Nachtrag zu Joh 11

In den Kommentarspalten zum letzten Beitrag hat Leser Leo einige Fragen formuliert, die sich möglicherweise auch andere stellen. Da sie außerdem erfordern, einige grundsätzliche Charakteristika des Johannes-Evangeliums zu besprechen, habe ich Fragen und Antworten nicht im Kommentarbereich belassen.


Frage 1) Mich hätte ... interessiert, ob der Text (Joh 11,1-44) zu erkennen gibt, dass sein Verfasser die erzählte Wiederbelebung des mausetoten Lazarus in einem massiv realistisch-dinglichen Sinn verstanden wissen will (eben als Wiederbeleben einer Leiche)?

Joh 11 will sicher die Geschichte einer Auferweckung aus dem Tod im genannten »massiv realistisch-dinglichen Sinn« erzählen. Deshalb heißt es, Lazarus sei bereits vier Tage im Grab, er rieche schon und habe beim Herauskommen Binden und Schweißtuch um sich gehabt. Eine andere Frage ist, ob wir es hier mit einer historischen bzw. historisch gemeinten Erzählung zu tun haben. Die Historizität der Geschichte wird heute in der Exegese gewöhnlich nicht angenommen. Zum einen: Wie soll man sonst erklären, dass die übrigen Evangelisten von dieser Großtat Jesu nichts wissen, auch nichts davon, dass sie den Todesbeschluss des Hohen Rates provoziert? Zum andern: Die kunstvolle, hintergründige Gestaltung der ganzen Geschichte weist auf ein theologisches Erzählinteresse, nicht auf einen Bericht.

Hat der Evangelist sie trotzdem als Ereignis aus dem Wirken Jesu präsentieren wollen? Aufgrund seiner hoheitlichen Christologie hatte er sicher kein Problem damit, Jesus eine solche Tat zuzutrauen. Und er erzählt vom Wunder auch kaum, um es als unwesentlich zu kennzeichnen (so die Position von Rudolf Bultmann). Aber die Bedeutung des Wunders liegt doch nicht in ihm selbst, sondern in seinem Verweis auf den Wundertäter. Entscheidend ist für Johannes nicht, ob man glaubt, dass Jesus das Wunder gewirkt hat, sondern ob man glaubt, dass Jesus »Auferstehung und Leben« ist. Die Erzählung von der Auferweckung des Lazarus verweist darauf, beweist es aber nicht – auch dann nicht, wenn man ihr einen historischen Kern zuschreiben wollte. Der Evangelist macht dies auch durch die negative Reaktion des Hohen Rates deutlich.


Frage 2) Wie stimmt die Behauptung Jesu, "diese Krankheit wird nicht zum Tod führen", zusammen mit dem Erzählfortgang, wonach die Krankheit sehr wohl zum wirklichen, vier Tage dauernden Tod geführt hat? Hat Jesus etwa gemeint, die Krankheit führe zwar zum physischen Tod, aber nicht zum Tod im Sinne des Abbruchs der Kommunikation/des Dialogs mit Gott?

Die Antwort Jesu ist wohl als erzählerischer Stolperstein zu verstehen, der auf einen hintergründigen Sinn der ganzen Geschichte verweist. Vordergründig führt die Krankheit entgegen dem Wort Jesu zum Tod (s.o.). Insofern dieser Tod aber nicht endgültig ist, sondern Jesus den Gestorbenen wieder ins Leben zurückruft, führt die Krankheit jedenfalls nicht in dem Sinn zum Tod, dass der Kranke im Tod bliebe. Wichtiger aber noch ist die Beachtung, was der Verneinung (»nicht zum Tod«) positiv entgegengesetzt wird: die Verherrlichung des Sohnes Gottes. Sie zeigt sich in der Vollmacht Jesu, Lazarus ins Leben zurückzurufen. Ähnlich heißt es über den Blindgeborenen, seine Blindheit sei nicht auf Sünde zurückzuführen, sondern diene dazu, dass die (von Jesus gewirkten) Werke Gottes an ihm offenbart würden (9,3f). Die scheinbar widersprüchliche Aussage Jesu ist deshalb nicht dahingehend aufzulösen, dass der »Tod im Sinne des Abbruchs der Kommunikation/des Dialogs mit Gott« negiert sei, sondern als Hinweis auf die Bedeutung Jesu zu lesen: Er ist derjenige, der sich durch die Auferweckung des Gestorbenen als Auferstehung und Leben offenbart. 

