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Sonntagsevangelium (58)

Sonntag in der Weihnachtsoktav - Fest der Hl. Familie (C): Lk 2,41-52

In dieser Woche ein etwas später, dafür aber kurzer Beitrag

Die Kindheit Jesu hat in nachneutestamentlicher Zeit die religiöse Phantasie stark beschäftigt. Im Neuen Testament gibt es nur eine Geschichte vom heranwachsenden Jesus: der Zwölfjährige im Tempel. Sie zeichnet jedoch, anders als die späteren »Kindheitsevangelien«, nicht das Bild eines vielfältig wundertätigen Jungen. Entscheidend ist der Bezug auf Jesu Sendung. Das erste Wort, das Jesus im Lukas-Evangelium spricht, verweist auf seine besondere Gottesbeziehung (2,49). Dabei kontrastiert die Wendung »mein Vater« wirkungsvoll mit dem Wort Marias: »Dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht« (2,48). Mit dem Hinweis, er müsse in dem sein, was seinem Vater gehört, unterstellt sich Jesus dem göttlichen Willen, wie in seinem ganzen späteren Weg – bis zum Kreuz (z.B. 4,43; 9,22). 
Dass Jesus dieses Wort im Tempel spricht, ist ebenfalls von Bedeutung. Hier spi…

Weihnachtsgruß

Allen, die in diesen Tagen hier vorbeischauen, wünsche ich von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest. Einen neuen Beitrag gibt es heute nicht, nur den Verweis auf die Ausführungen zur Weihnachtsgeschichte vom vergangenen Jahr.

Außerdem füge ich noch einen Link auf das Weihnachtsdossier des Münchner Kirchenradios an, in dessen Rahmen ich auf einige Fragen zum Weihnachtsfest aus neutestamentlicher Perspektive eingehe.

Frohe Festtage!

Sonntagsevangelium (57)

4. Adventssonntag (C): Lk 1,39-45

Der Besuch Marias bei Elisabet verbindet die Vorgeschichte des Täufers mit derjenigen Jesu, in einer kleinen Szene, in deren Zentrum die Worte der beiden Frauen stehen (das Magnificat Marias gehört eigentlich zur Szene dazu: 1,46-55). Die Notizen des Erzählers stellen den Rahmen bereit, bieten aber keine szenischen Details: Das Motiv für die Reise wird nicht erwähnt, die ausführlich erzählte Begegnung zwischen Maria und Elisabeth geht nicht über das anfängliche Zusammentreffen bei der Ankunft Marias hinaus. Danach folgt nur noch die Notiz, Maria sei drei Monate bei Elisabet geblieben (1,56).

Sonntagsevangelium (56)

3. Adventssonntag (C): Lk 3,10-18
Dass Johannes eine »Taufe der Umkehr« verkündet hat, wird bei der Wiedergabe der Täuferpredigt im Lukas-Evangelium mit konkreten Inhalten gefüllt. Diese entfalten, was man unter den »Früchten der Umkehr« (3,8) verstehen soll.

Zunächst ergeht eine allgemeine Weisung an die Volksmenge. Sie zielt darauf, der Not des anderen abzuhelfen, wenn man mehr besitzt - nicht nur, wenn man reich ist (3,11). Danach kommen zwei Berufsgruppen an die Reihe, die leicht ihre Machtposition ausnützen konnten: Zöllner, eigentlich Abgabenpächter, unterlagen beim Eintreiben der Abgaben keiner Kontrolle und konnten so recht willkürlich agieren; die Möglichkeiten der bewaffneten Soldaten zum Machtmissbrauch sind offenkundig. Beiden Gruppen wird gesagt, dass sie auf diese Möglichkeiten verzichten sollen. Auch die Mahnung an die Soldaten, sich mit dem Sold zu begnügen, gehört in diesen Zusammenhang, ist also in erster Linie nicht Aufruf zur Genügsamkeit, sondern die Aufforderung, …

Sonntagsevangelium (55)

2. Adventssonntag (C): Lk 3,1-6 In allen vier Evangelien bereitet Johannes der Täufer das Wirken Jesu vor, aber nur Lukas verbindet das Auftreten des Täufers mit einer ausführlichen Zeitangabe: Fünf politische Herrscher, dazu Hannas und Kajaphas als religiöse Autoritäten stellen den Rahmen für die Berufung des Johannes dar (3,1f). Zwar ist eine derart umfassende zeitliche Einordnung auch im Lukas-Evangelium einmalig, aber das Interesse an der Verbindung mit weltgeschichtlichen Daten ist auch an anderen Stellen zu erkennen: Der Beginn der Erzählung wird in der Zeit des Herodes angesetzt (1,5), ein Erlass des römischen Kaisers gibt den Rahmen für die Geschichte der Geburt Jesu ab (2,1); im Werk des Lukas, zu dem die Apostelgeschichte als zweiter Teil gehört, treten häufig Vertreter der politischen Macht auf (s. Lk 23,6-12; Apg 12,1f.18-23; Apg 24-26). Die Angabe in 3,1f ordnet sich nicht nur in das genannte Interesse ein, sondern spannt auch insofern einen Bogen in das zweite Buch, als

Das verweigerte »Interview«

Dass der Einsiedelner Abt Martin Werlen ein Interview mit kath.net verweigert hat, ist von der Redaktion noch einmal aufgegriffen worden. Dabei wurde bekannt, dass die Absage die Rücknahme einer Zusage war. Nun kann man den Ärger der Redaktion über die Absage insofern besser verstehen, als sie sich mit der Vorbereitung des Interviews Arbeit gemacht hat. Noch besser verstehen kann man allerdings angesichts der nun veröffentlichten Fragen die Interview-Absage: Wie auf der Grundlage dieser Fragen ein Gespräch zustandekommen soll, ist ein Rätsel, das die Kommunikationswissenschaft erst noch lösen muss.

Damit es nicht bei der bloßen Behauptung bleibt, übernehme ich hier einmal fiktiv die Beantwortung des vorbereiteten Fragekatalogs. Natürlich weiß ich nicht, wie Abt Werlen geantwortet hätte. Ich bin mir aber recht sicher: Hätte er so geantwortet, wie nachfolgend vorgeschlagen, wäre das Interview auch nicht erschienen.

Sonntagsevangelium (54)

1. Adventssonntag (C): Lk 21,25-28.34-36
Zu Beginn der Adventszeit richtet sich der Blick auf die »zweite Ankunft« Christi. Diese Perspektive bestimmte auch das vorletzte Evangelium des vergangenen Kirchenjahres, und so ist der erste Teil des heutigen Evangeliums (Lk 21,25-28) die Parallele zu einem Abschnitt aus dem Text, der kürzlich gelesen wurde (Mk 13,24-27).
Auch bei Lukas zeigt sich im dem Konzept der »endzeitlichen Wehen« die Prägung durch apokalyptische Tradition: Erdbeben, Hungersnöte, Kriege, Erschütterung der kosmischen Ordnung – Katastrophen, in denen sich die Geburt der neuen Welt Gottes ankündigt. Solche Visionen dienten vor allem der Bewältigung einer notvollen Gegenwart, in der Hilfe allein von Gott zu erwarten ist, nicht aber aus einer Vollendung der menschlichen Geschichte (zur eingehenderen Diskussion s. hier).

