Sonntagsevangelium (55)

2. Adventssonntag (C): Lk 3,1-6 In allen vier Evangelien bereitet Johannes der Täufer das Wirken Jesu vor, aber nur Lukas verbindet das Auftreten des Täufers mit einer ausführlichen Zeitangabe: Fünf politische Herrscher, dazu Hannas und Kajaphas als religiöse Autoritäten stellen den Rahmen für die Berufung des Johannes dar (3,1f). Zwar ist eine derart umfassende zeitliche Einordnung auch im Lukas-Evangelium einmalig, aber das Interesse an der Verbindung mit weltgeschichtlichen Daten ist auch an anderen Stellen zu erkennen: Der Beginn der Erzählung wird in der Zeit des Herodes angesetzt (1,5), ein Erlass des römischen Kaisers gibt den Rahmen für die Geschichte der Geburt Jesu ab (2,1); im Werk des Lukas, zu dem die Apostelgeschichte als zweiter Teil gehört, treten häufig Vertreter der politischen Macht auf (s. Lk 23,6-12; Apg 12,1f.18-23; Apg 24-26). Die Angabe in 3,1f ordnet sich nicht nur in das genannte Interesse ein, sondern spannt auch insofern einen Bogen in das zweite Buch, als Hannas und Kajaphas in der Geschichte der Urgemeinde noch eine Rolle spielen (Apg 4,6).

Auffällig ist die Verknüpfung der ausführlichen Zeitangabe mit dem Wirken des Johannes. Man würde eher erwarten, dass der Beginn des Auftretens Jesu derartig markiert würde. Die Rolle des Johannes wird aber ganz auf den hingeordnet, dem er den Weg bereitet (3,4), der nach ihm kommt (s.a. 3,16). Seine Funktion als Vorläufer ist für Lukas so grundlegend mit dem Wirken Jesu verbunden, dass auch der Rückblick auf dieses Wirken den Anfang beim Täufer nennt (s. Apg 1,21f; 10,37f). Mit dem Ruf, der an den Täufer ergeht, ist also zugleich die Jesusgeschichte eröffnet. Vorbereitet ist das Interesse an der Täuferfigur durch die »Kindheitsgeschichte«, in der, eine Besonderheit des Lukas-Evangeliums, Johannes und Jesus bereits einander zugeordnet werden. Der Abschluss der Vorgeschichte zu Johannes eröffnet die Verbindung zu dessen Auftreten. So heißt es in 1,80: 
»Das Kind aber wuchs und erstarkte im Geist und war in der Wüste bis zum Tag seines Auftretens vor Israel
 Diese Notiz wird aufgegriffen in 3,2f (nach der ausführlichen Zeitangabe):
»... da geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste3 Und er kam in die ganze Landschaft am Jordan und verkündete die Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden.« 
Johannes der Täufer wird im Lukas-Evangelium auch in den Aufweis der universalen Bedeutung der Jesusgeschichte integriert. Dies zeigt die Erweiterung des Jesaja-Zitats in 3,5f: Um die Gestalt des Täufers zu deuten, führt Lukas nicht nur Jes 40,3 an, sondern – einzig in den Evangelien – auch die beiden nachfolgenden Verse. Denn dort fand er die Verheißung, dass Gottes Heil nicht allein Israel gilt, sondern allen Menschen (3,6 als Zitat von Jes 40,5, nach der griechischen Übersetzung des Prophetenbuches). Am Ende der Apostelgeschichte wird Paulus noch einmal, mit wörtlichen Anklängen an Lk 3,6, programmatisch festhalten, dass den Heiden das Heil Gottes gesandt worden ist. 
»So sei euch nun kund, dass dieses Heil Gottes den Völkern gesandt ist; sie werden auch hören.« (Apg 28,28)
»... alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.« (Lk 3,6) 
Johannes bereitet diesen Weg vor: Er führt das Volk zur Umkehr, damit ihm Sündenvergebung gewährt werde (3,3), die Erfahrung der Rettung, die Jesus bringt – wie vom Engel in der Geburtsgeschichte (2,11) und von Simeon im Tempel (2,30-32) bereits verkündet.

Kommentare

Gerhard Mentzel hat gesagt…
Auch in diesem Text und der theologischen Erkärung von Prof. Häfner wird wieder deutlich, dass nicht nur Johannes, sondern die vier Evangelisten, die von Johannes auf Jesus verweisen, ein hoheitliches Heilswesen beschreiben.

Das Kind, das die gewalte kulturelle Umkehr/Buße und all das bewirkte, was bebildert ist, als Heil für alle Völker gesehen wurde, das kann nichts mit dem zu tun haben, was heute allgemein als hist. Jesus gilt.