Ein weiterer Sinnbezug ist möglich: Dass durch die Krankheit der Sohn Gottes verherrlicht wird, könnte auf die Passion Jesu ausgreifen, denn mit »verherrlichen« wird auf die Passion Jesu angespielt (s.u. zur 5. Frage) und die Auferweckung des Lazarus führt ja zum Todesbeschluss gegen Jesus (s. zu dieser Sinnlinie Michael Theobald, Das Evangelium nach Johannes, Regensburg 2009, 727). 


Frage 3) Warum diese unglaublich umständliche Antwort Jesu auf die Frage der Jünger (Joh 11,9.10)? Jesus sagt doch damit nur, dass man bei Licht nicht anstößt, bei Dunkelheit dagegen schon. Inwiefern soll diese Binsenwahrheit eine sinnvolle Antwort sein auf die Frage, warum er/Jesus wieder dorthin geht, wo ihm zuvor eine Steinigung durch Juden gedroht hatte?

Die Dialoge im Johannes-Evangelium sind literarisch kunstvoll gestaltet und keine Gesprächsprotokolle. Der Eindruck, die Antwort Jesu sei umständlich, verdankt sich der Tatsache, dass der Evangelist mit dem hintergründigen Sinn der tragenden Begriffe spielt. So ist die Frage »Hat nicht der Tag zwölf Stunden ...« wohl darauf zu beziehen, dass die Stunde Jesu, seine Passion, noch nicht gekommen ist. Jesus kann jetzt trotz Tötungsabsicht seitens der Juden nach Judäa gehen, weil »noch Tag ist«. Und am Tag wirkt Jesus zur Herrlichkeit Gottes (s.a. 9,4). Die Stunde der Finsternis ist noch nicht gekommen, jene Stunde, in der die Gegner Jesu wirksam werden, »sich stoßen, weil das Licht nicht in ihnen ist«. Eine Erfahrungsweisheit über das Gehen bei Tag und bei Nacht öffnet sich auf eine metaphorische Ebene hin, in der Licht und Finsternis für Heil und Unheil stehen. Deutlich ist dies durch die Aussage, das Licht sei nicht in demjenigen, der in der Finsternis umhergeht (11,10fin); dies gilt nicht auf der wörtlichen Ebene, auf der es ja nicht darum gehen kann, dass das Licht in einem Menschen ist. Auch die Rede vom »Licht dieser Welt« in 11,9 könnte doppeldeutig sein. Zum einen ist sicher die Sonne gemeint, zum andern wurde auch Jesus als »Licht der Welt« (ohne »dieser« ) bezeichnet. Darauf könnte auch hier angespielt sein (s.a. 12,35f mit der Aussicht, dass das Licht nur noch kurze Zeit da ist).


Frage 4) Ist das Bekenntnis Marias zu Jesus als dem "Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll" zu verstehen im Sinne des kirchlichen Dogmas (Jesus, wesensgleich mit Gott) oder meint Sohn Gottes einfach einen Menschen, der durch Begabung mit dem Heiligen Geist Gott ähnlich wird und so in ein engeres Naheverhältnis mit Gott einrückt als es andere Menschen tun? 

Die Begriffe des trinitarischen Dogmas standen den biblischen Autoren noch nicht zur Verfügung. Dass der Sohn Gottes wesensgleich mit Gott Vater und dem Geist ist, lesen wir im Neuen Testament nicht. Selbst das Johannes-Evangelium, das die deutlichsten biblischen Ansatzpunkte für die spätere Entfaltung in neuer Begrifflichkeit bot, formuliert eine Differenz: Der Logos, der Fleisch wird (Joh 1,14), wird nicht in derselben Weise als »Gott« bezeichnet wie der sendende Vater. In deutscher Übersetzung ist das am ehesten dadurch kenntlich zu machen, dass man Joh 1,1 übersetzt: »… und göttlich war der Logos« (im Griechischen steht hier theos ohne Artikel).