Schweigen ist Gold

Der Abt des Klosters Einsiedeln, Martin Werlen, hat sich erdreistet, kath.net kein Interview zu geben. Die Redaktion hätte gern ein Gespräch über seine »umstrittene Schrift« geführt, der Abt aber, so der Vorwurf, verweigert sich dem »'Dialog' mit Medien, die seinen Thesen kritisch gegenüberstehen«. Wer nicht sprechen will, muss fühlen, und zwar einen sehr unfreundlichen Artikel, der nun unter dem Titel »Der Brandstifter« erschienen ist. Die Idee, dass es genau diese Haltung ist, die ihn vor einem Interview mit kath.net  zurückschrecken lassen könnte, scheint der Redaktion nicht zu kommen. Wer in jüngster Zeit Artikel über sich lesen konnte, die den Titel trugen »Hat ein Schweizer Abt das Ei des Kolumbus gefunden?« oder »Wirre Gedanken?«, muss nicht die Erwartung hegen, fair behandelt zu werden. Dass ihn die Feuerwehr aus Linz nun als Brandstifter entlarvt hat und mit  Martinshorn gegen ihn ausrückt, kann diese Einschätzung nur bestätigen.

Sonntagsevangelium (53)

Christkönigssonntag (B): Joh 18,33b-37

Die Verhandlung vor Pilatus ist das Kernstück der johanneischen Passionsgeschichte. Im Vergleich zu den Parallelen bei Matthäus, Markus und Lukas ist diese Szene nicht nur erheblich umfangreicher, sondern auch grundsätzlich anders angelegt. Zu einem Gespräch zwischen Jesus und Pilatus kommt es nur bei Johannes. Vergleichbar sind die verschiedenen Fassungen nur darin, dass die Frage nach dem Königtum Jesu am Beginn des Verhörs steht.

In allen vier Evangelien wird im Zusammenhang der Kreuzigung die Aufschrift erwähnt, die Jesus als »König der Juden« kennzeichnet - bei Markus und Matthäus ausdrücklich als Grund der Verurteilung benannt (Mk 15,26; Mt 27,37). Deshalb kann man davon ausgehen, dass die Frage nach dem Königtum Jesu im Prozess die entscheidende Rolle gespielt hat. Historisch ist am wahrscheinlichsten, dass der Ansatzpunkt für diese Anklage die Verkündigung Jesu von der Königsherrschaft Gottes war. Nach dem Zeugnis der synoptischen Evangel…

Was kann der Feigenbaum dafür, dass gerade Frühling ist?

In den trüben Herbsttagen ein kleiner Ausblick auf das Frühjahr. 
»Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen?« (Mt 7,16) Im Rahmen der Bergpredigt zeigt sich Jesus orientiert über einige Grunddaten der Pflanzenkunde. In einem anderen Fall scheint er dagegen einen Grad der Vertrautheit mit Naturvorgängen an den Tag zu legen, der eher für einen Großstädter unserer Tage charakteristisch ist. In Mk 11,12-14 sucht er an einem Feigenbaum Früchte, obwohl, wie uns der Evangelist belehrt, »nicht die Zeit der Feigen war«. Kein Wunder also, dass Jesus nur Blätter fand (11,13). Erstaunlich auch die Reaktion Jesu, die an trotzige Wunder des heranwachsenden Jesus in den apokryphen Kindheitsevangelien erinnert: Jesus verflucht den Feigenbaum, in Ewigkeit soll niemand mehr von ihm eine Frucht essen (11,14). Was kann der Feigenbaum dafür, dass gerade keine Erntezeit ist? Das hat sich auch Matthäus gedacht und macht den Leser nicht darauf aufmerksam, dass der Feigenbaum von vornherein …

Sonntagsevangelium (52)

33. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 13,24-32

Kosmische Ereignisse sind der vorletzte Akt im Rahmen des Endgeschehens, das in der Endzeitrede (Mk 13) geschildert wird. Zum Verständnis des Textes muss man sich den Grundzug solcher apokalyptischen Visionen klar machen: In ihnen geht es nicht um eine protokollartige Beschreibung der Zukunft, sondern vor allem um die Bewältigung der Gegenwart (s. ausführlich dazu hier). Die Gegenwart wird als so notvoll empfunden, dass Rettung nur noch von Gott zu erwarten ist, nicht von einer Vollendung menschlicher Geschichte. Deshalb werden die Endereignisse als Katastrophen geschildert – bis hin zum Zusammenbruch der kosmischen Ordnung (13,24f).

Sonntagsevangelium (51)

32. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 12,38-44 (oder 12,41-44)

Endete das Evangelium vom letzten Sonntag mit dem Einverständnis zwischen Jesus und einem Schriftgelehrten (12,34), so bietet 12,38-40, im Ablauf des Markus-Evangeliums der übernächste Abschnitt, wieder das von Polemik bestimmte Bild. Matthäus fügt genau an dieser Stelle die Weherede gegen Schriftgelehrte und Pharisäer ein (Mt 23,1-39), Markus bietet nur ein sehr knappes Stück. Die Hörer – das sind nicht nur die Jünger, sondern auch die Volksscharen, die Jesus gern hören (12,37) – werden vor den Schriftgelehrten gewarnt (»Hütet euch ...«). Drei Vorwürfe werden vorgebracht.

Sonntagsevangelium (50)

31. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 12,28b-34

Das Gespräch über das wichtigste Gebot ist eine Perle des Markus-Evangeliums. Ein Schriftgelehrter unterhält sich mit Jesus; er äußert keinen Vorwurf, wie auch umgekehrt Jesus ihm gegenüber keinerlei Polemik erkennen lässt. Dies ist bemerkenswert, denn gewöhnlich entstehen Konflikte, wenn Jesus in den Evangelien auf Schriftgelehrte trifft.

Das Gespräch in Mk 12,28-34 fällt schon dadurch aus dem Rahmen, dass ein einzelner Schriftgelehrter, nicht eine Gruppe, mit Jesus spricht. Er stellt zudem seine Frage in guter Absicht, denn er knüpft gerade daran an, dass Jesus in der Frage nach der Totenauferstehung den Sadduzäern gut geantwortet hat (12,28; s. 12,18-27). Das heißt: Er möchte mit diesem »Lehrer« (12,32) eine wichtige Frage besprechen, weil er ihn für kompetent hält, nicht weil er ihm eine Falle stellen will (12,28; anders Mt 22,34f).

Sonntagsevangelium (49)

30. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 10,46-52

Die Geschichte von der Heilung des blinden Bartimäus hat einige auffallende Merkmale, die sie von anderen Wundererzählungenen unterscheidet. Jesus fragt, was der Blinde von ihm will (10,51) – ein einmaliger Erzählzug in den Wundergeschichten der Evangelien. Es findet sich auch kein eigentliches Heilwort im Mund Jesu, sondern nur der Zuspruch: »Dein Glaube hat dich gerettet« (10,52). Dass eine Bitte um Heilung erscheint, entspricht dem typischen Muster von Heilungswundergeschichten; nicht aber, dass sie sich fast über die ganze Geschichte hinzieht (10,47-51).

