11. Dezember 2011

Die Bibel als Klatsch-Blatt

Wer mit der so genannten Yellow-Press nur beim Friseur oder in Wartezimmern von Ärzten in Berührung kommt, staunt gewöhnlich darüber, dass es für diese Titel ein offenbar zahlungsbereites Lesepublikum gibt. Das Staunen des Außenstehenden wird noch größer, wenn die Zeitschrift das neue, vielleicht weil ihr zur heiligen Schrift nur noch das Testament fehlt, eine ganz besondere Weihnachtsnummer herausgebracht hat. Chefredakteur Jörg Mandt fragt:
»Liebe Leserin, lieber Leser, wie würde unser Weihnachtsheft aussehen, wenn es uns vor zwei Jahrtausenden schon gegeben hätte?«
Man könnte streng sein und sagen: Wenn es das Heft das neue vor zweitausend Jahren schon gegeben hätte, dann hätte es über die Geburt Jesu sicher nichts berichtet. Dies würde sich nicht allein aus einem kritischen historischen Urteil ergeben, sondern auch aus den Geschichten um die Geburt Jesu, wie sie im Neuen Testament überliefert sind: Nirgends wird erzählt, dass Jesu Geburt auf ein breiteres öffentliches Interesse gestoßen wäre.

Dennoch ist es nicht ohne Reiz, einmal etwas näher zu betrachten, wie sich die Redaktion ihre originale Weihnachtsausgabe vorstellt. Unternehmen wir also einen kleinen Ausflug in das 72-seitige Heft.

Es beginnt mit dem Besuch Marias bei Elisabeth, die in ihrem Gartenparadies »das süße Geheimnis ihrer Nichte« erraten hat. Sofort sehnt man sich nach dem etwas nüchterneren Original. Für ungeübte Leser von Klatsch und Tratsch ist es deshalb hilfreich, dass man sich danach mit dem Blick auf die römische Welt noch etwas eingewöhnen kann.  


Paparazzi im Kaiserpalast  

Kaiserin Livia, so erfahren wir, habe bei der Ausstattung ihres Palastes einen neuen Trend setzen wollen und sei damit auf Kritik gestoßen. Der vorliegende Fall aus der Antike bietet einen Vorteil, über den man sich in der Redaktion vielleicht besonders gefreut hat: es ist davon auszugehen, dass Livia keine Gegendarstellung verlangt. Auch der Bericht vom »Eheskandal im Kaiserpalast« unter der Rubrik »Adel aktuell« ist vor solchen Gefahren sicher. 

Ausbaufähig wäre der Vorbericht zur »Formel 1 im Circus« gewesen. Statt des völlig unbekannten Sklaven Scirtus hätte man hier wirkliche Stars des Formel 1-Pferderennens nennen können: S. Vetula, M. Calceolarius, J. Bulla, M. Texxtor oder N. Monsroseus. Oder wäre das nicht ernsthaft genug gewesen? Während man hier also Berühmtheiten verschweigt, werden Simeon und Hanna aus Lk 2 zu »zwei berühmte[n] Propheten« gemacht. Hat Lukas vergessen, den Bekanntheitsgrad der beiden mitzuteilen?

»So fanden Maria und Joseph ihr Glück«  

Diese Zurückhaltung des Evangelisten offenbart, was grundsätzlich gilt: Aus Sicht der Klatschpresse ist das Neue Testament ein unbefriedigender Informant. Es bietet nur sehr lückenhaftes Rohmaterial, aus dem eine verkäufliche Geschichte erst noch phantasiereich gestaltet werden muss. Da ist es gut, wenn man auch andere Quellen anzapfen kann. Deren Zuverlässigkeit zu überprüfen, wäre eine Skrupelhaftigkeit, die man sich in dem umkämpften Markt aber nicht erlauben kann.