Es geht Johannes aber sicher um mehr als darum, dass Jesus als Sohn Gottes »in ein engeres Naheverhältnis mit Gott einrückt als es andere Menschen tun«. Er sieht ihn als den exklusiven Offenbarer Gottes (1,18), der als »der Sohn« (absolut gebraucht) nicht nur in besonderer Nähe zu Gott steht, sondern mit ihm eins ist (10,30) und seinen Ursprung im Uranfang bei Gott hat (1,1). Die Begriffe des trinitarischen Dogma für die Bezeichnung dieses exklusiven Gottesverhältnisses kannte er aber, wie gesagt, nicht. 


Frage 5) Eine eher theologische als exegetische Frage: Legt es Gott im gegenständlichen Fall darauf an, einen Menschen (eben Lazarus) gezielt sterben zu lassen, um so sich selbst zu verherrlichen? Dann wäre nicht das Leben des Lazarus und der Trost für dessen Schwestern der Zweck von Jesu Aktion, sondern die Verherrlichung Gottes und Jesu? Das Leben des Lazarus also nicht um seiner selbst willen, sondern bloß Mittel zum Zweck, der da ist: Verherrlichung Gottes? Und was heißt das eigentlich, "verherrlichen"? 

Tatsächlich mutet Johannes, wie oben bereits angedeutet, den anstößigen Gedanken zu, dass die in Wundererzählungen erwähnte Krankheit den Sinn hat, die Bedeutung dessen zu erweisen, der von ihr befreit. Die Anstößigkeit mag sich dadurch etwas mindern, dass man die Erzählungen als literarische Gebilde versteht: Es musste kein Mensch sein Leben bis zur Begegnung mit Jesus als Blinder führen, damit sich Jesus als Licht der Welt erweisen könne; Jesus hat nicht Maria und Martha vier Tage trauern lassen, um sich als Auferstehung und Leben zu offenbaren. Kein real erfahrenes, sondern fiktional erzähltes Leid wird benutzt, um die Bedeutung Jesu zu inszenieren. Man mag sich auch daran stoßen, dass auf diese Weise erzählt wird; aber der Stolperstein dürfte doch kleiner sein, wenn man literarische Gestaltung vor Augen hat.

Außerdem ist zu bedenken: Der Begriff der Verherrlichung ist im Johannes-Evangelium mit hintergründigem Sinn versehen. Eigentlich ist das Wortfeld der Herrlichkeit im neutestamentlichen Sprachgebrauch überwiegend durch die Zuordnung zur Lichtwelt Gottes bestimmt, bezeichnet Gottes Majestät, seinen Macht- und Lichtglanz. Auf dieser Linie bedeutet »verherrlichen« so viel wie »an der göttlichen Majestät Anteil geben«, »verherrlicht werden« heißt »an der göttlichen Majestät Anteil erhalten«. Die Rückkehr Jesu zum Vater ist Rückkehr in die Herrlichkeit, »die ich bei dir hatte, ehe die Welt war« (17,5), aber es ist eine Rückkehr, die über das Kreuz führt. Die Erniedrigung Jesu in der Passion hat eine für die Welt unsichtbare Dimension: (Wieder-)Einsetzung in die göttliche Herrlichkeit. Und umgekehrt geschieht diese Verherrlichung nur unter Einschluss der Passion, die allein dem Glauben als Ausdruck göttlicher Majestät erkennbar ist. 