Noch einmal: Jesus und Eherecht

Der Vorsitzende des Forums deutscher KatholikenHubert Gindert, gibt in dieser Funktion immer wieder Stellungnahmen zu aktuellen Entwicklungen heraus. Dass er die Bildung der neuen Priesterinitiative im Bistum Augsburgunkommentiert ließe, war nicht zu erwarten. Und so ist wieder eine Presseerklärung  entstanden.

Mit aktuellem Seitenblick wird der Initiative ein Plagiat vorgeworfen, weil sie mit dem Motto »Mit brennender Sorge« an die Öffentlichkeit gegangen sei. Zumindest auf der Homepage der Initiative ist ein solches Motto nicht zu finden. Es wäre nicht als Plagiat einzustufen, sondern als intertextuelle Anspielung, und zwar als eine missglückte, weil »die brennende Sorge« der Enzyklika Papst Pius' XI. sich auf Probleme von ganz anderem Ausmaß gerichtet hat. Der einzige Hinweis auf das »Motto«, der sich abseits der genannten Stellungnahme im Netz entdecken ließ, deutet darauf hin, dass es aus der Überschrift der Druckausgabe der »Augsburger Allgemeinen« stammt, also wohl auf die…

Sonntagsevangelium (48)

29. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 10,35-45 (oder 10,42-45)

Unmittelbar im Anschluss an die dritte Leidensweissagung (10,32-34) richten Jakobus und Johannes die Bitte an Jesus, die Plätze zu seiner Rechten und Linken in der himmlischen Herrlichkeit zu erhalten. Zum dritten Mal folgt damit auf die Ankündigung der Passion eine unangemessene Reaktion von Jüngerseite. Zunächst hatte Petrus gegen das Leiden des Messias protestiert (8,32), beim zweiten Mal stritten die Jünger, wer von ihnen der Größte sei (9,34). Wenn es jetzt um die himmlischen Ehrenplätze geht, soll Jakobus und Johannes kaum insofern Einsicht zugeschrieben werden, als sie keine irdische Hoheitsstellung anzielen. Viel stärker erscheint der Kontrast zwischen den Aussagen über die Erniedrigung des Menschensohns und dem direkt darauf folgenden Wunsch nach himmlischer Ehre. Dazu passt, dass Jesus die beiden Brüder auf das ihnen bevorstehende Leiden verweist (in der metaphorischen Rede von Kelch und Taufe), Zusagen für die anges…

Eigenplagiat?

Gestern ist die Meldung durch die Medien gegangen, dem Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf liege ein 75-seitiges Gutachten zur Beratung vor, dem zufolge die Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan »das charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise« biete (s. hier). Ob das zutrifft oder nicht, ist nicht Gegenstand dieses Beitrags. Die Plagiatsjäger auf VroniPlag  waren jedenfalls mehrheitlich nicht der Ansicht, dass hier ein Plagiat vorliegt, das man der Öffentlichkeit zugänglich machen müsste. Ein Einzelkämpfer hat sein abweichendes Urteil ins Netz gestellt. Dies ist ein starkes Indiz dafür, dass der Fall ganz anders gelagert ist als derjenige des smarten Freiherrn. Aber das ist, wie gesagt, nicht Thema hier.

Sonntagsevangelium (47)

28. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 10,17-30 (oder 10,17-27)

Die Geschichte vom Mann, der fragt, wie das ewige Leben zu gewinnen sei, nimmt überraschende Wendungen. Zunächst verweist ihn Jesus auf die Gebote (10,19), in freier Wiedergabe der »zweiten Tafel«, also jener Gebote des Dekalogs, die sich auf das Verhältnis zu den Mitmenschen beziehen (vgl. Ex 20,12-17). Damit ist gesagt: Die Antwort auf die Frage nach dem Gewinn des ewigen Lebens kann nur in der Erfüllung des Willens Gottes liegen. Der Fragesteller lebt den Geboten Gottes entsprechend, also könnte er zufrieden sein – da erhält er ungefragt eine zweite Antwort. Nun erst kommt der Reichtum des Mannes ins Spiel, außerdem die Nachfolge Jesu, nach der er nicht gefragt hatte. So wird die Episode zur Geschichte eines Nachfolgerufes, der am Reichtum des Gerufenen scheitert.

Sonntasgevangelium (46)

27. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 10,2-16 (10,2-12)

Das Streitgespräch um die Ehescheidung (10,2-9) will Jesu Ablehnung der Ehescheidung aus der Schrift begründen. Es wird häufig dem historischen Jesus abgesprochen. Sicher trägt der Abschnitt Spuren urchristlicher Überlieferung (etwa in der Verwendung der griechischen Übersetzung von Gen 2,24), dennoch dürfte der Kernbestand ins Wirken Jesu zurückreichen. Jesus kann kaum darauf verzichtet haben, seine Ablehnung des Scheidebriefs zu begründen. Außerdem hat der Begründungsweg im Streitgespräch eine Parallele in der Art und Weise, wie Jesus seine Sabbatpraxis rechtfertigt. Wie er sich auf den ursprünglichen Schöpferwillen bezieht, um den Sinn des Sabbats als Einrichtung zum Wohl des Menschen zu kennzeichnen (Mk 2,27), so ist auch hier der ursprüngliche Wille Gottes entscheidend.

War er nun, oder war er nicht?

Dass ein Papyrusfetzen das Interesse der Medien findet, ist eigentlich nicht zu erwarten - es sei denn, es gibt einen Hinweis, der das überlieferte Jesusbild in Frage stellt: War Jesus verheiratet? Diese Frage beschäftigte in den den letzten zwei Wochen so manche Feuilleton- oder Wissensseite in den Zeitungen, nachdem auf einem Koptologen-Kongress in Rom ein kleines Papyrus-Fragment präsentiert worden war, in dem Jesus meine Frau erwähnt. Dr. Stephan Witetschek, Habilitand an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München, hat an dem genannten Kongress teilgenommen und die anschließende Diskussion verfolgt. Ich habe ihn gebeten, seine Einschätzung zur Debatte um die Echtheit des Fragments darzulegen (die Links führen überwiegend auf Seiten aus dem englischsprachigen Raum, wo die Debatte besonders intensiv geführt wird ). 


Von Stephan Witetschek

Zwei Wochen sind eine lange Zeit – jedenfalls in den Medien. Zwei Wochen ist es nun her, dass Prof. Dr. Karen King (Harvard) be…

Sonntagsevangelium (45)

26. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 9,38-43.45.47-48

Wurde die Belehrung über das Dienen durch eine Frage Jesu ausgelöst (Mk 9,33, s. Evangelium vom letzten Sonntag), so leitet die Bemerkung eines Jüngers das nächste Thema ein: Wie sollen sich die Jünger zu jemandem verhalten, der im Namen Jesu Dämonen austreibt, aber nicht zur eigenen Gruppe gehört (9,38)? Auffällig ist die Formulierung, die den Außenstehenden charakterisiert: »... weil er uns  nicht nachfolgt.« Sie weist darauf hin, dass eine Frage der urchristlichen Gemeinde verhandelt wird. Bei einem Bezug auf das Wirken des geschichtlichen Jesus wäre zu erwarten, dass die Nachfolge auf Jesus  bezogen wäre. Der fremde Wundertäter handelt also wie die Apostel in der Erzählung der Apostelgeschichte unter Anrufung des Namens Jesu (s. Apg 3,6; 9,34; 16,18), bekennt sich aber nicht zum Christusglauben.