Das menschliche Hirngespinst der Halbaufklärung, wie es sonderbarerweise aus den Synoptikern, die vom lebendige Wort in Geschichtsgestalt berichten, abgeleitet werden soll bzw. der "Jesus von Nazareth", den Wissenschaftler in dem vor mir liegenden Spiegel-Buch beschreiben, mit dem wäre all das nicht zu machen, was an theologischen Bedeutungs-Inhalten nachzulesen ist.

Und: Ist die Verherrlichung/Vergötterung eines jungen Heilspredigers mit alttestamentlichen Texten für Verfasser, die sich als Reformjuden verstanden denkbar?

Das Wort, das bereits zu Johannes in der sog. Wüste geschah, war keine Geisterstimme, sondern das, was Jesus als kulturgemäßer Ausdruck der Vernunft/Wort allen Werdens war.

Was Christen in wenigen Wochen feiern, war die Fleischwerdung bzw. der zeitgemäße/kulturtaugliche und damit geschichtliche Wirklichkeit werdende Ausdruck einer von Schöpfung ausgehenden, das nat. Ganze im Blick habenden Vernunft, wie sie uns heute mehr den je fehlt.

Wenn die im Spiegel-Buch Schreibenden den Jesus der kath. Lehre längst hinter sich gelassen haben, nur noch nach der Umwelt eines von seinen Fischerfreunden irrtümlich zum großen Heiland gemachten Junghandwerkers fragen, der nicht Gegenstand der biblischen Geschichten war und der der heutigen Welt weniger zu sagen hat, als jeder moderne charismatische Prediger, dann liegt das auch an den kath. Lehren.

Denn solange die kath. Lehre, nicht nur der Papst, der in seinem Jesusbuch ähnlich wie hier Prof. Häfner, die Texte des NT als zeitgemäße Theologie deutet, die Welt im Glauben läßt, dass da nur ein junger Jude war, auf den alles übertragen wurde, braucht sich niemand zu wundern, wenn die Inhalte des chr. Glaubens nur noch lächerlich wirken. Auch nicht über das Fehlen einer von Schöpfung ausgehenden, die Zukunft des Ganzen im Blick habenden Vernunft, die kulturgerecht in Verant-wort-ung nimmt.

Gerhard Mentzel hat gesagt…
Und was die weltgeschichtlichen Daten betrifft, so sind auch diese sicher keine freien Erfindungen zur Ausschmückung einer Geburtsgeschichte.

Vielmehr machen die Neutestamentler heute selbst klar und ist auch in der Realgeschichte nachzublättern, welche kulturelle Auseinandersetzung war. Wie selbst das vom hellenistischen Kult geprägte jüdische Herrscherhaus Herodes vergeblich versuchte, mit seinen Bauwerken, ob großartige Theater oder dem Jersalemer Tempel (als Vergegenwärtigung einer kreativen=schöpferischen Macht, die sonst unsagbar war), die Kulturen zu versöhnen.

Oder wie das lebendige Wort/hebr. Vernunft/Weisheit allen Werdens in ihrem kulturellen Ausdruck in Konkurrenz zu den als Messias gesehen röm. Kaisern stand.

Wie absurd muss man sein, dass man unterstellt, ein junger Heilsprediger, wie er heute als historisch gilt, wäre als eine Konkurrenz zum römischen Kaiser gesehen, als wahrer kulturübergreifender Tempel (Vergegenwärtigung des Schöpferischen) bzw. von diesem ausgehendes Wort/Weisheit oder von Juden als menschlicher Gott gesehen geworden?

Aber man kann ja auch alles abschaffen, was nicht nur im NT beschrieben ist. Auch was in den vielfältigen, sich heftig bekämpfen chr. Anfängen, die sich auf die Weltvernunft/den Logos mit Namen Jesus beriefen und über dessen Wesen (auch mit Philosophenkaisern, die Christen als Atheisten ansahen) stritten, muss man nicht beantworten.

Dann kann man bei seinem kindlichen Glauben bleiben oder Jesus zu einem Hirngespinst eines antiken Che Guevarra bzw. eines charismatischen Handwerkersohnes machen, der weder in der biblischen, noch der Zeitgeschichte vorkommt und der weder der modernen Welt, noch heutiger weltlicher Macht was zu sagen hat.
Roland Breitenbach hat gesagt…
Welch eine Sprache des G.M. -;) !?

"Was Christen in wenigen Wochen feiern, war die Fleischwerdung bzw. der zeitgemäße/kulturtaugliche und damit geschichtliche Wirklichkeit werdende Ausdruck einer von Schöpfung ausgehenden, das nat. Ganze im Blick habenden Vernunft, wie sie uns heute mehr den je fehlt."
Gerhard Mentzel hat gesagt…
Benedikt XVI. hat sich vor dem Bundestag besser ausgedrückt, als er sich auf eine in ökologischer Weltbeschreibung deutlich werdende, von Schöpfung ausgehende Vernunft berief, die dem menschlichen Recht vorausgehe bzw. dem der heutigen Herrscher zugrunde liegen müsse.