Kommentare

Leo hat gesagt…
Ihr dankenswerter Nachtrag zu Joh 11 hat mindestens mir das Verstehen dieses Textes wesentlich erleichtert.
Dennoch möchte ich zwei Bemerkungen nachschieben:

1) Ihre Begründungen, weshalb Joh 11, 1-44 schwerlich als historischer Tatsachenbericht zu lesen ist, sondern eher als ein in Erzählform gegossenes Bekenntnis zu Jesus als
"die Auferstehung und das Leben", leuchten zwar ein. Aber prinzipiell stellt sich für Bekenntnisse jeder Art die Frage nach deren Anhalt in der Sache: Welche konkrete, geschichtlich-sinnenfällige Erfahrung berechtigt zu dem vorgetragenen Bekenntnis? Erst wenn man das dem Bekenntnis zu Grunde liegende geschichtliche Ereignis kennt, kann man selbst sagen: Ja, dieses Ereignis würde ich auch so interpretieren/glauben wie der bibl. Autor, oder aber: Nein, das geschilderte Ereignis ist für mich ein unzureichender Glaubwürdigkeitsgrund; das Bekenntnis des bibl. Zeugen ist mir leider nicht erschwinglich.

Mit anderen Worten: Joh 11, 1-44 interpretiert glaubend. Was konkret war nun aber das zu Interpretierende?

2) Meine Frage nach dem rechten Verständnis von "Sohn Gottes" in Joh 1,27 war motiviert durch einen Satz von Klaus Berger (Jesus, Pattloch, S.60): "Und wo immer gesagt wird, wie einer Sohn Gottes wird, ist es der Heilige Geist, der ihn dazu macht."

Wenn Bergers Befund zutrifft, dann - so folgere ich - besteht zwischen Jesus dem Sohn (absolut gebraucht), und anderen geistbegabten Menschen (wie z.B. den getauften Söhnen und Töchtern Gottes) kein wesensmäßiger, sondern ein gradueller Unterschied, zumal Berger an anderer Stelle Jesus den Superinspirierten nennt.

Demnach verstünde das NT die Gottessohnschaft Jesu so, dass dieser unter allen Menschen Gott am nächsten kommt, ihm ähnlicher ist als alle übrigen Menschen. Die Exklusivität des Offenbarers Jesus bestünde darin, dass Jesus mit der Geistfülle begabt ist, also mehr Geist besitzt als alle anderen Menschen. Daher lotet der Geist Jesu den Geist Gottes exklusiv/einzigartig aus, während der begrenzte und auslöschbare Geist der Getauften Gottes Geist nur in beschränktem Maße auslotet.

Die in Joh 10,30 bezeugte Einheit Jesu mit Gott dürfte daher aus meiner Sicht nicht mit "wesensgleich" beschrieben werden wie in der nachbibl. Dogmatik, sondern sie müßte als Willens-Einheit bestimmt werden, als geistgewirktes Übereinkommen von Jesus und Gott im gemeinsamen Wollen, Handeln und Wirken.

So gesehen wäre auch die Verständigung mit Menschen jüdischen Glaubens über Jesu Heilsbedeutung vermutlich leichter zu bewerkstelligen.
Gerhard Mentzel hat gesagt…
Welche konkrete, geschichtlich-sinnenfällige Erfahrung berechtigt zu dem vorgetragenen Bekenntnis? Erst wenn man das dem Bekenntnis zu Grunde liegende geschichtliche Ereignis kennt, kann man selbst sagen: Ja,

Leo,

diese Frage wird von vielen Theologen beantworten, die bekennen, was versteckt ja auch bei Prof. Häfner zum Ausdruck kommt: Beim Jesus des Johannes, der kein anderer ist, als im gesamten NT bzw. am Grunde des crh. Glaubens, geht es um den Logos: Die in Vernunft erklärte schöpferische Wirklichkeit, alles Werden.

Anzunehmen, dass hier einem Heilsprediger ein Heiligenschein aufgesetzt wurde oder wie Berger (den ich vielfach bat, die Vernunt chr. Glaubens bedenken zu lassen, theologie-der-vernunft.de) alles im Mython belassen zu wollen, ist absurd.