Prozess gegen den Dialog

Am vorletzten Wochenende fand in Hannover die zweite Runde des Dialogprozesses statt. Anders als im letzten Jahr kann ich nicht als Teilnehmer berichten, sondern nehme nur die Reaktionen auf diese Veranstaltung wahr. In diesem Beitrag soll es nur um die unfreundlichen gehen. Sie werden dadurch verstärkt, dass zur selben Zeit der Kongress »Freude am Glauben«, veranstaltet vom »Forum Deutscher Katholiken«, stattfand. Denn so können die Berichte über dieses Ereignis mit der Kritik am Dialogprozess verbunden werden. 

Kritische Stimmen

Dass Pater Walter Ockenfels auf jenem Kongress keine lobenden Worte zum Dialogprozess fand, überrascht nicht im Übermaß. Was einem Sachargument wenigstens entfernt ähneln könnte, wird in dem kurzen Bericht auf kath.net allerdings nicht mitgeteilt. Es »gebe es bisher keine Rückbesinnung auf den Kern des Glaubens« und da sei »Nichts Neues unter der Sonne, sondern nur viel Schatten«. Die Kirche habe ein »gewaltiges Führungsproblem«, es gebe zu wenig »kritische un…

Sonntagsevangelium (44)

25. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 9,30-37

Zum zweiten Mal im Verlauf des Markus-Evangeliums kündigt Jesus sein Leiden an (s. 8,31). Wieder richtet sich die Ankündigung an die Jünger, nun sogar deutlicher als ausschließliche Hörer des Jesus-Wortes gekennzeichnet (9,30). Wieder aber verstehen sie das Wort nicht, wie ausdrücklich festgestellt (9,32) und in der folgen den Szene illustriert wird durch den Streit der Jünger, wer unter ihnen der Größte sei (9,34; zum Motiv des Jüngerunverständnisses s. hier). Eine solche Frage steht in starkem Kontrast zur Erniedrigung des Menschensohnes, von der gerade die Rede war. Wer sich der eigenen Größe vergewissern will, kann den Weg des Menschensohnes in die Niedrigkeit nicht verstehen. Markus kommt es wohl nur auf diesen Kontrast an. Deshalb speilt die Frage, worauf sich das Großsein genau bezieht, keine Rolle. 

Sonntagsevangelium (43)

24. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 8,27-35

Verstehen und Unverständnis liegen im Messiasbekenntnis des Petrus nahe beieinander. Gegen die umlaufenden falschen Meinungen über Jesus (8,28) bekennt Petrus als Sprecher der Jünger Jesus richtig als den Messias. Doch was dies bedeutet, hat er noch nicht erfasst. Der Messias-Titel wird nachfolgend ausgelegt auf das Leiden und so, verglichen mit der alttestamentlich-jüdischen Tradition, mit neuem Sinn gefüllt (8,31). Zugleich erfährt auch die Rede von Jesus als dem Menschensohn im Ablauf des Markus-Evangeliums eine neue Nuance. Bislang war sie auf die Vollmacht ausgerichtet (2,10.28), jetzt erscheint der Menschensohn als Leidender (siehe auch 9,31; 10,33f). 

Die Vergebungsbitte des Vaterunsers

Die Universitätsgottesdienste der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität München waren in diesem Sommersemester dem Vaterunser gewidmet. Ich wurde eingeladen, in der Predigtreihe die Predigt zur fünften Bitte zu halten. Kleine Vorwarnung: Der Text ist etwas länger als sonstige Beiträge auf diesem Blog. 

»Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern«

Liebe Gemeinde!

Ein Gebet, das seit Kindertagen vertraut ist und täglich gesprochen wird, trägt biographische Spuren an sich. Ich verbinde gerade mit der Vergebungsbitte eine besondere Erinnerung. Die Zeile »... wie auch wir vergeben unseren Schuldigern« blieb mir als Kind lange Zeit verschlossen. Aus dem Substantiv Schuldigern hatte ich das Adverb gern herausgehört und war dann damit überfordert, dem Rest des Wortes, den Schuldi, einen Sinn abzugewinnen. Man sollte irgendwie gern vergeben – das war für mich die Botschaft dieses Satzes. Dass ich jetzt im Auszug aus Luthers Kleinem Katechismus auf de…

Sonntagsevangelium (42)

23. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 7,31-37

Die Geschichte von der Heilung eines Taubstummen zeigt den typischen Aufbau einer Wundergeschichte, zeichnet sich aber auch durch einige Besonderheiten aus. So ist die Wunderhandlung recht breit geschildert - ähnlich nur noch in 8,22-26 -, und sie schließt die Verwendung heilender Mittel ein. Matthäus und Lukas haben diese Geschichte nicht übernommen.

Dass Jesus den Finger in die Ohren des Tauben steckt (7,33), könnte zu verstehen sein als zeichenhafte Durchbrechung des verschlossenen Gehörganges. Vielleicht erklärt sich der Gestus auch aus der Vorstellung heilender Kraftübertragung, die besonders über die Hand geschieht. Speichel galt in der Antike als Heilmittel, wohl weil er als Ausscheidung des Mundes in Beziehung zum Atem gesehen wurde, und damit als Träger besonderer Lebenskraft.

Sonntagsevangelium (41)

22. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 7,1-8.14-15.21-23

Die Debatte über rein und unrein (Mk 7,1-23) geht aus von einer Kritik der Pharisäer am Verhalten der Jünger Jesu: Sie waschen sich vor dem Essen nicht die Hände und halten sich so nicht an die »Überlieferung der Alten«. Mit diesem Begriff wird die in pharisäischen Kreisen mündlich weitergegebene Auslegung des Gesetzes bezeichnet. Die Tora selbst schreibt das Händewaschen vor dem Essen nicht vor. Allein in Regelungen für Priester im Tempeldienst finden sich entsprechende Bestimmungen (vgl. Ex 30,17-21). Dass die Pharisäer sie in den Alltag übertragen, passt in das Bild dieser Gruppe: Sie hat sich besonders um kultische Reinheit bemüht und sich dabei an den umfänglicheren Vorschriften für Priester orientiert, obwohl ihre Mitglieder dazu nicht verpflichtet waren.

Sonntagsevangelium (40)

21. Sonntag im Jahreskreis (B): Joh 6,60-69

Reaktionen der Volksmenge oder »der Juden« auf die Selbstoffenbarung Jesu unterbrechen immer wieder die Brotrede in Joh 6: in dialogischen Elementen (6,28.30f.34) oder im ablehnenden Murren und Streiten (6,41.52). Eine abschließende Antwort nach dem Ende der Rede geben aber allein die Jünger Jesu. Ihre Reaktion ist gespalten; darin schlagen sich wahrscheinlich Spaltungen innerhalb der johanneischen Gemeinde nieder. Viele Jünger sagen sich von Jesus los (6,60.66). Die anderen Evangelien kennen eine solche »galiläische Krise« nicht. Der Erzähltext wird hier wohl durchsichtig auf die Geschichte der Adressaten.

