29. März 2013

Sonntagsevangelium (71)

Die Feier der Heiligen Osternacht (C): Lk 24,1-12

In der Osternacht wird die erste der drei Ostergeschichten des Lukas-Evangeliums gelesen. Die Frauen kommen zum geöffneten und leeren Grab – und sind ratlos (24,3f). Das leere Grab ist für sich genommen kein Hinweis auf die Auferstehung; dazu wird es erst durch das deutende Wort der zwei Männer, die durch ihre Kleidung als himmlischc Boten ausgewiesen werden. Abgesehen vom 
»geliebten Jünger« im Johannes-Evangelium (Joh 20,8) führt das leere Grab nach der neutestamentlichen Ostertradition nicht zum Glauben. Es stellt also keineswegs den Kern des Osterzeugnisses dar. 

Dieser Kern wird in der Botschaft laut: Jesus wurde auferweckt. Neben diesem für das Neue Testament insgesamt geltenden Zentralsatz des Osterbekenntnisses zeigen sich auch Gestaltungsmerkmale, die für Lukas typisch sind. Er betont, erstens, die Überwindung des Todes; deshalb wird Jesus als »der Lebende« bezeichnet (24,5). Dies wird an späteren Stellen des lukanischen Doppelwerks aufgenommen: Die Emmausjünger fassen die Nachricht der Frauen dahingehend zusammen, dass Jesus lebe (Lk 24,23); in der Apostelgeschichte heißt es über die Erscheinungen zwischen Ostern und Himmelfahrt, Jesus habe sich den Aposteln als lebend erwiesen (Apg 1,3). Vielleicht ist damit aber noch mehr gemeint: Jesus als der Lebende schlechthin, als der »Anführer ins Leben«. So bezeichnet ihn jedenfalls Petrus im deutenden Rückblick auf Passion und Ostern in seiner Predigt im Jerusalemer Tempel (Apg 3,15). In jedem Fall verbindet sich mit dem Osterglauben mehr als nur das Bekenntnis, dass Jesus nicht im Tod geblieben ist. Es geht auch um die Einsetzung Jesu in eine himmlische Machtstellung, die ihn zur entscheidenden Heilsgestalt macht (s.z.B. Apg 4,11f; Röm 1,3f; Eph 1,20).  

Auffällig ist, zweitens, dass die Jünger nicht nach Galiläa verwiesen werden, um dort Jesus zu sehen, wie es im Markus-Evangelium angekündigt (Mk 16,7) und bei Matthäus auch erzählt wird (Mt 28,16-20). Diese Eigenheit ist in der heilsgeschichtlichen Konzeption des Lukas begründet, in der die Kontinuität der verschiedenen Epochen ein zentrales Anliegen ist. Eine Dimension dieser Kontinuität ist topographisch bestimmt: Jerusalem, die heilige Stadt Israels mit dem Tempel als Ort der Gegenwart Gottes, ist auch der Ausgangspunkt der nachösterlichen Christusbotschaft. Deshalb ereignen sich die Erscheinungen in Jerusalem (Lk 24,36-49) oder in der Nähe (24,13-35), und nicht in Galiläa. Die Jünger werden  in deutlichem Gegensatz zu Mk 16,7  angewiesen, Jerusalem nicht zu verlassen (Lk 24,49). Von Jerusalem aus soll das Christuszeugnis in die Welt gehen (Lk 24,47; Apg 1,8). 

Noch aber fehlt dazu ein wichtiger Schritt: der Glaube der Jünger. In der Geschichte vom leeren Grab kommt er noch nicht zustande, weder bei den Frauen noch bei den Aposteln. Auch der Gang des Petrus zum Grab führt nur zum Staunen (Lk 24,12). Erst in der Begegnung mit dem Auferstandenen ist die Grundlage für das Osterzeugnis der Jünger geschaffen. 

7 Kommentare:

Stefan Wehmeier hat gesagt…

Die "Bildzeitung der Antike", das "neue Testament" der Bibel (die Bildzeitung möge mir verzeihen), beinhaltet nur noch gegenständlich-naive Fälschungen der originalen Gleichnisse des genialen Propheten Jesus von Nazareth. Beispiel:

(NHC II,2,16) Jesus sagte: Vielleicht denken die Menschen, daß ich gekommen bin, um Frieden auf die Welt zu werfen, und sie wissen nicht, daß ich gekommen bin, um Spaltungen auf die Erde zu werfen, Feuer, Schwert, Krieg. Es werden nämlich fünf in einem Hause sein. Drei werden gegen zwei und zwei gegen drei sein, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater. Und sie werden als Einzelne dastehen.