Um welche konkrete geschichtliche Erfahrung es ging, wer der Christologie zugrunde lag, statt menschlicher Göttersöhne als Sohn und Wort, Weisheit, Wahrheit oder ewiges Leben galt, aber in menschlicher Person (Rollw, Aufagabe) ausgerückt werden, so Geschichte, Fleisch werden musste, kannst du gooeln unter Logos. Oder blätter nach, was über den Wandel vom Mythos zum Logos gesagt wird. Dann wird dir das Licht aufgehen, von dem gesprochen wurde und das auch moderne, naturwissenschaftlich aufgeklärte Menschen "Ja" zu Jesus sagen lässt.
Gerhard Mentzel hat gesagt…
Sehr geehrter Herr Prof. Häfner,

warum halten Sie nur die eine Hypothese für bedenkenswert, dass es den Verfassern bzw. dem anfänglichen Denken um einen Heilsprediger ging, wenn Sie doch auf die theologische Hoheitlichkeit bzw. Christologie des Johannes verweisen und deutlich machen, dass es hier nicht um einen anderen Jesus ging, als bei den übrigen Verfassern?

Ich gebe die Osterhoffnung, dass auch Sie zu einem aufgeklärten Verständnis des chr. Glaubensgrundes in einer in Vernunft erklärten Wirklichkeit, (Wahrheit bzw. im gegebenen Licht der Welt als Evolution allen Werdens erklärten ewigen Leben) beitragen, nicht auf.

Auf-v-erstehung war ein geschichtliches Ereignis, dem ein Prozess vorausging. Bei dem allerdings kein Heilsprediger angeklagt wurde, sondern der Logos, den die Johannesverfasser kulturvernünftigerweise in menschlicher Form bzw. fleischgeworden als Jesus vorstellen.

Frohes Fest
Gerhard Mentzel hat gesagt…
Wir können doch nicht alles Wissen um die in der Achsenzeit nun nicht mehr im Mythos, sondern in Vernunft/als Weisheit erklärte schöpferische Wirklichkeit - die heute nur etwas empirischer gilt, im heutigen Glaubens-Verständnis aber nicht als schöpferische Bestimmung wahrgenommen wird - beiseite schieben.

Ebenso die im Sinne des eben so wenig geheimnisvoll vom Himmel gefallenen, sondern aus Vorstellungen der nat. Ordnung allen Werdens antiker Hochkulturen (incl. der menschl. Einbindung, nicht nur bei Zarathustra) abgeleiteten Monotheismus. Oder über dessen Erneuerung reden, wie sie bei Johannes theologisch berichtet und kulturgerecht bebildert wird. Gleichzeitig aber weiter nur auf buchstäbliche Weise einen jungen Guru auf wundersamer Wanderschaft ins Rennen schicken wollen, der geheimnisvoll Wort, Vernunft gewesen sei, gar so gewirkt haben soll.

Wir wissen auch, warum diese Geschichten zeitvernünftig waren, wie die Menschen an traditionellen menschlichen Gesichtern, Gestalten oder auch Götterbilder hängen.Es wird Wissenschaft beschrieben, wie und warum diese Darstellungsform damals ganz selbstverständlich war.

Und wir können uns ausmalen, was es bewirken würde, wenn der Grund (nicht nur) des chr. Glaubens von kirchlicher Wissenschaft auf aufgeklärte Weise dort zu bedenken gegeben wurde, wo Benedikt vor dem Bundestag in Bezug auf jüd. Weisheit oder Stoa den Grund allen Rechtes zu bedenken gab: Im heute rational, ob als Evolution oder Ökologie erklärten nat. Werden. Das mündige Menschen dann dafür begeistert und kulturell erwachsen (Christen von Jesus singend) in gemeinsame Verant-WORT-ung nimmt.

Das Wissen, der Verstand ist gegeben. Der Auf-v-erstehung steht nicht die Naturwissenschaft im Wege.
Heinz hat gesagt…
Und dann, Leo, wenn Ihnen das mentzelsche Licht aufgegangen ist, dann sind Sie endlich ein Erleuchteter, ein Gnostiker!
Gerhard Mentzel hat gesagt…
Nein ein Christ, was die Auf-v-erstehung bzw. den aufgeklärten Verstand dessen voraussetzt, was bisher auf dogmatische Weise geglaubt wurde, so bis zur Aufklärung getragen hat.