Sonntagsevangelium (39)

20. Sonntag im Jahreskreis (B): Joh 6,51-58

Am Ende von 6,51 kommt es innerhalb der Brotrede zu einem grundlegenden Wechsel der Brotmetaphorik. (1) Hieß es bislang, Jesus sei das Brot, so wird nun ohne jede nähere Erläuterung gesagt, er werde dieses Brot geben. Dass er sich als Lebensbrot selbst gebe, ist in der Brotrede bis zu dieser Stelle nicht vorbereitet und würde die bis dahin erkennbare Metaphorik verengen. (2) Nun ist nicht mehr »Brot« der prägende Begriff, sondern »Fleisch« und »Blut« des Menschensohnes. Eine innere Verbindung zur Brotrede ergibt sich höchstens in der Gleichsetzung von »Brot« und »Fleisch«; dass man das Blut des Menschensohnes trinken müsse, ist ein neuer Gedanke. (3) War bislang in der Stellung zu Jesus als dem Lebensbrot der Glaube entscheidend, so ist dieses Stichwort im »eucharistischen Abschnitt« (6,51c-58) abwesend. Hier geht es nur um das Essen des Fleisches und Trinken des Blutes. Diese Beobachtungen legen nahe, dass der Abschnitt 6,51c–58 ein späterer…

In eigener Sache

Ich gönne mir für wenigstens eine Woche eine Pause und lasse die Kommentarspalten am Urlaub teilhaben. Die Beiträge zum Sonntagsevangelium sollen trotzdem erscheinen. Allen Leserinnen und Lesern einen erholsamen sonnigen Sommer!

Sonntagsevangelium (38)

19. Sonntag im Jahreskreis (B): Joh 6,41-51
Die Hörer der Brotrede nehmen Anstoß an Jesu Selbstbezeichnung als das vom Himmel herabgestiegene Brot. Sie sehen einen Widerspruch zu der ihnen bekannten irdischen Herkunft Jesu. Ist ihr Fehler, dass sie die irdischen Eltern Jesu zu kennen meinen, während Jesus als Geistgezeugter doch keinen irdischen Vater hat? Das Johannes-Evangelium bietet die Aussage von der geistgewirkten Empfängnis allerdings nicht. In Joh 1,45 stellt Philippus Jesus dem Natanael als denjenigen vor, von dem Mose und die Propheten geschrieben haben, und identifiziert ihn dann als »Jesus, Sohn Josefs, von Nazaret«. Dass Philippus hier etwas Falsches sagte, ist aus dem Zusammenhang nicht zu erkennen. Der Evangelist kann also durchaus von der irdischen Vaterschaft Josefs ausgegangen sein, entscheidend ist aber in seinen Augen, Jesus nicht nach dieser irdischen Herkunft zu beurteilen. Wer Joseph für den Vater hält, hat nicht verstanden, wessen Sohn Jesus in Wirklichkeit ist…

Wunder und »Kinderglaube«

In den Kommentaren wurde neulich angeregt, hier auf einen Gastbeitrag von Eduard Habsburg auf kath.neteinzugehen, der vor allem die Haltung zur Historizität von Wundererzählungen im Neuen Testament behandelt. Aufhänger ist das Erlebnis eines Theologiestudenten: Er wurde auf seine Frage, ob die Geschichte von der Brotvermehrung nicht doch in der Form historisch sein könne, wie sie im Neuen Testament erzählt werde, von einem Professor mit den Worten abgekanzelt, er solle endlich seinen lächerlichen Kinderglauben ablegen. Der Autor fragt daraufhin:
»Ist es 'lächerlicher' 'Kinderglaube', darauf zu vertrauen, dass die Ereignisse des Lebens Jesu sich in etwa so abgespielt haben, wie das Neue Testament sie berichtet?« Und er lehnt eine solche Konsequenz aus drei Gründen ab.

Sonntagsevangelium (37)

18. Sonntag im Jahreskreis (B): Joh 6,24-35

Die Erzählung von der Brotvermehrung endete mit dem Rückzug Jesu von der Volksmenge. Am folgenden Tag kommt es - nach der im Jüngerkreis spielenden Geschichte vom Seewandel (Joh 6,16-21) - wieder zum Zusammentreffen, weil die Menge Jesus sucht (6,22-24). 

Jesus greift diese Suche auf und benennt ihren eigentlichen Grund: Die Leute haben das Wunder der Brotvermehrung nicht als Zeichen verstanden, sondern ist bei dem äußeren Geschehen der Sättigung mit Broten stehen geblieben (6,26). Diese Aussage kann als Schlüssel zur Zeichen-Theologie des Johannes-Evangeliums verstanden werden. Johannes ist der einzige Evangelist, der den Begriff »Zeichen« in positivem Sinn für die Wunder Jesu verwendet. Recht verstanden sind ihm zufolge die Wunder dann, wenn sie als Verweis auf den Wundertäter verstanden werden und zum Glauben an ihn führen. Jesus bescheinigt seinen Hörern, dass sie diesen Schritt nicht getan haben. Die Kritik weist, wenn man den Ausgang der…

Wie viele bayerische Ortschaften werden in der Bibel erwähnt? (2)

Angestoßen durch die vor einem Jahr referierten Forschungen zur Erwähnung bayerischer Ortschaften in der Bibel wurde das  Institut für bayerisch-biblische Textforschung gegründet, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Studien auf dem genannten Gebiet voranzutreiben. Dabei zeigte sich, dass dem bereits damals erwähnten  Codex Aloisii Bavarensis rescriptus eine herausragende Bedeutung zukommt: Er bietet, verglichen mit dem Hauptstrom der Textüberlieferung, zahlreiche Sonderlesarten, die aber in vielen Fällen Anspruch auf Ursprünglichkeit erheben können. 