(Lukas 12,51-53) Meint ihr, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht. Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein, drei gegen zwei und zwei gegen drei. Es wird der Vater gegen den Sohn sein und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen die Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

Was hier das Original und was die gegenständlich-naive Fälschung ist (der Grad der Naivität ist nach der "Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion" geradezu unfassbar), sollte auch demjenigen auffallen, der noch gar nicht weiß, worum es geht. Denn abgesehen davon, dass Vater + Sohn + Mutter + Tochter + Schwiegermutter + Schwiegertochter bereits sechs Personen ergeben und nicht fünf (möglicherweise war der Evangeliendichter Lukas der Ansicht, das "uneins" noch hinzuzählen zu müssen), könnte man bei unvoreingenommener Betrachtung der Fälschung zu dem Schluss kommen, dass Jesus offenbar ein Wahnsinniger war, was auch die "heilige katholische Kirche" bestreiten dürfte.

Auch geht es hier nicht um natürliche Personen in einem Wohnhaus und schon gar nicht um eine Mutter, eine Tochter, eine Schwiegermutter und eine Schwiegertochter, sondern um Grundprinzipien des menschlichen Zusammenlebens in einer arbeitsteiligen Zivilisation.

(NHC II,2,108) Jesus sagte: Wer von meinem Mund trinken wird, wird werden wie ich; ich selbst werde er werden, und die verborgenen Dinge werden sich ihm offenbaren.

Jüngstes Gericht

Gerd Häfner hat gesagt…

Wer das Neue Testament mit der Bild-Zeitung gleichsetzt, kennt weder die Bild-Zeitung noch das Neue Testament. Lieber bleibe ich beim »gegenständlich-Naiven« als in Lk 12 oder im Thomas-Evangelium »Grundprinzipien des menschlichen Zusammenlebens in einer arbeitsteiligen Zivilisation« ausgedrückt zu finden. Und wenn solche Allegorisierungen in der Pose des Besserwissers vorgetragen werden, passt das zwar recht zur Gnosis, wird dadurch aber nicht erträglicher. Ehe man Lukas vorwirft, er könne nicht auf fünf zählen, gäbe es noch zwei andere Möglichkeiten: Lukas versteht das Beispiel nicht als Ausführung der vorherigen Zahlenangaben (dafür spricht, dass die Zweier-Dreier-Konstellation keine Rolle mehr spielt); oder er geht von einem verheirateten Sohn aus. Dann sind »Mutter« und »Schwiegermutter« identisch und es werden fünf Personen genannt.

Stefan Wehmeier hat gesagt…

"...oder er geht von einem verheirateten Sohn aus. Dann sind »Mutter« und »Schwiegermutter« identisch und es werden fünf Personen genannt."

Ist es erlaubt, dies als ein Musterbeispiel für militante Dummheit und Borniertheit zu zitieren?

Gerd Häfner hat gesagt…

Nein.

Anonym hat gesagt…

"... die Überwindung des Todes; deshalb wird Jesus als »der Lebende« bezeichnet ..."


Sehr geehrter Herr Häfner,

es geht in der Originalen Heiligen Schrift immer zuerst um das Große bzw. Gesamte und erst danach um das Individuum bzw. den Einzelmenschen. Insofern geht es (siehe Zitat) um den Tod der Kultur (ein Beispiel von vielen: "Untergang" des Römischen Reiches)und nicht um die biologische Verwandumg in eine Leiche.

Jesus von Nazareth hatte wahrscheinlich damals als Einziger das zutreffende Wissen (eben "Die Wahrheit"!), wie eine Kultur "lebend" (ohne Kriege bzw. gesellschaftssystemimmanente Konflikte) bleiben kann bzw. in der Lage ist sich "ewig" weiterzuentwickeln.

Wussten Sie das bislang nicht?

Mit freundlichem Gruß

Bernd van Straelen

Gerd Häfner hat gesagt…

Nein, das wusste ich bislang nicht.

Bernd van Straelen hat gesagt…

"... Nein, das wusste ich bislang nicht. ..."


Sehr geehrter Herr Häfner,

der Schöpfungsmythos von Adam und Eva, welcher obwohl älter im Alten Testament der Bibel hinter den neueren 7-Tage-Schöpfungsmythos gestellt wurde, wurde von Moses, der wahrscheinlich ein Oberpriester bei einem Pharao war jedenfalls benutzt, um vormals pharaonenreichabhängige Sklaven in eine noch fehlerhafte Geldwirtschaft zu überführen. Das Wissen für ein fehlerfreies Geldsystem war bei Moses noch nicht vorhanden.

Aber auch eine noch fehlerhafte Geldwirtschaft bot die Aussicht auf technischen und sozialen Fortschritt in Richtung freies Individuum in (trotz!) einer Massengesellschaft.

Augenfällig führte dann die fehlerhafte Geldwirtschaft nach wenigen Jahrzehnten immer wieder zur Spaltung in arm und reich in dem vorchristlichen Jahrtausend. Deshalb wurden alle paar Jahrzehnte die Joveljahre zur Vermögen- und Schuldenaufhebung durchgeführt. Daher stammt die Redewendung: Alle Jubeljahre.


Mit freundlichem Gruß

Bernd van Straelen