Viel stärker als das Neue Testament wird das so genannte Protevangelium des Jakobus ausgeschlachtet, eine legendenhafte Weiterentwicklung des biblischen Materials, deren Grundstock nicht vor der Mitte des 2. Jh. entstanden ist. Hier finden sich die Traditionen zur Geburtsgeschichte Marias, ihr Aufwachsen als Tempeljungfrau, die Auswahl Josephs als ihres Mannes, die Anklage gegen beide wegen der Schwangerschaft Marias sowie Ausgestaltungen der Erzählung von der Geburt Jesu. All das ist ohne jedes geschichtliche Fundament (so hat es etwa am Jerusalemer Tempel keine Tempeljungfrauen gegeben), taugt aber in der überlieferten Form immer noch nicht recht als Story. Der Klatsch-Reporter muss weiter zuspitzen und dramatisieren:
»Diese Liaison verstieß gegen jede Konvention. Doch Joseph von Nazareth stand zu seinem Wort - und rettete Maria damit vermutlich das Leben.«
»Eben noch das Traumpaar der Stadt, waren die Frischvermählten von einem Tag auf den anderen Hohn und Spott ausgesetzt.«
Joseph und Maria als »das Traumpaar der Stadt«? Im Protevangelium des Jakobus liest sich das ein klein wenig anders. Als Joseph zu Marias Ehemann bestimmt wird, erkennt er jedenfalls keinerlei Analogie zu Angelina Jolie und Brad Pitt:
»Ich habe schon Söhne und bin alt, sie aber ist ein junges Mädchen. Ich fürchte, ich werde zum Gelächter für die Söhne Israels!« (9,2)
Dass ein Traumpaar von heute auf morgen zum Gespött wird, ist wohl einfach das Muster, das der Klatsch-Reporter aus seinen Magazinen kennt und so auch auf unseren Fall überträgt. Ebenfalls ohne Anhaltspunkt in der apokryphen Quelle ist die Nachricht, dass Joseph durch ein Machtwort Maria vor der Steinigung rettete. Im Protevangelium des Jakobus stehen beide, Joseph und Maria, unter der Anklage, gegen Gottes Gebot verstoßen zu haben. Eine Art Gottesurteil führt zu ihrem Freispruch. Das hätte aber die schöne Geschichte vom edelmütigen Joseph zerstört. 

Nehmen wir den Chefredakteur beim Wort (»wie würde unser Weihnachtsheft aussehen, wenn es uns vor zwei Jahrtausenden schon gegeben hätte?«), so könnte das Ergebnis mehr über die Arbeitsweise seiner Zunft verraten, als ihm lieb sein kann. 

Akademische Astrologen, Hartz IV und Migrationshintergrund  

Vielleicht erreichen wir höheres Niveau, wenn uns »Erfolgsautorin Hera Lind erklärt, was hinter dem Besuch der drei berühmten Sterndeuter steckt«? Auch sie weiß erheblich mehr als die biblische Erzählung in Mt 2,1-12, gespeist aus der Frömmigkeitstradition. So kennt sie Anzahl und Namen der Weisen, aber auch weitere Details: »Caspar, ein greiser Herr mit weißem Bart«; »Melchior, ein hoher persischer Würdenträger vom Rang eines Ministers« (allerdings ohne Angabe über die Gehaltseinstufung); »der dunkelhäutige Abgesandte Balthasar aus der Weltstadt Babylon«. Die Redaktion springt mit dem Hinweis bei, »nach neuester Forschung« sei die geographische Herkunft der drei Weisen auf Pakistan, Iran und Irak verteilt. Was das wohl für Forschungen sind? Verraten wird es nicht. 

Unerklärt bleiben in Linds Erklärung weitere Dinge. Wie kann die wiederkehrende Konjunktion von Jupiter und Saturn (im Sternbild der Fische) auf die einmalige Geburt des Messias hinweisen? Wie soll eine astronomische Erscheinung einen bestimmten Ort auf der Erde bezeichnen können? Es ist offenkundig nicht ohne Probleme, wenn man eine theologische Erzählung direkt historisch auswerten will.

Die Aktualisierung mithilfe heutiger Problemlagen und Begriffe ist ebenfalls nicht ohne Schwierigkeit. Wenn dem frommen Israeliten Joseph, weil er sich von Nazareth nach Bethlehem bewegt hat, »Migrationshintergrund« zugeschrieben wird, so könnte man dasselbe Prädikat auch den aktiven Mitgliedern des Alpenvereins aufgrund ihrer Bergwanderungen verleihen. Was die wirtschaftlichen Verhältnisse der heiligen Familie angeht, ist das Heft nicht ganz konsistent. Nach Hera Lind befindet sich die Familie »eher in der Bedürftigkeitsskala von Hartz-IV-Empfängern«. Einige Seiten später wird unter der Frage »Hätten Sie's gewusst?« mitgeteilt, Joseph verdanke seinen Wohlstand »dem damaligen römischen Bau-Boom am See Genezareth«. Um auf die Frage zu antworten: Nein, ich hätte es nicht gewusst. 