Allerdings ist es auch diesem Codex nicht gelungen, alle preußischen Einträge in der Texttradition rückgängig zu machen. So wird in Ps 137,2 eine bayerische Stadt ausgerechnet nach Babylon verlegt:
»Wir hängten unsre Harfen an die Weidenin jenem Land.« Diese Verbindung ist umso erstaunlicher, als Berlinangesichts des Buchstabenbestandes eindeutig besser als Chiffre fürBabylonfungieren könnte. Nicht jedes Rätsel der Textüberlieferung l…

Sonntagsevangelium (36)

17. Sonntag im Jahreskreis (B): Joh 6,1-15
Der Evangelist Johannes lässt in die Erzählung von der Speisung der 5000 einige Merkmale einfließen, die für seine Jesus-Darstellung typisch sind und in den Fassungen der anderen Evangelien fehlen. Dies betrifft zunächst den Grund des Zuspruchs, den Jesus bei den Volksscharen findet: die Zeichen, die Jesus an den Kranken gewirkt hat (6,2). Dass die Wunder Jesu in positivem Sinn Zeichen genannt werden, ist eine Eigenheit des Johannes-Evangeliums. Bei Markus, Matthäus und Lukas erscheint dieser Begriff nur im Zusammenhang der Zeichenforderung: Jesus soll seine Sendung durch eine Wundertat beglaubigen - ein Ansinnen, dem nie entsprochen wird (z.B. Mk 8,11-13). Johannes macht mit seiner Redeweise auf den zeichenhaften Sinn der Wunder Jesu aufmerksam: Sie weisen hin auf die Bedeutung des Wundertäters und wollen den Glauben an ihn hervorrufen (z.B. Joh 2,11). Das ist auch Ziel der Brotvermehrung. Mit ihr beginnt ein thematischer Bogen, der in der B…

Sonntagsevangelium (35)

16. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 6,30-34

In dem kurzen Stück, das zur Speisung der 5000 führt, greift Markus den Erzählfaden der Jüngeraussendung auf. Die Jünger kehren zurück und berichten von ihren Erfahrungen. Näheres wird allerdings nicht mitgeteilt. Im Grunde wird nur die zusammenfassende Aussage von 6,12f aufgegriffen und im Rückblick noch weiter verkürzt. Das Wirken in Wort und Tat wird nur im Rahmen eines Berichts an Jesus erwähnt, aber nicht für die Leser entfaltet. An solchen Details ist der Evangelist nicht interessiert. Ein plastisches Bild lässt er nur für die Rückkehrszene entstehen: Der Rückzug Jesu mit den Jüngern bringt nicht länger als für die Zeit der Überfahrt im Boot etwas Ruhe, weil die zu Jesus drängende Menge ihnen auf dem Landweg zuvorkommt.

Der Abschnitt enthält so viele Züge, die für das Markus-Evangelium typisch sind, dass man annehmen muss: Der Evangelist hat diese Einleitung im Wesentlichen selbst gestaltet. 

Wer ist hier nicht ganz dicht?

Die Metaphorik vom Undichten lässt sich auf verschiedene Art einsetzen. Die »Vatileaks-Affaire« gibt seit einiger Zeit Anlass für den wohl häufigsten Gebrauch: im Zusammenhang mit Geheimnisverrat. Das Satire-Magazin Titanic griff die Metaphorik auf und bezog sie in einer Fotomontage ohne metaphorischen Sinn auf Blasen- und Schließmuskelschwäche des Papstes. Ob die Redaktion dabei selbst ganz dicht war oder an Synapsen-Inkontinenz litt, wird nun seit einigen Tagen diskutiert. Auslöser der Diskussion ist ein Urteil des Landgerichts Hamburg: Es hat einer Klage des Papstes stattgegeben, der seine Persönlichkeitsrechte verletzt sah, und eine einstweilige Verfügung erlassen, die es Titanic verbietet, das Bild weiter zu verbreiten.  

Der Deutsche Journalisten-Verband hat das Urteil kritisiert, er sieht »die Freiheit der Satire« verletzt. Die Darstellung sei legitim, denn: Der Papst »wurde von Titanic als Sinnbild für die Kurie des Vatikan mit satirischen Mitteln an den Pranger gestellt, der d…

Sonntagsevangelium (34)

15. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 6,7-13

In der Aussendung der Zwölf wird eine der beiden Funktionsbestimmungen aufgegriffen, die sich im Markus-Evangelium mit der Berufung des Zwölferkreises verbindet: Sie sollen  bei Jesus sein, aber auch ausgesandt werden (3,14). 

Verglichen mit den Aussendungsreden bei Matthäus und Lukas sind die Anweisungen zur Reiseausstattung der Boten in der Fassung des Markus etwas gemildert: Es ist ihnen erlaubt, einen Stab mitzunehmen und Sandalen zu tragen (Mk 6,8f; anders Lk 9,3; 10,4). Es ergibt sich aber auch bei Markus der Eindruck äußerster Bedürfnislosigkeit, denn jegliche Vorsorge für den Reiseproviant wird abgelehnt: nicht nur die Mitnahme von Brot, sondern auch einer Vorratstasche, in der man unterwegs erbettelte Nahrung oder Münzen hätte verstauen können (6,8). 

»Aber von dem hier wissen wir, woher er stammt« (Joh 7,27)

In die Jubelarien zur Ernennung von Bischof Gerhard Ludwig Müller zum Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre mischen sich nicht nur kakophonische Trillerpfeifen aus dem Lager der Piusbrüder. Auch weniger extreme Kreise wechseln zumindest für einige Takte in die Moll-Tonart. Denn die Biographie des Neuernannten weist ein Kennzeichen auf, das manche als Makel deuten: Er ist Schüler von Karl Lehmann. Da dies in der Leserschaft von kath.net geradezu als Charakterfehler gewertet werden kann (s. Marcus; Dismas; jean-louis) sieht sich Armin Schwibach zu einer Verteidigung veranlasst, die zumindest das Potential hat, als weiterer Tritt ans Schienbein des Kardinals verstanden zu werden: 

Sonntagsevangelium (33)

14. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 6,1b-6

Der Auftritt Jesu in der Synagoge von Nazaret (6,1f) beginnt zunächst wie das erste öffentliche Wirken in der Synagoge von Kapharnaum (1,21f): Jesus lehrt am Sabbat, und die Zuhörer geraten über seine Lehre ins Staunen (diese Reaktion ist im Urtext, anders als in der Einheitsübersetzung, in beiden Fällen mit demselben Wort bezeichnet). Das Staunen führte in Kapharnaum zur positiv gemeinten Frage nach Jesu Lehre und Person (1,27f), in Nazaret dagegen steht am Ende die Ablehnung Jesu (6,3). Die Zuhörer fragen hier nach dem »Woher« von Jesu Weisheit und Machttaten; und da sie über die (irdische) Herkunft Jesu bestens unterrichtet sind, akzeptieren sie nicht, dass Jesus in göttlicher Vollmacht wirkt.

Sonntagsevangelium (32)

13. Sonntag im Jahreskreis (B):Mk 5,21-43 (oder 5,21-24.35b-43)
Die Erzählung von der Heilung der an Blutungen leidenden Frau (Mk 5,25-34), eingebunden in die Geschichte von der Auferweckung der Tochter des Jairus, nimmt unter den Heilungswundergeschichten eine Sonderstellung ein. Es fehlen einige typische Züge. So gibt es keine Bitte um Heilung; die Heilung wird nicht als Aktion des Wundertäters erzählt; dass sie geschehen ist, wird nicht durch einen demonstrativen Zug unterstrichen; eine Reaktion von Zeugen des Wunders unterbleibt. 

Diese Besonderheiten sind natürlich auch durch die Besonderheit der Krankheit bedingt. Anders als bei Gelähmten, Blinden, Taubstummen, Aussätzigen ist die Krankheit der Frau für andere nicht erkennbar. So spielt sich die ganze Geschichte nur zwischen der Frau und Jesus ab. Die Jünger zeigen durch ihren Einspruch nur, dass sie von dem Geschehen nichts mitbekommen (5,31).

