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Es werden Posts vom Februar, 2012 angezeigt.

Des Rätsels Lösung

Ans Ende des »Jubiläumsbeitrags« hatte ich ein kleines Rätselwort gesetzt, in dessen Auflösung drei der Kommentatoren (herzlichen Dank für alle Reaktionen) mehr Scharfsinn investiert haben als ich in die Aufgabe. Meine Lösung ist so banal, dass ich mich jetzt fast schäme, sie mitzuteilen. 

Die Gemeinsamkeit zwischen Blog, Zölibat und Primat würde sich finden lassen, so die Formulierung, »wenn man die richtige Ebene wählt«. Die Ebene, die ich im Blick hatte, war die grammatikalische, ohne Bezug zu Theologie oder kirchengeschichtlichen Entwicklungen. Durch die Kursivierung der drei Wörter wollte ich andeuten, dass es um die BegriffeBlog, Zölibat und Primat geht. Und die sind laut Duden alle drei dadurch miteinander verbunden, dass ihr grammatikalisches Geschlecht sowohl Maskulinum als auch Neutrum sein kann: der oder das Blog, der oder das Zölibat, der oder das Primat (wenn wir hier einmal den biologischen Begriff außer Acht lassen). 
Wer Tiefschürfenderes erwartet hat, wird enttäuscht se…

Das erste Jahr

Welche Übereinstimmungen gibt es zwischen Bloggen und Kindererziehung? Auch wenn sie gewiss geringer sind als die Unterschiede, fallen mir doch spontan zwei Gemeinsamkeiten ein: Man ist häufiger nachts wach, und die Zeit vergeht überraschend schnell. Nur auf diesen zweiten Aspekt soll's hier ankommen. Ein Blick in die Liste der Beiträge zeigt, dass Lectio brevior vor einem Jahr an den Start gegangen ist. »Wie schnell doch die Kinder groß werden!« (Nachbarin Karline in James KrüssDer Sängerkrieg der Heidehasen, bei 10:04 min). 
Nun ist der erste Geburtstag dieses Blogs kein weltbewegendes Ereignis, und ich habe auch keinen Besinnungsaufsatz dazu geschrieben. Aber ganz unerwähnt soll das kleine Jubiläum hier nicht bleiben, vor allem weil es Gelegenheit zum Danken gibt. 
Ich danke all jenen, die hier lesen, und jenen, die auch kommentieren. Sie geben dadurch zu erkennen, dass der Beitrag der (biblischen) Theologie grundsätzlich sowie in den gegenwärtigen Debatten um den Weg der K…

Sonntagsevangelium (14)

1. Fastensonntag (B):Mk 1,12-15


Der Geist, der nach der Taufe auf Jesus herabkommt (Mk 1,10), treibt ihn in die Wüste. Markus erwähnt die Versu­chung nur kurz; von einem Fasten Jesu spricht er nicht. Für ihn liegt der Schwerpunkt auf Jesu Aufenthalt in der Wüste, verbunden mit weiteren aussagekräftigen Motiven.

Die Wüste ist der Ort, an dem Gott in der Vergangenheit bei seinem Volk war; sie galt auch als der Ort des endzeitlichen Neubeginns. Deshalb war bereits das Auftreten Johannes des Täufers in der Wüste als Zeichen des endzeitlichen Neubeginns zu werten (s. hier). Dass sich Jesus vierzig Tage in der Wüste aufhält, hat ebenfalls hintergründigen Sinn: 40 ist die Zahl, die besonders mit der Nähe zu Gott verbunden ist. Im Zusammenhang der Exodus-Erzählungen ist vor allem an die vierzigtägigen Aufenthalte des Mose auf dem Berg Sinai zu denken (Ex 24,18; 34,28, hier findet sich das Motiv des Fastens).  
Worin die Versuchung Jesu besteht, sagt Markus nicht (anders Mt 4,1-11; Lk 4,1-13). W…

Entschärfung des Evangeliums?

Der katholische Blogger Leo hat zehn »Tipps zur Entschärfung des Evangeliums« gegeben, die nun auch auf kath.net verbreitet werden. Weil der Text ironisch formuliert ist, meint die Redaktion, der Autor habe Humor. Das mag durchaus sein, für die 10 Tipps hat es allerdings keine Rolle gespielt. Die Ironie ist so plump, dass man auch in diesen »tollen Tagen«, in denen keine allzu hohen Ansprüche an den Humor gestellt werden, den Witz nicht recht identifizieren kann. Nun ist Humor eine Frage des Geschmacks, über den man bekanntlich nicht streiten kann. Wichtiger ist deshalb etwas anderes: Nicht nur die Ironie ist plump, sondern auch die inhaltliche Entfaltung der angeblichen »Entschärfung des Evangeliums«. Aus Sicht der neutestamentlichen Exegese lässt sich einiges anmerken zu diesen nicht ganz untypischen Vereinfachungen. Gehen wir die einzelnen Tipps einmal durch. 


