Sonntagsevangelium (8)

2. Sonntag im Jahreskreis (B): Joh 1,35-42

Den Weg der ersten Jünger in die Nachfolge Jesu erzählt Johannes ganz anders als die übrigen Evangelien. Jesus beruft nicht von sich aus, vielmehr finden Menschen durch das Zeugnis anderer zu Jesus (einzige Ausnahme: die Berufung des Philippus in 1,43).

Am Beginn steht das Zeugnis des Täufers über Jesus als das Lamm Gottes, auf dieses Bekenntnis hin folgen zwei Jünger des Johannes Jesus nach (1,36f). Es ist zwar historisch durchaus wahrscheinlich, dass auch Täuferanhänger zum Jüngerkreis Jesu gehörten. Dennoch ist die Darstellung dieser Szene wesentlich von theologischen Motiven geprägt. Wenn der Täufer selbst seine Jünger zu Jesus schickt, ist dies ein Moment seines Zeugnisses für Jesus (1,7), das an späterer Stelle in die Worte gefasst ist: »Jener (Jesus) muss wachsen, ich (Johannes) muss abnehmen« (3,30). Im Johannes-Evangelium ist der Täufer ganz in die Christus-Botschaft eingefügt. 

In der Besonderheit, dass sich Menschen durch den Anstoß anderer auf Jesus zubewegen, spiegelt sich die Glaubenssituation zur Zeit des Evangelisten. Er will nicht erzählen, wie Jesus zu seinen ersten Jüngern kam; er will zeigen, wie es jetzt zum Glauben an Jesus kommt und was der Glaube für den Menschen bedeutet. Nach Jesu Tod, seiner Rückkehr zum Vater, eröffnet sich der Weg zu Jesus durch diejenigen, die sich zu ihm bekennen. Auf ihr Zeugnis hin kann man sich aufmachen und Jesus begegnen, der als Erhöhter in der Gemeinde gegenwärtig ist. 

Wer so zu Jesus kommt, wird Großes sehen: Jesus offenbart den verborgenen Gott und eröffnet so den Zugang zu ihm (1,50f; siehe auch 14,6). Zugleich ist eine Bedingung der Existenz als Jünger Jesu angedeutet: bei Jesus bleiben (1,39; siehe auch 6,56; 15,4-7).

Kommentare

Regina hat gesagt…
Wie viel kontrastreicher als die Berufungserzählung des Samuel, an der die RKK sicher in mannigfaltiger Weise ihre hehren Priesterberufungsbilder u.ä. wie eine edle, ja unverwechselbar göttliche Einzigartigkeit herausstellen wird, ist für mich die Taufe Jesu durch Johannes, dem Alternativlebenden, dem Sonderling, dem Unzufriedenen, dem Abseitig lebenden, dem Jesus sich anschließt und von dem er sich taufen, also zu SEINER Gemeinschaft zufügen läßt. Jesus macht kein Aufhebens von und um seine Person.Die Frage der Leute " Wo wohnst Du ?" zeigt ja, dass seine persönliche Schlichtheit für ihn spricht, so dass die Leute nach seinem Zuhause, nach seiner personalen Heimat fragen. Das würden sie bei einem " Messias" und dessen entsprechendem Auftreten und Gehabe niemals tun, dazu wäre die Hochachtung, die Furcht und die Unantastbarkeit und Distant viel zu groß. Was lernen wir aus Berufungsgeschichten und/oder Messias-Geschichten : wenn sie wirklich wichtig sind, geschehen sie im Unscheinbaren, im Natürlichen, im Dahergekommenen, im Unscheinbaren, im Hintergurnd, oft im Nachhinein erkennbar. Würde sich die RKK daran orientieren, wäre sie entschieden wahrhaftiger !

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