Weiterentwicklung der Interview-Form

Kurz halten wir bei der Betrachtung biblischer Geschichten inne, um einer (mir jedenfalls) neuen Interview-Form die Aufmerksamkeit zu schenken. Der Papst wird auf bemerkenswerte Weise zum Sinn von Weihnachten befragt: die Redaktion entnimmt seinen Weihnachtsansprachen einige Passagen und lässt sich dazu passende Fragen einfallen. Was Cordt Schnibben einst als Interview-Simulation von »Zur Sache, Kanzler« auf Sat 1 kritisierte (»Heinz Klaus Mertes flirtete mit Bundeskanzler Helmut Kohl und ließ das als Interview ausstrahlen«), ist hier zu einer neuen Kunstform perfektioniert.

Joseph, der Traum-Mann 

Kommen wir zu einer weiteren Perle des Heftes: die Doppelseite über Joseph, den »Zimmermann mit dem Herzen aus Gold«. »TV-Star Bärbel Schäfer« ordnet ihn in die Rubrik Traum-Männer ein. Dieser Begriff erfährt eine erstaunliche semantische Erweiterung, denn die Autorin verbindet mit Joseph die Kindheitserinnerung an einen 
»gütig dreinblickende[n], sehr alte[n] Mann, der behutsam auf ein Baby blickte, das locker sein Urenkel hätte sein können.« 
Noch stärker scheint sie anderes an einem Josephsbild ihrer Großmutter berührt zu haben: 
»Joseph umarmte seine junge Gattin ausgesprochen zärtlich.« 
Wenn dies, gepaart mit Zuverlässigkeit in der Beziehung, genügt, um ein Traum-Mann zu sein, ist das für uns alle tröstlich, die wir uns aus gutem Grund diese Kategorie selbst nicht zuschreiben.

Oder hat sich Bärbel Schäfer doch weniger von ihrer Kindheitserinnerung leiten lassen als von den Bildern, mit denen Joseph im Klatsch-Heft dargestellt wird? Text und Bild formen nicht immer eine harmonische Einheit, noch weniger kann dies für das Verhältnis von Bildunterschrift und Sinnhaftigkeit gelten. Zu Joseph lesen wir:
»Er genoss als Handwerker einen so guten Ruf, dass selbst die verwöhnten Römer sich um ihn rissen«.
Fehlt nur noch der Faksimile-Abdruck des Meisterbriefs und begeisterter Kundenrezensionen - die hat man dann offensichtlich doch nicht gefunden. Mein Favorit ist allerdings der Text zu einem Bild der heiligen drei Könige: 
»Caspar, Melchior und Balthasar (v.r.)«. 
Dankbar bin ich für den Hinweis »v.r.«, denn sonst hätte ich zwei Namen glatt falsch zugeordnet und mir ganz falsche Vorstellungen von den Weitgereisten gemacht! 

Frauenfeindlicher als Texte aus patriarchalisch geprägter Zeit 

Dankbar bin ich auch dafür, dass unsere »Bibel als Weihnachtsmagazin« alle Zweifel über die Bedeutung Jesu beseitigt.
»Es gibt keine Zweifel mehr: Der kleine Junge, der unter so ärmlichen Umständen in einem Viehstall auf die Welt kam, ist der Messias! Denn das Baby namens Jesus ist in Wahrheit ein Abkömmling des berühmten Königs David, wie Ahnenforscher im Jerusalemer Staatsarchiv bewiesen haben.«
Wieder stoßen wir auf ominöse Forschungen, die etwas bewiesen haben. Wie es möglich sein soll, die Herkunft Jesu aus der Davids-Linie mithilfe des Jerusalemer Staatsarchiv nachzuweisen, bleibt rätselhaft. Noch rätselhafter ist, wie daraus die Messianität Jesu bewiesen werden kann, da Jesus sicher nicht der einzige Davids-Nachkomme ist. Am rätselhaftesten aber ist die Art, wie die Skandal-Sippe dargestellt ist, aus der Jesus stammt. 

