Hinweis

2. Sonntag der Osterzeit (A): Joh 20,19-31

Da der Text des Evangeliums vom kommenden Sonntag derselbe ist wie in Lesejahr B und C und sich die 24 Stunden pro Tag derzeit als etwas knapp bemessen erweisen, verlinke ich wie im vergangenen Jahr auf einen bereits bestehenden Beitrag (s. hier).

Kommentare

Leo hat gesagt…
Fragen, die in diversen Online-Kommentaren zum Evangelium vom 2. Ostersonntag (Joh 20, 19 -31) offengeblieben sind:

1. Wer genau ist mit den "Jüngern" gemeint?

2. "Wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert."

Wie geht diese Aussage zusammen mit der in Mt 18 vorgetragenen Weisung Jesu, dem Bruder 77mal zu vergeben?
Gott soll sich die durch (prinzipiell sündhafte und daher vergebungsschwache) Jünger gewährte oder verweigerte Vergebung zu eigen machen, sich an Vorgaben menschlichen Vergebungswillens binden?

3. "Weil du mich gesehen hast, glaubst du",
sagt Jesus zu Thomas.

Wieso sollte Thomas es überhaupt noch nötig haben zu glauben, nachdem er den Auferstandenen mit eigenen Augen gesehen und anhand der Wundmale als den Gekreuzigten identifiziert hat?
Damit ist die Auferstehung für ihn doch nicht mehr Gegenstand des Glaubens, sondern des Wissens?

Wenn Jesus aber sagen wollte, "weil du mich gesehen hast, glaubst du, dass ich Herr und Gott bin", dann wäre an dieser Stelle unvermittelt ein neuer Glaubensbegriff eingeführt (Glaube als Bekenntnis zu Jesus als Herrn und Gott) gegenüber dem Verständnis von 'glauben‘ in V 25.
Dort bedeutet ‘glauben‘ in der Aussage "das glaube ich nicht": Ich halte es nicht für wahr, dass Jesus lebt und ihr/die Jüngerversammlung ihn gesehen habt.

Bezieht sich Jesu Feststellung, dass Thomas nunmehr glaubt, dann nicht einfach auf dessen Unglaubensbekenntnis in Vers 25?

4.
Wäre philologisch nicht eine Auslegung möglich, wonach Thomas angesichts des erscheinenden Auferweckten seinen Blick zu Gott dem Vater erhebt und diesen preist: Mein Herr und mein Gott! (Du hast dich am gekreuzigten Jesus, der vor mir steht, doch tatsächlich als Überwinder des Todes erwiesen) ?

4. Für die österliche Erscheinung des Auferstandenen, die Paulus vor Damaskus zuteil wurde, stellt sich die Frage: Wie konnte Paulus die himmlische Erscheinung, die sich als Jesus vorstellte, überhaupt mit dem gekreuzigten geschichtlichen Jesus identifizieren, da er diesen ja nie kennengelernt hatte?
Gabriela hat gesagt…
Wir (eine Bibelrunde aus 2 Herren der Schöpfung und 5 Frauen) haben Ihre Fragen besprochen. Unsere Meinungen dazu sind freilich keine unfehlbaren Dogmen.
zu 1)
Mit den Jüngern sind wohl die 12 Apostel gemeint. Denn in Joh 21, 1ff. ist neuerlich von diesen Jüngern die Rede, und es werden nur Namen aus dem Zwölferkreis genannt: Thomas, Petrus, Nathanael (Bartholomäus?) etc.
zu 2)
Hier ist vielleicht an das Bussakrament gedacht und nicht daran, dass die Jünger als Amtsträger willkürlich Sünden vergeben oder die Vergebung verweigern dürften. Vielmehr darf die Absolution nur verweigert werden, wenn der Beichtvater merkt, dass wahre Reue, Umkehr und Wiedergutmachungswille fehlen. Wenn diese Voraussetzungen aber vorliegen, dann lässt Gott die von den Jüngern getroffene Entscheidung als seine eigene gelten.
zu 3)
Jesus meint mit seiner Aufforderung an Thomas, nicht ungläubig zu sein, doch wohl: Er solle an ihn (Jesus) glauben als Herrn und Gott. Denn an die Auferweckung Jesu braucht er angesichts des direkt vor ihm stehenden, leiblich auferstandenen Jesus ja nicht mehr zu glauben. Das Faktum der Auferstehung ist für Thomas fortan ein Wissen, aber dass der Auferstandene Herr und gar Gott ist, das ist immer noch allein dem Glauben zugänglich. Darum kann sich die Feststellung Jesu, dass Thomas nun glaube, eigentlich nur darauf beziehen, dass er endlich an Jesus als Herrn und Gott glaubt; sie bezieht sich primär nicht darauf, dass Thomas den Unglauben gegenüber dem Auferstehungszeugnis seiner Apostelkollegen aufgegeben hat.
zu 4.1)
Wie kommen Sie denn auf die Idee, dass Thomas mit "mein Herr und mein Gott" nicht den auferstandenen Jesus, sondern Gott den Vater meinen könnte? Thomas redet doch mit Jesus! Hinter Ihrer Auslegungsvariante könnte das Bestreben stehen, Christus zu einem gewöhnlichen Menschen zu nivellieren.
zu 4.2)
Das ist eine Frage, die berechtigt sein mag, aber eigentlich nicht zu unserem Evangeliumstext aus Joh gehört.
Außerdem müssen ja z.B. auch die Seher von Medjugorje von der erscheinenden Muttergottes her irgendwie in die Lage versetzt werden, sie als dieselbe zu identifizieren, die vor 2000 Jahren gelebt Jesus geboren hat.
So ähnlich stellen wir uns das bei Paulus vor.

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