Aber mit meinem Licht hat es nichts zu tun, sondern dem in Vernunft gegebenen Verstand, um was es nicht nur bei Johannes ging.

Frohe Ostern
Gerd Häfner hat gesagt…
@ Leo

1) Aus Sicht des Johannes-Evangeliums ist »das zu Interpretierende« die Person Jesu. Deshalb werden die Wundergeschichten so erzählt, dass sie als Zeichen auf den Wundertäter verweisen. Die Frage, »welche konkrete geschichtlich-sinnenfällige Erfahrung« zum Christus-Bekenntnis berechtige, stellt sich der Evangelist nicht im Blick auf das vergangene Wirken Jesu – es hätte ja auch, da vergangen und nur in der Form der Erzählung gegenwärtig, keine unmittelbare Überzeugungskraft für die Adressaten des Evangeliums: Dass Lazarus aus dem Grab herauskommt, sehen sie nicht. Es geht Johannes nicht darum, den Glaubwürdigkeitsgrund des Bekenntnisses durch den Bezug auf ein vergangenes geschichtliches Ereignis darzustellen. Sein Evangelium ist keine nach außen gerichtete missionarische Schrift; es soll vielmehr den Glaubenden aufzeigen, wer Jesus für sie ist. Deshalb verfährt Johannes auch sehr frei mit der Jesustradition und gestaltet sie im Vergleich zur synoptischen Überlieferung neu. Die Erfahrung, die das Bekenntnis begründet, ist die Erfahrung, die die Glaubenden mit dem erhöhten Christus machen. Deshalb kommt in den Abschiedsreden die Zeit nach dem Weggang Jesu auch ausführlich zur Sprache (Joh 14-17), als Zeit, die durch die Gegenwart Christi im Geist bestimmt ist.

2) Das Neue Testament ist im Blick auf das Verständnis des Gottessohn-Titels kaum auf einen Nenner zu bringen. Die von Paulus in Röm 1,3f zitierte Formel verbindet die Einsetzung Jesu zum Sohn Gottes mit der Auferstehung, hinter Mk 1,11 könnte eine Adoptionsvorstellung stehen, Matthäus und Lukas bringen die Gottessohnschaft mit der Geistzeugung in Verbindung, der Philipper-Hymnus bezeugt wie auch der Joh-Prolog eine Präexistenz-Vorstellung. Ob zwischen Christus und den Glaubenden ein wesensmäßiger oder ein gradueller Unterschied besteht, ist keine Frage, die in neutestamentlichen Schriften behandelt wird. Insofern Christus als Herr angerufen und seine Einsetzung in göttliche Macht bekannt wird, kommt ihm zu, was keinem Glaubenden zukommt. Und im Blick auf das Johannes-Evangelium lässt sich erkennen, dass der Konflikt mit »den Juden« mit der Würde zu tun hat, die für Jesus reklamiert wird. Sie wird als Angriff auf den Alleinverehrungsanspruch des einen Gottes wahrgenommen (Joh 5,18; 10,33; 19,7; s.a. 8,48-59). Dass die Christologie im Verhältnis zum Judentum eine Schwierigkeit darstellen kann, ergibt sich also nicht erst aus der nachneutestamentlichen Dogmenentwicklung.
Anonym hat gesagt…
Deine Kommentare, lieber Gerd, erinnern mich daran, wie ich im Studium bei Pesch saß in den Vorlesungen. Es ging u.a. um die Wunder Jesu. Jeder Satz, den wir hörten, war dem Kommilitonen neben mir mit den pechschwarzen Haaren eine Offenbarung, ein Treffer ins Herz!
So berührt mich, was Du hier schreibst!
Leo hat gesagt…
@ Prof. Häfner

Vermutlich kann es in einer Diskussion gar nicht anders sein:
Jede Ihrer Antworten löst eine Legion von neuen Fragen aus.
Damit aber dieser Thread sich nicht ins Endlose verläuft, möchte ich es für meinen Teil damit bewenden lassen.
Danke für Ihre sachlichen Stellungnahmen.

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