Anders als in den alttestamentlichen Texten werden Frauen als unmoralische Verführerinnen belastet. In der Tamar-Erzählung von Gen 38 stellt Juda selbst am Ende fest, dass die Frau ihm gegenüber im Recht ist (Gen 38,26). Er, nicht Tamar hat sich falsch verhalten. Zu Bathseba heißt es in der Überschrift im Klatsch-Heft, sie habe ihren Ehemann betrogen. In dieser unschönen, für Bathsebas Mann Urija tödlichen Geschichte wird aber allein David für den Ehebruch verantwortlich gemacht (s. 2Sam 12,1-14). Der im Heft in Großschrift zitierte Vers 2Sam 11,4 (fälschlicherweise als 1,14 bezeichnet) zeigt auch deutlich, wem die aktive Rolle zukommt. Über den Versuch, die negativen Seiten der Abstammung Jesu für seine Bedeutung als Heiland auszuwerten, sei der Mantel gnädigen Schweigens gebreitet. 

Peter Hahne erklärt den Erzengel 

Nicht möglich ist das im Fall des Gastbeitrags von Peter Hahne, der Gabriel, »den wichtigsten Engel des Herrn«, erklärt. Er greift zu einer Analogie aus der Politik: Gabriel ist der Regierungssprecher Gottes:
»Keine geflügelte Putte, sondern eine unbeschreibliche Kraft mit ungeheurer Autorität. Solche Regierungssprecher werden auch nach 2000 Jahren noch von Kanzlern und Präsidenten eingesetzt, um zu uns zu sprechen«.
Mir war nicht klar, dass sich das Amt des Regierungssprechers am Vorbild Gabriels orientiert (»auch noch nach 2000 Jahren«). Auch erfahre ich im Amt von Regierungssprechern, selbst wenn es sehr gut ausgeübt wird, keine »unbeschreibliche Kraft mit ungeheurer Autorität«. Beunruhigender aber ist ein anderer Punkt: Welche Einblicke in politische Strukturen hat der ehemalige stellvertretende Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios gewonnen, wenn er Gabriel zugleich als »Gottes Geheimagent« bezeichnet? Regierungssprecher und Geheimagent? Wartet hier ein handfester politischer Skandal auf seine Aufdeckung? 

Vielleicht stehen hinter dem Artikel aber ganz andere politische Intrigen. Sollte es nämlich in der öffentlichen Kommunikation gelingen, den Namen »Gabriel« fest mit dem Amt des Regierungssprechers zu verknüpfen, wäre die Kanzlerkandidaten-Frage in der SPD schon gegen den derzeitigen Vorsitzenden entschieden. Hat am Ende Peer Steinbrück oder Frank-Walter Steinmeier unter falschem Namen geschrieben? Tatsächlich wäre Hahnes Beitrag unter dieser Voraussetzung besser zu verstehen, als wenn er uns nur über einen Erzengel hätte belehren wollen.  

Überaus verblüffende Geheimnisse - endlich gelüftet 

Widmen wir uns einem letzten Highlight, den »5 verblüffendsten Geheimnissen um den Erlöser«. Es beginnt mit einer Enttäuschung: Zwei »Geheimnisse«, der Name und das Faktum der Beschneidung Jesu, sind in jüdischem Rahmen so gewöhnlich, dass in diesen Fällen nur verblüffen kann, dass sie hier überhaupt erwähnt werden. 

Dass Jesus nicht im Jahre 0 geboren ist, überrascht jedenfalls diejenigen nicht, die wissen, dass es das Jahr 0 in der üblichen Zeitrechnung nicht gibt (das vorausgesetzte Jahr der Geburt Jesu wird als Jahr 1 gezählt). Jesus ist dem dritten »Geheimnis« zufolge »Jahrgang 6 v. Chr.«. Historisch ist das gut möglich, aber weder neu noch mit Verweis auf ein astronomisches Ereignis zu begründen, das als »Stern von Bethlehem« deutbar wäre (s.o. zur Konjunktion von Jupiter und Saturn). 

Somit bleiben zwei Geheimnisse, die nun auch Fachleute tatsächlich verblüffen können. Zum einen der Rückgriff auf das Kindheitsevangelium des Thomas, eine Schrift vom Ende des 2. Jh., die dankenswerterweise nicht in den Kanon heiliger Schriften aufgenommen wurde. Unser Heft weiß auch, warum:
»Der Gottessohn als böser Bube passte nicht in das christliche Idealbild von Milde und Demut.«
Die Geschichten aus diesem Kindheitsevangelium belegen aber nicht, wie die Überschrift dieser Seite behauptet, dass auch der Gottessohn »mal ein kleiner Lausbub« war. Vielmehr wird einfach die Wundermacht auf den heranwachsenden Knirps übertragen, der Spielkameraden und Erwachsene erblinden, verdorren, ohnmächtig werden und versterben lässt, wenn er sich über sie ärgert. Zwar macht er sich im Verlauf des Älterwerdens auch nützlich durch Heilungen und Totenerweckungen, aber insgesamt kann man doch urteilen, dass diese Erzählungen weder geschmackvoll noch historisch sind. Über beide Aspekte dieses Urteils lässt sich nicht streiten: Geschmacksurteile sind dem Streit bekanntlich grundsätzlich entzogen; und der legendarische Charakter dieser Erzählungen ist so offenkundig, dass ihre Historizität ausgeschlossen ist. 

