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Der Zölibat ‑ eine apostolische Tradition? (2)

Der erste Teil hat sich mit der Frage befasst, welche Ansatzpunkte die Jesustradition der Evangelien für das Urteil bietet, der Zölibat sei eine apostolische Tradition. Nun geht es um die nachösterliche Mission der Jesusjünger. Gesprächspartner bleibt Stefan Heid, dessen Buch »Zölibat in der frühen Kirche« (Paderborn 1997, 3. Auflage 2003) als Referenzwerk der »Zölibatsforschung« gilt. Fortsetzung des enthaltsamen Lebens? Die nachösterliche Mission ist nach Stefan Heid dadurch gekennzeichnet, dass die Apostel die enthaltsame Lebensweise fortgesetzt haben. Wie die bisherige Erörterung gezeigt hat, ist die Grundlage dieses Urteils äußerst unsicher: Der Nachweis, dass die vorösterliche Jesusbewegung grundlegend durch Ehelosigkeit (oder sexuelle Enthaltsamkeit trotz bestehender Ehe) gekennzeichnet war, lässt sich nicht führen. Das bestätigen indirekt Überlegungen, die Heid anführt, um die Fortsetzung der enthaltsamen Lebensweise zu begründen. Zu Mt 19,12 (dem so genannten »Eunuchen-S...

Offener Brief, nicht offener Dialog (2)

Kommt jetzt jeden Montag ein Schreiben des Kölner Erzbischofs zur Lage der Kirche angesichts des Theologen-Memorandums? Kardinal Joachim Meisner hat sich eine Woche, nachdem er das Memorandum erschrocken und betrübt zurückgewiesen hat, erneut öffentlich geäußert , dieses Mal mit einem komparatistischen Ansatz: das Memorandum wird mit der »Petition pro Ecclesia« verglichen, denn es sind oft »die Kontraste, die das Wesen einer Sache deutlicher zum Vorschein bringen«. Das mag sein. Es besteht allerdings bei solcher Absicht auch die Gefahr, dass man die Kontrasteinstellung künstlich verstärkt, um nicht nur das Wesen der einen, sondern vor allem das Unwesen der anderen Sache zu unterstreichen.  Was haben die Memorandisten falsch gemacht? Offenbar alles. Sie haben  »Forderungen unterbreitet, die im Großen und Ganzen auf eine Demokratisierung und Säkularisierung der Kirche hinauslaufen«. 

Erdbeben als apokalyptische Katastrophen?

Die Erdbeben in Haiti, Chile und vor allem jetzt in Japan provozieren offenbar apokalyptische Deutungen. Robert Spaemann hat in einem Interview mit »Christ und Welt« vorsichtig eine Verbindung zwischen sich häufenden Naturkatastrophen und biblischen Endzeitszenarien bejaht (13/2011, eine nicht ganz lesefreundliche Fassung kann man sich hier erblättern). Den Hinweis des Interviewpartners, dass im Matthäus-Evangelium die Rede sei von Hungersnöten und Erdbeben als Katastrophen vor dem Ende, ergänzt Spaemann: »Ja, und vom Rauschen des Meeres und Erschütterungen des Himmels«. Er trägt eine solche Deutung ausdrücklich nicht als zwingende Schlussfolgerung vor und kann sich auch andere Szenarien vorstellen, meint aber dennoch: »Wenn solche Ereignisse sich häufen, dann haben wir allen Anlass, sie als Zeichen zu nehmen.« Ich nehme dieses Urteil zum Anlass, einige Überlegungen zum Sinn apokalyptischer Endzeitszenarien in der Bibel anzustellen. 

Offener Brief, nicht offener Dialog

Gestern hat Kardinal Joachim Meisner ein Schreiben veröffentlicht , in dem er sein Erschrecken und seine Betrübnis über das Theologen-Memorandum bekundet. Dieser Text beurteile »die Lage der Kirche mit Zustandsbeschreibungen und Forderungen, denen man fast in jedem Punkt widersprechen bzw. Korrekturen entgegensetzen müsste«. Dass dies nur für fast jeden Punkt gelten soll, lässt aufhorchen. Gibt es also doch wenigstens eine Sache, über die man reden kann? Man wüsste es gerne, erfährt aber nichts dazu, denn der Kardinal nimmt den Konjunktiv ernst: Man müsste in fast in jedem Punkt widersprechen, er tut es aber nicht. Oder doch? Die Fortsetzung lautet:

Der Zölibat ‑ eine apostolische Tradition? (1)

In der öffentlichen Diskussion der letzten Wochen um Reformen in der katholischen Kirche stand seit dem Vorstoß führender CDU-Politiker die Frage des Zölibats im Vordergrund. Die ablehnende Reaktion Kardinal Brandmüllers hat unter anderem behauptet, es sei gesicherte Forschungsmeinung, dass der Zölibat eine apostolische Tradition sei. Für einen Neutestamentler ist das eine erstaunliche Einschätzung. Wenn von Werken der »Zölibatsforschung« gesprochen wird, die diese Einschätzung stützten, dürfte vor allem an das Buch von Stefan Heid gedacht sein: Zölibat in der frühen Kirche, Paderborn 1997; 3. Auflage 2003). Es lohnt also, den Argumentationsgang zu betrachten, der sich auf die neutestamentlichen Zeugnisse bezieht. Der erste Teil befasst sich mit der Jesus-Tradition. Das Beispiel Jesu Hat Jesus selbst ehelos gelebt? Die Frage ist umstritten, weil zum Familienstand Jesu nichts ausdrücklich überliefert ist. Es wird nirgends in der urchristlichen Tradition gesagt, Jesus sei verheirate...

Who's who? (2) - Lösung

Biblische Personen in ungewohnter Beschreibung. Gesucht wurde eine männliche Gestalt aus dem Alten Testament.   Der verhinderte Bauherr neigte bisweilen zu extremen Handlungsweisen. Zum Selbstschutz spielte er den Verrückten, als Tänzer machte er sich lächerlich ‑ jedenfalls in seinem engsten Umfeld ... ( hier noch einmal der ganze Text ). Zur ausführlichen Lösung bitte weiterlesen.

Biblisches Ausmaß?

Man kann ins Grübeln kommen, wenn sich angesichts der furchtbaren Erdbeben-Katastrophe in Japan hierzulande der Blick auf wirtschaftliche Sieger und Verlierer richtet: »Windkraftanbieter profitieren, Versorger verlieren«, schreibt das Handelsblatt . Wahrscheinlich kann eine Wirtschaftszeitung auf solche Aspekte nicht verzichten. Sie benennt auch andere Profiteure, etwa den Nachrichtenkanal N24, der sich über ein gesteigertes Zuschauerinteresse in der werberelevanten Zielgruppe freuen kann. Vielleicht ist es kleinkariert, in diesem Zusammenhang einen sprachlichen Kollateralschaden zu beklagen, da doch viel Schlimmeres zu beklagen ist. Da wir es aber mit einem Fall von Begriffsverwirrung geradezu babylonischen Ausmaßes zu tun haben, lasse ich das Bedenken beiseite.  Der Chef des Nachrichtenkanals N24, Torsten Rossmann, sagte dem Handelsblatt zur Berichterstattung über die Folgen des Erdbebens in Japan in einer heute nicht seltenen Redewendung: »Es gibt ein unvorstellbares Zuscha...