Münzen hätte verstauen können (6,8). 




Begründet werden diese Anweisungen nicht. Im Rahmen des Wirkens Jesu sind sie wohl zu beziehen auf die Nähe des Reiches Gottes. Der Verzicht auf Vorsorge dokumentiert das Vertrauen auf den sorgenden Gott (siehe Mt 6,25-34). Aus dem Markus-Evangelium ist dieser Zusammenhang nicht zu ersehen; die Jünger verkünden auch nicht ausdrücklich die Nähe des Gottesreiches (anders Mt 10,7; Lk 10,9), sondern Umkehr (Mk 6,12). Vielleicht hat der Evangelist hier geändert, weil die Aussendungsrede auch auf die nachösterliche Mission hin gelesen werden kann. Mit deren wesentlichem Inhalt, Jesus Christus, ließ sich die Umkehr besser verbinden als die Botschaft von der Nähe des Gottesreiches (vgl. z.B. Apg 2,38). 


Dennoch ist auch bei Markus das Wirken der ausgesandten Jünger so gestaltet dass es das Wirken Jesu ausweitet. Dies nicht nur deshalb, weil auch das Thema der Umkehr in der Verkündigung Jesu seinen Platz hat, sondern weil Wort- und Tatverkündigung miteinander verknüpft sind: Die Jünger rufen nicht nur zur Umkehr auf, sie treiben wie Jesus Dämonen aus und heilen Kranke (s. Mk 1,34; 3,10f; auch 6,55f). Eine weitere Verbindung: Das Auftreten der Jünger stellt wie dasjenige Jesu die Hörer vor die Entscheidung: Zur Sprache kommen Aufnahme und Abweisung der Jünger (6,10f). Die positive Reaktion wird nur im Blick auf das Verhalten der Jünger bedacht. Sie sollen in dem Haus bleiben, in dem sie aufgenommen werden, und so wohl den Eindruck vermeiden, nur auf Versorgung aus zu sein und gewissermaßen die beste Bleibe zu suchen. Die negative Reaktion führt auf der Seite der Jünger zu einem Gestus der Abgrenzung (das Abschütteln des Staubes von den Füßen), der ein Gerichtsmotiv andeutet. Ausdrücklich gemacht wird dies bei Matthäus und Lukas (Mt 10,15; Lk 10,12). 


In literarischer Hinsicht führt die Aussendung der Zwölf bei Markus zu der Besonderheit, dass die Erzählung vom Wirken Jesu unterbrochen wird. Nach der kurzen Zusammenfassung ihres Wirkens schiebt der Evangelist die Geschichte vom Tod Johannes des Täufers ein (
6,17-29). Damit schafft er einen Freiraum für das von Jesus getrennte Wirken der Jünger. Jesus tritt erst wieder auf, als die Jünger zu ihm zurückkehren (6,30). 

Kommentare

Gerhard Mentzel hat gesagt…
Eine exegetische Wissenschaft, die Welt bei allem Wissen um die theologisch-philosophischen Wurzeln weiter im Glauben lässt, da hätte ein junger Heilsprediger oder Guru seine Freunde in die Welt geschickt, um auf wundersame Weise zu wirken oder zum Glauben an ihn/seine Lehre zur überreden, macht nicht nur die anfänglichen Denker zu Deppen, sondern den gesamten christlichen Glauben.

Doch "Gott sei Dank" wissen wir, dass es auch bei den synoptischen Quellen wie Markus um eine "Christologie" geht, wie sie auch aus den anfänglichen Diskussionen um das Wesen der Vernunft bekannt ist.

Auch wenn Jens Schröter bei der heute allgemein geltenden Hypothese von einem jungen jüdischen Heilsprediger bleibt (nach der dann mein Denken völlig absurd erscheinen muss)so macht er in seinen exegetischen Studien zu den Ursprüngen des chr. Glaubens "Jesus und die Anfänge der Christologie" deutlich, dass es der Christus des anfänglichen Denkens war, der nach Markus seine Jünger mit der Weltmission beauftragte.

Und da es ein Wahnsinn wäre, den anfänglichen Denkern weiter unterstellen zu wollen, sie hätten einen jungen Heilsprediger, wie er bei der sog. "Third Quest" hinterfragt werden soll, statt der griechischen Götter in den Himmel gehoben, stellt sich die Frage weiter, von wem die Mission ausging, wer damals mit Namen Jesus statt taube Gesetzlichkeit und Götterbilder als wahrer Mittler schöpferischer Wirklichkeit/nun universal geltender Bestimmung gesehen wurde?

Allein die aktuelle "Welt und Umwelt der Bibel" über die nordafrikanischen Denker, die das Christentum zur Weltreligion machten, zeigt, dass wir die christliche Mission neu denken müssen. Eine Überredung zum Glauben an einen jungen Guru auf die Weise, wie noch vor wenigen Jahren in schwarzafrikanischen Kollonien missioniert wurde und die dann in ählicher Weise den Aposteln unterstellt wird, die ist nach dem, was wir allein über Nordafrika als Hochburg eines sehr vielfältigen frühen christlichen Denkens und philosophischen Diskutierens wissen, nicht mehr zu machen.

Doch die "Säulen" auf denen der neue jüdische Monotheimus im Namen Jesus stand, die sind nicht nur auf dem Titelbild zu sehen. Theologische Wissenschaftler machen im Heft deutlich, was die dachten und oft sehr gegensätzlich debattierten, von denen die Mission der westlichen Welt ausging, wer und wessen Jünger damals unterwegs waren.

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