Doch was soll sein ständiges Instisieren auf die Vernunftgrundlage des chr. Glaubens als Weiterdenken der gr. Philosophie und eine mit Verstand einsehbare schöpferische Vernunft als Wesen des chr. Glaubens, wie er es in seinen sich auf die Evangelien berufenden Jesusbücher theologisch beschreibt.

Solange er, wie die kath. Wissenschaft weiter einen Wanderprediger jagen, wie er im vor mir liegenden Spiegel-Jesus nur noch als misslungener Messias bzw. charismatischer Rebell hinten herauskommt, darf sich niemand wundern, wenn die Bedeutungsaussagen des chr. Glaubens, wie Christen sie auch an Weihnachten feiern, immer lächerlicher werden, die päpstliche Rede nur als sonderbarer kath. Naturrechtsglaube hinterfragt wurde.

Ja, Jesus hat geschichtlich gelebt, das Wort wurde Fleisch (menschliche Wirklichkeit in der Welt), genau wie wir es an Weihnachten feiern. Nur ging es nach allem was uns an Wissen inzwischen gegeben ist, nicht um einen sozialreformenden Steuer- oder sonstigen Rebellen, sondern um das, auf was sich der Papst beruft, wenn er vom Wesen des chr. Glaubens als schöpferisch Vernunft spricht und um dessen kulturgerechten Ausdruck.

Doch damit diese für uns wieder Fleisch, Wirklichkeit auf Erden werden kann. Damit die vom Papst bei seinem Bezug zur Weisheit Salomos oder der Stoa inzwischen in der Ökologie erklärte Vernunft wieder kulturelle Wirkung (bei Christen mit Namen Jesus) entfalten kann, sind kath. Wissenschaftler gefragt.
Gerhard Mentzel hat gesagt…
Es wird Zeit sich zu entscheiden, ob das Wort/die Vernunft allen Werdens als schöpferische Vergegenwärtigung/Präsenz in der Realgeschichte Fleisch wurde oder doch nur ein junger Wanderprediger mit besonderem Machtanspruch am Anfang stand, der von seinen Anhängern als Messias gesehen wurde und scheiterte.

Eigentlich müsste man beim Lesen laut schreien. Weniger kann man aus Jesus nicht mehr machen. Doch die Wissenschaftsredakteure des Spiegel, die gemeinsam mit meist evangel. Hochschullehrern oder diese zitierend (auch Prof. Sabine Biberstein, von der kath. Uni Eichstätt ist dabei) im Spiegel-Buch "Jesus von Nazareth" beschreiben und die Anfänge einer Sektenbewegung, die vergeblich auf den Heilsbringer hoffte, einen "sturzfrommen" Heilsprediger zum Guru bzw. zu menschlichen Gott machte... müssen logischerweise zu diesem Schluss kommen. Ein Schluss, der das Ende des chr. Glaubens bedeuten würde, nur noch eine humanistisch-relativistische Glaubens(an was auch immer)gemeinschaft hinterlässt.

Denn wenn am Anfang ein wundertätiger Zweibeiner war, der nur seinen hoffnungsfrohen Anhängern oder den bilbischen Verfassern als Wort/Weisheit/wahrer Tempel... gelten sollte, dann können kath. Theologen noch so viel sagen, er sei es gewesen oder sich auf die Wirkungsgeschichte bzw. wie Benedikt XVI. auf die biblische Beschreibung berufen. Das wirkt dann nur noch als gestriger Glaube, macht den chr. Glauben zur Lächerlichkeit.

Doch selbst die Autoren, die das soziale Umfeld eines jungen Rebellen beschreiben, der doch gar keine neue Religion gründen wollte, machen an vielen Stellen, die die multi-kulturelle Umwelt/Auseinandersetzungen/Umwälzungen/den hellenistischen Einfluss beschreiben deutlich, dass die Vorstellung von einen jungen Juden zu kurz greift. Damit auch nicht eine der biblisch beschriebenen Bedeutungsaussagen und theologischen Inhalte, wie sie hier immer wieder zu lesen sind, zu machen wäre.

Denn wer ernst nimmt, wenn er ein hoheitliches Wesen beschreibt und die theologischen Inhalte nicht nur als vergebliche Verherrlichungsrede für einen Heilsprediger sieht, dem daher alttestamentliche Aussagen oder heidnisch Mythen übergestülpt wurden, der muss bereit sein, auch die Vernunft zu bedenken, die der Papst ständig als Wesen des chr. Glaubens bezeichnet und letztlich in seinem Jesusbuch als Auswertung der Evangelien beschreibt.





Meistgelesen

Das Bier im Kühlschrank und die Theologie

Zu Mk 5,1-20: Der Besessene von Gerasa

Das »authentische Wort«