Sonntagsevangelium (88)

18. Sonntag im Jahreskreis (C): Lk 12,13-21

Mit dem richtigen Verhältnis zu Besitz und Reichtum befasst sich der Abschnitt Lk 12,13-34. Am Beginn steht die Warnung vor Habgier, eingebettet in eine kleine Szene, in der Jesus es ablehnt, als Schiedsrichter in Erbstreitigkeiten zu agieren. »Hütet euch vor jeglicher Habgier!« (12,15). Die Begründung dieser Aufforderung kann unterschiedlich aufgefasst werden. Entweder ist gemeint: »Das Leben beruht nicht darauf, aufgrund des Besitzes Überfluss zu haben« (in diesem Sinn z.B. die Einheitsübersetzung), oder es heißt: »Das Leben beruht, (auch) wenn jemand Überfluss hat, nicht auf dem Besitz« (so die Elberfelder Bibel). Die erste Möglichkeit schließt sich besser an die Warnung vor Habsucht an, die zweite schafft eine Verbindung zur folgenden Beispielerzählung von einem reichen Grundbesitzer.


Er ist die einzige Figur, die in dieser gleichnishaften Geschichte erscheint. Bereits reich, sieht er der Vermehrung seines Reichtums entgegen. Zwar wird er als Negativfigur stilisiert, aber die Kritik richtet sich nicht auf den Reichtum an sich. Der Fehler des Großgrundbesitzers liegt nicht in seinem Besitz. Er will sich, wie sein Selbstgespräch zeigt (12,18f), durch seine Vorratshaltung »für viele Jahre« ein sorgloses Leben sichern. Wenn er dies umschreibt mit den Worten »iss, trink und sei fröhlich!« (12,19), könnte er sich auf Koh 8,15 berufen, wo es heißt:
»Darum pries ich die Freude, dass der Mensch nichts Besseres hat unter der Sonne, als zu essen und zu trinken und fröhlich zu sein.«
Allerdings würde ihm der Bezug auf die Fortsetzung fehlen:
»Das bleibt ihm bei seinem Mühen sein Leben lang, das Gott ihm gibt unter der Sonne.«
Der Reiche genießt nicht die Gegenwart, sondern malt sich eine sorgenfreie Zukunft aus. Die Gottesrede (12,20) macht deutlich, dass ein solches Vorhaben auf schwankendem Grund ruht. Es schützt nicht vor dem Tod, der schneller kommen kann als gedacht und dem Menschen allen Besitz entreißt, auf den er gebaut hat. Eine Warnung vor Habgier ist das Gleichnis mit dieser Zuspitzung nicht. Der Reiche ist nicht raffgierig – seine Ländereien bringen einfach reichen Ertrag (12,16), er hat viele Güter (12,18) –, aber er meint fälschlicherweise, dass ihm der Reichtum sein Leben sichert.

Dass das Thema »Besitz, Reichtum« im Abschnitt 12,13-21 mit unterschiedlichen Sinnnuancen zur Sprache kommt, zeigt dann auch die Anwendung des Gleichnisses (12,21), die einen neuen Gedanken einbringt. Der Grundbesitzer hat nur für sich gesammelt und verliert deshalb mit dem Tod seine Schätze. Wie wird man reich vor Gott? Lukas gibt die Antwort an späterer Stelle: indem man seinen Besitz für die Armen einsetzt. So wird ein bleibender Schatz gewonnen (siehe 12,33; auch 16,9.19-31; 18,22; Apg 4,34f).

Kommentare

Gerhard Mentzel hat gesagt…
Sehr geehrter Herr Prof. Häfner,

auch heute zeigt sich wieder: Hier hat kein junger Heilsprediger, der sich von seinen Anhängerinnen aushalten ließ (ich erinnere an die Diskussion über Martha)Lebensweisheiten der Zeit oder gar aufgrund seiner Gottheit/ göttlicher Eingebungen aus dem Hosensack gezaubert. Lukas hat auch keinem Wanderkyniker oder sonstigem jüdischen Lehrer diese Worte in den Mund gelegt.

Hier, so wenig, wie beim Vaterunser war ein besserwisserischer oder anmaßender Heilsprediger, wie ich ihn in Ihrer Zeitschrift für Theologie gelesen habe, das Thema bzw. der Sprecher.

Aber wenn auch in dieser Zeitschrift deutlich wird, dass die heutige Wissenschaft Lukas, Markus & Co. nicht für glaubwürdige (banal)historische Berichte hält, sondern in den Logien- bzw. Weisheitstexten der Quelle nach dem historischen Wesen Jesus forscht. Warum wird dann nicht bedacht, was damals die Quelle dieser Weisheitslehren, Logien war, die sicher auch den heutigen Text speisen.

Denn was den betrifft: Nichts wäre für die Welt nebensächlicher, als das, was der über Reichtum, Habgier oder sonstige Lebensweisen gedacht und gesagt hat, der bei heutiger Hypothese als historisch hinten herauskommt.

Auch wenn Sie das nicht interessiert bzw. wahr haben wollen. Lukas hat nicht gelogen oder nur was erdichtet. Der selbst unsagbare Schöpfer hat in seinem Sohn gesprochen. Die aus philosophisch begründeter Vernunft abgeleiteten Lebensweisheiten der damaligen Zeit wurden vom Hellenisten Lukas in Jesus als schöpferisches Wort zur Sprache gebracht und so erst bedeutend für die Welt.

Auch heute wissen wir, wie Habgier, Konsum- und Kapitalegoismus in die falsch Richtung führt, ruft selbst die Wirtschaft vergeblich nach mehr Gemeinsinn. Was hilft es da, wenn in verschiedenen Bibelübersetzungen geblättert wird, was ein junger Heilsprediger sagte?

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