Sonntagsevangelium (13)

7. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 2,1-12
Dass Krankheit und Sünde eng zusammenhängen, war in der Antike eine weit verbreitete Vorstellung; sie ist auch im Alten Testament bezeugt (z.B. Ps 38,4-6; 107,17f). In den Heilungswundergeschichten der synoptischen Evangelien erscheint dieser Zusammenhang nicht - mit einer Ausnahme: Jesus spricht einem Gelähmten vor der Heilung die Sündenvergebung zu, ohne dass deutlich würde, warum der Kranke Sünder ist (Mk 2,5). Wahrscheinlich erklärt sich diese Besonderheit dadurch, dass die Heilungsgeschichte nachträglich erweitert wurde um ein Streitgespräch über die Vollmacht zur Sündenvergebung.

Kirchliche Ehelehre, Katechismus und Theologie

Die Frage, ob der Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen reformiert werden könne, ist in den gegenwärtigen Debatten ein Dauerbrenner, und das heißt: eine offensichtlich brennende Frage. Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff hat zu diesem Thema im Bildungshaus St. Virgil in Salzburg einen Studientag gehalten, der nicht unkommentiert geblieben ist. Die Replik von Maria Prügl lässt nicht nur erkennen, dass die Autorin mit Schockenhoffs Positionen nicht einverstanden ist. Zudem zeigt sich ein erhebliches Missverständnis über die Aufgabe der Theologie, das derzeit nicht ganz untypisch ist. Deshalb und weil Prügls Beitrag auch das Neue Testament berührt, gehe ich hier auf ihn ein.

Sonntagsevangelium (12)

6. Sonntag im Jahreskreis (B), Mk 1,40-45

Das Buch Leviticus handelt in den Kapiteln 13 und 14 von verschiedenen Hautanomalien, die zwar in der griechischen Übersetzung als Lepra (λέπρα) bezeichnet werden, aber nicht mit der Krankheit identisch sind, die heute mit diesem Begriff bezeichnet wird: eine Infektionskrankheit, hervorgerufen durch ein bestimmtes Bakterium (Mycobacterium leprae). Man widmete in alttestamentlicher Zeit den Hautveränderungen wohl deshalb derartige Aufmerksamkeit, weil die Haut den Menschen nach außen abgrenzt. Wenn sie dies nicht mehr wie üblich tut, besteht, so die Vorstellung, die Gefahr, dass unheilvolle Mächte die Grenze leicht überwinden und in den Menschen eindringen können. Wer von einer solchen Anomalie betroffen ist, wird deshalb als Unreiner durch den Priester vom heiligen Bezirk abgesondert.

Die einzige Geschichte von der Heilung eines »Aussätzigen« im Markus-Evangelium zeichnet ein hoheitliches Jesusbild. Der Kranke fällt vor Jesus auf die Knie und …

Sonntagsevangelium (11)

5. Sonntag im Jahreskreis (B):Mk 1,29-39 

Die Geschichte von der Heilung der Schwiegermutter Simons (1,29-31) geht wahrscheinlich auf eine bestimmte Tat Jesu zurück. Für dieses historische Urteil sprechen ungewöhnliche Detailangaben: die geheilte Person ist genau benannt, ebenso der Ort der Heilung. Außerdem ist die Geschichte schlicht erzählt, ohne die Größe des Wunders oder Wundertäters besonders herauszuheben.

Trotzdem haben wir es nicht mit unmittelbarer Erinnerung zu tun, die uns genau an das herankommen ließe, was im Haus des Simon geschah. Der Text ist nach den Erzählgesetzen einer Heilungswundergeschichte gestaltet. Dazu gehören:

die Begegnung zwischen Wundertäter und Kranker (1,29-30a), die Bitte um Heilung (»und sogleich sagten sie ihm von ihr«), die Heilung (»da trat er zu ihr, fasste sie bei der Hand und richtete sie auf«), die Feststellung der Heilung (»da wich das Fieber von ihr«) und die Demonstration der Heilung (»und sie bediente sie«). Die Erzählung ist also kein Erlebn…

Der Aller-Zeiten-Superlativ

Aus aktuellem Anlass betätige ich mich heute wieder als Sprachnörgler. Dabei gehe ich nicht von der Bibel aus, komme aber am Ende bei ihr an.

Über die Fügung »Superlativ + aller Zeiten« bin ich schon häufig gestolpert. Wenn ihn die Werbung verwendet, wird wundersamerweise die Botschaft vermittelt, man sei nun an der Optimierungsgrenze des Produkts angekommen, so dass mit künftigen Verbesserungen nicht mehr gerechnet werden könne: »die gründlichste Braun-Rasur aller Zeiten«. Denn wenn wir die Formulierung ernst nehmen, so bezieht sie sich nicht allein auf die Vergangenheit, sondern erhebt auch Anspruch auf die Zukunft. Wenn im Lateinunterricht »alle Zeiten« eines Verbs durchzukonjugieren waren, ließ sich jedenfalls das Futur nicht ausschließen (laudabo, laudabis etc.).
Gut, das war jetzt arg oberlehrerhaft. Gestehen wir also zu, dass nur die bereits verflossene Zeit als Vergleichsmaßstab herangezogen werden soll. Auch in diesem Rahmen kommt es allerdings zu sehr gezwungenen Aller-Zeit…