Sonntagsevangelium (31)

Geburt des hl. Johannes des Täufers: Lk 1,57-66.80
Allein das Lukas-Evangelium kennt eine »Kindheitsgeschichte« Johannes des Täufers. Die Erzählung von der Geburt ist in mehreren Erzählzügen in den literarischen Kontext eingebunden. Dass ausdrücklich gesagt wird, dass die Zeit der Geburt für Elisabet herangekommen war (V.55), greift die Notizen über Elisabets Schwangerschaft auf: Sie hat sich fünf Monate verborgen (1,24), die Verkündigung an Maria ergeht im sechsten Monat (1,26.36). Dass Zacharias für seinen Zweifel an der Zusage des Engels mit Stummheit geschlagen wird (1,20), spielt in die Episode der Namensgebung herein.

Ist die LXX eine XXL-Bibel?

Auf den ersten Blick könnte man meinen, LXX sei eine nach Art des Hebräischen von rechts nach links gelesene Konfektionsgröße für etwas großzügiger geschnittene Kleidungsstücke. Tatsächlich haben wir es aber mit dem römischen Zahlzeichen für »siebzig« zu tun. In der Bibelwissenschaft kürzt man damit die älteste griechische Übersetzung des hebräischen Alten Testaments ab, die so genannte Septuaginta. Dieser Name bedeutet nichts anderes als »siebzig«, aber auf lateinisch klingt es natürlich etwas edler.

Sonntagsevangelium (30)

11. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 4,26-34

Das Markus-Evangelium bietet 4,1-34 eine kleine Gleichnisrede, die abgesehen von den Zwischenbemerkungen in 4,10-12 und 4,21-25 durchwegs das Bildfeld der Aussaat aufgreift und in verschiedenen Variationen einsetzt. Der Evangeliumstext dieses Sonntags wird von den letzten drei Abschnitten gebildet: Gleichnis von der selbstwachsenden Saat (4,26-29), Gleichnis vom Senfkorn (4,30-32), Abschlussnotiz des Erzählers (4,34f). 

Das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat

Das Gleichnis beschreibt den Vorgang von Aussaat zur Ernte. Nachdem die Aussaat festgestellt ist, wird herausgehoben, dass der Säende mit der folgenden Entwicklung nichts zu tun hat: Er schläft des Nachts, am Tag geht er seinem Tagewerk nach; in dieser Zeit sprosst die Saat und wächst hoch. Beides hat nichts miteinander zu tun. Das wird ganz deutlich durch die Abschlussbemerkung von V.27: Der Mensch, der ausgesät hat, weiß nicht, wie das Wachstum geschieht, hat also keinen Einfluss auf …

Sonntagsevangelium (29)

10. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 3,20-35
In Mk 3,20-35 werden zwei Erzählstränge ineinander verwoben. Die Passage ist ein Beispiel für die so genannte »Schachteltechnik«, die im Markus-Evangelium dreimal angewandt wird: Ein begonnener Erzählfaden wird durch eine zweite Erzählung unterbrochen, nach deren Abschluss er wieder aufgenommen und zu Ende geführt wird (s.a. Mk 5,21-43; etwas anders in 14,56-72).

Im ersten Strang geht es um das Verhältnis Jesu zu seinen Verwandten. Es wird zunächst von Seiten der Verwandten aus bestimmt: Sie ziehen aus, um Jesus zu ergreifen, weil sie ihn für verrückt halten (3,21). Weder Matthäus noch Lukas haben diese Szene übernommen. Sie haben sie wohl als anstößig empfunden, was auch damit zusammenhängen dürfte, dass sie weitere Traditionen über die Familie Jesu bieten, vor allem in den »Kindheitsgeschichten« (Mt 1-2; Lk 1-2). Nach deren Darstellung wäre es recht unerklärlich, wenn die Familie Jesu, durch göttliche Boten über die Würde Jesu unterrichtet,…

Immer diese Erdbeben ...

Erdbeben sind Katastrophen: in jedem Fall für diejenigen, die unmittelbar von ihnen betroffen sind; manchmal auch für die Auslegung der Bibel. Die Deutung von Erdbeben als Zeichen für das nahe Weltende war hier schon zweimal Thema (s. hier und hier), nun kommt eine neue Variante hinzu. Aus Spuren eines Erdbebens am Toten Meer, »das die Geologen auf den Zeitraum zwischen 26 und 36 datieren« (so die Nachricht auf kath.netmit Bezug auf eine Meldung von Discovery News), sollen Hinweise auf das Todesdatum Jesu am 3. April 33 gewonnen werden.

Es überrascht, dass die angegebene Zeitspanne genau mit der Amtszeit des Pontius Pilatus übereinstimmt. Aber nun gut, nehmen wir diesen Zufall einmal hin. Noch erstaunlicher ist dann allerdings die Nachricht, die Ergebnisse würden nicht ausreichen, um das Todesdatum Jesu genauer zu bestimmen. Deshalb seien »weitere Faktoren« herangezogen worden. Damit hebt sich die Nachricht von der Bedeutung des Erdbebens für die Datierung des Todes Jesu selbst auf: D…

Sonntagsevangelium (28)

Dreifaltigkeitssonntag (B): Mt 28,16-20
Der Schlussabschnitt des Matthäus-Evangeliums kann als Schlüssel zum ganzen Werk verstanden werden. Jesus als Träger universaler Vollmacht (28,18) – dies erklärt das im ganzen hoheitliche Bild des irdischen Jesus bei Matthäus. Jesus spricht davon, dass ihm alles (wohl: alle Macht) von seinem Vater übergeben sei (11,27). Die Jünger bekennen ihn kniefällig als den Sohn Gottes (14,33) und rufen ihn als Herrn an (8,25). An beiden Stellen hat Matthäus seine Vorlage im Markus-Evangelium geändert: das Gottessohn-Bekenntnis ersetzt die Notiz, die Jünger hätten keine Einsicht gewonnen (Mk 6,52); die Bitte an den Herrn um Rettung tritt an die Stelle eines Vorwurfs (Mk 4,38). 

Sonntagsevangelium (27)

Pfingstsonntag: Joh 20,19-23 oder 15,26-27; 16,12-15

Zu Joh 20,19-23 s. hier. Die folgenden Überlegungen beziehen sich auf den Alternativtext. 

Die Gegenwart Jesu im Geist nach seiner Rückkehr zum Va­ter: dies ist das eine große Thema der sogenannten »Para­klet-Sprüche« in den Abschiedsreden des Johannes-Evange­liums. Das griechische Wort, das unübersetzt mit »Paraklet« wiedergegeben wird (παράκλητος), bedeutet wörtlich »der Herbeigerufene« und bezeichnet ursprünglich vor allem den Beistand vor Gericht, ohne allerdings auf diesen Bereich festgelegt zu sein. Es kann sich um einen Fürsprecher jedweder Art handeln. Außerdem erhielt der Begriff »Paraklet« auch den Sinn: einer, der ermutigt, tröstet, mahnt, belehrt. Die Begriffsgeschichte zeigt eine außerordentliche Anpassungsfähigkeit des Ausdrucks. In den Abschiedsreden kann dessen Bedeutung wohl am besten mit  »Beistand« wiedergegeben werden. 

