Verstorbener Papst durfte nicht an der Synode teilnehmen!

Die Nachsorgeuntersuchungen zur Bischofssynode reißen nicht ab, sie scheinen aber nicht immer sehr zuverlässig durchgeführt zu werden. Kardinal Joachim Meisner  hat am Gedenktag des hl. Johannes Paul II. einen Artikel in der Tagespost  veröffentlicht, in dem er beklagte, dass das »in Rom existierende Institut 'Heiliger Johannes Paul II.' für Studien über Ehe und Familie … durch keine Vertreterin oder keinen Vertreter in den Vorbereitungsgremien und dann während der Synode in einem der Beratungsgremien dabei« war. Seine Interpretation des Vorgangs reicht über die Grenzen von Raum und Zeit hinaus:
»Der heilige Papst Johannes Paul II. wurde unbegreiflicherweise gleichsam von den Vorbereitungsgremien der Synode ausgeschlossen.« 
Dies erscheint als umso schwerwiegender, als dieser heilige Papst in die Kirchengeschichte eingehen wollte »als der Papst, der für die Heiligung von Ehe und Familie eingetreten ist. Diesem Anliegen hat sein ganzes theologisches und pastorales Interesse gegolten und gilt es immer noch.«

Man kann durchaus fragen, welchen Stellenwert der Wunsch eines früheren Papstes bezüglich seiner kirchengeschichtlichen Bedeutung für eine Bischofssynode hat (selbst wenn der Vollendete überraschenderweise weiterhin theologische und pastorale Interessen verfolgt: »... gilt es immer noch«). Auch ist nicht ungewöhnlich, dass ausschließlich ein  Papst an einer Bischofssynode mitwirkt. Nun gut, Johannes Paul II. wurde ja nur »gleichsam« ausgeschlossen. Auch in dieser Abschwächung legt der Kardinal aber eine höchst eigenwillige Interpretation vor. Die Tatsache, dass Vertreter/-innen einer bestimmten, von Johannes Paul II. gegründeten Einrichtung zu Fragen von Ehe und Familie nicht geladen wurden, gilt als Absage an den früheren Papst und sein Anliegen. Es wirke
»wie ein Ausschluss des heiligen Papstes aus der stattgefundenen Synode, da von den offiziell ernannten und berufenen Fachleuten niemand aus der Schule Johannes Paul II. berufen war.«
Wenn es sich um eine Schule  handelt, geht es offensichtlich nicht um die kirchliche Lehre im eigentlichen Sinn, sondern um eine bestimmte theologische Richtung. Kardinal Meisner aber erweckt den Eindruck, als seien durch die Nichtberücksichtigung des fraglichen Instituts die lehramtlichen Äußerungen von Papst Johannes Paul II. für die Synode irrelevant gewesen. Eine solche Interpretation ist mindestens ebenso fragwürdig wie der Versuch, die Heiligkeit Johannes Pauls II. für die Bedeutung des von ihm gegründeten Instituts einzusetzen. Diese Intention zeigt sich nicht  nur am Veröffentlichungsdatum, sondern auch an der Bezeichnung des Instituts als »Institut 'Heiliger Johannes Paul II.' für Studien über Ehe und Familie«. Die Einrichtung selbst nennt sich nach Ausweis ihres Internetauftritts »Pontificio Istituto Giovanni Paolo II per studi su matrimonio e famiglia«.

Der erweckte Eindruck des vorsätzlichen Ausschlusses Johannes Pauls II. aus den Beratungen (im genannten gleichsamigen Sinn) ist auch in einer anderen Hinsicht verfehlt, ja geradezu irreführend. Dass Fachleute aus diesem Institut nicht als Berater berücksichtigt wurden, ist nur die halbe Wahrheit. Denn immerhin waren drei ehemalige Präsidenten des Instituts unter den Synodenteilnehmern: Carlo Caffara, Angelo Scola und Rino (Salvatore) Fisichella, wie die Liste der Teilnehmer  zeigt. Ihre Präsidentschaften decken die Zeit von 1981 bis 2006 ab, also fast die gesamte Zeit, seit der das Institut besteht (s. hier). Kardinal Caffara ist zudem als Kritiker der Position Kardinal Kaspers durchaus in Erscheinung getreten (s. hier). Wenn diese drei nicht für die Sicht des Instituts sprechen können, werden das auch keine zusätzlichen Fachleute und Berater fertig bringen. Ein Ausschluss, der mit einer solchen Präsenz einhergeht, lässt sich wohl gut ertragen.

Selbst die Pilgerscharen, die zur Heiligsprechung Johannes Pauls II. nach Rom gekommen waren, müssen für die Kritik Kardinal Meisners herhalten. Er beklagt, dass die Anwesenheit der Massen für die Synodenorganisatoren ohne Bedeutung gewesen sei. Anscheinend hätten sie denken sollen: »Oh, da sind doch im April 100000 Pilger zur Heiligsprechung gekommen. Wir müssen unbedingt noch Fachleute aus dem von Johannes Paul II. gegründeten Institut zur Synode hinzuziehen!« Gerne nimmt man Hinweise entgegen, wie der innere Zusammenhang beider Sachverhalte zu denken ist.

Immerhin aber entdeckt Kardinal Meisner die Wichtigkeit der Stimme des Volkes, ruft er doch nun im Blick auf jene Pilgermassen aus: »Vox populi – vox Dei!« Ist es unfair anzunehmen, dass es stark darauf ankommt, welches Volk was sagt, ob es als vox Dei oder vox Rindvieh eingestuft wird? Sollte donum vitae  das Meisner-Zitat auf seine Homepage stellen, so wäre die Erwiderung zu erwarten, dass es sich hier nicht um den richtigen populus handle. Solche Phrasen, auch lateinische, kann man immer so drehen, wie man es braucht.

Kommentare

Regina hat gesagt…
man of the match


http://theosalon.blogspot.de/2014/10/man-of-match.html
Michael Hauber hat gesagt…
Angesichts der Tatsache, dass es in Rom auch schon einmal eine Synode gab, an der auch ein verstorbener Papst teilnahm (kein Witz! Man holte die Leiche aus dem Grab), man jedoch mit der Teilnahme von Toten keine guten Erfahrungen machte, nimmt sich des Kardinals Forderung als doch etwas befremdlich aus...
Gerhard Mentzel hat gesagt…
Wieso? Wo für die Beurteilung der verhandelten Fragen nicht auch eine von natürlicher Schöpfung ausgehende Vernunft nach heutigem Verstand befragt werden kann bzw. der gegenwärtige Logos nicht vorkommen darf, da scheint es doch ganz natürlich zu sein, dass päpstliche Leichen ausgegraben, alte Lehren herhalten müssen.

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