Und die letzte Verblüffung: »Jesus war 1,70 Meter groß, hatte rote Haare und strahlend blaue Augen«! Dies habe der Arzt und Philologe Joseph Pietre (1841-1916) durch Auswertung mündlicher Volkstradition festgestellt. Das ist ein Unfug, über den hinaus ein größerer kaum gedacht werden kann. Aber eben nur »kaum«, es geht noch schlimmer. Die Höhlen von Qumran bergen mal wieder ein besonderes Geheimnis: die dort gefundenen Schriftrollen sollen die genannte Physiognomie Jesu bestätigen. Was der Fachwelt nicht alles entgangen ist und nun durch das neue aufgedeckt wird! Leider fehlt die genaue Quellenangabe, und ich vermute, dass die Redaktion sie auf Anfrage nicht herausrücken würde. 

Genug. Jörg Mandt meinte: »Die Bibel ist als das erfolgreichste und spannendste Buch der Welt auch zugleich der erfolgreichste Yellow der Welt« (s. hier). Um diesen Satz des Chefredakteurs zu widerlegen, ist nichts geeigneter als die Lektüre seines Bibel-Klatsch-Blatts.

6 Kommentare:

Volker Schnitzler hat gesagt…

Dichtung und Wahrheit. Sehr lustig. Doch tendiert nicht auch der ein oder andere Neutestamentler zu phantasiereichen Aussagen, wenn es um die Familie, die Kindheit, das Umfeld und den Beruf Jesu geht?! Schleusen hat er mit seinem Vater, der 25 Jahre älter war, gebaut, in Sepphoris. Zu allem Überfluss verstirbt der Vater auch noch früh. Und dann heißt es da in Markus auch noch "Sohn der Maria" und von "Brüdern und Schwestern" ist auch noch die Rede. Dann kommen auf einmal auch gestandene Exegeten wie Gnilka ins Schwimmen und verfallen in den gelben Stil ;-)

Ameleo hat gesagt…

Das Tragische an solchen Sonderheften ist, dass sie nicht nur sehr interessiert gelesen, sondern von den Leser_innen auch bis ins Detail hinein sehr ernst genommen werden, ohne kritische Reflexion (oftmals auch ohne die Möglichkeit dazu). Es wird darin eine sehr emotionenbeladene und damit den Verstand überlagernde (Schein-) Welt aufgebaut, in diesem konkreten Fall als Pendant zu der Welt der Royals, Stars und Sternchen. Wer dieses Gemisch aus viel Phantasie und wenig Fakt dann wagt auf ihren Realitätsbezug zu hinterfragen, gilt da schnell als Spielverderber_in. Ich erlebe das als eine große Herausforderung gerade im Kontakt mit Menschen, die auf die Frage nach einem regelmäßigen Gottesdienstbesuch antworten: "Ja, aber sicher: regelmäßig immer zu Weihnachten!"

Ein solches Sonderheft ist aber auch eine Anfrage an die kirchliche Medienarbeit: Wo und wie werden die biblischen Texte, in diesem konkreten Fall um die Geburt Jesu, so publiziert, dass sie auf dem Stand heutiger Theologie und dem Niveau einer erwachsenen Spiritualität sind, aber auch Yellowpress-Leser_innen Spaß und Freude beim Lesen bereiten?

Anonym hat gesagt…

Sehr schön und lustig, aber insgesamt auch nicht weniger glaubhaft als das, was tatsächlich in der Bibel steht. Ne? ;)

Anonym hat gesagt…

Das Mode-Adjektiv SPANNEND im letzten kurtzen Absatz passt wie die Faust aufs Auge dieser modischen um nicht zu sagen blöden Verballhornung der Bibel.
- Jeeves

Stephan hat gesagt…

Tolle Weihnachtslektüre :-)
Wünsche frohe Weihnachten!

Anonym hat gesagt…

danke für den interessanten artikel. :)