»Pro multis«, contra Lehmann et Papam

Die Debatte über das »pro multis« hat gestern ein kleines Lehrstück darüber geliefert, wie Texte so wahrgenommen werden können, dass man schon nicht mehr von wahrnehmen sprechen kann. Es scheint ein psychologisches Gesetz zu sein: Hat man sich erst einmal mit seinem Feindbild angefreundet, wirkt es wie ein Filter, der nur noch durchlässt, was zu diesem Bild passt. Manche sich besonders katholisch wähnende Kreise haben Kardinal Lehmann als einen Feind auserkoren, dessen Äußerungen zu äußerst heftigen Reaktionen führen. Mit Schaum vor dem Mund werden mir erregten Fingern herabwürdigende Kommentare in die Tastatur gehämmert - die moderne Internet-Variante der Maul- und Klauenseuche (stomatis epidemica commentatorum).

Was hat Kardinal Lehmann nun Furchtbares gesagt? Folgende Meldung auf kath.net hat dazu geführt, dass nicht wenige Kommentatoren den Jauchekübel hervorgeholt und sich als Abonnenten einer Unflat-Rate zu erkennen gegeben haben:

Sonntagsevangelium (26)

7. Sonntag der Osterzeit (B): Joh 17,6a.11b-19

Am Ende der Abschiedsreden spricht Jesus nicht mehr mit den Jüngern, sondern wendet sich im so genannten »hohepriesterlichen Gebet« an den Vater (ab 17,1).  Jesus bittet um die Einheit der Jünger. Dieser Ge­danke klingt zunächst nur kurz an (17,11), er kommt aus­führlicher zur Sprache in der Bitte, die auch die Glaubenden der späteren Zeit einschließt (17,20-23). In ihr wird ausdrücklich, was die Abschiedsreden insgesamt kennzeichnet: die literarischen Figuren der Jünger sind transparent für die Glaubenden. Die Abschiedsreden bedenken die Situation nach dem Weggang Jesu und haben deshalb alle im Blick, die sich zu Jesus bekennen, nicht allein die Begleiter Jesu. 

Außerdem begegnet der Gedanke der Bewahrung der Jünger: Keiner von ihnen ging verloren (17,12). Dieser Gedanke ist bereits in der Brotrede angeklungen (6,39), und er wird in der Verhaftungsszene aufgegriffen, wenn das Einschreiten Jesu für seine Jünger (»lasst diese gehen«) als Erf…

Aufbruchsschelte

Der Katholikentag in Mannheim weckt, angesichts der derzeitigen Polarisierungen nicht ganz überraschend, nicht nur freudige Erwartungen. Wer als Veranstalter das »sogenannte Zentralkomitee der deutschen Katholiken« ausmacht oder ein  »Nein-danke: ZdK«-Video ins Netz stellt, wird zu einer positiven Würdigung des Katholikentags wenig geneigt sein. In scharfer Form hat jetzt Alexander Kissler im Vatican-Magazin das Motto des Treffens aufs Korn genommen: »Einen neuen Aufbruch wagen«. Er spielt mit der Mehrdeutigkeit des Substantivs »Aufbruch«, mehr noch des Verbs »aufbrechen« und weist auf die negative Bedeutung hin.
»Wenn ein gebrochener Knochen nicht heilen will, bricht er auf. Wenn eine Wunde sich nicht schließt und zu eitern beginnt, kann sie aufbrechen. Wenn die Erde bebt, Häuser wanken und die Straße die Menschlein in den Abgrund zieht, bricht der Asphalt auf. Aufbrüche sind Katastrophen. Sie ereignen sich am Zenit einer Fehlentwicklung. Dann hilft nur Ruhe, Schonung, Gottvertrauen.…

Sonntagsevangelium (25)

6. Sonntag der Osterzeit (B): Joh 15,9-17

Auf das Bildwort vom wahren Weinstock folgt ein Abschnitt, der die Stich­worte »bleiben« und »Fruchtbringen« aufgreift und näher auslegt auf die Liebe hin. Sie verbindet Gott, Jesus und die Glaubenden miteinander.

Als Grundlage dieses Verhält­nisses erscheint die Liebe des Vaters zum Sohn, aus der die Liebe des Sohnes zu den Jüngern erwuchs. In ihr sollen die Jünger bleiben (15,9). Die Erwartung, dass dies durch die Liebe der Jünger zu Jesus geschieht, wird zu­nächst durchkreuzt. Die Jünger bleiben in Jesu Liebe vielmehr dadurch, dass sie seine Gebote halten (15,10). Die Rede von Jesu Geboten wird in der Folge auf ein Gebot reduziert: gegenseitige Liebe der Glaubenden nach dem Vorbild der Liebe Jesu (15,12).

Endzeitpropheten

Die evangelische Nachrichtenagentur IDEA berichtet über Beiträge, die pfingstkirchliche Theologen in der Zeitschrift »GEISTbewegt« zur Frage nach den Zeichen der Endzeit veröffentlicht haben. Zwar wird geurteilt, dass sich alle Festlegungen der Vergangenheit als falsch erwiesen hätten - eine Analyse, der angesichts des bisher nachweislich ausgebliebenen Weltuntergangs nur wenige widersprechen werden. Dennoch wagt der Autor eines Beitrags, Pastor Hanspeter Weber, eine Prognose: »So nahe wie jetzt war die Menschheit dem Ende noch nie.« Nun ist auch dies auf den ersten Blick eine recht unstrittige Aussage, doch hat der Pastor sicher nicht mitteilen wollen, dass sich seiner Auffassung nach der Zeitstrahl ununterbrochen in dieselbe Richtung bewegt. Immerhin hat er für seine banal klingende Aussage ein prominentes Vorbild, das uns bei der Auslegung seines Satzes helfen kann.

Sonntagsevangelium (24)

5. Sonntag der Osterzeit (B): Joh 15,1-8

Wie beim Bildwort vom guten Hirten geht es auch bei der Metapher von Jesus als dem wahren Weinstock um die Verbundenheit Jesu mit den Glaubenden. Zwar scheint diese Verbundenheit aufgrund der Rede von Weinstock und Rebzweigen nun stärker auf organische Einheit hin akzentuiert zu sein. Es lässt sich ja bei der Gleichsetzung des Weinstocks mit Jesus und der Rebzweige mit den Jüngern im Bild insofern keine Trennung durchführen, als der Weinstock die Rebzweige schon einschließt. Andererseits zeigt diese Zuordnung von umfassender Größe (Weinstock) und Einzelelement (Rebzweig), dass die beiden Teile dieser Einheit nicht gleichwertig gedacht sind. Das Bild wird auch ausdrücklich nur auf die Abhängigkeit der Rebzweige vom Weinstock hin ausgelegt. Es entfaltet also den Grundgedanken, dass die Glaubenden mit Jesus verbunden sein müssen. 

Deshalb gewinnt das Stichwort bleiben tragen­de Bedeutung. Da es um ein gegenseitiges Ineinander-Blei­ben geht (15,4), …